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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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So siehst du also, dass ich immer den Untergang meines Volkes riskiert hätte – egal, ob ich beschlossen hätte, den König mit dem Messer töten zu lassen oder das Messer in einem Baum zu verstecken. Die eine Entscheidung hätte verhindert, dass ein Mensch sich unsere Krone zunutze macht und uns zu seinen Sklaven degradiert, ja. Aber dafür würden wir unseren Einfluss auf die Welt langsam verlieren und über die Jahrhunderte hinweg verbluten wie ein erlegtes Tier. Mit der anderen Entscheidung würden wir abwarten. Abwarten, denn auch ein Menschenkönig stirbt irgendwann. Und wer weiß, vielleicht würden die Natur und das Schicksal allein dafür sorgen, dass die Krone Elrysjar wieder in die Hände eines würdigen Moorelfen gelangt. Ich habe die zweite Entscheidung gewählt, das Abwarten. Eine derartige Veränderung für mein Volk, wie sie zuletzt die beiden Geschwister Lezire und Navael heraufbeschworen haben, will ich nicht verantworten.«

Nill kniff die Augen zusammen. »Du fürchtest die Königin von Korr nicht, oder? Ich habe Angst. Angst um die Dunklen Wälder. Angst um mich. Um alle. Fürchtest du denn nicht, was sie alles bewirken könnte, bevor sie stirbt? Ein Leben ist lang, da kann viel Schreckliches geschehen.«

Der König hob die Hand und öffnete sie über dem Feuer. Kleine getrocknete Blumen rieselten in die Flammen. Funken stoben auf, schwirrten schimmernd blau um sie herum und blieben so lange in der Luft, dass man sie mit Glühwürmchen hätte verwechseln können.

»Sieh ins Feuer, Nijura«, sagte der König sanft.

»Wir Sterblichen sind wie die Funken, die aus den Flammen steigen. Unsere Herzen leuchten hell in der Dunkelheit der Welt, doch binnen eines Wimpernschlags ...« Lorgios blickte auf und griff langsam nach einem Funken, der in seiner Hand verschwand.

»Binnen eines Wimpernschlags sind wir schon verschwunden. Das Feuer, aus dem wir stammen, ist unser Volk, und es lodert lange und hell, es wärmt uns. Doch selbst die Flammen werden einst schwächer ... kleiner ... sie verlöschen. Denn wie alles einen Beginn hat, hat auch alles ein Ende. Mit Sicherheit wird der Untergang der Elfen eintreten, ebenso wie der Untergang der Dunklen Wälder. Die Menschen werden untergehen, die Welt, wie wir sie kennen, wird untergehen. Das ist so sicher, wie dieses Herdfeuer erlöschen wird. Doch wir können hoffen, dass es sich damit noch ein wenig Zeit lässt. Und dass bis dahin noch viele strahlende Funken Licht in die Finsternis bringen.«

Die blauen Punkte schwebten um das lächelnde Gesicht des Königs. Nill schwieg. Erst Kaveh brach die Stille.

»Das klingt ja alles schön und nett«, sagte er, und Nill war überrascht von dem gereizten Ton in seiner Stimme. »Aber wenn du so redest, Vater, könnte man meinen, dass du lieber nichts gegen Korr unternehmen willst, sondern aufgeben möchtest – mal wieder.«

König Lorgios runzelte die Stirn. »Die Macht, die uns gegenübersteht – das ist die menschliche Habgier, und die wird am besten von der Zeit besiegt. Nicht von Schwertklingen und vergossenem Blut. Noch dazu«, fügte er kaum hörbar hinzu, »wenn es das Blut unbedachter Knaben ist, die Helden spielen wollen ...«

»Wie kannst du so teilnahmslos bleiben?«, brauste Kaveh auf. »Du klingst, als wärst du die Welt selbst, die immer wieder den Morgen erlebt, und nicht ein sterblicher Mann, der nur begrenzte Zeit hat. Und diese Zeit sollten wir nicht mit Warten auf bessere Tage verschwenden!«

»Auch wenn wir nichts tun und schweigen, sind wir den Menschen überlegen«, fiel der König ihm laut ins Wort. Er hatte sich aufgerichtet und schien plötzlich größer als zuvor. Sein Schatten, den das Feuer malte, flackerte finster hinter ihm an der Wand. »In unserem Geist existiert eine Welt, die wir nicht mit Schwertern und Pfeilen verteidigen müssen, denn niemand kann sie uns nehmen. Es ist die Welt unserer Weisheit und der Tradition unseres Volkes. Die geistige Freiheit ist die einzige Freiheit, die es gibt! Sie ist deshalb unantastbar und wird ewig uns gehören, weil die Menschheit sie nicht begreift. Sie mögen uns die Erde nehmen, auf der wir stehen. Sie mögen unser Blut vergießen, ja. Aber das, was wir verschweigen, das, was hinter den Pforten unserer Augen liegt, das werden sie niemals besitzen können!«

Kaveh verzog das Gesicht. »Aber was nützt denn ein unausgesprochener Gedanke, Vater?! Was ist eine Sonne wert, die nie jemandes Gesicht wärmen konnte? Was ist ein Wort, das nie gehört wird? Was ist schon eine Welt, wenn nur einer sie sehen kann und niemand sonst? Verflucht noch mal, Vater, der, der spricht, der wird die Welt sein eigen nennen, und nicht der, der denkt – ist das nicht ein altes Sprichwort? Wer handelt, wird siegen, und wer zusieht, verliert!«

»Schweig, Kaveh! Du klingst wie einer von ihnen – wie die Menschen!« Ein unheilvolles Blitzen lag jetzt im Blick des Königs, bei dem sich Nills Nackenhaare sträubten.

Doch so schnell gab Kaveh nicht auf. »Und sie haben Recht! Vielleicht sind sie dumm und selbstsüchtig und alles, was du sagst, Vater, aber sie haben Recht. Sie haben das Recht auf die ganze Welt, wenn sie sagen Die Welt gehört uns! und niemand widerspricht!«

»Was sagst du da, Kaveh? Auf wessen Seite stehst du?«

»Auf der meines Volkes! Auf der meines Königs. Und ich bin bereit, für das Elfenvolk alles aufzugeben, das weißt du. Ich bin bereit, eine Gedankenwelt aufzugeben, nicht mehr nur zu denken, sondern zu handeln und so laut und dumm wie die Menschen zu werden, wenn mein Volk dadurch nur weiter bestehen kann!«

Eine Weile musterte der König seinen Sohn. Wieder schien eine Müdigkeit sein Gesicht zu überschatten und jeden Zorn zu dämpfen. »Kaveh, du bist sehr jung. Du sagst, du willst um jeden Preis das Leben, selbst wenn es ein Leben wie das der Menschen ist. Doch sage mir: Was ist schon eine Existenz wert ohne Geist?«

»Dann denkst du auch, ein Blinder sollte Selbstmord begehen, nur weil er ohne Tageslicht leben muss?«, erwiderte Kaveh.

»Ein Mensch mag geistlos und blind leben können, wir Elfen sind zu stolz für so ein Schicksal.«

Lorgios machte eine entschiedene Handbewegung, die jedes weitere Wort Kavehs abschneiden wollte.

Aber auch jetzt ließ sich der Prinz der Freien Elfen nicht beeindrucken. »Dann verehren wir Elfen das Leben nicht genug! Wenn wir zu stolz sind für die Welt, dann – dann ... Nein! Das glaube und dulde ich nicht. Ich bin ein Elf, in mir fließt dein Blut, Vater! Und ich will leben, ich will nicht stolz und tot sein! Und damit meine Kinder das auch einmal sagen können – genau diese Worte – dafür bin ich bereit zu sterben.«

»Du hast noch gar keine Kinder, Kaveh! Du ahnst nicht mal, was es bedeutet, Kinder zu haben. Und wenn du es ahntest, würdest du nie Kinder wollen!«

»Ich bin bereit, im Kampf für alle Kinder zu sterben, die nach uns kommen«, sagte Kaveh und presste seine Lippen aufeinander.

»So, so, darauf willst du wieder hinaus«, sagte der König ungerührt. »Du willst, dass wir uns für den Krieg rüsten.«

Kavehs Schweigen war Antwort genug. Lorgios verdrehte die Augen und schnaubte. »Ich habe die Eisenminen gesehen«, flüsterte Kaveh gepresst. »Ich habe gesehen, was sich in den tiefen Marschen von Korr verbirgt. Vater, da ist eine Streitmacht, die uns überrennen wird! Und wenn du dir schon keine Sorgen machst über die Vergänglichkeit dieses Grauens, dann mache dir doch wenigstens um uns Sorgen – um mich, deinen Sohn –, denn wir werden unter dem Grauen leben und sein Verebben vielleicht nicht mehr erleben.«

Lorgios schwieg nachdenklich. Vielleicht schwieg er aber auch, weil er keinen Sinn mehr darin sah, mit Kaveh zu streiten.

»Bitte«, flüsterte Kaveh. Das Wort kostete ihn alle Mühe. »Bitte, Vater. Bitte zwing mich nicht, tatenlos zuzusehen ...«

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