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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Krieg brach aus. Tausende unseres Volkes starben, getötet durch die Hände ihrer eigenen Brüder und Schwestern. Auch Lezire und Navael kämpften Klinge gegen Klinge und verletzten sich gegenseitig.

Als ihr Blut auf die Krone fiel, als zum ersten Mal seit Anbeginn unserer Zeit Blut vergossen wurde für die Macht der Krone – noch dazu das Blut von Geschwistern –, zerbrach der Stein in zwei Hälften: Elyor, das Licht, und Elrysjar. Elrysjar, die Kraft.

Obgleich der Krieg mit dem Zerbrechen der Krone endete, konnte fortan keine Einigkeit mehr herrschen. Die Gefolgsleute Navaels beschlossen, den Wald zu verlassen und zogen in die Marschen, wo Navael seine Reue als Schuldiger für das Zerbrechen der Krone abbüßen wollte. Was getan war, konnte nie wieder gutgemacht werden: Das Volk der Elfen war geteilt, für immer, und einen König, der alle unter sich einte, würde es nie wieder geben. Lezire nannte ihren Stamm fortan den Stamm der Freien Elfen, da sie sich frei von Schuld empfand. Bis zum Tode behauptete Lezire, von ihrem Vater als Erbin bestimmt worden zu sein. Jedoch heißt es den Sagen und Legenden nach, dass Lezire, unsere erste Königin, im Sterbebett zugab, sich des Blutvergießens schuldig gemacht zu haben.

Dieser Hass, der zwei Geschwister in Feinde verwandelte, Elfen gegen Elfen trieb und die Einigkeit unseres Volkes für immer zerstreute, glüht noch heute in beiden Kronenhälften. Nähert sich die eine Hälfte der anderen, glühen die Vergangenheit und der einstige Hass von neuem auf und erinnern uns an die Schandtat unserer Vorfahren. Das«, schloss Lorgios ab, »ist der Grund, wieso das magische Messer in der Nähe der Kronenträgerin von Korr glühte wie ein heißes Eisen.«

Nills Hand hatte sich unmerklich um den Steindorn in ihrer Rocktasche geschlossen. Er war glatt und kühl, aber Nills Finger schwitzten.

»Hast du noch Fragen, die dir auf dem Herzen brennen?«, fragte der König sanft.

»Ja«, erwiderte sie nach einem Augenblick. »Ich ... weiß noch immer nicht, wieso ausgerechnet ich das Messer gefunden habe.«

»Das weiß auch ich nicht!« Lorgios lachte, seine Augen leuchteten fröhlich auf und plötzlich hatte er mehr Ähnlichkeit mit Kaveh als je zuvor. »Es gibt ein Sprichwort in unserer Sprache: Myrrdhát soyjen Myrrdhát kor el nej myrrdhe. Kaveh, willst du es übersetzen?«

»Das Schicksal heißt Schicksal, weil es nicht zu erklären ist. Denn Schicksal heißt auf Elfisch«, fügte Kaveh schnell hinzu, »wörtlich übersetzt erklärungslos.«

»Das ist verwirrend«, murmelte Nill und die Elfen lachten.

Dann sagte der König: »Kejael, bitte lass uns nun alleine. Ich rufe dich später.«

Kejael blieb einen Moment sitzen, dann erhob er sich wortlos und ging. Stille breitete sich über ihnen aus. Von draußen drang der Lärm des Festes lauter herein als zuvor. Die Trommeln dröhnten in der Nacht. Ein Lied schwebte in der Luft:

»Feuer der Dämonennacht,

tanz mit dem Lied, das hier erwacht!

Leuchte nun für hundert Jahre,

die eine Nacht nur in dir wahre.

Sollt unser Volk einmal vergehen, wird tief im Schlaf Erinnerung bestehen, die als Legende einst erwacht;

drum tanz für hundert Jahre,

Feuer der Dämonennacht!«

»Ich habe mit jemandem über dich gesprochen«, sagte Lorgios zu Nill. In seinen Augen flackerte das Herdfeuer. »Mit jemandem, den du kennst. Wir haben wie du überlegt, wieso das Schicksal dich bestimmt hat, das magische Messer in dem hohlen Baum zu finden. Natürlich gibt es dafür keine Erklärung. Und doch gibt es womöglich einen Grund, weshalb du – und nur du – das Messer zu tragen bestimmt warst.« Lorgios schien sich leicht vorzubeugen, doch er saß noch immer so gerade wie zuvor; lediglich sein Gesicht schien näher. Schatten und Licht tanzten darüber. Seine Stimme war leise und kam langsam. »Du, Nill, kannst die Bäume flüstern hören ...«

»Was bedeutet das?«, fragte Nill.

»Es bedeutet, dass du die Geister hörst, die im Wind raunen und durch das Knistern der Blätter sprechen. Du ahnst Dinge, Nill. Geister umgeben uns, in jedem Augenblick unseres Lebens. Manchmal sind sie gewillt, unsere Wünsche zu hören ... Und wenn wir sie im rechten Moment klar aussprechen, dann erfüllen sie sie uns. Du, Nill, spürst die Augenblicke, in denen zarte, geheimnisvolle Mächte dich umgeben und deinem Herzen lauschen. Und du kannst mit ihnen sprechen. Das bedeutet es, Bäume flüstern zu hören.«

Nills Augen glänzten, doch ihr Blick war fern.

»Du bist hier«, fuhr der König ein wenig lauter und fester fort, »da das Schicksal dich zu uns geführt hat. Das Volk der Elfen erlebt eine Zeit der Veränderung und du sollst darin eine entscheidende Rolle spielen. Aus diesem Grund will ich dir einen neuen Namen anbieten, der vergangene Tage Vergangenheit sein lässt und dir eine neue Zukunft schenkt. Willst du diesen Namen annehmen?«

Nill schluckte. »Ja«, flüsterte sie heiser. »Ich meine ... sehr gerne.« Lorgios schien zu lächeln; doch Nill konnte sich im Spiel der Schatten und Lichter auf seinem Gesicht irren.

»Dein neuer Name eröffnet sich heute Nacht vor dir, um den Beginn einer neuen Zeit anzugeben. Dein Name«, sagte Lorgios feierlich, »bedeutet die die Bäume flüstern hört. Er bedeutet hellhörig. Dein Name lautet Nijura.«

Nijura

Einen Moment herrschte Stille. Nijura, hallte es in ihrem Kopf wider. Nijura ... Sollte sie so heißen?

War das ihr Name? Sie, Nill, sollte Nijura sein? Sie blickte zum König auf.

»So ist also der Lauf der Dinge«, murmelte er abwesend. Über seinen Augen hing plötzlich ein Schleier von Müdigkeit und Alter. »Das magische Messer wurde gefunden und zurückgebracht. Am Ende ist nichts erreicht und noch nichts verloren. Das Schicksal treibt uns im Kreis, bis es sich entscheidet – für uns oder gegen uns.«

Nill versuchte die Macht über ihre Stimme zurückzugewinnen, nachdem sie eine Weile lang sprachlos gewesen war. »Wieso haben die Freien Elfen nicht schon vorher vom magischen Messer Gebrauch gemacht? Wieso habt ihr es in einem Baum versteckt? Ihr hättet den König leicht besiegen können, wenn ihr eine Truppe der besten Krieger losgeschickt hättet.«

»Wenn es so einfach wäre.« Ein Lächeln glitt über Lorgios’ Gesicht, doch es war freudlos. »Eine Entscheidung ist zweischneidig wie die Klinge eines scharfen Messers. Du musst wissen, Nijura: Als die Krone zerbrach, fiel ein Fluch darüber. Sollte erneut ein König auf unrechtmäßige Weise in Besitz einer Kronenhälfte kommen, dann würde sich die andere Hälfte in ein Messer verwandeln, das den unbesiegbaren König töten kann. Und so ist es gekommen.

Doch wir haben gezögert, das Messer für diesen Zweck zu gebrauchen. Denn sobald das Messer den Träger der Krone tötet und die beiden Steinhälften erneut Blutvergießen heraufbeschworen haben, ist der Zauber der Krone verloren. Und somit der größte Zauber, den wir Elfen noch besitzen. Schwinden die Mächte der Kronenhälften, ist unser Volk nicht mehr das, was es einmal war, und die Magie, die unser Volk heute noch erfüllt, wird versiegen.

Wenn die Kronen nicht mehr da sind, werden die Elfen sich nie wieder unter zwei Königen einen, so wie sie sich vor Jahrhunderten nicht mehr unter einem König zusammenschließen konnten. Es würden einzelne Fürstentümer und Königreiche entstehen.

Wir Elfen würden wie die Menschen werden; wir würden einander bekriegen und schließlich von den Menschen verdrängt werden, gegen die wir nur als geeintes Volk bestehen können.

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