Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Das Leben des Klim Samgin - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Das Leben des Klim Samgin

Электронная книга - «Das Leben des Klim Samgin». Краткое содержание книги:

Das Leben des Klim Samgin
1 ... 87 88 89 90 91 92 93 94 95 ... 156
Перейти на страницу:

»Sie tadeln mit großem Hochmut!«

»Wir sind erfüllt von einer barbarischen Gier nach besonders glänzenden Gedanken, sie erinnert an die Gier der Wilden nach Glasperlen«, sagte Turobojew, er schaute Ljutow nicht an und betrachtete die Finger seiner rechten Hand. »Ich glaube, nur dadurch erklären sich solche Kuriosa wie Voltairianer unter den Gutsbesitzern, darwinistische Popensöhne, idealistische Kaufleute »erster Gilde« und Marxisten aus demselben Stande.«

»Soll das ein Stein in meinen Garten sein?« fragte Ljutow kreischend.

»Nein, ich will niemand damit treffen. Ich suche ja nicht zu überzeugen, sondern berichte«, antwortete Turobojew nach einem Blick aus dem Fenster. Klim wunderte sehr der sanfte Ton seiner Antwort. Ljutow wand sich, hüpfte auf seinem Stuhl, suchte Einwände und musterte alle Anwesenden. Da er aber feststellte, daß man Turobojew aufmerksam zuhörte, grinste er spöttisch und schwieg.

»Ich weiß nicht, ob man sich diese Gier nach Fremdem mit der Notwendigkeit organisierender Ideen für unser Land erklären soll«, sagte Turobojew und erhob sich.

Ljutow sprang gleichfalls auf:

»Und die Slawophilen? Die Volkstümler?«

»Die einen gibt es nicht mehr, die anderen sind weit entfernt von der Wirklichkeit«, antwortete, zum ersten Male lächelnd, Turobojew.

Ljutow rückte ihm auf den Leib, er kreischte:

»Aber auch Sie denken ja nicht selbständig! Ach nein! Tschaadajew ...«

»Hat Rußland mit den Augen eines klugen und liebenden Europäers angesehen.«

»Nein, warten Sie, unterstellen Sie mir nichts ...«

Ljutow redete auf Turobojew ein, drängte ihn auf die Veranda und schrie dort:

»Das standesmäßige Denken...«

»Ein anderes soll unmöglich sein...«

»Sonderbare Type«, murmelte Warawka, und an seinem scheelen Blick nach Alinas Seite war zu sehen, daß er Ljutow meinte.

Minutenlang schwiegen im Zimmer vier Menschen, ganz Ohr für den Streit auf der Veranda. Der fünfte, Makarow, schlief schamlos im Winkel, auf einem niedrigen Schemel. Lida und Alina saßen Schulter an Schulter, Lida senkte den Kopf, man sah ihr Gesicht nicht. Die Freundin flüsterte ihr etwas ins Ohr. Warawka, der die Augen bedeckt hielt, rauchte seine Zigarre.

»Jetzt, da wir vor einander die Wimpel unserer Originalität gehißt haben... Was gibt es?«

Eine dritte Stimme, heiser und weinerlich, sagte:

»Vielleicht wollen die Herrschaften einen Wels fangen? Hier lebt zu Ihrer Unterhaltung ein Wels, drei Pud schwer... Eine amüsante Zerstreuung...«

Klim trat auf die Veranda hinaus. Vor ihm stand der Bauer mit dem Holzbein, erhob sein Pelzgesicht und sagte in flehendem Ton:

»Ich würde Ihnen für fünfundzwanzig Rubel eine herrliche Jagd einrichten. Es ist ein gefährlicher Fisch. Sie könnten sich später vor Verwandten und Bekannten rühmen...«

Turobojew trat zur Seite. Ljutow reckte den Hals und betrachtete aufmerksam den Bauern, der breitschultrig, in einem roten Hemd ohne Gürtel, bedeckt von einer Kappe wuchernder grauer Haare, dastand. Seine einundeinhalb Beine waren mit blauen Hosen bekleidet. In der einen Hand hielt er ein Messer, in der anderen einen hölzernen Krug und schnitzte, während er sprach, mit dem Messer den schartigen Rand des Kruges glatt, wobei er mit hellen Augen zu den Herrschaften emporblickte. Sein Gesicht war nüchtern, sogar finster, seine Stimme klang hoffnungslos. Als er aufgehört hatte zu reden, zogen seine Brauen sich düster zusammen.

Ljutow eilte zu ihm hinab und sagte:

»Gehen wir.«

Er wandte sich zum Fluß. Der Bauer folgte ihm humpelnd. Im Zimmer lachte Alina.

»Wie gefällt Ihnen Ljutow?« fragte Klim Turobojew, der sich auf die Brüstung der Veranda gehockt hatte. »Originell?«

»Er gehört nicht zu den Leuten, die mir Achtung abzwingen, aber er ist – interessant«, sagte Turobojew nach einigem Überlegen leise. »Er hat sehr boshaft über Krapotkin, Bakunin und Tolstoi gesprochen und über das Recht eines Kaufmannssohns, gutherzig zu schwatzen. Das ist das Klügste, was er gesagt hat.«

Eine hinter der anderen, traten Lida und Alina auf die Veranda. Lida setzte sich auf die Stufen. Alina warf hinter der schützenden Hand einen Blick auf die emporsteigende Sonne und näherte sich lautlos, mit gleitendem Schritt, wie über eine Eisfläche, Turobojew.

»Das hätte ich nicht gedacht, daß Sie gern streiten!«

»Ist das ein Mangel?«

»Natürlich. Es taugt für Greise.«

»Unser Geschlecht weiß nichts von Jugend«, zitierte Turobojew.

»Au, Nadson«, rief Alina mit verächtlicher Grimasse. »Mir scheint, nur erfolglose, unglückliche Menschen lieben das Streiten. Die Glücklichen leben schweigsam.«

»Meinen Sie?«

»Ja. Den Unglücklichen fällt es aber schwer, zu gestehen, daß sie nicht zu leben verstehen, daher reden und schreien sie. Und immer an der Sache vorbei, nicht über sich, sondern über die Liebe zum Volk, an die niemand glaubt.«

Turobojew lachte ganz leise und weich.

»Oho! Sie sind mutig«, sagte er.

Sowohl sein milder Ton als auch sein Lachen reizten Klim. Er fragte ironisch:

»Sie nennen es mutig? Wie nennen Sie dann die Volkstümler und Revolutionäre?«

»Es sind gleichfalls mutige Leute. Besonders diejenigen, die selbstlos, aus Neugier Revolution machen.«

»Sie sprechen von den Abenteurern.«

»Wieso? Von Menschen, die sich eingeengt fühlen und die Ereignisse zu beschleunigen suchen. Cortez und Columbus waren ja auch Ausdruck des Volkswillens, Professor Mendelejew ist nicht weniger Revolutionär als Karl Marx. Neugier ist Tapferkeit. Wenn aber die Neugier sich in Leidenschaft verwandelt, dann ist sie schon – Liebe.«

Lida blickte Turobojew über die Schulter und fragte:

»Sprechen Sie aufrichtig?«

»Ja«, entgegnete er zögernd.

Klim empfand steigende Erbitterung gegen diesen Menschen. Er wünschte Einwände gegen diese Gleichsetzung von Neugier und Mut zu erheben, fand aber keine. Wie immer, wenn in seiner Gegenwart im Ton der Wahrheit Paradoxien vorgetragen wurden, beneidete er die Menschen, die das verstanden.

Ljutow kehrte zurück und schrie, sein Taschentuch schwenkend:

»Morgen vor Tagesanbruch werden wir den Wels fangen! Für dreizehn Rubel bin ich mit ihm handelseinig geworden.«

Er lief auf die Veranda und fragte Alina:

»Erkorene! Haben Sie niemals einen Wels gefangen?«

Sie ging an ihm vorüber, mit den Worten:

»Weder Fische, noch Kraniche am Himmel...«

»Verstehe!« schrie Ljutow. »Sie ziehen den Sperling in der Hand vor. Ich billige es.«

Klim sah, daß Alina sich mit einem Ruck umwandte, einen Schritt zu ihrem Verlobten hin machte, dann aber zu Lida trat und sich neben sie setzte, wobei sie an sich zupfte, wie ein Huhn vor dem Regen. Händereibend und die Lippen schiefziehend, musterte Ljutow alle mit erregt fliehenden Augen, und sein Gesicht bekam einen betrunkenen Ausdruck.

»Wir leben in der Sünde«, murmelte er. »Jener Bauer aber... jawohl!«

Alle schienen zu merken, daß er in noch verzweifelterer Stimmung wiedergekommen war, gerade damit erklärte sich Klim das unhöfliche, zuwartende Schweigen, womit man Ljutow antwortete. Turobojew lehnte mit dem Rücken an einer der gedrechselten Verandasäulen. Die Arme auf der Brust gekreuzt, seine gestickten Brauen furchend, fing er aufmerksam Ljutows irren Blick, als erwarte er einen Überfall.

»Ich bin einverstanden!« sagte Ljutow und trat mit eiligen Schritten ganz dicht an ihn heran. »Richtig: wir irren im Gestrüpp unseres Verstandes oder rennen als erschrockene Dummköpfe vor ihm davon.«

Er holte so rasch mit der Hand aus, daß Turobojew mit der Wimper zuckte und um dem Schlag auszuweichen, zur Seite fuhr. Er tat es und erbleichte. Ljutow entging augenscheinlich diese Bewegung, und er sah nicht das zornige Gesicht. Mit der Hand fuchtelnd wie der ertrinkende Boris Warawka, redete er weiter:

1 ... 87 88 89 90 91 92 93 94 95 ... 156
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)