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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Kaveh hat uns von eurer Reise erzählt, während du geschlafen hast«, sagte Kejael.

Nills Blick wanderte zu Kaveh. »Wie lange habe ich denn geschlafen?«

Kejael lachte. »Fast zwei Tage. Auch wenn wir hin und wieder dachten, du wärst tot.«

Als Nill ein wenig bleicher wurde, puffte Kaveh seinem Bruder gegen den Arm. »Hör auf!«

»Stimmt, wir hielten dich nicht für tot«, erklärte Kejael. »Kaveh ist ja alle zwei Minuten in deine Kammer gerannt und hat nachgeguckt.«

»Kejael!« Kaveh kniff die Lippen schmal. »Ist gar nicht wahr!«

Kejaels Lächeln verblasste allmählich. »Das, was Kaveh von eurer Reise erzählt hat ... Es muss furchtbar gewesen sein.«

Nill senkte den Blick. »Eigentlich ... Solange Kaveh, Mareju und Arjas da waren, war es immer nur halb so schlimm.«

Noch während sie das sagte, färbte sich Kavehs Gesicht laubrot und ein seltsames Ziepen ging durch Nills Brust: Die Erinnerungen an ihre Reise mit Scapa und Fesco überkam sie, aber Nill verdrängte sie rasch. Dankend nahm sie die Schale entgegen, die Aryjen ihr reichte, und trank noch mehr von der warmen Suppe.

»Wo sind Mareju und Arjas?«, fragte sie dann.

»Zu Hause bei ihren Eltern«, erwiderte Aryjen sanft. Schlagartig wurde Nill bewusst, dass andere Leute Familien hatten. Sie blickte in die Runde der Elfen und erkannte, dass sie selbst inmitten einer Familie saß, doch ihre war es nicht. Die Erkenntnis, dass sie allein war, fiel schwer in ihr Inneres.

»Und Bruno?«, fragte Nill mit weicher Stimme.

Ein Grunzen erklang in einer Ecke des Raumes, als der Keiler seinen Namen hörte und verwundert den Kopf hob.

»Oh – ach so. Dann sind also doch alle wohlauf.«

Mit einem Geräusch, das bei einem Wildschwein wohl als müdes Seufzen gelten konnte, senkte Bruno den Kopf wieder und stützte ihn auf seine Vorderbeine.

»Noch eine Schale?«, fragte Aryjen, als Schweigen eintrat.

Nill nickte mit einem scheuen Lächeln.

Kaveh zog ein Knie an und senkte das Gesicht.

»Heute ist Erijels Bestattung. Wenn du fertig gegessen hast«, sagte er leise, »sollten wir gehen.«

»Oh ... Natürlich.« Als die Königin ihr die aufgefüllte Schale ein drittes Mal reichte, hatte Nill plötzlich keinen Hunger mehr.

Aryjen gab Nill neue Kleider, bevor sie das Baumhaus verließen. Es war seltsam, den Mantel des Grauen Kriegers abzulegen, an den sie sich schon so gewöhnt hatte. Aryjen nahm ihn mit einem Kopfschütteln entgegen und murmelte: »Den brauche ich wohl nicht zu waschen. Den solltest du nie wieder brauchen.«

In einer kleinen Hinterkammer im Baum gab es einen Holzkübel, in dem sich Regenwasser sammelte. Nill durfte darin baden (genau gesagt drängte Aryjen sie hinein) und sie wusch sich den Schmutz der vergangenen Wochen von der Haut. Fast hatte sie vergessen, wie es sich anfühlte, sauber zu sein!

Dann war sie bereit, trug ein helles, leichtes Kleid mit weichen Lederschuhen und einem dünnen Mantel, der dem von Kaveh sehr ähnelte. Der Stoff der Kleider schillerte leicht im Sonnenlicht, konnte hell wie Silber sein oder perlgrau, und er war ihr vollkommen unbekannt. Gemeinsam mit Kavehs Familie verließ sie das Baumhaus und schritt durch das Dorf.

Elfen, die ihnen über den Weg kamen, legten die gefalteten Hände an die Stirn und verneigten sich. Andere senkten teilnahmsvoll den Blick. Nill sah Kaveh sorgenvoll an. Seine Augen lagen in rötlichen Schatten, und sie war sich sehr sicher, dass er nicht nur wegen der Strapazen ihrer Reise so mitgenommen aussah. Das fröhliche Leuchten, das stets in seinem Gesicht gewesen war, schien erloschen.

Sie und einige andere Elfen, die sich ihnen anschlossen, verließen das Dorf und stiegen den sanften Hang hinauf. Als sie den Wald erreichten und Nill sich noch einmal umdrehte, konnte sie von den geschwungenen Bäumen und Hütten nichts mehr erkennen. Das Tal lag unter ihr, als habe nie jemand einen Fuß hineingesetzt.

Schweigend wanderten sie durch den Wald. Jeder außer Nill schien zu wissen, wohin sie gingen. Nach einer Weile lichteten sich die Bäume. Vor ihnen tauchte ein weiter See auf, die Oberfläche spiegelglatt und schwarz wie polierter Stein. In der Ferne erkannte Nill Inseln. Die Fichten und Tannen, die sich etwas abseits über die Ufer des Sees beugten, und auch einzelne Flecken vom Himmel spiegelten sich im Wasser.

Elfen standen bereits am Ufer. Nill entdeckte Mareju und Arjas unter ihnen. Die Zwillinge winkten ihr traurig zu.

Auch im Wasser standen Elfen. In ihrer Mitte schwamm ein großes Holzfloß auf dem Wasser, das über und über mit getrockneten Blumenkränzen, buntem Laub und Rankengeflechten bedeckt war.

Eine Leiche gab es schließlich nicht.

Als König Lorgios und Königin Aryjen erschienen, senkten die Elfen gleichzeitig die Köpfe, knieten nieder und legten eine Hand auf die Erde. Auch die Königsfamilie kniete nieder, Nill tat es ihnen rasch gleich und legte die Hand ins Gras. Stille trat ein. Auch der Wald ringsum schwieg, kein Vogel pfiff, kein Wind flüsterte mehr in den Bäumen. Träge zogen die Wolken über den See. Die Elfen im Wasser knieten ebenfalls nieder, sodass die Wellen ihnen gegen die Brust schwappten, nur zwei Frauen blieben stehen, die ältere in Schleier gehüllt. Sie schlug einen tiefen, trockenen Ton an, lang gezogen und schwer.

Die zweite, jüngere Frau stimmte mit zitternder Stimme ein. Ihr Trauerlied ließ auch Nill schwer ums Herz werden, und während sie kniete, die Hand auf die Erde gedrückt, rollten ihr Tränen über die Nasenspitze.

Die junge Sängerin zog einen Dolch aus ihrem Gürtel. Dann nahm sie ihre langen dunklen Haare in die Hand und schnitt sie ab. Die Menge am Ufer seufzte auf. Die ältere Sängerin hob eine Fackel und setzte das Floß in Brand. Die getrockneten Blumenkränze loderten auf. Der Rauch war beißend und duftend. Zitternd warf die junge Frau ihre abgeschnittenen Haare ins Feuer. Dann glitt das Floß auf die Mitte des Sees zu. Die Flammen wuchsen immer höher.

Allmählich erhoben sich die Elfen und starrten dem Feuer nach.

»Wieso hat sie das getan?«, flüsterte Nill. »Wieso hat sie sich die Haare abgeschnitten?«

Kavehs Blick hing abwesend am brennenden Floß.

»Es ist Brauch, dass man sich die Haare abschneidet, wenn man jemanden geliebt hat, auf diese Weise ... der gestorben ist«, flüsterte er. Nill erinnerte sich an das geschwungene Zeichen, das Erijel am Unterarm getragen hatte. Und er war ihr näher denn je, als ihr klar wurde, dass die Frau mit den abgeschnittenen Haaren Ylenja war.

Die lange Prozession der Elfen wanderte schweigend zum Dorf zurück; nur einige waren am See zurückgeblieben: Ylenja und die Frau in den Schleiern, die – wie Nill erfahren hatte – Erijels Mutter gewesen war. König Lorgios. Und Kaveh.

»Geh schon«, hatte Kaveh Nill zugemurmelt, als die Dämmerung heraufgezogen war. Mit umschlungenen Beinen hatte er am Ufer gesessen und zum Floß hinübergeblickt. Es hatte auf dem schwarzen See geglüht wie ein verirrter Funken.

Schweigend schritt Nill neben Aryjen und Kejael zum Tal. Die Königin der Freien Elfen streckte die Hand aus, und unmerklich zeichneten sich die Umrisse des Dorfes aus dem Nichts ab. Feuer leuchteten unter ihnen und verströmten mattes Licht. In der Mitte des Dorfes wurden riesige Lagerfeuer aufgebaut, es roch bereits nach gebratenem Fleisch.

»Was bereiten sie hier vor?«, fragte Nill.

Aryjen erriet ihren Gedanken: Wie konnte ein Fest vorbereitet werden, wenn Erijel gerade bestattet worden war? Die Königin lächelte schwermütig. »Heute ist die Nacht der Dämonen. Schau in den Himmel.«

Sie legte Nill vorsichtig einen Arm um die Schultern und deutete hinauf. Der Abend war aufgezogen, der Himmel trug einen Umhang aus lilablauem Samt. Verdutzt erkannte Nill, dass Vollmond war – und dennoch so viele Sterne über ihnen funkelten wie in einer Neumondnacht.

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