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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Das ist unmöglich«, murmelte Nill und kniff die Augen zu.

»Zweimal im Jahr ist es möglich. Doch man kann den Vollmond und alle Sterne nur von unseren Elfendörfern aus sehen. Und sonst von keinem anderen Ort der Welt.«

»Wie?« Nill konnte den Blick nicht vom Himmel lösen. Es sah mehr als merkwürdig aus und dabei wunderschön.

»Nun«, antwortete Aryjen, »es ist die Nacht, in der Unmögliches möglich wird. Sieh, Vollmond und Sterne teilen sich den Himmel. Und aus diesem Grund wurde auch Erijel heute bestattet. Es bringt Glück, weißt du, ins Reich des Todes überzutreten, wenn Dämonennacht ist. Es heißt, dass der Tote die Unterwelt dann stets verlassen kann, um seine Liebsten zu besuchen. In dieser Nacht sollen die Tore aller Welten offen stehen. Der Tod trifft auf das Leben und sie tanzen miteinander, ohne dass der eine den anderen zu besiegen versucht. Und auch die Jungen und Mädchen in unserem Dorf tanzen bei den Feuern, bis der Morgen hereinbricht, denn die Dämonennacht ist die Nacht, in der schon so manches unerreichbare Herz erobert wurde.«

Nill sah Aryjen an. Während sie gesprochen hatte, schien die Nacht ganz plötzlich über ihnen hereingebrochen zu sein, das Gesicht der Königin hatte sich verdunkelt, und nun fiel das Licht der großen Lagerfeuer auf ihr Lächeln.

»Komm«, sagte Aryjen und führte Nill zu den Feuern.

Rings darum hatten sich Elfen im kühlen, weichen Gras niedergelassen, sprachen miteinander und aßen.

Kinder ließen ihre Füße von den Ästen der Bäume baumeln und spielten auf den verschlungenen Stämmen und Hängebrücken Fangen. Von fernher hallten Flötenmusik und Trommeln durch das Dorf und bald stimmte eine Frauenstimme mit Gesang ein. Beim Lagerfeuer entdeckte Nill die Zwillinge wieder. Sie winkten Nill heran.

»Geh nur zu ihnen. Ich komme gleich nach.« Aryjen verschwand im Dunkelblau der Nacht und Nill lief zu Mareju und Arjas.

Sie umarmte die Zwillinge kurz, dann ließ sie sich neben ihnen ins Gras sinken.

»Wie findet ihr das?«, fragte sie schließlich.

Arjas wies mit einem Kopfnicken in Richtung Lagerfeuer. »Du meinst Erijel und jetzt die Dämonennacht?«

Nill nickte beklommen.

Arjas bohrte ein Stöckchen in die Erde. »Weißt du, das ist hier anders als bei den Menschen. Aber komisch fühlt es sich schon an ...«

Mareju lächelte freudlos und strich sich mit beiden Händen übers Gesicht. »Die haben alle keine Ahnung, was wirklich passiert ist! Ich musste schon so lange an Erijel denken, verflucht, und dann die Bestattung erst jetzt ... Das ist, als würde man Jahre später noch mal eine Wunde untersuchen oder so. Ach, ich weiß nicht, ich will nicht darüber nachdenken.«

»Hoffentlich ist Kaveh nicht allzu traurig«, murmelte Nill.

Die Zwillinge sahen sich zweifelnd an. Nill wusste, wie nahe sich Kaveh und Erijel gewesen waren. Aber die Zwillinge kannten die beiden schließlich schon ihr ganzes Leben. Noch einmal wurde Nill bewusst, dass sie in Wirklichkeit eine Außenstehende war.

»Er kommt schon klar«, murmelte Arjas, aber es klang nicht sehr überzeugt. Dann schnippte er das Stöckchen weg und stand auf. »Ich hole uns mal was zu Essen.« Und er lächelte matt. »Nill, du magst doch noch Manjam Kher

Geschichten und Namen

Kaveh kam aus der Dunkelheit geschritten, als Nill und die Zwillinge längst zu Abend gegessen hatten.

Der Vollmond leuchtete bereits glühend gelb am finsteren Firmament, und die Sterne blickten auf sie herab wie die Augen der Götter. Kaveh murmelte ein »Hallo, habt ihr Spaß?« und setzte sich zu ihnen.

Rings um die Feuer hatte man zu tanzen begonnen.

In weiten Kreisen drehten sich Männer, Frauen und Kinder ums Feuer, sangen Lieder zum Trommelklang und klatschten. Andere tanzten zu zweit und hielten sich an Händen und Schultern. In die Musik mischte sich warmes Lachen, das überall aus der Dunkelheit zu kommen schien.

Eine Weile saß Kaveh schweigend neben ihnen und starrte ins Feuer. Seine Augen schienen gerötet, doch er wirkte gefasst. »Es ist ja noch früh«, murmelte er. »Haben die Spiele schon angefangen?«

Die Zwillinge schüttelten die Köpfe.

Dann verzogen sich Kavehs Züge; ein zartes Lächeln zog ihm übers Gesicht. »Was ist mit dieser Carja, Mareju? Hast du sie schon wiedergesehen?«

Mareju senkte den Blick. »Nein ... sie hat sich ziemlich verändert.«

»Woher weißt du das, wenn du sie noch nicht gesehen hast?«, warf Arjas beiläufig ein, während er seine Fingernägel betrachtete und Mareju rot wurde wie das Feuer. Als Arjas den zornigen Blick seines Bruders bemerkte, stand er überraschend schnell auf und erklärte grinsend: »Ich hol mir dann mal was zu essen. Mareju hat vorhin fast mit ihr geheult vor Freude!« Er verschwand eilig hinter dem Lagerfeuer.

Einen Augenblick schien Mareju ernsthaft zu überlegen, ob er ihm folgen sollte; dann entspannte er die Fäuste und starrte Kaveh hochrot an.

Kaveh runzelte belustigt die Stirn. »Also, sie hat sich verändert, hm?«

»Na ja, ich ... ich komm gleich wieder«, murmelte Mareju, und er murmelte noch einiges mehr, aber er war bereits aufgestanden und ging mit steifen Schritten davon, auf eine große Mädchengruppe zu, die etwas abseits vom Feuer stand. Mit einem Lächeln sah Kaveh ihm nach. Dann hielten die Trommeln inne und laute Rufe erklangen.

Eine ältere Frau mit ergrauten Strähnen wurde aus der sitzenden Menge gezogen.

»Kersha!«, riefen die Elfen – allen voran die jugendlichen – und klatschten begeistert. »Kersha, sing ein Lied!«

Die Frau lächelte erst unschlüssig, aber dann hob sie die Hände und gab schließlich nach. Gebannte Stille trat ein.

»Wer ist das?«, flüsterte Nill.

»Die beste Sängerin, die ich kenne. Pass auf!«

Die Frau begann zu singen. Ihre Stimme war weich und tief und erfüllte die ganze Nacht mit einer wehmütigen Melodie.

»Ekh nesha meor soy ...

Hydhen maer samt ...«

Nill hielt die Luft an, aber sie musste nichts sagen; Kaveh verstand schon. Er beugte sich leicht zu ihr herüber und übersetzte das Lied Satz für Satz im Flüsterton. Es war ein schönes Lied über die Liebe, und als die Frau den Refrain einmal gesungen hatte, hob sie die Hände und begann, im Takt zu klatschen, und die Menge stimmte mit ein. Eine Flöte begann, die Melodie aufzugreifen, eine zweite kam dazu. Das Klatschen kam aus allen Richtungen zusammen, wurde zum Pulsschlag der Nacht. Eine zweite Frauenstimme fiel in die Melodie ein, dann eine dritte. Tanzende Paare erhoben sich und füllten den Platz rings um das Feuer.

»Willst du auch tanzen?«, fragte Kaveh.

Nill nickte lächelnd. Sie standen auf, Nill gab Kaveh zögernd die Hände und ihre Finger umschlangen sich. Schritt um Schritt drehten sie sich zwischen den anderen Tanzenden und sahen sich nicht an.

Trommeln stimmten in das Lied ein. Bewegung kam in die Tanzpaare, ihre Hände lösten sich voneinander, legten sich dem Gegenüber um Schultern oder Taille. Man kam sich näher. Die singenden Frauen strichen zwischen den tanzenden Paaren hindurch, sodass ihr Gesang anschwoll und verebbte.

»Wie geht es dir?«, murmelte Nill, während der Feuerschein Kavehs linke Gesichtshälfte bestrahlte.

»Ich meine ... wegen Erijel.« Die Hitze der Flammen wallte über sie hinweg. Der stete Trommelklang vibrierte in ihrem Körper. Die Stimmen drangen in einem sanften Rauschen heran.

»Ich denke, es geht schon«, murmelte Kaveh. Seine Augen schimmerten. Er biss die Zähne zusammen. »Weißt du, er war für mich wie ein Bruder. Nein, mehr noch. Ich habe mich mit Kejael nie so gut verstanden wie mit ihm. Erijel war so ernst und vernünftig wie Kejael, das stimmt, aber in seinem Herzen ... Er war so mutig. Er war mutiger als ich es je sein werde.«

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