Das Leben des Klim Samgin
- Автор: Горький Максим
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Das Leben des Klim Samgin». Краткое содержание книги:
Klim blieb noch ein paar Minuten, verabschiedete sich dann und ging nach Hause. An der Wegbiegung wandte er sich um: Dronow saß immer noch auf der Bank, mit dermaßen gekrümmtem Körper, als sei er im Begriff, ins dunkle Wasser des Teichs zu springen, Klim Samgin stieß verdrossen seinen Stock gegen die Erde und beschleunigte den Schritt.
Er war sehr unzufrieden über dieses Wiedersehen und über sich selbst, über die Farblosigkeit und Mattheit, die er im Gespräch mit Dronow an den Tag legte. Während er mechanisch seine Reden aufnahm, hatte er zu erraten versucht, worüber bereits seit drei Tagen Lida so geheimnisvoll mit Alina tuschelte und weshalb sie heute unerwartet aufs Land gefahren waren? Die Telepnew war beunruhigt. Sie hatte augenscheinlich geweint. Ihre Augen waren müde. Lida, die sie besorgt betreute, biß sich zornig die Lippen.
Er schritt gegen den Wind durch die Hauptstraße der Stadt, die schon mit den Lichtern der Laternen und Läden geschmückt war. Papierfetzen flogen ihm vor die Füße, eine Erinnerung an den Brief, den Lida und Alina gestern im Garten zusammen gelesen hatten, an Alinas Ausruf:
»Nein, das ist einer! Das ist ein Rüpel!«
»Ob sie wirklich Ljutow meint?« überlegte Klim. »Wahrscheinlich hat sie nicht nur diesen einen Roman.«
Der Wind spritzte ihm Regentropfen ins Gesicht, warm wie die Tränen der Nechajew. Klim nahm eine Droschke, kroch unter das Lederverdeck und dachte empört, daß Lida ihm zu einem Ärgernis, einer Krankheit wurde, die ihm das Leben verbitterte.
Daheim angelangt, hatte er sich kaum ausgezogen, als Ljutow und Makarow erschienen. Makarow, zerknittert, aufgeknöpft, strahlte und betrachtete den Salon wie eine Lieblingskneipe, die er lange nicht besucht hatte. Ljutow, ganz in Flanell, in knallgelben Stiefeln, sah unvergleichlich albern aus. Er hatte sich sein Bärtchen bis auf die spärlichen Härchen eines Katerschnurrbarts abnehmen lassen, was seinem Gesicht eine fatale Nacktheit verlieh. Es sah für Klims Augen jetzt wie das Gesicht eines Mongolen aus. Ljutows wulstlippiger Mund war im Vergleich zu seinem Gesicht von grotesker Größe. Hinter dem verkrampften und schiefen Lächeln hervor blitzten die kleinen Fischzähne.
Klim befremdete die unhöfliche Flüchtigkeit, mit der Ljutow der Mutter die Hand küßte, die Art, wie er unter Verrenkungen seines Halses ihre Figur mit seinen verdrehten Augen umfing.
»Ist er schüchtern oder ein Flegel?« fragte sich Klim, während er feindselig beobachtete, wie Ljutows Pupillen flink über Warawkas dunkelrotes Gesicht liefen, und erstaunte noch heftiger, als er bemerkte, daß Warawka den Moskauer mit Vergnügen, ja sogar achtungsvoll empfing.
»Mein Onkel, Radejew, hat Ihnen mitgeteilt ...«
»Natürlich, natürlich!« rief Warawka aus und schob seinem Gast einen Sessel hin.
»Sie kaufen das Land eines gewissen Turobojew ...«
»Ganz recht.«
»Darunter befindet sich ein strittiges Revier, dessen Eigentumsrecht Turobojew streitig gemacht wird von einer Tante meiner Braut Alina Nikolajewna Telepnew, der Freundin Ihrer Tochter ...«
Klim hörte, daß Ljutow die Stimme des Amtsschreibers aus »Kaschirs alte Zeit« nachahmte und absichtlich näselnd, im Ton eines Intriganten sprach. Natürlich meinte Alina mit dem Rüpel ihn.
»... die sich, wie ich hoffe, bei guter Gesundheit befindet?«
»Durchaus. Sie ist heute zusammen mit Ihrer Braut aufs Land gefahren!«
»Heute?« fragte Ljutow schneidend und richtete sich auf, wobei er die Arme auf die Seitenlehnen des Sessels stützte. Doch sogleich ließ er sich mit den Worten: »Ungeachtet des schlechten Wetters!« wieder fallen.
Klim bemerkte in dieser Bewegung Ljutows etwas Eigentümliches und nahm ihn schärfer aufs Korn, aber Ljutow hatte bereits seinen Ton verändert und sprach mit Warawka über das Land sachlich und ruhig, ohne Mätzchen.
Verdächtig war die von der Mutter vorgetäuschte Verwunderung, mit der sie Ljutow empfing. So empfing sie nur Leute, die ihr unsympathisch waren, die sie aber aus irgendeinem Grund brauchte. Als Warawka Ljutow zu sich in sein Kabinett geführt hatte, begann Klim sie zu beobachten. Sie saß, mit dem Lorgnon spielend und süß lächelnd, auf dem Ruhebett, Makarow auf einem Polsterschemel ihr gegenüber.
»Klim sagte mir, daß die Professoren Sie lieben ...«
Makarow lachte:
»Es ist leichter Wissenschaften vorzutragen, als sie sich anzueignen.«
»Warum denkt sie sich das aus?« rief Klim. »Ich habe niemals dergleichen gesagt.«
Das Mädchen trat ein und meldete Wera Petrowna:
»Der gnädige Herr lassen bitten ...«
Als die Mutter eilig verschwand, fragte Makarow erstaunt:
»Alina ist heute fortgefahren? Seltsam.«
»Weshalb?«
»Nun, so.«
Klim lachte spöttisch.
»Ein Geheimnis?«
»Ach Unsinn, fühlst du dich schlecht oder bist du böse?«
»Müde.«
Klim sah aus dem Fenster. Vom Himmel lösten sich graue Fetzen Gewölk und fielen auf Dächer und Bäume.
»Es ist unhöflich von mir, ihm den Rücken zuzuwenden«, dachte Klim schlaff, wandte sich jedoch nicht um, als er fragte:
»Haben sie sich verzankt?«
Statt Makarows Antwort ertönte die strenge Frage der Mutter:
»Glauben Sie nicht auch, daß Vereinfachen das sichere Merkmal eines normalen Verstandes ist?«
Ljutow brannte sich eine Zigarette an, die krumm aus einer Bernsteinspitze ragte, schmatzte mit den Lippen, zwinkerte und murmelte:
»Eines naiven, bitte, eines naiven ...«
Er, die Mutter und Warawka drängten sich in der Tür, als getrauten sie sich nicht, die Schwelle zu überschreiten. Makarow trat zu ihnen, riß die Zigarette aus Ljutows Spitze, schob sie in seinen Mundwinkel und sagte heiter:
»Wenn er Ihnen etwas Entsetzliches verkündet hat, glauben Sie ihm nicht. Das ist nur Bluff.«
Ljutow zog die Uhr aus der Tasche, klopfte mit der Spitze aufs Glas und fragte:
»Gehen wir, Makarow?«
Und zu Warawka gewandt:
»Also Sie werden Turobojew drängen?«
Neben dem massiven Warawka erschien er als ein Halbwüchsiger, er hatte die Schultern fallen lassen und wand sich. Es war etwas Zerfließendes, Gedrücktes in ihm.
Als die unerwarteten Gäste gegangen waren, bemerkte Klim:
»Eine sonderbare Visite.«
»Eine geschäftliche Visite«, verbesserte Warawka, und sogleich drückte er, seinen Bart liebkosend, Klim mit dem Bauch an die Wand und kommandierte:
»Morgen früh fährst du aufs Land und richtest den beiden unten zwei Zimmer her. Für Turobojew aber eins im oberen Stock. Merkst du was? Na also ...«
Er begab sich in sein Zimmer hinauf, wobei er wie ein Jüngling die Treppe hinaufhüpfte. Die Mutter sah ihm nach, seufzte und verzog ihr Gesicht:
»Mein Gott! Wie unsympathisch ist dieser Ljutow! Was hat Alina an ihm gefunden?«
»Geld«, sagte Klim widerwillig und setzte sich an den Tisch.
»Wie gut, daß du kein Sittenrichter bist«, sagte nach einem Schweigen die Mutter. Klim schwieg ebenfalls, da er nichts fand, worüber er mit ihr reden könnte. Dann sagte sie, nicht laut und augenscheinlich mit anderen Dingen beschäftigt:
»Ein schreckliches Gesicht hat dieser Makarow. Ein so aufreizendes, wenn man das Profil sieht. Aber en face ist es das Gesicht eines anderen Menschen. Ich sage nicht, daß er ein doppeltes Gesicht hätte in einem für ihn nicht schmeichelhaften Sinn. Nein, er ist es auf eine unglückliche Weise.«
»Wie ist das zu verstehen?« fragte Klim aus Höflichkeit, mit einem Achselzucken, Wera Petrowna antwortete:
»Mein Eindruck.«
Sie sagte noch etwas über Turobojew. Klim, der nicht hinhörte, dachte: