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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Pass' auf, wenn ich zwischen dir und Mawrin irgend etwas bemerke, verlasse ich dich!«

Gleichzeitig wuchs auch die Unruhe, die der Jäger Noskow in ihm hervorrief. Er lauerte Jakow in der Vorstadt an der Watarakschabrücke auf, er wuchs plötzlich aus dem Erdboden heraus, blickte in seine Mütze und verlangte hartnäckig Geld, wie etwas ihm Gebührendes.

Es war etwas Seltsames und Unheimliches in dem Umstand, daß der Jäger stets an ein und derselben Stelle erschien und aus den Brennesseln und Kletten und dem dichten Unkrautgestrüpp unter den beiden krummen Weiden hervortrat. Vor zwei Jahren hatte an dieser Stelle das Haus des Gärtners Panfil gestanden; den Gärtner hatte jemand ermordet und das Haus angezündet. Die Weiden waren halb verbrannt, und die mit Kohle und Asche vermengte Erde war von Klötzchenspielern festgestampft worden; inmitten der Trümmer des Ziegelfundaments stand ein Ofen und ragte ein Schornstein in die Höhe; in klaren Nächten flimmerte dicht über dem Schornstein auf dem Himmel ein grünlicher Stern. Noskow trat, in den Brennesseln raschelnd, ohne Hast hinter dem Schornstein hervor, nahm langsam die Mütze ab und murmelte:

»Ich werde es Ihnen vergelten. Bei Ihnen taucht wieder eine Bande auf...«

»Diese Banden gehen mich nichts an«, antwortete Jakow erbost und hörte aus Noskows Antwort unverblümte Unverschämtheit heraus:

»Sie organisieren das natürlich nicht, die Sache geht Sie aber doch an.«

»Schade, daß ich ihn damals nicht erschossen habe«, bedauerte Jakow zum zehntenmal, gab dem Spion Geld und sagte:

»Pass' auf, sei vorsichtiger!«

»Ich weiß schon!«

»Verwickle mich nicht in diese Dinge.«

»Wozu denn? Sie können ruhig sein.«

»Ja, er hält mich bestimmt für einen Dummkopf...«

Obwohl Jakow Artamonow einsah, daß Noskow ein nützlicher Mensch war, hatte er doch die Überzeugung, daß der krummbeinige Kerl mit dem flachen Gesicht sich an ihm für den Schuß rächen mußte. Er strebte nur das an. Er würde ihn verängstigen oder mit dem ihm von Jakow selbst gegebenen Geld Arbeiter bestechen und ihn ermorden lassen. Es kam Jakow schon so vor, als ob die Arbeiter ihn in letzter Zeit aufmerksamer und erboster betrachteten.

Miron behauptete immer öfter, die Arbeiter revoltierten nicht, um ihre Lage zu verbessern, sondern weil ihnen von außen her der ganz sinnlose und wahnsinnige Gedanke eingeflößt werde, sie müßten von den Banken, den Fabriken und überhaupt von der ganzen Wirtschaft des Landes Besitz ergreifen. Wenn er das sagte, streckte er sich und richtete sich auf, schritt mit seinen langen Beinen durch das Zimmer, drehte den Hals und steckte den Finger in den Kragen, obwohl er einen dünnen Hals hatte und der Hemdkragen weit genug war.

»Das ist schon nicht mehr Sozialismus, sondern der Teufel weiß was! Und ein Anhänger dieser Idee ist dein leiblicher Bruder. Unsere Regierung, die aus alten Krähen besteht ...«

Jakow verstand wohl, daß Miron das alles nur deshalb sagte, um seine Zuhörer und sich selbst von seinem Recht auf einen Sitz in der Reichsduma zu überzeugen, und doch ließen die zornigen Reden des Vetters in Jakow einen Bodensatz von Furcht zurück, indem sie das Bewußtsein seiner persönlichen Schutzlosigkeit inmitten von Hunderten von Arbeitern verstärkten. Er erlebte sogar etwas, das einem Anfall von Panik nahe kam. Eines Morgens weckte ihn Geheul und Geschrei auf dem Fabrikhof. Als er den Kopf vom Kissen erhob, erblickte er an der weißen glatten Wand des Magazins einen wild dahinstürmenden Haufen von Schatten. Sie hüpften, schwangen die Arme und schienen das ganze Gebäude über die Erde zu schleifen. Er war plötzlich ganz in Schweiß gebadet und schrie in Gedanken lautlos auf:

»Eine Revolte!«

Dieser Strom von Schatten, die aus irgendeinem Grunde furchtbarer als Menschen waren, verschwand bald, und Jakow wußte nun, daß sich am Fabriktor die an einem Montag übliche Rauferei abgespielt hatte. Nach den Feiertagen wurde fast immer gerauft, sein Gedächtnis bewahrte jedoch dieses unheimliche Huschen der dunklen, unheimlichen Flecken. Überhaupt wurde das ganze Leben derart unruhig, daß schon der Anblick einer Zeitung unangenehm war, und man gar nicht darin lesen mochte. Das Einfache und Klare verschwand, von überallher drang Unangenehmes herein, und neue Menschen tauchten auf.

Schwester Tatjana brachte plötzlich aus Worgorod einen Bräutigam mit, einen dürren, rötlichen, kleinen Mann mit einer Ingenieurmütze. Er war behend, leichtfüßig und sehr lustig; er war um zwei Jahre jünger als Tatjana und, so wie sie, nannten alle im Hause ihn sofort Mitja. Er spielte Gitarre und sang Lieder. Eines davon, das er besonders oft vortrug, erschien Jakow für die Schwester beleidigend und empörte die Mutter sehr.

»Mein Weib ist im Grab.

Hab'

Die Gnade, Herr, laß sie, gewiß

Ins Paradies!«

Die Schwester war aber nicht gekränkt; dieser Mensch belustigte sie ebenso wie alle, und selbst die Mutter sagte oft gerührt zu ihm:

»Ach, du Zeisig, du singst ja wie ein Bajazzo!«

Mitja konnte, wie eine Taube, unendlich viel essen.

Pjotr Artamonow betrachtete ihn mit erstaunten Augen wie ein Traumbild, blinzelte und fragte: »Bei deinen Charaktereigenschaften müßtest du trinken. Trinkst du?«

»Ich kann es wohl«, antwortete der Schwiegersohn und bewies beim Abendbrot, daß er auch gehörig zu trinken verstand. Er war überall gewesen, an der Wolga und im Ural, in der Krim und im Kaukasus, er kannte eine unendliche Menge amüsanter Verschen, Erzählungen und komischer Sprüche; er schien aus irgendeinem fröhlichen, sorglosen Lande hergekommen zu sein.

»Das Leben ist eine schöne Frau«, sagte er und geriet auf einmal in den sich ununterbrochen drehenden Kreis der Arbeit hinein. Er gefiel den Arbeitern, die Jugend lachte, die alten Weiber nickten fröhlich mit den Köpfen, und beim Anhören seiner vor Lachen sprühenden Rede leckte sich sogar Miron mit der Zunge das Lächeln von den dünnen Lippen. Da geht er mit Miron über den Fabrikhof zum fünften Werkgebäude hin, das sich, als fünfter Finger der roten Ziegelsteintatze, soeben in die Erde festgekrallt hat; es ist noch rings von Gerüsten umsponnen, auf deren Brettern sich die Schreiner geschäftig bewegen; ihre silbernen Äxte glänzen, auch das Glas und Gold von Mirons Brille funkelt, er streckt die Hand wie ein General auf einem alten Fünfkopekenstück aus; Mitja nickt und schwingt auch die Arme, als werfe er etwas auf die Erde.

Jakow betrachtete sie vom Kontorfenster aus. Der Schwager gefällt auch ihm, man wird mit ihm heiter und vergißt so manches Bedrückende. Jakow beneidet den Mann sogar um seinen Charakter, empfindet ihm gegenüber jedoch ein seltsames Mißtrauen: dieser Mensch scheint nicht für lange da zu sein, etwa nur bis morgen, dann wird er sich, aber als Schauspieler oder Friseur entpuppen oder wird ebenso plötzlich verschwinden, wie er aufgetaucht ist. Er besaß noch eine gute Eigenschaft; er schien nicht habgierig zu sein und fragte nicht, wieviel Mitgift Tatjana bekäme; doch konnte dahinter auch irgendeine List von Tatjana stecken. Wenn der Vater nüchtern war, brummte er aber:

»Für so einen Fuchsroten habe ich also gearbeitet...«

Auch Miron verheiratete sich.

»Erlaubt, daß ich euch meine Frau vorstelle«, sagte er, als er aus Moskau zurückgekehrt war, und schob eine blauäugige, rundliche Puppe mit einem lockigen, zur Seite geneigten Köpfchen, vor sich her. Seine Frau hatte das Ausmaß eines Spielzeugs; doch war sie besonders präzis ausgeführt, was sie in Jakows Augen nicht als eine wirkliche Frau erscheinen ließ, sondern ihr eine Ähnlichkeit mit dem Figürchen auf Onkel Alexejs Lieblingsuhr verlieh, dessen Kopf abgeschlagen und etwas schief wieder aufgesetzt worden war. Die Uhr stand auf einem Spiegeltisch und die Statuette wandte sich von den Leuten ab und sah in den Spiegel. Miron erklärte, seine Frau hieße Anna und wäre achtzehn Jahre alt, er verschwieg jedoch, daß er als Mitgift eine Viertelmillion erhalten hatte und daß sie die einzige Tochter eines Papierfabrikanten war.

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