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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Er warf sich mit einer plötzlichen Bewegung die Mütze auf den Kopf, bückte sich und streifte, durch die Zähne stöhnend, die Hose hoch, dann zog er aus der Tasche das Taschentuch hervor und begann sich das über dem Knie verwundete Bein zu verbinden. Er murmelte ununterbrochen etwas Unverständliches. Jakow hörte aber nicht auf seine Worte, da ihn das seltsame Betragen des verunglückten Plünderers wieder entmutigte.

Jakow Artamonow überlegte mit einer für ihn ungewöhnlichen Schnelligkeit: er mußte Noskow natürlich hier am Zaun liegen lassen und in die Stadt gehen, um den Nachtwächter zu holen, der den Verwundeten bewachen sollte, während er auf die Polizei ging und den Überfall zur Anzeige brachte. Dann würde die Untersuchung beginnen, Noskow würde von den Gelagen des Vaters bei der Diakonsfrau erzählen. Vielleicht hatte er Freunde, die ebensolche Halsabschneider waren, sie würden ihn möglicherweise zu rächen versuchen. Man konnte diesen Menschen aber doch nicht ohne Strafe lassen.

Die Nacht wurde immer frostiger; die Hand, die den Revolver hielt, schmerzte vor Kälte; bis zur Polizeiwache war es weit, dort schliefen natürlich alle. Jakow schnaufte zornig, da er nicht wußte, wozu er sich entschließen sollte, und bedauerte, daß er diesen stämmigen Burschen nicht gleich erschossen hatte, der so krumme Beine hatte, als ob er sein ganzes Leben rittlings auf einem Faß verbracht hätte. Und plötzlich vernahm er so unerwartete Worte, daß sie ihn verblüfften:

»Ich will es Ihnen geradeheraus sagen, obwohl es ein Geheimnis ist«, sprach Noskow, noch immer mit seinem Bein beschäftigt. »Ich lebe hier zu Ihrem Nutzen, um Ihre Arbeiter zu überwachen. Es war nur eine Ausrede, daß ich Sie erschrecken wollte, – in Wirklichkeit wollte ich jemanden festnehmen und habe mich eben geirrt...«

»Zum Teufel!« sagte Jakow. »Was soll das?«

»Ja, es ist so ... Sie wissen es nicht, – bei der Diakonsfrau im Badehaus versammeln sich Sozialisten, sie sprechen wieder von einem Aufstand und lesen Bücher...«

»Du lügst,« sagte Jakow leise, glaubte ihm aber. »Und wer ist es denn? Wer versammelt sich?«

»Das kann ich nicht sagen. Wenn sie verhaftet sind, erfahren Sie es.«

Noskow erhob sich, indem er sich an den Zaunlatten festhielt und bat:

»Geben Sie mir meinen Stock, sonst komme ich nicht weit...«

Jakow bückte sich, hob den Stock auf, reichte ihn Noskow und fragte leise und um sich blickend:

»Wie war das also? Warum haben Sie mich überfallen?«

»Ich habe Sie nicht überfallen. Ich habe mich in der Person geirrt. Ich suchte einen andern und nicht Sie. Lassen Sie das alles. Es war ein Irrtum. Sie werden bald sehen, daß ich die Wahrheit sage. Sie müssen mir für das Auskurieren meines Beines Geld geben. Das wollte ich Ihnen noch sagen ...« Sich am Zaun festhaltend und sich auf den Stock stützend, begann Noskow die krummen Beine zu bewegen, er entfernte sich von den Gemüsegärten in der Richtung der dunklen Vorstadthäuschen und schien im Gehen die kalten Wolkenschatten auseinander zu jagen, Als er aber etwa zehn Schritte gemacht hatte, rief er halblaut:

»Jakow Petrowitsch!«

Jakow näherte sich ihm sehr rasch, Noskow sagte:

»Erwähnen Sie diesen Vorfall mit keinem Wort vor irgendwem! Sonst ... Sie verstehen mich.«

Er ging, den Stock schwingend, weiter und ließ Jakow in einem Zustand von Stumpfsinn zurück. Jakow mußte an vieles zugleich denken und sofort darüber klar werden, ob er so gehandelt hatte, wie es sich gehörte. Gewiß war Noskow ein nützlicher und sogar notwendiger Mensch, wenn er sich mit der Überwachung von Sozialisten befaßte, – wie aber, wenn er gelogen und betrogen hatte, nur um Zeit zu gewinnen und sich dann später für den Mißerfolg und den Schuß zu rächen? Es war Lüge, daß er sich geirrt hatte oder erschrecken wollte; es war klar, daß er log. Vielleicht war er aber von den Arbeitern bestochen, um ihn zu ermorden? Unter den Webern des Werks gab es einen großen Kreis von Skandalmachern und Raufbolden; es fiel aber schwer, sich in ihrer Mitte Sozialisten vorzustellen. Die solideren Arbeiter, wie Sedow, Krikunow, Maslow und andere hatten selbst erst vor kurzem verlangt, das Kontor sollte einen der ärgsten Randalierer entlassen. Nein, Noskow hatte ihn bestimmt betrogen. War es nötig, daß er die Sache Miron erzählte? Jakow konnte sich nicht recht vorstellen, was sich abspielen würde, wenn er zu Miron von Noskow sprechen würde; der Vetter würde ihn aber, wie ein Richter, genau verhören, würde ihn beschuldigen und bestimmt in der einen oder anderen Weise verspotten. Wenn Noskow ein Spion sein sollte, würde Miron das wahrscheinlich wissen. Und dann war es ja doch noch nicht ganz aufgeklärt, wer sich geirrt hatte, – Noskow oder Jakow? Noskow hatte gesagt: »Sie werden bald sehen, daß ich die Wahrheit spreche.« Jakow blickte dem Jäger so lange nach, bis er in den nächtlichen Schatten verschwunden war. Alles erschien ja ganz einfach und verständlich: Noskow hatte ihn überfallen in der zweifellosen Absicht, ihn zu berauben; Jakow hatte auf Noskow geschossen; dann aber begann etwas Banges und Verworrenes, das an einen bösen Traum erinnerte. Noskow geht auf eine seltsame Weise am Zaun entlang, und auch die Schatten kriechen als ungewöhnlich dichte Klumpen hinter ihm her; Jakow sah zum erstenmal, daß Schatten sich so schwer hinter einem Menschen hinschleppten.

Vom Grübeln zerquält und ermüdet beschloß Jakow Artamonow, zu schweigen und abzuwarten. Die Gedanken an Noskow verließen ihn nicht, er zog die Stirne kraus, fühlte sich krank, und wenn die Arbeiter um die Mittagszeit die Fabrikgebäude verließen, stand er am Kontorfenster, betrachtete sie und versuchte zu erraten, wer von ihnen Sozialist sein könnte. Wäre es denn möglich, daß der schwarze, lahme Heizer Waska, der beim Schreiner Serafim geschickt das Dichten von Spottversen gelernt hatte, einer wäre?

Als Jakow Artamonow nach einigen Tagen sein vom Stehen steif gewordenes Pferd einfahren wollte, erblickte er am Waldessaum den Gendarmen Nesterenko in einem schwedischen Rock, in hohen Stiefeln, mit einem Gewehr in der Hand und einer mit Vogelwild vollgestopften Jagdtasche an der Seite. Nesterenko stand mit dem Gesicht zum Walde und mit dem Rücken zur Straße und rauchte sich mit gesenktem Kopf und erhobenen Händen eine Zigarette an; sein fuchsroter, lederner Rücken wurde von der Sonne beleuchtet und schien aus Eisen zu sein. Jakow war mit sich sogleich darüber einig, was er zu tun hätte, ritt auf ihn zu und grüßte eilig:

»Ich wußte gar nicht, daß Sie hier sind!«

»Schon seit drei Tagen; meiner Frau geht es immer schlechter, Väterchen. Jawohl!«

Nesterenko teilte diese traurige Nachricht sehr lebhaft mit, klopfte dann gleich mit der Hand auf die Jagdtasche und fügte hinzu:

»Was ich da alles habe! Nicht übel, wie?«

»Kennen Sie den Jäger Noskow?« fragte Jakow halblaut. Die rötlichen Brauen des Gendarmen krochen erstaunt nach oben, sein chinesischer Schnurrbart bewegte sich, er hielt die eine Spitze fest und kniff, mit einem Blick auf den Himmel, die Augen zu; das alles rief in Jakow die Erwartung hervor: Er wird mir etwas vorlügen!

»Nos ... Wie? Noskow? Wer ist das?«

»Ein Jäger. Mit krausem Haar und krummen Beinen ...«

»So? Ich glaube so einen im Walde gesehen zu haben. Er hat ein armseliges Gewehr ... Was ist mit ihm los ?«

Jetzt sah der Gendarm mit einem scharfen, fragenden Blick der grauen Augen, deren Pupillenmittelpunkt einen hellen Funken hatte, Jakow ins Gesicht. Jakow erzählte ihm rasch von Noskow. Nesterenko hörte ihm zu, indem er auf die Erde blickte und mit dem Gewehrkolben einen Tannenzapfen hineinhämmerte. Als er alles wußte, fragte er, ohne die Augen zu heben:

»Warum haben Sie bei der Polizei keine Anzeige gemacht? Das ist Ihre Sache, Väterchen, und das ist Ihre Pflicht

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