Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Das Leben des Klim Samgin - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Das Leben des Klim Samgin

Электронная книга - «Das Leben des Klim Samgin». Краткое содержание книги:

Das Leben des Klim Samgin
1 ... 81 82 83 84 85 86 87 88 89 ... 156
Перейти на страницу:

»Sie wird alt. Geschwätzig.«

Als sie hinausgegangen war, fühlte er, daß ihn ein nie gespürtes, krankhaftes Gefühl des Gesättigtseins mit einem beißenden Rauch, der Gedanken und Wünsche verzehrte und eine beinahe körperliche Übelkeit hervorrief, erfaßte wie ein Zugwind. Als habe sich in seinem Kopf, in seiner Brust die menschliche Fähigkeit zu denken und zu reden, die Fähigkeit des Erinnerns plötzlich entzündet, ohne zu brennen, und verglimme jetzt ganz langsam. Dann tauchte ein wie Schmerz gedehnter Widerwille gegen seine Umgebung auf, gegen diese mit Bilderquadraten gesprenkelten Wände, gegen die schwarzen, in die Finsternis hineingehauenen Fensterscheiben, gegen den Tisch, dem ein vergiftender Geruch von gequollenen Teeblättern und Holzkohle entstieg.

Klim starrte hartnäckig in sein leeres Glas, hörte das feine Piepen des verlöschenden Samowars und wiederholte mechanisch das eine Wort:

»Öde!«

Sein untätiger Verstand bedurfte weder anderer Worte, noch brachte er sie hervor. In diesem Zustand innerer Stummheit ging Klim Samgin in sein Zimmer hinüber, öffnete das Fenster, setzte sich davor hin, starrte in die feuchte Finsternis des Gartens und horchte, wie jenes zweisilbige Wort stampfte und pfiff. Nebelhaft erschien der Gedanke, daß es wohl dieser Zustand der Niedergedrücktheit durch das Gefühl der Sinnlosigkeit sein müsse, der die Landeshauptleute irrsinnig machte. In welcher Absicht hatte Dronow ihm von diesen Landeshauptleuten erzählt? Weshalb erzählte er fast immer so greuliche Anekdoten? Nach Antwort auf diese Fragen suchte er nicht.

Kältegefühl ließ ihn der Leere seiner Selbstvergessenheit entgleiten. Ihm kam es so vor, als seien schon einige Stunden verstrichen, aber während er sich träge entkleidete, um sich ins Bett zu legen, vernahm er entfernten Glockenschlag und zählte elf Schläge.

»Nicht mehr? Seltsam.«

Er hatte sich in dem Gefühl des Niedergedrücktseins, der Verwüstung niedergelegt und erwachte infolge eines Klopfens an der Tür. Das Mädchen weckte ihn zum Zug. Rasch sprang er aus dem Bett und stand einige Sekunden mit geschlossenen Augen, geblendet von dem wunderbar leuchtenden Glanz der Morgensonne. Die feuchten Blätter der Bäume vor dem offenen Fenster, deren kristallene Regentropfen schillernde, kurze und scharfe Strahlen zurückwarfen, leuchteten blendend. Der Genesung spendende Duft von feuchter Erde und Blumen erfüllte das Zimmer. Die Frische des Morgens kitzelte die Haut. Klim Samgin dachte bebend:

»Eine dumme Stimmung habe ich gestern gehabt!«

Aber als er in sich hineinhorchte, fand er, daß von dieser Stimmung ein schwacher Schatten zurückgeblieben war.

»Eine Wachstumskrankheit der Seele«, entschied er, während er sich eilig anzog.

Abends saß er auf dem Sandhügel an der Lichtung eines von Birken durchsetzten Fichtengehölzes. Hundert Schritt weiter plätscherte vor seinen Augen freundlich der Fluß dahin, schillernd in den Strahlen der Sonne. Das Dach der zwischen verkrüppelten Weiden versteckten Mühle flammte brokaten. Die Felder jenseits des Flusses sträubten sich heiter im Stachelgewand des Korns. Klim sah eine Landschaft, ähnlich den buntgemalten Bildchen aus einem Buch für Kinder, obgleich er wußte, daß dieser Ort wegen seiner Schönheit berühmt war. Auf dem Buckel eines Hügels, der aussah wie die feierliche Kopfbedeckung eines Friedensrichters, hatte Warawka ein großes, zweistöckiges Landhaus erbaut, an den Abhängen liefen noch sechs buntfarbige, von Schnitzwerk im russischen Stil geschmückte Häuschen zum Fluß hinab. Im äußersten Haus rechts lebte Alinas Vormund, ein finsterer Greis, Mitglied des Kreisgerichts. Auch die übrigen Sommerhäuschen waren von Städtern gemietet, jedoch noch nicht bewohnt.

Es war sehr still, nur die Käfer summten im feinen Laub der Birken, und der Abendwind seufzte warm in den Nadeln der Fichten. Schon mehrere Male waren die saftige Stimme, das weiche Lachen Alinas durch die Stille zu Klim gedrungen, aber eigensinnig versagte er es sich, zu den jungen Mädchen zu gehen. An dem Rauch, der aus dem Schornstein von Warawkas Landhaus stieg, an den geöffneten Fenstern und der Geschäftigkeit der Dienstboten mußten Lida und Alina merken, daß jemand gekommen war. Klim trat einige Male auf den Balkon der Villa und verweilte lange in der Hoffnung, daß die jungen Mädchen ihn sehen und herbeilaufen würden. Er erblickte Lidas zierliche Figur in einer orangefarbenen Bluse und einem blauen Rock, sah Alina in Rot gekleidet. Es war schwer zu glauben, daß sie ihn nicht bemerkt haben sollten.

Es wäre schön, unverhofft vor ihnen aufzutauchen und etwas Ungewöhnliches, Verblüffendes zu sagen oder zu tun, zum Beispiel in die Luft emporzusteigen oder den schmalen, aber tiefen Fluß wie festes Land zu durchqueren.

»Wie dumm ist das«, tadelte sich Klim und erinnerte sich, daß solche kindlichen Gedanken in letzter Zeit häufig in ihm auftauchten wie Schwalben. Beinahe immer waren sie verknüpft mit Lida, und stets folgte ihnen eine stille Bangigkeit, die dunkle Vorahnung einer Gefahr.

Es dunkelte rasch. In der Bläue über dem Fluß hingen an dünnen Strahlenfäden drei Sterne und erschienen als Öltröpfchen im Wasser wieder. In Alinas Landhaus wurde in zwei Fenstern Licht angezündet. Über dem Fluß stieg ein ungeheuerlich großes, quadratisches Gesicht mit gelben, verfließenden Augen empor, über das sich eine spitze Kappe stülpte. Einige Minuten später traten die jungen Mädchen vom Söller des Sommerhäuschens ans Ufer hinunter, und Alina rief klagend aus:

»Mein Gott, welch eine Langeweile! Ich überlebe es nicht ...«

»Geh doch«, sagte Lida mit sichtlichem Verdruß.

Klim erhob sich und schritt ihnen rasch entgegen.

»Du?« verwunderte sich Lida. »Weshalb so geheimnisvoll? Wann bist du gekommen? Um fünf Uhr?«

Neben dem Erstaunen glaubte Klim aus ihren Worten Freude herauszuhören. Auch Alina war erfreut.

»Wundervoll! Wir werden Boot fahren. Du wirst rudern. Nur, bitte, Klim, ohne gescheite Reden. Ich habe schon alles Gescheite intus, von den Ichtyosauren bis zu den Flammarions, mein Erkorener hat mich in alles eingeweiht.«

Eine halbe Stunde ruderte Klim gegen den Strom, die Mädchen schwiegen und lauschten, wie das dunkle Wasser unter den Ruderschlägen spröde plätscherte. Der Himmel bedeckte sich mit immer reicherer Sternenpracht. Die Ufer hauchten trunkene Frühlingswärme aus. Alina seufzte und sagte:

»Du und ich, Lidok, sind Gerechte, und dafür darf Samgin, so ein weißer kleiner Engel, uns lebendig ins Paradies hinüberfahren.«

»Charon«, sagte Klim leise.

»Was? Charon ist grauhaarig, mit einem gewaltigen Bart, und du hast es selbst bis zum Bärtchen noch weit. Du hast mich gestört«, fuhr sie launisch fort, »ich hatte etwas Komisches ausgedacht und wollte es gerade sagen, und du ... Erstaunlich, wie sehr alle es lieben, zu verbessern und zu gängeln! Die ganze Welt ist eine Art Korrektionsanstalt für Alina Telepnew. Lida hat mich den lieben langen Tag mit den trostlosen Dichtungen irgendeines Metelkin oder Metalkin bedrängt. Mein Vormund versichert mir ernsthaft, daß die ›Herzogin von Gerolstein‹ keine historische Frauengestalt sei, sondern eine von Offenbach für die Operette erfundene. Mein verdammter Bräutigam betrachtet mich als sein Notizbuch, in das er, zum Festhalten, seine Einfälle einträgt ...«

Lida kicherte, auch Klim mußte lächeln.

»Nein, im Ernst«, fuhr das Mädchen fort, während sie ihre Freundin umschlang und sich mit ihr schaukelte, »er wird mich bald ganz und gar beschrieben haben. Wenn er in einen lyrischen Ton verfällt, leiert er wie ein Küster:

›O herrliche Jungfrau! Erlöse mich von dem Schweigen, auf daß ich dir Worte sage, so die Seele erbauen.‹ Er findet das, müßt ihr wissen, witzig, diese – ›auf daß‹ und ›so‹ ...«

Gedankenvoll ertönte Lidas Stimme:

»Du behandelst ihn zu leichtfertig. Er ist schüchtern. Augen bringen ihn in Verwirrung ...«

»So? Leichtfertig?« fragte Alina kriegerisch. »Und wie würdest du deinen Bräutigam behandeln, der dir immerfort nur von Materialismus, Idealismus und sonstigen Schrecken des Lebens erzählt? Klim, hast du eine Braut?«

1 ... 81 82 83 84 85 86 87 88 89 ... 156
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)