Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
1 ... 55 56 57 58 59 60 61 62 63 ... 80
Перейти на страницу:

Die gingen zu siebent alle beisammen; Alexej führte seine Frau am Arm und hinkte voran, hinter ihm ging Jakow mit der Mutter und der Schwester Tatjana, dann folgte Miron mit dem Arzt; als letzter schritt Pjotr Artamonow in weichen Stiefeln einher.

»Das ist eine Rasse!« sagte Miron halblaut.

»Eine Parade der Macht!« antwortete der Arzt.

Miron nahm die Brille ab und begann sie mit dem Taschentuch zu putzen, der Arzt fügte hinzu:

»Passen Sie auf, es kommt zu einer Rauferei!«

»Nun, dieses Rohmaterial fängt nicht so bald Feuer...«

»Hör' auf«, sagte Pjotr zu seinem Neffen. Der sah ihn von der Seite an und setzte sich die Brille auf die lange Nase, die er vorher mit den Fingern befühlt hatte.

»Herr, errette deine Knechte!« forderte Woroponow und kreischte das Wort: »Knechte« absichtlich laut und pfeifend hervor; dann wandte er sich wie ein Wolf um, musterte die Bürger und schwang aus irgendeinem Grunde seine Biberpelzmütze in die Luft.

Schön und mit tiefer Stimme sang die vierzigjährige, aber frische, rundliche und hochbrüstige Tochter Pomialows, die zum drittenmal verwitwet war und ihrem skandalösen, schamlosen Lebenswandel nach die erste Stelle in der Stadt einnahm. Pjotr Artamonow hörte, wie sie Natalia halblaut riet:

»Gevatterin, du solltest deinen Mann in den Krieg schicken; er jagt Angst ein und wird die Feinde in die Flucht schlagen.«

Dann fragte sie Jakow:

»Na, Patchen, warum heiratest du nicht, mein Hähnchen?«

Pjotr Artamonow schüttelte den Kopf, die Worte hinderten ihn wie Fliegen daran, über etwas sehr Wichtiges nachzudenken; er ging zur Seite, schritt langsamer über das Trottoir hin und ließ den Strom der Menschen, der an diesem Tage auf dem üppigen, reinen Schnee ungewöhnlich schwarz erschien, an sich vorbei. Die Menschen gingen weiter und atmeten, wie kochende Samowars, Dampf aus.

Da schritt an der Spitze ihrer Schülerinnen Wera Popowa mit einem steinernen Gesicht vorbei; die Schneeflocken funkelten auf ihren grauen Haaren; ihre weißen, bereiften Wimpern zuckten, als sie mit ihrem unbedeckten, von üppigen Flechten eingerahmten Kopf nickte. Artamonow bedauerte sie:

»Die Närrin hat sich einspannen lassen, um Enten zu hüten.«

Es rollte eine lange Woge geschorener Köpfe vorüber: das waren die Schüler der beiden städtischen Schulen; eine halbe Kompanie Soldaten schob sich wie eine schwere, graue Maschine vorbei; sie wurde von dem stadtbekannten, kaltblütigen Leutnant Mawrin geführt, der von der Schneeschmelze bis zu den Frösten täglich in der Oka badete und, wie alle wußten, auf Kosten der Pomialowa lebte, mit der er ein illegitimes Verhältnis unterhielt.

Majestätisch, wie eine satte Gans, schritt der Gendarmerieoffizier Nesterenko, ein Mensch mit einem Chinesenschnurrbart, einher, und seine kranke Frau ging am Arme ihres Bruders Shitejkin, des Sohnes des verstorbenen Stadtältesten und Lederfabrikanten. Man erzählte von Shitejkin, er treibe zwar Unzucht mit Nonnen, hätte aber siebenhundert Bücher gelesen und verstehe es meisterlich, auf einer kleinen Trommel zu trommeln, welche Kunst er sogar heimlich den Soldaten beibringe.

Dann fuhr der fett gewordene Stepan Barski mit seinem dem Trunke ergebenen Schwiegersohn und der schielenden Tochter im Schlitten vorüber; in einem dunklen Haufen bewegte sich langsam das geringe Volk: die Kleinbürger, die Lederarbeiter, die Weber, die Wagenarbeiter, die Bettler und irgendwelche ganz überflüssige alte Frauen, die an Ratten erinnerten. Der Schnee salzte träge die entblößten Köpfe ein, aus der Ferne drang unerbittlich Woroponows forderndes Geschrei herüber:

»Herr, errette deine Knechte...«

»Wozu braucht Gott diese Menschen? Das ist nicht zu verstehen«, dachte Artamonow. Er liebte die Bürger nicht und unterhielt zu der Stadt fast gar keine Beziehungen außer den geschäftlichen Bekanntschaften; er wußte, daß die Stadt ihn auch nicht liebte und für stolz und boshaft hielt. Dagegen wurde aber Alexej wegen seiner Vorliebe, für die Verschönerung der Stadt tätig zu sein, sehr geachtet; so hatte er die Hauptstraße gepflastert, den Platz durch Linden geschmückt und hatte am Ufer der Oka einen öffentlichen Garten angelegt. Miron und selbst Jakow waren gefürchtet, man hielt sie für maßlos gierig und war der Meinung, daß sie alles ringsum in ihre Hand bekommen wollten.

Artamonow betrachtete das langsame Vorüberschreiten der nachdenklichen Menschen und zog die Stirne kraus, – viele unbekannte Gesichter und viel zu viele verschiedenfarbige Augen blickten ihn mit der gleichen Feindseligkeit an.

Am Tor von Alexejs Haus begrüßte ihn Tichon. Artamonow fragte:

»Wir haben Krieg, Alter?«

Tichon fuhr sich mit der gewohnten Bewegung der schweren Hand über die Backenknochen. Zum erstenmal während des ganzen mit ihm verbrachten Lebens fragte Artamonow diesen Menschen vertrauensvolclass="underline"

»Was meinst du dazu?«

»Das ist eine Lappalie«, erwiderte Wialow sogleich, als hätte er die Frage erwartet.

»Bei dir ist alles eine Lappalie«, sagte Artamonow unbestimmt.

»Ja, was denn sonst? Sind wir denn Hunde? Wir sind doch keine Tiere.«

Artamonow ging durch den feinen, pulverigen Schnee weiter. Er fiel immer dichter und ließ die Menschenmenge in der Ferne zwischen den weißen Hügeln der Bäume und Dächer beinahe ganz verschwinden.

Jetzt, nach dem Tode von Serafim, dem Tröster, suchte Pjotr Artamonow bei der Diakonswitwe Taïsja Paraklitowa Zerstreuung. Es war dies eine magere Frau unbestimmten Alters, die an einen Backfisch und an eine schwarze Ziege erinnerte. Sie hatte etwas Stilles und war mit ihm immer und in allem einverstanden:

»So ist es, mein Lieber!« sagte sie. »Ja, mein Lieber, ja, ja!«

Artamonow trank viel, wurde aber erst nach langer Zeit berauscht, und es reizte ihn, daß seine aufdringlichen traurigen Gedanken so lange brauchten, um in Taïsjas starken, schmackhaften Schnäpsen zu zerschmelzen und zu ertrinken. Die ersten Minuten des Rausches waren unangenehm, der Alkohol machte Pjotrs Gedanken über sich und die Menschen noch ätzender und bitterer, färbte das ganze Leben in böse, sumpfig grüne Farben, denen er eine brodelnde Bewegung verlieh; es schien Artamonow, daß dieses Brodeln ihn im Kreise herumwirbelte, um ihn im nächsten Augenblick über irgendeinen Rand zu schleudern. Er lauschte zähneknirschend, mit scharfem Blick, dem finstern Aufruhr in seinem Innern und schrie dann die Diakonsfrau an:

»Nun, was schweigst du? Erzähle, was du weißt!«

Die Frau sprang wie eine Ziege auf seine Knie, sie war erstaunlich leicht und warm. Sie schien ein unsichtbares Buch aufzuschlagen und daraus vorzulesen:

»Die Pomialowa hat dem Leutnant Mawrin den Laufpaß gegeben, er hat wieder dreihundertzwanzig Rubel beim Kartenspiel verloren; sie will die Wechsel präsentieren, sie hat Wechsel auf seinen Namen. Und der Gendarm läßt seine Frau deshalb hier wohnen, weil er sich in der Stadt eine Geliebte angeschafft hat, und nicht weil seine Frau krank ist...«

»Das ist lauter Unrat«, sagte Artamonow.

»Es ist Unrat, mein Lieber, und was für welcher!«

Ihre Berichte über die schmutzigen Stadtereignisse verwirrten Artamonows Gedanken, lenkten sie in andere Bahnen, rechtfertigten und festigten seine Feindseligkeit diesen langweiligen Sündern, den Städtern gegenüber. An Stelle dieser Gedanken erstanden und bewegten sich im Kreise die Bilder der wilden Gelage auf der Messe in Nishni; rasende Menschen mit gierig glotzenden, betrunkenen, doch nie satten Augen rannten wie besessen herum, verbrannten Geld und wüteten in jeder Weise und ohne vor irgend etwas zurückzuschrecken in der grimmigen Auflehnung des Fleisches und strebten zu der großen, auf dem schwarzen Hintergrund blendend weiß erscheinenden, schamlos entblößten Frau hin...

1 ... 55 56 57 58 59 60 61 62 63 ... 80
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)