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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Oh, jetzt fühle ich, daß du mich liebst! Jascha, mein Salziger ...«

Er verließ sie beim Morgengrauen mit dem leichten Gang eines Menschen, der fühlt, daß er in einem gefährlichen Spiel etwas Wertvolles gewonnen hat. Der stille Feiertag, der in seiner Seele herrschte, wurde noch dadurch erhöht, daß, als er beim Weggehen Polina um den von ihr versteckten Revolver bat, und sie ihn nicht ausfolgen wollte, er sich genötigt sah, ihr zu sagen, er fürchte sich ohne Revolver zu gehen, und ihr den Vorfall mit Noskow zu erzählen. Polinas Erschrecken freute ihn sehr, und ihre Aufregung überzeugte ihn davon, daß er ihr tatsächlich teuer war und von ihr geliebt wurde. Sie ächzte, rang die Hände und begann ihm vorzuwerfen:

»Warum hast du mir nichts davon gesagt?«

Sie überlegte beunruhigt:

»Das ist natürlich sehr interessant – ein Detektiv! Zum Beispiel Sherlock Holmes, – hast du das gelesen? Bei uns sind aber gewiß auch die Detektive Schufte?«

»Natürlich«, bestätigte Jakow.

Als sie ihm den Revolver gab, wollte sie sich vergewissern, ob er gut schoß und überredete Jakow, in die Ofentür zu schießen; Jakow mußte sich mit dem Bauch auf die Erde legen; auch sie legte sich hin; Jakow schoß, der Ofen wehte sie zornig mit Asche an, Polina schrie auf, rollte zur Seite, hob dann die Hand und sagte leise:

»Sieh mal!«

In dem gestrichenen Fußbodenbrett befand sich ein kleines, schiefes, in die Tiefe gehendes Loch.

»Wenn man bedenkt, daß der Tod sich dahinein versteckt hat«, sagte Polina seufzend und zog die fein gezeichneten Brauen zusammen.

Und noch nie hatte Jakow sie so anziehend gesehen und ihre Nähe so gefühlt. Als er von Noskow erzählte, blickten ihre Augen kindlich erstaunt, und in ihrem spitzen Backfischgesicht war gar nichts Böses mehr.

»Sie ist sich keiner Schuld bewußt«, dachte Jakow erstaunt, und das war ihm angenehm.

Beim Hinausbegleiten sagte sie, Jakows Bart streichelnd:

»Ach, Jascha, Jascha! So steht es also! Nun wird es ernst? Ach, mein Gott ... Aber dieser Schuft!«

Sie preßte die Finger zur Faust zusammen, schüttelte sie empört und klagte:

»Ach Gott, wie viele Schufte gibt es doch!«

Plötzlich packte sie aber Jakows Hand, zog sinnend die Stirne kraus und sagte leise:

»Warte, warte! Hier ist ein Fräulein, ach, natürlich!« Sie begann zu strahlen, bekreuzte Jakow und ließ ihn hinaus.

»Geh, mein Salziger!«

Es war ein kühler, tauiger Morgen; der dem Tagesanbruch vorangehende Wind seufzte, der grünlich-perlfarbene Himmel atmete den Duft von Äpfeln aus.

»Sie hat natürlich nur vor Zorn Unzucht getrieben. Ich muß sie heiraten, sowie der Vater tot ist«, dachte er großmütig, und ihm fielen gleich die komischen Worte des Trösters Serafim ein:

»Jedes Mädchen greift beim Ertrinken nach einem Strohhalm. Bei der Gelegenheit muß man sie fangen!«

Ihn beunruhigte der Gedanke an den kaltblütigen Leutnant; der gar nicht an einen Strohhalm erinnerte; der war wütend und würde ihm wahrscheinlich Unannehmlichkeiten machen. Doch mußte der ja in den Krieg ziehen. Jakow dachte jetzt sogar an Noskow mit mehr Ruhe, wenn er sich auch mißtrauisch umblickte, scharf horchte und den Revolvergriff in der Tasche preßte, – am häufigsten lauerte Noskow ihm gerade in diesen Stunden auf. Als aber zwei Wochen vergingen, wurde Artamonow von neuem von der Furcht vor dem Jäger wie von einer atemberaubenden Rauchwolke erfaßt. Als Jakow am Sonntag den von Woroponow gekauften schlagbaren Wald besichtigte, erblickte er Noskow, der sich gerade, mit Fallen behängt und mit einem Sack auf dem Rücken, durch das Dickicht zwängte.

»Das ist für Sie eine glückliche Begegnung«, sagte er näher kommend und nahm die Mütze ab. Er trug sie auf Soldatenart, den oberen Rand auf die Augenbrauen herabgezogen, und faßte sie beim Grüßen nicht am Schirm, sondern am Teller.

Ohne auf seine seltsame, Begrüßung, in der eine Drohung verborgen war, zu antworten, preßte Jakow die Zähne zusammen und packte krampfhaft den Revolver in der Tasche. Auch Noskow schwieg eine Weile, stocherte mit dem Finger im Mützenfutter herum und sah Jakow nicht an.

»Nun?« fragte Artamonow. Noskow hob seine Hundeaugen, glättete sein in die Höhe stehendes, struppiges Haar und sagte mit Betonung:

»Ihre Liebste, das heißt Pelagia Andrejewna, die Polina, hat die Bekanntschaft der Tochter des Popen Sladkopewzew gemacht. Sagen Sie ihr, sie soll das sein lassen.«

»Weshalb?«

»Es wäre besser...«

Und der Jäger fügte rasch hinzu, nachdem er eine Weile dem Glockengeläute in der Stadt gelauscht hatte:

»Ich gebe Ihnen den Rat, weil ich Ihnen von Herzen Gutes wünsche. Schenken Sie mir jetzt ...«

Er sah auf den Himmel und rechnete:

»Fünfunddreißig Rubelchen.«

»Ich sollte den Hund niederknallen!« dachte Jakow Artamonow, indem er das Geld vorzählte.

Der Jäger nahm die Scheine, drehte sich auf den krummen Beinen um, so daß das Eisen der Fallen klirrte, und kroch, ohne die Mütze aufzusetzen, ins Dickicht. Jakow fühlte, daß dieser Mensch ihm noch unangenehmer geworden war und ihn noch mehr bedrückte.

»Noskow!« rief er halblaut, und als dieser, halb von den Tatzen der Tannen versteckt, stehen blieb, riet Jakow ihm:

»Du solltest das lieber lassen!«

»Weshalb?« fragte Noskow, den Kopf versteckend, und Artamonow glaubte in Noskows leeren Augen etwas Ängstliches oder Böses aufleuchten zu sehen.

»Es ist eine gefährliche Sache«, erklärte Jakow.

»Man muß es verstehen«, sagte Noskow, und seine Augen erloschen. »Für jemanden, der es nicht versteht, ist alles gefährlich.«

»Wie du willst.«

»Sie sprechen gegen Ihren eigenen Nutzen.«

»Welcher Nutzen kann denn aus dem Haß entspringen?« murmelte Jakow und bedauerte, daß er sich mit dem Spion in ein Gespräch eingelassen hatte.

»Dieser Idiot räsoniert noch...«

Noskow sagte aber in belehrendem Ton:

»Ohne das kann man nicht leben. Jeder hat seinen Haß und seine Not. Auf Wiedersehen!«

Er wandte Jakow den Rücken und brach in das dichte Tannengrün ein. Jakow lauschte, wie er mit den stachligen Zweigen raschelte, und wie die dürren Äste knackten, und ging schnell nach der Lichtung, wo ihn das vor eine Droschke eingespannte Pferd erwartete. Er fuhr rasch in die Stadt zu Polina.

»So ein Schuft!« dachte Polina mit fast freudigem Staunen. »Er hat schon erfahren, daß sie zu mir kommt? Da soll doch einer sagen!«

»Warum machst du solche Bekanntschaften?« warf ihr Jakow böse vor. Sie begann aber ebenfalls böse zu schnattern und zupfte an dem gelben Mullschal auf ihrer Brust herum.

»Erstens geschieht es zu deinem Nutzen! Und zweitens: soll ich mir denn Hunde, Katzen oder Mawrin halten? Ich sitze allein da, wie im Gefängnis, und habe niemanden, mit dem ich auf die Straße gehen könnte. Sie ist aber interessant, sie gibt mir Romane und Zeitschriften, sie beschäftigt sich mit Politik und erzählt mir alles. Wir waren zusammen auf dem Gymnasium der Popowa – später haben wir uns verzankt ...«

Sie stieß ihn mit dem Finger in die Schulter und sprach immer gereizter:

»Du bildest dir wohl ein, es wäre leicht, so als heimliche Geliebte zu leben? Die Sladkopewzewa sagt, eine Geliebte ist wie eine Gummigalosche, – man braucht sie, wenn es schmutzig ist. So ist es! Sie hat einen Roman mit einem Arzt, und sie verheimlichen das nicht. Du versteckst mich aber wie ein Geschwür, du schämst dich, als ob ich krumm oder bucklig wäre, und ich bin doch wirklich kein Krüppel ...«

»Warte«, sagte Jakow. »Ich werde dich schon heiraten! Ich meine das ernst, obwohl du ein Schwein bist ...«

»Es ist noch die Frage, wer von uns schweinischer ist,« rief sie aus und lachte kindlich, indem sie wiederholte: »Schwein, gemein, meine Zunge verheddert sich! Mein Salziger! ... Mein Lieber! Du bist nicht habgierig! Ein anderer würde schweigen; dieser Spion ist dir ja nützlich...«

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