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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Siehst du, das ist der Unterschied zwischen den Menschen und den Elfen. Die Elfen leben nach ihren Traditionen. Ihre Moral und ihre Loyalität zu diesen Traditionen sind so stark, dass sie sogar einem menschlichen König ergeben folgen, allein, damit es überhaupt einen König gibt! Die Treue der Elfen zu ihren Bräuchen ist der ganze Zauber, die ganze Macht, die die Krone Elrysjar umgibt. Das ist alles.

Und trotzdem: Die Krone zu tragen bedeutet, dass einem die Welt gehört.

Die Menschen hingegen wahren ihre Traditionen nur, weil sie zu faul sind, ihren Alltag zu ändern. Sie beten so stumpfsinnig zu ihren Göttern, wie sie abends Karten spielen und morgens den Müll ausleeren. Ihre Frömmigkeit ist heuchlerisch, und sie selbst wissen es nicht mal. Moral, Mitgefühl, Nächstenliebe, das ist ein hübscher Mantel, den sie tragen, wenn sie ihn sich leisten können! Sie leben nicht für ihr Volk, sondern für sich selbst. Sie sind selbstsüchtig.

Das macht sie verschlagen. Das macht sie klug. Und letzten Endes wird nur das Volk überleben, in dem jeder um sein eigenes Leben strampelt.«

Scapa starrte sie an. »Überleben? Was meinst du mit überleben? Was hast du vor mit –« Arane winkte ab. »Wenn ich planen würde, ein Volk auszulöschen, würde ich dir das gewiss sagen. Abgesehen davon, wieso sollte ich die Elfen ausrotten? Sie sind doch die Kraft, die hinter mir steht! Nein, aber sie graben sich ihr eigenes Grab ... sie selbst. Und das ist der Gang der Natur. Die Klugen überleben. Und die Dummen, die Träumer, die Verblendeten gehen unter.«

Scapa sah sie reglos an. Was für Worte kamen aus ihrem Mund? Hatte sie schon immer so gesprochen? War ihre Abscheu für die Elfen auch früher schon so groß gewesen? Wieso fiel Hass immer erst dann auf, wenn er mit der Macht einherging, ausgelebt zu werden?

»Wieso siehst du mich so an?«, flüsterte Arane.

»Scapa, dein Blick kann einem soviel Angst machen.«

Er lächelte verwundert, doch es war ein freudloses Lächeln. »Du hast Angst vor meinem Blick? Obwohl dein Blick in jedem Feuer da unten leuchtet?«

»Was meinst du?« So viel Unsicherheit trat in ihr Gesicht, dass Scapa sich sogleich elend fühlte. Er winkte ab und stützte sich aufs Geländer. »Ach, nichts. Nichts ...« Schuldgefühle, Misstrauen und Verwirrung durchwogten ihn. Er wusste gar nicht mehr, was er denken sollte. Alles schien ihm eine Lüge zu sein, bis Arane die Dinge aussprach. Und selbst dann ...

»Damals in Kesselstadt«, sagte er gepresst, »als du zu den Grauen Kriegern gegangen bist ... Hattest du je eine Vision, Arane?«

»Wenn ich nie Visionen gehabt hätte, wäre ich längst tot, das habe ich dir damals schon gesagt. Visionen auf ein besseres Leben bewahren uns davor, unterzugeh-«

»Hör auf!« Er hob die Hände und drückte sich gegen die Schläfen. »Verflucht, Arane. Sag mir einfach, ob du gelogen hast. Hast du in einer Vision gesehen, wo das magische Messer war, ja oder nein? Winde dich nicht immer heraus mit deinen Worten.«

Sie schwieg mehrere Augenblicke erschrocken.

»Ja. Ich hatte eine Vision.« Ihre Stimme war heiser, sie schluckte. »Ich habe gesehen, wie unser Schicksal aussehen könnte. Und nein, wenn du es so wissen willst: Ich habe nie gewusst, wo das Messer war, niemals, sonst hätte ich es längst selbst geholt! Denn es gibt keine Visionen«, zischte sie. »Es gibt nur Pläne. Hörst du?«

»Gut.« Scapa fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen und starrte zum Licht der Minen hinab. »Dann weiß ich es also.«

Eine Weile stand Arane stumm neben ihm und sah ihn an. Dann legte sie die Arme um seinen Rücken und drückte ihn sachte. »Ich habe es damals für uns getan! Für uns ... alles habe ich für uns getan, ich wusste ja nicht, dass wir uns drei Jahre nicht –« Sie wartete, bis ihre Stimme nicht mehr zitterte. Schließlich atmete sie aus. »Du bist alles, was ich wirklich habe, weißt du? Die Welt ist so kalt, nur du nicht ... Komm bald rein. Ja? Du erkältest dich noch.« Vorsichtig glitt sie zurück. Scapa lauschte ihren Schritten, als sie den Balkon verließ.

Die Zeit flog an ihnen vorüber. Die Nächte währten nur Augenblicke, die Tage vergingen wie Sekunden.

Die Gefährten ließen das Königreich von Dhrana hinter sich. Die fernen Gebirgsketten, die das Letzte waren, das noch an Korr erinnerte, verblassten am Horizont, und bald – bald tauchten sie ein in das Reich der Dunklen Wälder.

Es war, als habe Nill ihre Heimat seit Jahren nicht mehr gesehen. Und wie sonderbar fühlte sie sich, als sie eines Morgens unter den hohen, flüsternden Bäumen erwachte, das weiche Moos unter sich spürte und die süßen Düfte des Waldes atmete! Sie glaubte, in ein längst vergangenes Leben zurückzukehren, einen fernen, friedlichen Traum erneut zu träumen – nur dass alles jetzt anders war. So heftig, wie die Liebe für die Wälder sie nun überfiel, erfüllte Nill auch die Furcht, alles für immer zu verlieren. Zu nah war die Erinnerung an die Marschen von Korr.

Sie ritten Tag und Nacht. Die Pferde waren am Ende und Bruno fiel schlafend um, wenn sie Halt machten. Nill, Kaveh und die Ritter fühlten sich nicht besser. Die Erschöpfung hatte sie an den Rand ihrer Kräfte getrieben. Der Hunger war zu einem stetigen Begleiter geworden, und wenn sie einander in die Gesichter blickten, erkannten sie, wie ausgemergelt und bleich sie geworden waren.

Nach mehreren Tagen rauschte goldenes und rotes Laub durch die Wälder. Es war Herbst geworden.

Die Wälder waren erfüllt vom Knistern der schwebenden Blätter, hoch oben in den Baumkronen flimmerte es, als tanzten tausend kleine Flammen in der Luft. Das Laub rieselte auf die Gefährten nieder, gezackte Blätter fielen auf ihre Köpfe herab und besprenkelten sie mit leuchtendem Gold. Der Duft des vergehenden Sommers kam von überall; er stieg aus der weichen trockenen Erde, strömte aus den Bäumen und dem bunten Laub.

»Spürt ihr es?«, sagte Kaveh in das Flüstern der tanzenden Blätter hinein. Ein Lächeln glitt über seine Züge. »Wir sind zu Hause.«

Mareju und Arjas strahlten, als ob sich eine überraschende Aussicht vor ihnen auftun würde.

»Schau«, sagte Kaveh, drehte sich zu Nill um, ergriff sie am Arm und zog sie neben sich. Dann streckte er die Hand aus. Nill sah nichts außer dem gewohnten Wald. Kaveh machte eine Handbewegung, wie ein zärtliches Winken sah sie aus. Plötzlich traten aus dem Flimmern der rauschenden Laubwirbel im Tal mächtige Bäume hervor. Aber was für Bäume!

Nill stockte der Atem, als sie das Dorf der Freien Elfen erblickte. Gigantische Buchen wuchsen aus dem Boden. Die meterdicken Stämme schraubten sich wie Spiralen in die Höhe und bildeten regelrechte Treppen, Hohlräume und Terrassen. Hängebrücken aus Binsengeflecht, Wurzeln und Ranken verbanden einige der Baumkronen, die zusammenwuchsen wie runde Pilze – so dicht, dass sie gewiss keinen Regentropfen durchließen: Denn obgleich ihr Laub sich golden und scharlachrot gefärbt hatte, ließ es sich vom Wind nicht forttragen.

»Wie – das ist – einfach – erschienen ...«, stammelte Nill.

Kaveh lächelte. Dann drückten die Gefährten ihre Fersen an die Flanken der Pferde und ritten das Tal hinab.

Allmählich bemerkte man sie. Kinder hielten im Spielen inne und liefen aufgeregt zu den Baumhäusern zurück. Elfen strömten von überall zusammen.

Aus der Menge schritt eine Frau auf sie zu. Ihr schwarzes Haar war zu einem kunstvollen Kranz gesteckt. Mit den zarten Falten, die ihre Augen und Lippen umzeichneten, erschien sie Nill so schön wie ein gemaltes Bild.

Die Frau hielt einen halbfertig geflochtenen Korb in den Armen; doch als die Gefährten auf sie zuritten, fiel er ihr zu Boden.

Kaveh stieg vom Pferd. Mit stockenden Schritten kam er auf die Frau zu. »Marúen«, hauchte er.

Aryjen starrte ihren Sohn wie ein Trugbild an.

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