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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Die Arbeiter webten ausgezeichnetes Leinen, kleideten sich aber selbst in Lumpen, wohnten im Schmutz und betranken sich; sie standen sämtlich im Banne einer besonderen, frechen, unverhüllten Dummheit, der völlig jene einfältige, rein wirtschaftliche Schlauheit mangelte, die jeder Bauer besitzt. An die Arbeiter mußte Jakow Artamonow mehr als an alles andere denken, weil er mit ihnen täglich in Berührung kam; sie hatten ihm längst, noch in der Jugend, ein feindseliges Gefühl eingeflößt, – er hatte damals einige schroffe Zusammenstöße mit jungen Webern wegen der Mädchen gehabt, und manche unter seinen Nebenbuhlern schienen die alte Kränkung bis zum heutigen Tage nicht vergessen zu haben. Als er noch bartlos war, hatte man ihn des Nachts zweimal mit Steinen beworfen. Die Mutter mußte sich damals mehr als einmal mit Geld vom Skandal und Weibergekreisch loskaufen, dabei redete sie ihm auf komische Weise zu:

»Warum treibst du es wie ein Hahn? Du solltest warten, bis du heiratest. Oder such' dir eine aus und lebe mit ihr! Man wird sich beim Vater über dich beklagen und er wird dich wie Ilja fortjagen...«

Während der zwei, drei unruhigen Jahre hatte Jakow im Werk nichts besonders Gefährliches bemerkt; aber Mirons Reden, Onkel Alexejs besorgte Seufzer, die Zeitungen, die Jakow nur ungerne las, die aber mit aufdringlicher Bereitwilligkeit und unverhohlener, schadenfroher Drohung von der Arbeiterbewegung erzählten und die Reden der Arbeitervertreter in der Duma abdruckten, – das alles flößte Jakow ein feindseliges Gefühl gegen die Fabrikleute ein und rief das kränkende Bewußtsein der Abhängigkeit von ihnen hervor. Ihm schien, er hätte es schon gelernt, dieses Gefühl kunstvoll unter einer gewissen Nachgiebigkeit in bezug auf ihre Forderungen, unter Lächeln und Scherz zu verbergen. Aber im allgemeinen ging alles nicht schlecht, obwohl ihn manchmal eine plötzliche Verlegenheit umfing und beengte, als wäre er, Jakow Artamonow, der Prinzipal, bei den Menschen zu Gaste, die für ihn arbeiteten, als lebte er schon lange so, und als wären sie schon seiner überdrüssig; sie sähen ihn mit einem gelangweilten Schweigen so an, als wollten sie sagen:

»Warum gehst du denn nicht? Es ist Zeit!«

In den Stunden, da er das empfand, stieg in ihm eine dunkle Ahnung auf, im Werk glimme und rauche etwas heimlich und unsichtbar, das gerade für ihn persönlich sehr gefährlich wäre.

Jakow war davon überzeugt, daß der Mensch etwas Einfaches wäre, daß er das Einfache am liebsten hätte, und daß er von selbst keinerlei unruhige Gedanken erfinde und in sich trage. Diese umnebelnden Gedanken leben irgendwo außerhalb des Menschen und, durch sie verseucht, wird er auf besorgniserregende Weise unverständlich. Es ist besser, diese vergiftenden Gedanken gar nicht zu kennen und sie nicht anzufachen. Jakow fühlte das Vorhandensein dieser feindlichen Gedanken außerhalb seiner Person und sah, daß sie, ohne die festen Knoten der allgemeinen Dummheit zu lockern, all das Einfache und Klare verwirrten, woraus er mit Vorliebe sein Leben zusammensetzte. Klüger als alle Menschen, die er kannte, erschien ihm der alte Tichon Wialow; Jakow beobachtete dessen ruhiges Verhalten den Menschen gegenüber, seine wie aus Gnade geleistete Arbeit und beneidete ihn. Tichon schlief sogar auf eine kluge Weise: er preßte das Ohr an die Kissen, an die Erde, als lauschte er auf irgend etwas.

Er fragte den Alten:

»Träumst du?«

»Warum denn? Ich bin kein Frauenzimmer«, sagte Tichon, und Jakow fühlte hinter seinen Worten etwas Festes, Durchgegorenes und unerschütterlich Starkes.

»Weiberträume«, dachte Jakow Artamonow, den Debatten und Reden in Onkel Alexejs Hause lauschend und innerlich lächelnd.

Im allgemeinen fiel ihm aber das Denken schwer, und wenn er nachsann, bewegte er sich mit Mühe, als trage er eine große Last, er senkte dabei den Kopf und blickte sich vor die Füße. So ging er auch in jener Nacht, als er von Polina zurückkehrte; deshalb hatte er nicht gemerkt, woher vor ihm eine untersetzte, graue Gestalt auftauchte, die nun weit mit dem Arm ausholte. Jakow ließ sich rasch auf das Knie sinken, zog sofort den Revolver aus der Manteltasche, hielt ihn gegen den Fuß des Angreifers und schoß; es ertönte ein dumpfer und schwacher Knall, der Mann prallte zurück, stieß mit der Schulter gegen einen Zaun, stöhnte und glitt auf die Erde.

Erst nachdem das geschehen war, fühlte Jakow, daß er bis auf den Tod erschrocken war, und zwar in dem Maße, daß er beim besten Willen nicht schreien konnte; seine Hände zitterten und die Beine gehorchten nicht, als er sich von den Knien erheben wollte. Zwei Schritte von ihm entfernt rutschte auf der Erde, in dem Bestreben, ebenfalls aufzustehen, jener Mann ohne Mütze, mit kraushaarigem Kopf, herum.

»Ich schieß' dich tot, du Aas«, sagte Jakow heiser und streckte die Hand mit dem Revolver vor. Der Mann wandte ihm das breite Gesicht zu und murmelte:

»Sie haben mich schon erschossen...«

Jetzt erkannte Jakow ihn und murmelte erstaunt:

»Noskow? Ach, du Schuft! Du?«

Jakows Furcht wich schnell einem sich der Freude näherndem Gefühl, das nicht nur durch das Bewußtsein des glücklich abgewendeten Überfalls, sondern auch durch den Umstand hervorgerufen wurde, daß der Angreifer sich nicht als ein Fabrikarbeiter, wie Jakow vermutet hatte, sondern als ein Fremder entpuppte. Es war Noskow, ein Jäger und Harmonikaspieler, der auf Hochzeiten musizierte, ein einsamer Mensch. Er wohnte bei der Diakonsfrau Paraklitowa, und bis zu dieser Nacht hatte man in der Stadt über ihn nichts Schlechtes gehört.

»Damit befaßt du dich also?« sagte Jakow, richtete sich auf und blickte um sich; es war still, nur der Wind schüttelte die Baumzweige über dem Zaun.

»Ja, womit befasse ich mich denn?« fragte Noskow plötzlich laut. »Ich wollte nur einen Spaß machen und Sie erschrecken, sonst nichts. Und Sie haben gleich losgeknallt. Passen Sie auf, man wird Sie dafür nicht beloben. Ich bin selbst erschrocken...«

»Ach so«, sagte Jakow spöttisch im Tone eines Siegers. »Nun steh' auf, komm mit auf die Polizei.«

»Ich kann nicht gehen, Sie haben mich schwer verletzt.« Noskow hob die Mütze auf, sah hinein und fügte hinzu:

»Ich fürchte mich aber nicht vor der Polizei.«

»Nun, das werden wir dort sehen. Steh' auf!«

»Ich fürchte mich nicht,« wiederholte Noskow. »Wodurch wollen Sie beweisen, daß ich Sie überfallen habe und nicht Sie mich – vor lauter Angst? Das ist das Eine!«

»So? Und das Zweite?« fragte Jakow lächelnd, aber durch Noskows Ruhe etwas verblüfft.

»Es gibt auch ein Zweites. Ich bin für Sie ein nützlicher Mensch.«

»Das ist ein Märchen oder aus einem Märchen!«

Jakow richtete den Revolver auf das Gesicht des Harmonikaspielers und drohte mit plötzlicher Wut:

»Ich schlage dir den Schädel ein!«

Noskow hob die Augen, senkte sie wieder auf die Mütze und sagte eindringlich:

»Fangen Sie keinen Skandal an. Sie können nichts beweisen, wenn Sie auch reich sind. Ich sage: ich wollte nur einen Spaß machen. Ich kenne Ihren Papa, ich habe ihm oft auf der Harmonika vorgespielt.«

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