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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Auf vier Strohpritschen lagen die Elfen und schliefen. Ihre Umrisse zeichneten sich im blassen Mondlicht ab, das durch die Fenster hereinsickerte. Der König ging an ihnen vorüber, bis er das Mädchen erreichte. Ileofres wusste, dass das Mädchen das magische Messer hatte, von dem der Elf mit den langen Zöpfen gesprochen hatte. Jeder Blick, jede Bewegung von ihr hatten es verraten, dass sie ein Geheimnis barg.

»Ich muss das Messer zerstören«, hauchte der König. »Ich muss es den Königsbrüdern von Korr überbringen!«

Doch als er die Hand nach dem Mädchen ausstreckte, die ihre Rocktasche fest umklammert hielt, überfiel den König eine neue Vision: Er würde mit dem Messer nach Korr aufbrechen. Und die Könige töten. Ja, er würde seine missratenen Söhne töten!

Und noch eine Vorstellung durchfuhr den König, einen kurzen Augenblick nur: Er würde seinen jüngsten Sohn, den Verräter, mit dem magischen Messer richten, denn der hatte gewiss seinen älteren Bruder Norfed getötet. Ileofres wusste es plötzlich. Nicht beide Brüder herrschten in Korr, der jüngere hatte den älteren töten lassen! Darum war nie eine Nachricht von ihm gekommen! Darum war er nie zurückgekehrt! Ifredes, der Verräter, wartete in den Sümpfen wie eine fette Spinne auf seine eigene Familie, sein eigen Fleisch und Blut, um Bruder und Vater, sobald sie sich in der Hoffnung auf Versöhnung näherten, zu vergiften! Er, König Ileofres, würde seine eigene abscheuliche Brut zerstören, wenn er das magische Messer hatte. Ein Keuchen kam ihm über die Lippen. Dann packte er fest Nills Handgelenk, riss es zurück und griff in ihre Rocktasche.

Nill schrie. Im Dunklen erkannte sie nicht gleich etwas; dann trat das Gesicht des Königs aus der Schwärze des Zimmers. In seinen Augen glühte der Wahnsinn. Röchelnd griff er nach dem Steindorn.

Nill wandte sich herum und trat mit beiden Füßen nach ihm. Er zerrte an ihrem Arm. »Lass sie los!« Es war Kavehs Stimme. »Lass sie los!«

Ein dumpfer Schlag war zu hören, dann sackte der König reglos zu Boden. Gleichzeitig entfuhr Kaveh ein unterdrückter Schrei: Nills Tritt hatte ihn vor die Brust getroffen.

»Kaveh! Verflucht, ich – oh nein, alles in Ordnung?« Entsetzt krabbelte sie aus der Decke und fasste nach Kaveh.

Er rieb sich die Brust und versuchte gleichmäßig zu atmen. »Alles in Ordnung. Klar«, hüstelte er.

»Hier ...« Er hielt Nill den Steindorn entgegen.

Sie steckte ihn eilig in ihre Rocktasche und trat einen Schritt zurück, um den reglosen König zu betrachten. Er lag zusammengesunken auf dem Boden.

Wo Kavehs Schlag ihn getroffen hatte, lief ihm Blut aus der Nase. Inzwischen waren die Zwillinge und Bruno erwacht und stolperten zu Kaveh und Nill.

»Was ist passiert?«, fragte Mareju.

»Ich wusste es!«, japste Nill. »Ich wusste doch, dass er vollkommen wahnsinnig ist!«

Arjas warf ihnen ihre Mäntel zu. »Ja, und ihr – ihr habt den König von Dhrana verprügelt! Bei allen guten Waldgeistern! Lasst uns verschwinden!« Arjas schnappte sich seinen Speer und lief zur Tür.

»Also – wo er Recht hat, hat er Recht«, stammelte Mareju, warf sich den Mantel über und schlüpfte noch im Laufen in beide Ärmel.

Nill, Kaveh und Bruno rannten ihnen keinen Augenblick später nach.

Die Freien Elfen

Scapa konnte nicht schlafen. Nachts, wenn er in weichen Kissen und Decken lag und blonde Locken seine Wange kitzelten, erwachte er durch Träume, die ihn aus dem Turm entführten. Sie brachten ihn zurück auf grüne Wiesen, zu einem Mädchen mit grünen Haaren und grünen Augen. Jähe Winde zerrten an ihr, nur ihr Blick blieb unverändert auf Scapa gerichtet. Er sah auch die Minen, durch die sie einst geschlichen waren. Der Geruch von Schweiß und Tod und Feuer raubte ihm die Luft, er wollte zu Boden sinken, doch die dichte Menge rings um ihn hielt ihn aufrecht. Oft erwachte er atemringend, als hätte ihn jemand gewürgt.

Lautlos schlüpfte Scapa aus dem großen Bett. Er zog sich sein Wams über, ohne sich die Mühe zu machen, Haken und Ösen zu schließen, und schlich durch das hohe Zimmer zum Balkon.

Draußen wehte ein eisiger Wind. Scapa atmete tief ein und hatte das Gefühl, das erste Mal seit mehreren Stunden wieder Luft zu bekommen. Doch während er durchatmete, roch er einen Gestank – und diesmal war es kein Traum. Mit weichen Knien ging er bis zum steinernen Geländer, das den Balkon säumte, und blickte in die Nacht hinaus.

Die Minen lagen unter ihm in der Dunkelheit wie glühende Nester. Ihr Atem wallte ihm entgegen und trug ihm den Geruch all derer heran, die sie bereits verschlungen hatten. Er musste an die ausgemergelten Gestalten denken, die sich nun da unten in den wimmelnden Nestern bewegten, die dort Eisen schmolzen und schwere Kessel ausgossen, die Waffen herumtrugen, die Erde mit Hacken bearbeiteten, arbeiteten, arbeiteten wie die Ameisen. Ihm wurde ganz schwindelig. Es mussten mehr als zehntausend sein. Viel mehr.

Denn die roten Lichter der Minen blühten rings um den Turm wie ein endloses Mohnblumenfeld.

Als Scapa Schritte hinter sich vernahm, drehte er sich nicht um. Er wusste, wer es war.

Schweigend trat Arane neben ihn.

»Wenn ich dort unten wäre, würde ich mit all den Waffen, die ich jeden Tag zu schmieden hätte, einen Aufstand beginnen.« Scapa hatte geglaubt, seine Worte würden Arane erzürnen, doch sie lehnte sich bloß neben ihm gegen das schwere Steingeländer.

»Du, ja. Aber nicht die.« Sie unterdrückte ein Gähnen und zog sich den Fellumhang fester um die Schultern. »Da – das sind keine Menschen, das sind Elfen.«

»Na und?«, erwiderte Scapa trotzig.

»Na und? Elfen sind dumm, deshalb.« Arane wich seinem Blick aus und sah zu den Minen hinab. »Die Furcht bindet sie. Jeder, der sich dem König widersetzt, der etwas gegen ihn sagt oder gar die Krone begehrt, der muss vom nächsten Moorelf gemeldet und vor das Gericht des Königs gestellt werden. Und weil sich kein Elf traut, etwas gegen ihren König zu unternehmen – weil sie sich alle selbst nicht mehr trauen können – deshalb bleiben sie stumm.«

»Ist das alles?«, fragte Scapa.

»Ja, das ist alles. Es bedarf nur eines einzigen Anführers und dazu eines Heeres Stillschweigender, um die Welt zu erobern. Natürlich«, fügte sie hinzu, »braucht man ein paar Hilfsmittel, damit die Masse auch still bleibt.«

»Hilfsmittel?« Scapa sah sie an. »Du meinst den Tod.«

Arane lächelte. »Auch den Tod, ja. Aber ich habe eigentlich an die Macht gedacht. Wenn du einer kleinen Gruppe ein wenig Macht überlässt, ist sie dir treu ergeben. Vielleicht hast du von den Tyrmäen gehört. Früher waren sie rechtlose Stämme. Sie wurden von den übrigen Moorelfen gehasst und verachtet. Ich habe ihnen Macht gegeben, und dafür sind sie mir auf ewig treu – obwohl sie im Grunde kein Zauber und kein Schwur an mich bindet, stell dir vor! So einfach sind die Elfen zu lenken. Ich habe mir lediglich den Hass zunutze gemacht, den die Tyrmäen gegen die anderen Moorelfen hegen.«

»Das ist listig.«

»Danke, Herr der Füchse.« Arane lächelte und legte eine Hand auf seine.

Scapa zog seine Finger weg. »Woher kennst du diesen Namen?« Ein plötzlicher Verdacht keimte in Scapa auf. Was, wenn Arane immer gewusst hatte, dass er noch am Leben gewesen war? Was, wenn sie ihn schlichtweg bis jetzt vergessen hatte? Oder ihn gar nicht mehr hatte haben wollen?

»Fesco hat ihn mir genannt«, sagte sie leise. »Wann hast du mit Fesco geredet?«

»Vorhin. Ich habe mit ihm über alles Mögliche geredet.« Sie stützte sich mit beiden Händen auf die Brüstung. »Zum Beispiel über den Diebstahl des magischen Messers.« Argwohn hatte sich in ihre Stimme geschlichen. Schließlich lächelte sie bitter.

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