Das Werk der Artamonows
- Автор: Горький Максим
- Язык: немецкий
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:
»Meine Frau ist im Grab ...«
Tatjana gefielen aber seine Lieder nicht mehr.
»Pfui, wie ich das satt habe!« sagte sie und ging zu den Kindern.
Mitja verstand es, die Arbeiter geschickt zu beruhigen; er riet Miron, in den Dörfern Mehl, Grütze, Erbsen und Kartoffeln aufzukaufen und zum Selbstkostenpreis, nur Transport und Fehlgewicht anrechnend, an die Arbeiter abzulassen. Den Arbeitern gefiel das, und es wurde Jakow klar, daß die Fabrik dem lustigen Menschen mehr als Miron glaubte, und er sah, daß Miron immer häufiger mit Tatjanas Mann stritt...
»Sie wollen den Mantel nach dem Wind drehen ?« fragte Miron mit Betonung und offenem Ärger. Mitja erwiderte aber lächelnd:
»Der Wille des Volkes ist ... das Recht des Volkes...«
»Ich frage: wer sind Sie eigentlich?« schrie Miron.
»Ihr habt genug gebrüllt,« brummte Pjotr Artamonow, aber Jakow sah in den trüben Augen des Vaters Funken des Vergnügens aufflammen; es macht dem Alten Freude, zu sehen, wie der Schwiegersohn und der Neffe streiten, er schmunzelt, wenn er Tatjanas gereiztes Kreischen hört, und wenn die Mutter schüchtern bittet:
»Schenke mir noch ein Täßchen ein, Tatjana...«
Alle neuen Ereignisse waren aufregend und tauchten irgendwie, plötzlich und ohne Zusammenhang mit dem Vorhergehenden auf. Plötzlich erkältete sich die gänzlich erblindete Tante Olga und starb nach achtundvierzig Stunden; einige Tage nach ihrem Tode waren die Stadt und das Werk wie vom Donner gerührt: der Zar hatte auf den Thron verzichtet ...
»Was soll denn jetzt werden? Kommt nun die Republik?« fragte Jakow den Vetter, der die Nase freudig in die Zeitung gesteckt hatte.
»Natürlich kommt die Republik!« antwortete Miron über den Tisch gebeugt. Er stützte sich mit den Handflächen so fest auf das ausgebreitete Zeitungsblatt, daß das Papier sich spannte und plötzlich mit einem Knall platzte. Jakow hielt das für ein böses Vorzeichen, Miron richtete sich aber auf, mit einem ganz ungewöhnlichen Gesicht, und sagte mit einer fremden, lauten, aber freundlichen Stimme:
»Jetzt beginnt die Gesundung und Erneuerung Rußlands – jawohl!«
Und er hob die Arme hoch, als wollte er Jakow umarmen, ließ aber gleich darauf den einen Arm sinken und schob sich mit dem zweiten, den er eine Weile ausgestreckt gehalten hatte, den Kneifer zurecht, dann streckte er wieder den Arm aus, sah dabei einem Semaphor ähnlich und erklärte, er würde gleich morgen abend nach Moskau reisen.
Mitja fuchtelte auch wie ein erfrorener Droschenkutscher mit den Armen und schrie:
»Jetzt wird alles ausgezeichnet gehen; jetzt wird das Volk endlich sein mächtiges Wort sprechen, das schon längst in seiner Seele gereift ist!«
Miron stritt nicht mehr mit ihm, er leckte sich mit einem nachdenklichen Lächeln die Lippen, und Jakow sah, daß es tatsächlich so war: alles ging ausgezeichnet, alle freuten sich. Mitja erzählte auf der Treppe den auf dem Hof versammelten Arbeitern, was in Petersburg vorging, die Arbeiter schrien hurra, packten dann Mitja an Armen und Beinen und begannen ihn in die Luft zu schleudern. Mitja kauerte sich zu einem Knäuel und zu einem großen Ball zusammen und flog sehr hoch hinauf, während Miron, der auch hochgeschleudert wurde, in der Luft zu zerbrechen schien, als würden ihm Arme und Beine abgerissen. Mitja wurde von einem Haufen alter Arbeiter umringt und der riesengroße, sehnige Weber Gerasim Woinow schrie ihm ins Gesicht:
»Mitri Pawlow, du bist ein umgänglicher Mensch, ein umgänglicher Mensch, hast du verstanden? Kinder, ein Hurra für ihn!«
Man schrie hurra, und der Heizer Waska ließ seinen kahlen Schädel erglänzen, tanzte und brüllte wie ein Betrunkener:
»Ach, die Leute saßen so weit
Von des Zaren Throne!
Doch als sie ihm nahten mit der Zeit,
Da trug eine Krähe die Krone!«
»Nur weiter, Waska!« spornte man ihn an.
Auch Jakow sollte hochgeschleudert werden, er lief aber davon und versteckte sich im Hause, da er überzeugt war, daß die Arbeiter ihn nicht wieder auffangen würden und er sich auf der Erde totfallen würde. Als er abends im Kontor saß, hörte er auf dem Hof vor dem Fenster Tichons Stimme:
»Warum hast du mir den Hund weggenommen? Verkaufe ihn mir! Ich werde aus ihm etwas Anständiges machen.«
»Ach, Alter, ist denn jetzt die rechte Zeit, um Hunde zu erziehen?« erwiderte Sachar Morosow.
»Was willst du mit ihm anfangen? Verkauf ihn mir, nimm einen Rubel. Nun?«
»Laß mich in Ruhe.«
Jakow sah aus dem Fenster und fragte:
»Was sagst du zu dem Zaren, Tichon?«
»Ja«, antwortete der Alte, sah um die Ecke des Hauses und pfiff leise:
»Man hat den Zaren gestürzt!«
Tichon bückte sich, zog den Schaft des Stiefels hoch und sprach in die Erde hinein:
»Nun sind sie nicht mehr zu halten. Das hatten Antons Worte zu bedeuten: ›der Reisewagen hat ein Rad verloren!‹...«
Er richtete sich auf und bog um die Ecke des Hauses, indem er halblaut rief:
»Tulun, Tulun ...«
Fröhliche Wochen folgten wie im Reigen aufeinander; Miron, Tatjana, der Arzt, alle Leute wurden zueinander freundlicher; es erschienen unbekannte Leute aus der Stadt und holten den Schlosser Minajew fort. Dann kam ein sonniger, heißer Frühling.
»Höre, Salziger,« sagte Polina, »ich verstehe doch nicht, wie das ist? Der Zar weigert sich zu regieren, man hat alle Soldaten verstümmelt oder getötet; man hat die Polizei verjagt, es kommandieren irgendwelche Zivilpersonen herum, – wie soll man jetzt leben? Jeder Teufel wird tun, was er will und Shitejkin wird mich bestimmt nicht in Ruhe lassen. Sowohl er, wie alle anderen, die mir den Hof machten und die ich abwies... Ich will und kann jetzt, wo alle gleich sind, nicht mehr hier bleiben, ich muß irgendwo leben, wo mich niemand kennt! Und dann: wenn man die Revolution schon gemacht hat und die Freiheit erlangt hat, ist es doch natürlich deswegen geschehen, damit jeder so lebt, wie es ihm gefällt!«
Polina sprach immer beharrlicher und weitschweifiger. Jakow fühlte in ihren Worten etwas Unwiderlegbares und beruhigte sie:
»Warte noch ein wenig. Wenn sich alles etwas gelegt haben wird, dann ...«
Er glaubte aber nicht mehr daran, daß die Aufregung ringsum sich legen würde, er sah, wie der Lärm in der Fabrik mit jedem Tage dichter emporwallte und drohender wurde. Ein Mensch, der sich an die Furcht gewöhnt hat, wird immer einen Grund dafür finden; Jakow erschreckte jetzt der verbrannte Schädel von Sachar Morosow, Sachar ging wie ein kleiner Zar herum, die Arbeiter folgten ihm, wie die Hammel dem Schäferhund, und Mitja flog wie eine zahme Elster um ihn herum. Morosow hatte tatsächlich eine Ähnlichkeit mit einem großen Hund, der auf den Hinterbeinen gehen kann. Die verbrannte Haut auf seinem Schädel war wohl gesprungen, und er umwickelte sich manchmal den Kopf mit Tatjanas Frottierhandtuch, das ihm Mitja gab, wie mit einem Turban; der ungeheure Kopf, der Sachar beschwerte, ließ ihn kleiner erscheinen; er schritt ebenso wichtig wie der dicke Unterisprawnik Ekke einher, hielt seine Daumen hinter dem Gürtel der abgetragenen Soldatenhose, bewegte die übrigen Finger wie ein Fisch seine Flossen und schrie:
»Genossen, haltet Ordnung!«
Er hielt über drei Burschen wegen eines Leinwanddiebstahls Gericht. Er fragte die Diebe so laut, daß man es auf dem ganzen Hof hörte:
»Versteht ihr, bei wem ihr gestohlen habt?«
Und er antwortete selbst:
»Ihr habt bei euch, bei uns allen gestohlen! Darf man denn jetzt noch stehlen, ihr Hundsfotte?«
Er befahl die Diebe durchzuprügeln, und zwei Arbeiter peitschten sie mit Genuß mit Weidenruten durch, während der Heizer Waska wie außer sich sang und dazu tanzte: