Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Das Leben des Klim Samgin - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Das Leben des Klim Samgin

Электронная книга - «Das Leben des Klim Samgin». Краткое содержание книги:

Das Leben des Klim Samgin
1 ... 65 66 67 68 69 70 71 72 73 ... 156
Перейти на страницу:

»Ihr Onkel, wie ich hörte ...«

Klim schrie:

»Was wollen Sie sagen? Mein Onkel ist genau so ein Zersetzungsprodukt der oberen Gesellschaftsschichten wie Sie selbst, wie die ganze Intelligenz. Sie findet für sich keinen Platz im Leben und darum ...«

Turobojew sagte von seinem Winkel her:

»Sie sind anscheinend Marxist geworden, Samgin, aber ich glaube nur deshalb, weil Sie bei Tisch unvorsichtigerweise weißen Wein mit rotem gemischt haben.«

Dmitri lachte geräuschvoll. Kutusow sagte ihm:

»Stör' nicht!«

Klim wollte, daß man mit ihm stritt. Noch herausfordernder sagte er mit Warawkas Worten:

»Das Volk selbst macht niemals Revolution. Es sind die Führer, die es vorantreiben. Für eine Weile unterwirft es sich ihnen, um sich sehr bald den Ideen, die ihm von außen aufgezwungen worden sind, zu widersetzen. Das Volk weiß und fühlt, daß das einzige Gesetz, das für es Gültigkeit besitzt, die Evolution ist. Die Führer suchen auf jede Weise gegen dieses Gesetz zu verstoßen. Das ist es, was die Geschichte lehrt ...«

»Eine kuriose Geschichte«, sagte Turobojew.

»Und eine alte«, fügte Kutusow hinzu und stand auf. »Na, für mich ist es Zeit zu gehen.«

Alle Gedanken Klims brachen auf einmal ab, die Worte versanken. Ihm schien, daß die Spiwak, Kutusow und Turobojew wuchsen und aufschwollen, nur sein Bruder blieb der gleiche. Er stand mitten im Zimmer, hielt sich die Ohren zu und schwankte.

»Sie haben eine unangenehme Art, das linke Bein vorzusetzen, wenn Sie stehen. Das bedeutet, daß Sie glauben, bereits ein Führer zu sein, und an Ihr Denkmal denken.«

»Um in Schnee und Regen zu stehen«, murmelte Dmitri und faßte den Bruder um die Taille, Klim stieß ihn mit einer Bewegung seiner Schulter zurück und fuhr in kreischendem Ton fort:

»Ihre Lehre, Kutusow, gibt Ihnen keinen Anspruch auf die Rolle eines Führers. Marx läßt das nicht zu, die Massen sind es, die die Geschichte machen. Leo Tolstoi hat diese irrige Idee verständlicher und einfacher entwickelt. Lesen Sie nur ›Krieg und Frieden‹!«

Klim Samgin stieß wieder den Bruder zurück.

»Lesen Sie es! Übrigens, Ihr Name ist der gleiche wie der des Heerführers, den seine Armee befehligte!«

Überzeugt davon, mit dieser Wendung etwas Boshaftes und Geistreiches gesagt zu haben, brach Klim in Lachen aus und schloß die Augen. Als er sie öffnete, war niemand im Zimmer außer dem Bruder, der aus einer Karaffe Wasser in ein Glas goß.

Weiter erinnerte sich Klim an nichts mehr.

Er erwachte mit schwerem Kopf und der trüben Erinnerung an einen Fehler, an eine Unvorsichtigkeit, die er gestern begangen hatte. Das Zimmer füllte das unangenehm zerstreute, weißliche Licht der Sonne, die in der farblosen Leere jenseits des Fensters versteckt war. Dmitri kam. Sein nasses, glatt gescheiteltes Haar schien mit Öl eingerieben zu sein und legte unschön die rötlichen Augen und das weibische, etwas geschwollene Gesicht frei. Schon an seinem tristen Aussehen merkte Klim, daß er sogleich Schlimmes zu hören bekommen würde.

»Was fiel dir eigentlich ein, gestern?« begann der Bruder, wobei er die Augen senkte und seine Hosenträger verkürzte. »Da hast du nun solange geschwiegen ...; Man hielt dich für einen ernsthaft denkenden Menschen und plötzlich läßt du so was Kindisches vom Stapel. Man weiß nicht, wie man dich verstehen soll. Natürlich, du hattest getrunken, aber man sagt doch: ›Was der Nüchterne im Sinn hat, liegt dem Betrunkenen auf der Zunge‹.«

Dmitri sprach nachdenklich und mit Überwindung. Nachdem er mit seinen Hosenträgern zurechtgekommen war, setzte er sich auf einen knarrenden Stuhl.

»Es kam so heraus, weißt du, als sei in ein Orchester ein Fremder gesprungen und habe, aus reinem Schabernack, etwas ganz anderes geflötet, als die anderen spielten.«

»Welch ein stumpfer, schwachköpfiger Mensch«, dachte Klim. »Ganz Tanja Kulikow.«

Und fing plötzlich an zu reden:

»Nun, genug! Du bist nicht mein Erzieher! Du solltest dich lieber der albernen Versuche zu kalauern enthalten. Es ist beschämend, statt Hosenträger Rosenträger und statt Druckfehler Druckwähler zu sagen. Noch weniger geistreich ist es, den Bottnischen Meerbusen einen Botanischen und das Adriatische Meer idiotisches Meer zu nennen ...;«

Er erhitzte sich und sagte seinem Bruder auch das, wovon er mit ihm nicht hatte sprechen wollen: eines Nachts, als er aus dem Theater heimkam und leise die Treppe hinaufstieg, hörte er über sich auf dem Vorplatz die gedämpften Stimmen Kutusows und Marinas.

»Wann wirst du es endlich Samgin sagen?«

»Mir fehlt der Mut ... und er tut mir leid, er ist so ...;« »Ich bin auch so ...«

Saftig knallte ein Kuß. Marina sagte ziemlich laut:

»Wag es nicht!«

Kutusow blökte etwas, und Klim stieg geräuschlos die Treppe hinunter, um dann von neuem hinaufzusteigen, nun aber eilig und mit festem Tritt. Als er den Vorplatz erreichte, war niemand mehr dort. Er wünschte heftig, seinem Bruder unverzüglich dieses Zwiegespräch mitzuteilen, nach einigem Nachdenken entschied er jedoch, daß es noch verfrüht sei: der Roman versprach interessant zu werden, seine Helden waren alle so fleischlich, animalisch. Diese körperliche Fleischlichkeit war es vor allem, die Klims Neugier erregte. Kutusow und sein Bruder würden sich wahrscheinlich erzürnen, und dies würde für den Bruder, der Kutusow allzu hörig war, heilsam sein.

Nachdem er Dmitri das erlauschte Gespräch erzählt hatte, fügte er, um ihn zu reizen, hinzu:

»Natürlich wird sie ihn dir vorziehen.«

Während des Sprechens sah er zur Decke hinauf und merkte nicht, was Dmitri tat. Zwei schwere klatschende Schläge ließen ihn zusammenzucken und im Bett hochfahren. Der Bruder klatschte sich mit einem Buch auf die Handfläche, er stand in der markigen Haltung Kutusows mitten im Zimmer. Mit fremder Stimme, stotternd, sagte er:

»Solche Dinge erzählen sich Dienstboten. Das ist nur im Katzenjammer entschuldbar.«

Er schleuderte das Buch auf den Tisch und verschwand. Er ließ Klim so entmutigt zurück, daß er erst nach zwei Minuten überlegte:

»Dmitri hätte in diesem Ton nicht mit mir gesprochen. Ich bin ihm eine Erklärung schuldig.«

Er beschloß, den Bruder aufzusuchen und ihn davon zu überzeugen, daß seine Mitteilung über Marina hervorgerufen sei durch das natürliche Gefühl des Mitleids für einen Menschen, den man hinterging. Doch bis er sich gewaschen und angekleidet hatte, waren sein Bruder und Kutusow nach Kronstadt gefahren.

Jelisaweta Spiwak hatte sich erkältet und lag zu Bett, Marina, übertrieben besorgt, sprang die Treppe hinauf und hinunter, blickte häufig aus dem Fenster und fuchtelte albern mit den Armen in der Luft herum, als fange sie eine Motte, die niemand sah als sie. Als Klim den Wunsch aussprach, die Kranke zu besuchen, sagte Marina trocken:

»Ich werde fragen.«

Doch Klim war überzeugt, daß sie nicht angefragt hatte. Man bat ihn nicht nach oben. Es war langweilig. Nach dem Frühstück kam wie immer der kleine Spiwak ins Eßzimmer hinunter.

»Störe ich?« fragte er und begab sich zum Flügel. Wäre im Zimmer auch niemand gewesen, würde er, schien es, trotzdem gefragt haben, ob er nicht störe, und wenn man ihm erwidert hätte, »Gewiß, Sie stören«, würde er sich nichtsdestoweniger an den Flügel geschlichen haben.

Klim konnte ihn sich nicht anders vorstellen als am Flügel, an ihn festgeschmiedet, wie der Sträfling an seinen Karren, den er nicht vom Fleck fortbewegen kann. Er wühlte mit seinen Fingern in den zweifarbigen Gebeinen der Klaviatur, entlockte dem schwarzen Mechanismus leise Noten und sonderbare Akkorde und schien, wie er so den Kopf tief in die Schultern zog und ihn auf die Seite legte, den Tönen zuzusehen. Er redete wenig und ausschließlich über zwei Themen: mit geheimnisvoller Miene und stillem Entzücken über die chinesische Tonleiter und jammernd, mit Kümmernis, über die Unvollkommenheit des europäischen Gehörs.

1 ... 65 66 67 68 69 70 71 72 73 ... 156
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)