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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Jakow verließ sie, wie immer, beruhigt. Sieben Tage später teilte ihm der kleine, pockennarbige, krummnasige Rechnungsführer Jelagin mit, daß, als die Weber beim Morgengrauen mit dem Zugnetz fischten, der Weber Mordwinow beim Versuch, den ertrinkenden Jäger Noskow zu retten, selbst beinahe ertrunken wäre und nun im Krankenhaus liege. Jakow hörte den näselnden Bericht an und saß mit ausgestreckten Beinen da, um seine zitternden Hände tiefer in die Taschen stecken zu können.

»Man hat ihn ertränkt«, dachte er und stellte sich den gutmütigen Mordwinow, einen Menschen mit einem weichen Frauengesicht vor; er konnte nicht glauben, daß dieser Mann imstande wäre, jemanden umzubringen.

»Ein glücklicher Zufall«, dachte er mit einem Seufzer der Erleichterung. Auch Polina gab zu, daß es ein glücklicher Zufall sei.

»So ist es natürlich besser«, sagte sie, ernst die Stirne runzelnd, »denn wenn man ihn irgendwie anders ermordet hätte, würde es Lärm geben.«

Sie bedauerte das aber:

»Es wäre interessanter gewesen, ihn zu fangen, zur Reue zu zwingen und dann aufzuhängen oder zu erschießen. Hast du gelesen ...«

»Du sprichst Unsinn, Polka«, unterbrach sie Jakow.

Es vergingen einige stille Tage, Jakow fuhr nach Worgorod und kehrte wieder zurück. Miron sagte mit einem besorgten Stirnrunzeln:

»Wir kommen in eine schmutzige Geschichte hinein: nach einer Verordnung aus der Gouvernementsstadt führt Ekke eine Untersuchung darüber, unter welchen Umständen dieser Jäger ertrunken ist. Er hat Mordwinow, Kirjakow und den Heizer Krotow – diesen Hanswurst – verhaftet, alle, die mit dem Jäger gefischt haben. Mordwinow hat ein zerkratztes Gesicht und ein eingerissenes Ohr. Man vermutet wohl etwas Politisches ... Natürlich nicht in dem eingerissenen Ohr...«

Er blieb am Klavier stehen, ließ seine Brille am Finger baumeln und blickte mit zugekniffenen Augen in die Ecke. Er erinnerte in dem zerknitterten Schwedenrock, in den rötlichen Beinkleidern und den bis ans Knie reichenden staubigen Schaftstiefeln an einen Maschinenmeister; seine knochigen, glatt rasierten Wangen und der gestutzte Schnurrbart hatten etwas Militärisches; sein wenig bewegliches Gesicht veränderte sich fast gar nicht, was und wie er auch sprechen mochte.

»Eine idiotische Zeit!« sagte er nachdenklich. »Jetzt sind wir in einen neuen Krieg hineingeraten. Wir führen ihn, wie immer, um die Augen von unserer eigenen Dummheit abzulenken; wir haben nicht die Kraft und verstehen es nicht, gegen die Dummheit anzukämpfen. Alle unsere Aufgaben liegen aber vorläufig im Innern des Reiches. In einem Bauernlande träumt die Arbeiterpartei vom Ergreifen der Macht! In den Reihen dieser Partei befindet sich der Kaufmannssohn Ilja Artamonow, der Angehörige eines Standes, der dazu berufen ist, die große Aufgabe der industriellen und technischen Europäisierung des Landes durchzuführen! Eine Sinnlosigkeit folgt der anderen! Verrat an den Standesinteressen müßte als Kriminalverbrechen bestraft werden! Im Grunde genommen ist es Staatsverrat! ... Ich verstehe vielleicht noch einen Intellektuellen, wie Gorizwetow, der an nichts gebunden ist, der nicht weiß, wo er hin soll, weil er talentlos und arbeitsunfähig ist und nichts als sprechen und lesen kann. Ich finde überhaupt, daß in Rußland revolutionäre Betätigung die einzige Beschäftigung für unbegabte Menschen ist...«

Es schien Jakow, daß Miron beim Sprechen ein mit Menschen gefülltes Zimmer vor sich sah; er kniff die Augen immer mehr zu und schloß sie endlich ganz. Jakow hörte seiner Rede nicht mehr zu und dachte an seine eigenen Angelegenheiten – zu was für Ergebnissen würde die Untersuchung über Noskows Tod führen, und inwiefern würde sie ihn selbst berühren?

Mirons schwangere Frau, die einer Kommode ähnlich sah, trat ein; sie betrachtete ihn und sagte mit müder Stimme:

»Geh, kleide dich um!«

Miron setzte gehorsam die Brille auf die Nase und ging.

Etwa nach einem Monat wurden alle Verhafteten freigelassen. Miron sagte zu Jakow streng und mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete:

»Entlasse sie alle!«

Jakow hatte sich schon längst, und ohne es selbst zu merken, daran gewöhnt, sich dem trockenen Kommando seines Vetters zu unterwerfen. Das war bequem und enthob ihn der Verantwortung in bezug auf die Fabrikangelegenheiten. Er sagte aber trotzdem:

»Wir müssen den Heizer behalten.«

»Weshalb?«

»Er ist lustig und arbeitet hier schon lange. Er amüsiert die Leute.«

»So? Nun, dann behalten wir ihn vielleicht.«

Miron leckte sich die Lippen und sagte:

»Solche Hanswurste sind wirklich ganz nützlich.«

Eine Zeitlang schien Jakow alles gut zu gehen. Der Krieg hatte die Menschen niedergedrückt, alle wurden nachdenklicher und stiller. Er war es aber gewohnt, Unannehmlichkeiten zu ertragen, ahnte, daß sie für ihn noch nicht zu Ende waren und erwartete dunkel neue. Er hatte nicht sehr lange zu warten. In der Stadt erschien wieder Nesterenko mit einer großen Dame am Arm, die Wera Popowa ähnlich sah. Als er Jakow auf der Straße traf, sah er ihn schon von weitem durchdringend an, als er aber näher kam, grüßte er und fragte:

»Können Sie in einer Stunde zu mir kommen? Ich bin bei meinem Schwiegervater. Wissen Sie, meine Frau liegt im Sterben. Ich möchte Sie also bitten – klingeln Sie nicht am Haupteingang, das würde die Kranke stören, gehen Sie über den Hof. Auf Wiedersehen!«

Es war eine schwere und unnatürlich lange Stunde, und als Jakow Artamonow sich in dem mit Bücherschränken angefüllten Zimmer müde auf einen Stuhl setzte, sagte Nesterenko leise und auf irgend etwas lauschend:

»Nun, man hat unseren Freund kalt gemacht. Das ist nicht zu bezweifeln, wenn es auch nicht bewiesen werden konnte. Es ist geschickt gemacht, das muß man anerkennen. Jetzt handelt es sich um folgendes: Die Dame Ihres Herzens, Polina Nasarowa, ist mit Fräulein Sladkopewzewa bekannt, die dieser Tage in Worgorod verhaftet wurde. Ist sie mit ihr bekannt?«

»Ich weiß nicht«, sagte Jakow und geriet auf einmal in Schweiß. Der Gendarm hielt aber die Hand gegen die Nase, betrachtete seine Nägel und sagte sehr ruhig:

»Sie wissen es!«

»Ich glaube, sie ist mit ihr bekannt.«

»Das ist es eben.«

»Was will er nur?« überlegte Jakow und betrachtete mit gerunzelter Stirn das graue, rotgeäderte, flache Gesicht mit der breiten Nase und die trüben Augen, denen schwer lastende Langeweile und scharfer Schnapsdunst zu entströmen schien.

»Ich spreche mit Ihnen nicht amtlich, sondern als guter Bekannter, der auf Ihr Wohl bedacht ist und dem Ihre geschäftlichen Interessen nahe gehen«, vernahm Jakow die etwas heisere Stimme. »Es handelt sich um folgendes, mein teurer ... Schütze!« Der Gendarm schmunzelte, schwieg eine Weile und erklärte:

»Ich sage – Schütze, weil mir noch ein Fall bekannt ist, bei dem Ihnen der Gebrauch der Schießwaffe mißglückt ist. Ja, sehen Sie also: Fräulein Sladkopewzewa ist mit der Nasarowa, der Dame Ihres Herzens, bekannt. Nun überlegen Sie: niemand außer uns beiden konnte über die Art der Tätigkeit des Jägers Noskow unterrichtet sein. Ich schließe mich aus dieser Kette der Bekanntschaften aus. Noskow war nicht dumm, aber schlapp und ...«

Nesterenko blickte seufzend unter den Tisch:

»Nichts ist ewig. Jetzt bleiben also Sie übrig ...«

Es schien Jakow Artamonow, daß aus dem Munde des Offiziers nicht Worte, sondern feine, unsichtbare Schlingen hervorkamen, die sich ihm um den Hals legten und ihn so fest würgten, daß ihm die Brust erkaltete und das Herz stehen blieb. Alles ringsum wogte und heulte wie im Wintersturm. Nesterenko sprach aber absichtlich langsam:

»Ich glaube, ich bin fast überzeugt, daß Sie sich einmal eine gewisse Unvorsichtigkeit beim Sprechen erlaubt haben, nicht wahr? Denken Sie mal nach!«

»Nein«, sagte Jakow leise, da er befürchtete, seine Stimme könnte ihn verraten.

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