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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Als er aber die Tür öffnete und auf der Schwelle stehen blieb, gewann er sofort die Überzeugung, daß schon alles geschehen war. Der kaltblütige Leutnant stand mit streng gefurchten Brauen mitten im Zimmer, sein Uniformrock war aufgeknöpft, er hielt die Hände in den Taschen, unter dem Rock sahen die Hosenträger hervor, die an der einen Seite nicht am Hosenknopf befestigt waren. Polina saß mit gekreuzten Beinen auf der Chaiselongue, der Strumpf war auf dem einen Fuß wie eine Schraube heruntergerutscht, ihre lebhaften Augen waren außergewöhnlich rund, und das vom Blut durchströmte Gesicht rötete sich immer mehr.

»N–nun?« fragte der kaltblütige Leutnant und bestätigte durch seine Frage endgültig alle Verdächtigungen Jakows. Der machte einen Schritt nach vorwärts, warf den Hut auf einen Stuhl und sagte mit einer ihm fremden, versagenden Stimme:

»Ich komme vom Begräbnis ... von der Leichenfeier ...«

»So–o?« antwortete der Leutnant fragend, im Tone des Hausherrn. Polina zog derart an ihrer Zigarette, daß sie knisterte, und sagte, – nicht schuldbewußt, sondern nachlässig – indem sie den Rauch ausblies:

»Ippolit Sergejewitsch redet mir zu, Krankenschwester zu werden...«

»Krankenschwester? So?« sagte Jakow lächelnd. Jetzt machte der kaltblütige Leutnant einen Schritt zu ihm hin und fragte mit Betonung:

»Was bedeutet dieses Lächeln? Bitte nicht zu vergessen: ich liebe k–keine Übertreibungen! Ich dulde sie nicht!«

In diesen zwei, drei Minuten fühlte Jakow sich von heißer Kränkung und von Zorn durchströmt; das verging und hinterließ in ihm das niederdrückende und beinahe traurige Bewußtsein, daß diese kleine Frau für ihn ebenso notwendig war wie irgendein Teil seines Körpers, und daß er es nicht zulassen konnte, daß man sie von ihm losriß. Diese Gewißheit weckte von neuem seinen Zorn; es überlief ihn kalt, er erhob sich und steckte die Hände in die Taschen:

»Komm mir nicht nahe!« warnte er den Leutnant und fühlte, wie seine Augen derart aus den Höhlen traten, daß sie schmerzten.

»W–warum denn?« fragte der Leutnant und machte noch einen Schritt. Seine widerwärtige Manier, einzelne Laute der Worte zu verdoppeln, hatte Jakow stets mißfallen, – in diesem Augenblick brachte sie ihn aber zur Raserei. Er wollte die Hand aus der Tasche ziehen und schrie:

»Ich schlag dich tot!«

Leutnant Mawrin packte ihn bei der Hand und preßte sie in qualvoller Weise am Gelenk zusammen, der Revolver gab einen dumpfen Schuß in die Tasche ab, worauf Jakows Arm mit scharfem Schmerz im Ellbogen zu zerbrechen schien und die Hand aus der Tasche gerissen wurde. Der Leutnant nahm ihm den Revolver aus den Fingern, warf ihn auf einen Sessel und sagte:

»Mißglückt!«

»Jascha, Jascha!« hörte Artamonow laut flüstern. »Ippolit Sergejewitsch! Meine Herren! Seid ihr verrückt? Wozu das? Das ist ja ein Skandal! Wozu das?«

»N–nun ?« sagte dröhnend laut der kaltblütige Leutnant, indem er Jakow beim Bart packte, ihn nach unten zog und ihn auf diese Weise zwang, sich vor ihm zu verneigen. »Bitte um Verzeihung, du Dummkopf!«

Bei jedem Wort, die langen in zwei Hälften teilend, zog er den Bart nach unten und ließ ihn durch einen leichten Schlag auf das Kinn wieder hochgehen.

»Ach, welche Schande, ach!« flüsterte Polina und packte den Leutnant beim Ellbogen.

Jakow konnte die rechte Hand nicht bewegen, er stieß aber, mit fest aufeinander gepreßten Zähnen, den Leutnant mit der Linken weg; er stöhnte und über seine Wangen rannen Tränen der Erniedrigung.

»Wage nicht mich anzurühren!« brüllte der Leutnant, stieß ihn weg und setzte ihn auf den Sessel, auf dem der Revolver lag.

Da erstarrte Jakow, die Hände vor dem Gesicht und die Tränen verbergend, in einer halben Ohnmacht und hörte, durch das Dröhnen im Kopf hindurch, kaum noch Polinas Geschrei.

»Mein Gott, wie unfein ist das! Und das tun Sie, Sie! Ein derartiger Skandal! Weswegen?«

»Scheren Sie sich zum Teufel, Fräulein!« sagte der Leutnant mit eherner Stimme. »Da haben Sie einen Rubel für das Vergnügen, d–das genügt! Ich vertrage keine Übertreibungen, Sie sind aber etwas ganz Gewöhnliches...«

Der Leutnant stampfte mit seinen schweren Fußtritten auf den Fußboden, schlug die Tür zu, verschwand, und es blieb nur das leise Klirren des Zylinders der Hängelampe und Polinas kurzes Aufkreischen. Jakow erhob sich auf die schlaffen Füße, die sich unter ihm bogen, sein ganzer Körper zitterte wie vor Frost; mitten im Zimmer unter der Lampe stand Polina mit offenem Munde; sie stöhnte heiser, indem sie auf den schmutzigen Schein in ihrer Hand blickte.

»Du Aas!« sagte Jakow. »Warum hast du das getan? Und dabei hast du noch gesagt ... Totschlagen sollte man dich...« Sie sah ihn an, warf den Schein auf die Erde und sagte heiser und erstaunt, in gedehntem Tonfalclass="underline"

»So ein Schuft ...«

Sie sank auf den Sessel, beugte sich herab und faßte sich mit den Händen am Kopf; Jakow schlug sie aber mit der Faust auf die Schulter und rief:

»Laß mich! Gib den Revolver her!...«

Sie fragte unbeweglich und noch ebenso erstaunt:

»Du liebst mich also?«

»Ich hasse dich!«

»Du lügst! Du liebst mich jetzt!«

Sie sprang so schnell auf ihn hinauf, daß Jakow sie nicht mehr zurückstoßen konnte; sie umfaßte seinen Hals und flüsterte mit wilder Hartnäckigkeit, indem sie ihn mit beißenden Küssen versengte und ihm heiß in die Augen und in den Mund atmete:

»Du lügst, du liebst mich, du liebst mich! Und ich dich auch! Ach, du mein Weicher, mein Salziger...«

»Salziger«, das von ihr bevorzugte Kosewort wurde von ihr nur in Augenblicken außerordentlich heftiger Erregung ausgesprochen und berauschte Jakow so sehr, daß er in einen Zustand süßer, zärtlicher Tollheit geriet. Das geschah auch in diesem Augenblick; er drückte, kniff und küßte sie und murmelte atemlos:

»Du Ekel! Du Nichtsnutzige! Du weißt ja ...«

Eine Stunde später saß er auf der Chaiselongue, sie lag auf seinen Knien; er wiegte sie und dachte erstaunt:

»Wie schnell das alles gegangen ist!...«

Und sie sprach ermüdet:

»Ich war erbittert und wollte dich verlassen. Du beschäftigst dich immerzu mit den Deinigen, beerdigst sie, – und ich langweile mich. Und dann wußte ich nicht, ob du mich liebst? Jetzt wirst du mich mehr lieben, denn du wirst eifersüchtig sein. Wenn die Eifersucht wach wird ...«

»Wenn man von hier weg könnte«, sagte Jakow müde.

»Ja. Nach Paris! Ich kann Französisch.«

Sie zündeten kein Licht an; im Zimmer war es dunkel und schwül. Auf der Straße schrien die Reservisten und die Frauen, trotz der späten Stunde, – es war schon nach Mitternacht.

»Jetzt kann man nicht ins Ausland reisen, dort ist Krieg«, erinnerte sich Jakow. »Es ist Krieg, der Teufel hole sie...«

Sie begann von neuem:

»Ohne Eifersucht lieben nur Hunde. Sieh dich doch um: alle Dramen, alle Romane – alles geschieht aus Eifersucht...«

Jakow lächelte und zuckte zusammen:

»Der Revolver hat gut geschossen, die Kugel hätte mich ins Bein treffen können, es hat aber nur die Hose ein kleines Loch abbekommen.«

Polina steckte den Finger in das Loch und sagte plötzlich aufschluchzend, mit stillem, aber grimmigem Zorn:

»Ach wie schade, daß du nicht mehr auf ihn schießen konntest! Du hättest seinen steifen Gummibauch treffen sollen!«

»Schweig!« sagte Jakow, sie fest schüttelnd. Sie fuhr aber fort, ebenso grimmig durch die Zähne zu zischen:

»Der Schuft! Wie er mich beschimpft hat! Wie ihr alle seid... Ihr versteht alle nichts von Frauen!«

Sie schob die verschwollenen Lippen hoch, zeigte ihre fest aufeinander gepreßten Fuchszähne und fügte hinzu:

»Wenn eine Frau untreu wird, bedeutet das noch lange nicht, daß sie nicht mehr liebt!«

»Schweig! sage ich!« schrie Jakow und drückte sie so, daß sie aufstöhnte.

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