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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»So ein Dummkopf«, antwortete Tichon nach einer Weile und streckte die Hand nach dem Hund aus, ließ sie aber sogleich auf das Knie sinken, und Jakow fühlte, daß er diese Worte vergeblich gesprochen hatte und daß sie in der Leere versanken, und er warnte aus irgendeinem Grunde Tichon:

»Sprich aber nicht über Noskow.«

»Wozu sollte ich denn darüber sprechen ? Es geht mich nichts an. Wem sollte man es auch sagen? Niemand glaubt irgendwem.«

»Ja,« sagte der Mönch, »es ist wenig Glauben da: ich habe nach dem Krieg mit verwundeten Soldaten gesprochen und ich sehe: auch der Soldat glaubt nicht an den Krieg! Überall ist Eisen, Jakow, man sieht nur Eisen und Maschinen. Die Maschine arbeitet, die Maschine singt und spricht! Diese eiserne Lebensführung verlangt andere Menschen, die auch eisern sind. Sehr viele verstehen das, ich bin schon solchen Menschen begegnet. ›Wir werden es euch Weichtieren schon zeigen!‹ sagen sie. Und manche andere fühlen sich beleidigt. Man ist es gewohnt, daß ein Mensch kommandiert, wenn aber Eisen oder sonst ein Metall das tut, ist man gekränkt. Man hat sich an die Axt, an den Hammer, an all das gewöhnt, was man in die Hand nehmen kann; hier hat aber ein Ding das Gewicht von hundert Pud und ist dabei doch wie lebendig.«

Tichon räusperte sich und lachte in einer Jakow unbekannten und von ihm noch nicht gehörten Weise, indem er sagte:

»Der Wagen läuft vor dem Pferd. Ach, zum Teufel!«

»Und viele sind verbittert«, fuhr der Mönch sehr leise fort. »Ich bin drei Jahre lang überall herumgewandert und habe es gesehen: ach, wie verbittert sind sie doch! Ihr Zorn ist aber nicht dorthin gerichtet, wohin es nötig wäre. Sie sind gegeneinander erbittert und doch haben alle sowohl an ihrem Verstand als an ihrer Dummheit Schuld. Das hat mir der Pope Gleb gesagt, das ist sehr richtig!«

»Lebt der Pope denn noch?« fragte Tichon.

»Er ist nicht mehr Pope«, erwiderte Nikita. »Er ist aus der Kirche ausgetreten und verkauft jetzt auf den Dorfmärkten Bücher.«

»Ein guter Pope«, sagte Tichon. »Ich habe bei ihm gebeichtet. Er war gut. Nur hat er aus Armut geheuchelt, daß er ein Pope wäre. Ich meine aber, daß er nicht recht an Gott geglaubt hat.«

»Nein, er hat an Christus geglaubt. Jeder glaubt auf seine Weise.«

»Dadurch entsteht die Verwirrung«, sagte Tichon bestimmt und lachte wieder häßlich. »Sie haben sich das ausgedacht...«

Am Hauseingang erschien lautlos Pjotr Artamonow, barfuß und im Nachthemd. Er blickte auf den blassen Himmel und sagte zu den Menschen am Fenster:

»Ich kann nicht schlafen. Der Hund stört. Und ihr murmelt hier...«

Der Hund saß mit gespitzten Ohren mitten auf dem Hof, winselte ab und zu, blickte auf das dunkle Loch des offenen Fensters und wartete wohl darauf, daß der Herr ihn rief.

»Und du kommst immer auf dasselbe zurück, Tichon!« begann Artamonow. »Da, sieh nur Jakow: der Mann ist auf einen Gedanken gestoßen und ist, wie ein Wolf, in die Falle geraten. Ebenso wie dein Bruder. Weißt du schon von Ilja, Nikita?«

»Ich habe es gehört.«

»Ja. Ich habe ihn fortgejagt. Er hat ein fremdes Roß bestiegen und ist weggaloppiert. Wohin aber? Nicht ein jeder kann wie er auf den Reichtum verzichten und auf unbekannte Weise leben...«

»Alexej, der Knecht Gottes, hat ja auch ...« erinnerte Nikita leise.

Pjotr Artamonow erhob die Hand zur Schläfe, schwieg eine Weile und ging in den Garten, indem er zu Jakow sagte:

»Bringe mir die Decke und die Kissen in die Laube, vielleicht finde ich dort Schlaf.«

Seine schwere, weiße Gestalt, das zerzauste Kopfhaar und das dunkelbraune, verschwollene Gesicht ließen ihn beinahe furchtbar erscheinen.

»Du hättest nicht von Maschinen sprechen sollen, Nikita«, sagte er, im Hof stehen bleibend. »Was verstehst du von Maschinen? Es ist deine Sache, von Gott zu sprechen. Die Maschinen schaden nicht...«

Tichon unterbrach ihn unehrerbietig und eigensinnig:

»Die Maschinen verteuern das Leben und machen Lärm.«

Pjotr Artamonow wehrte mit der Hand ab und ging langsam in den Garten. Jakow, der mit den Kissen vor ihm ging, dachte aber zornig und traurig:

»Das sind nun meine Verwandten: mein Vater und mein Onkel! Wozu brauche ich sie aber? Sie können mir nicht helfen.«

Der Vater forderte seinen Bruder nicht auf, bei ihm zu wohnen. Der Mönch richtete sich im Hause von Tante Olga auf dem Boden ein und sagte ihr zuvor:

»Ich werde hier eine Weile bleiben, ich gehe bald weg...«

Er lebte hier fast ohne sich bemerkbar zu machen und kam nicht in die unteren Räume, wenn er nicht gerufen wurde. Er scharrte im Garten herum, schnitt die trockenen Baumzweige ab, kroch wie eine Schildkröte auf der Erde herum und jätete Unkraut. Er wurde runzlig, sein Körper vertrocknete, und er sprach mit den Leuten so, als erzählte er ihnen wichtige Geheimnisse. Er besuchte ungern die Kirche und schützte Unwohlsein vor, er betete auch zu Hause wenig, liebte es nicht, über Gott zu sprechen, und wich solchen Gesprächen eigensinnig aus.

Jakow sah, daß der Mönch sich mit Olga sehr anfreundete; auch die schweigsame Wera Popowa achtete ihn sehr, und selbst Miron verzog das Gesicht nicht, wenn er den Onkel von seinen Wanderungen und von den Menschen erzählen hörte, obwohl er nach dem Tode des Vaters noch hochmütiger und trockener geworden war, im Werk schaltete und waltete, als wäre er der Älteste, und Jakow wie einen Angestellten anschrie.

Der Mönch betrachtete Natalias rotes, verschwommenes Gesicht ebenso freundlich wie alles und alle, sprach mit ihr aber weniger als mit den andern. Sie hatte allmählich selbst das Sprechen verlernt und atmete nur noch. Ihre stumpfen Augen waren unbeweglich, und nur ab und zu flammte in ihrem trüben Blick die Sorge um die Gesundheit ihres Mannes, die Furcht vor Miron und die liebevolle Freude beim Anblick des rundlichen, soliden Jakow auf. Mit Tichon war der Mönch nicht ganz einig, sie brummten einander an, und wenn sie auch nicht stritten, gingen sie doch wie zwei Blinde aneinander vorbei.

Die eckige, schwarze Gestalt des Onkels warf auf Jakows Leben noch einen Schatten: der Anblick des Mönchs rief in ihm bange Ahnungen hervor, sein dunkles, abgezehrtes Gesicht ließ an den Tod denken. Jakow Artamonow betrachtete alles, was im Hause vorging, vom Standpunkt der Sorge um sich selbst, die immer mehr anwuchs, es entstand aber auch zu Hause immer mehr und immer neue Unruhe. Als in Liebessachen erfahrener Mann fühlte er, daß Polina gleichgültiger gegen ihn wurde, und der kaltblütige Leutnant Mawrin bestätigte Jakows Verdacht. Bei den Begegnungen mit ihm berührte der Leutnant die Mütze verächtlich nur mit einem Finger und kniff die Augen zu, als betrachtete er etwas Entferntes und sehr Kleines, während er vorher liebenswürdiger und höflicher gewesen war, und, wenn er sich im Kasino bei Jakow Geld zum Kartenspielen geliehen oder ihn um die Stundung einer Schuld gebeten hatte, zu ihm mehr als einmal anerkennend gesagt hatte: »Artamonow, Sie haben die Figur eines Artilleristen«, oder sonst etwas Angenehmes. Jakow hatte die etwas grobe Gutmütigkeit dieses wie aus Gummi geformten Offiziers geschmeichelt, der die ganze Stadt durch seine Unempfindlichkeit gegen Kälte, durch seine Geschicklichkeit, seine Kraft und seinen ihm zweifellos eigenen großen Mut in Erstaunen setzte. Er sah mit seinen runden, versteinerten Augen in die Gesichter der Menschen und sprach, etwas heiser, im Kommandoton:

»Ich bin ein kaltblütiger Mensch und kann Übertreibungen nicht leiden.«

Als Mawrin beim Kartenspiel mit dem Postmeister Dronow, einem kranken, aber giftigen, klugen Alten, den alle in der Stadt fürchteten, in Streit geriet, sagte er ihm:

»Ich will ja nicht übertreiben, aber Sie sind ein alter Dummkopf!«

Da Jakow Artamonow in dem Leutnant seinen Nebenbuhler vermutete, befürchtete er einen Zusammenstoß mit ihm. Er dachte jedoch nicht daran, Polina an Mawrin abzutreten. Diese Frau wurde für ihn immer anziehender. Er hatte sie aber schon mehr als einmal gewarnt:

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