Das Werk der Artamonows
- Автор: Горький Максим
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:
»Du hast kein Geld. Du hast nichts. Und es war auch nichts mehr da. Auf die Richter pfeife ich aber. Ich bin mein eigener Richter.«
»Womit drohst du also, Irrsinniger?«
Tichon schien aber gar nicht zu drohen, Artamonow fühlte das dunkel. Tichon brummte:
»Nun ist für alle Kaine das Ende gekommen. Warum hat man meinen Bruder umgebracht?«
»Das von deinem Bruder ist erlogen!«
Die beiden Alten sprachen schneller und unterbrachen einander.
»Ich lüge? Ich war damals bei ihm...«
»Bei wem?«
»Bei meinem Bruder. Ich bin davongelaufen, als dein Vater ihn kaltmachte. Dein Vater hat ihn verbluten lassen. Wozu war das Blut nötig?«
»Du kommst zu spät ...«
»Nun also, – jetzt hat man euch umgestoßen und zu Boden geworfen, und du bist schutzlos. Ich halte mich aber abseits, wie bisher ...«
»Du bist wahnsinnig ...«
Artamonow fühlte, daß der vormalige Erdarbeiter ihn in eine Ecke, in eine Grube trieb, wo alles ununterscheidbar, unverständlich und furchtbar war. Er wiederholte beharrlich:
»Du kommst zu spät. Du lügst, du hast keinen Bruder gehabt. Solche Menschen wie du haben gar nichts ...«
»Sie haben ein Gewissen.«
»Du selbst hast mir meinen Sohn Ilja irre gemacht!«
»Ihr Artamonows habt mich irre gemacht, und Nikita Iljitsch hat die Wunde noch vertieft!«
»Er sagt aber, du hättest ihm das getan!«
»Wie oft wollte ich deinen Vater umbringen! Ich hätte ihm mit dem Spaten eins über den Kopf versetzt ... Ihr seid schlau ...«
»Du selbst ...«
»Ihr habt euch den Serafim angeschafft. Auch er hat mich wirr gemacht: er tat niemandem etwas zuleide und lebte doch sündhaft. Wie geht denn das ? Überall waren Ränke ...«
»Wer da? W–wohin?« schrie jemand zornig und laut in der Dunkelheit. »Hat man euch Gesindel nicht gesagt, ihr sollt euch nach acht Uhr nicht mehr zeigen?«
Tichon erhob sich, ging zur Tür und versank in der Dunkelheit. Der durch Aufregung, Hunger und Müdigkeit zermürbte Artamonow sah durch die drei Streifen öligen Lichtes im Garten etwas Breites und Schweres vorübergleiten. Er schloß die Augen und erwartete nun etwas endgültig Furchtbares.
»Hast du etwas?« fragte Tichon jemanden.
»Das ist alles!«
Das war die Stimme seiner Frau! Wo war sie gewesen, warum hatte sie ihn mit diesem Alten alleingelassen?
Artamonow öffnete die Augen, erhob sich auf den Ellenbogen und blickte auf die durch zwei schwarze Gestalten versperrte Türe. Ihm fiel plötzlich ein, wie er sein ganzes Leben darüber nachgedacht hatte, wer sich an ihm vergangen hatte, und wer die Schuld daran trug, daß sein Leben so bedrückend wirr, so von Betrug gesättigt war? Und jetzt eben war ihm alles klar geworden!
Seine Frau kam auf ihn zu, beugte sich nieder und flüsterte:
»Nun, Gott sei Dank ...«
»Tichon, hier ist der Mensch, der an allem schuld ist!« sagte Artamonow bestimmt und seufzte erleichtert auf. »Sie war habgierig, sie hat mich beeinflußt, jawohl!«
Er brüllte triumphierend:
»Ihretwegen ist auch Bruder Nikita zugrunde gegangen. Du weißt es ja selbst, ja ...«
Artamonow geriet außer Atem. Es war so seltsam, daß seine Frau gar nicht beleidigt war, nicht erschrak, nicht weinte. Sie streichelte mit zitternder Hand sein Kopfhaar und flüsterte ängstlich, aber liebevolclass="underline"
»Still, schrei' nicht! Hier sind alle so böse...«
»Gib mir zu essen...«
Sie steckte ihm eine Gurke und ein schweres Stück Brot in die Hand; die Gurke war warm und das Brot klebte wie Teig an den Fingern.
Artamonow wunderte sich:
»Was soll das? Ist das für mich? Das ist alles?«
»Sei still, um Christi willen!« flüsterte Natalia. »Es gibt doch nichts! Und dann, die Soldaten ...«
»Das gibst du mir – für alles ? Für all die Angst, für das ganze Leben?«
Er wog das Brot auf der Hand, murmelte etwas und ahnte, daß etwas unerträglich, tödlich Kränkendes geschehen war, woran nicht einmal Natalia die Schuld trug.
Er schleuderte das Brot zur Tür hin und sagte mit dumpfer, aber fester Stimme:
»Ich will nichts!«
Tichon hob das Brot auf, brummte und blies darauf; Natalia versuchte das Stück ihrem Mann wieder in die Hand zu stecken und flüsterte:
»Iß, iß! Sei nicht böse ...«
Artamonow stieß ihre Hand zurück, schloß fest die Augen und wiederholte mit grimmiger Wut durch die Zähne:
»Ich will nicht. Geh weg!«