Novellen
- Автор: Цвейг Стефан
- Язык: немецкий
- Год: АСТ
- ISBN: 978-5-17-085076-1
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Novellen». Краткое содержание книги:
VERWIRRUNG DER GEFÜHLE
Angst
DER STERN ÜBER DEM WALDE
DIE LIEBE DER ERIKA EWALD
BRENNENDES GEHEIMNIS
VERGESSENE TRÄUME
DIE HOCHZEIT VON LYON
UNTERGANG EINES HERZENS
DIE GLEICH-UNGLEICHEN SCHWESTERN
�Ich werde sie Ihnen entsch�digen. ��Sie sind sehr deutlich� Aber ich will noch mehr Deutlichkeit. Welche Summe haben Sie als Honorar in Aussicht genommen?�
�Zw�lftausend Gulden, zahlbar auf Scheck in Amsterdam. �
Ich� zitterte� ich zitterte vor Zorn und� ja auch vor Bewunderung. Alles hatte sie berechnet, die Summe und die Art der Zahlung, durch die ich zur Abreise gen�tigt war, sie hatte mich eingesch�tzt und gekauft, ohne mich zu kennen, hatte �ber mich verf�gt im Vorgef�hl ihres Willens. Arn liebsten h�tte ich ihr ins Gesicht geschlagen� Aber wie ich zitternd aufstand - auch sie war aufgestanden - und ihr gerade Auge in Auge starrte, da �berkam mich pl�tzlich bei dem Blick auf diesen verschlossenen Mund, der nicht bitten, auf ihre hochm�tige Stirn, die sich nicht beugen wollte� eine� eine Art gewaltt�tiger Gier. Sie mu�te irgend etwas davon f�hlen, denn sie spannte ihre Augenbrauen hoch, wie wenn man jemand L�stigen wegweisen wilclass="underline" der Ha� zwischen uns war pl�tzlich nackt. Ich wu�te, sie ha�te mich, weil sie mich brauchte, und ich ha�te sie, weil� weil sie nicht bitten wollte. Diese eine, diese eine Sekunde Schweigen sprachen wir zum erstenmal ganz aufrichtig zueinander. Dann bi� sich pl�tzlich wie ein Reptil mir ein Gedanke ein, und ich sagte ihr� ich sagte ihr� Aber warten Sie, so w�rden Sie es falsch verstehen, was ich tat� was ich sagte� ich mu� Ihnen erst erkl�ren, wie� wieso dieser wahnsinnige Gedanke in mich kam� �
Wieder klirrte leise im Dunkel das Glas. Und die Stimme wurde erregter.
�Nicht, da� ich mich entschuldigen will, mich rechtfertigen, mich reinwaschen� Aber Sie verstehen es sonst nicht� Ich wei� nicht, ob ich je so etwas wie ein guter Mensch gewesen bin, aber� ich glaube, hilfreich war ich immer� In dem dreckigen Leben da dr�ben war das ja die einzige Freude, die man hatte, mit der Handvoll Wissenschaft, die man sich ins Hirn gepre�t, irgendeinem St�ck Leben den Atem erhalten zu k�nnen� so eine Art Herrgottsfreude� Wirklich, es waren meine sch�nsten Augenblicke, wenn so ein gelber Bursch kam, blauwei� vor Schrecken, einen Schlangenbi� im hochgeschwollenen Fu�, und schon heulte, man solle ihm das Bein nicht abschneiden, und ich kriegte es noch fertig, ihn zu retten. Stundenweit bin ich gefahren, wenn irgendein Weib im Fieber lag - auch so wie diese es wollte, habe ich geholfen, schon in Europa dr�ben in der Klinik. Aber da sp�rte mans wenigstens, da� dieser Mensch einen brauchte, da wu�te mans, da� man jemand vom Tode rettete oder vor der Verzweiflung - und das braucht man eben selbst zum Helfen, dies Gef�hl, da� der andere einen braucht.
Aber diese Frau - ich wei� nicht, ob ich es Ihnen schildern kann - sie regte mich auf, reizte mich von dem Augenblick, da sie scheinbar promenierend hereinkam, durch ihren Hochmut zu einem Widerstand, sie reizte alles - wie soll ichs sagen - sie reizte alles Gedr�ckte, alles Versteckte, alles B�se in mir zur Gegenwehr. Da� sie Lady spielte, unnahbar k�hl ein Gesch�ft entrierte, wo es um Tod und Leben ging, das machte mich toll� Und dann� dann� schlie�lich wird man doch nicht schwanger vom Golfspielen� ich wu�te� das hei�t, ich mu�te pl�tzlich mit einerund das war jener Gedanke - mit einer entsetzlichen Deutlichkeit mich daran erinnern, da� diese K�hle, diese Hochm�tige, diese Kalte, die steil die Augenbrauen �ber ihre st�hlernen Augen hochzog, als ich sie nur abwehrend� ja fast wegsto�end anblickte, da� sie sich zwei oder drei Monate vorher hei� im Bett mit einem Mann gew�lzt hatte, nackt wie ein Tier und vielleicht st�hnend vor Lust, die K�rper ineinander verbissen wie zwei Lippen� Das, das war der brennende Gedanke, der mich �berfiel, als sie mich so hochm�tig, so unnahbar k�hl, ganz wie ein englischer Offizier anblickte� und da, da spannte sich alles in mir� ich war besessen von der Idee, sie zu erniedrigen� von dieser Sekunde sah ich durch das Kleid ihren K�rper nackt� von dieser Sekunde an lebte ich nur im Gedanken, sie zu besitzen, ein St�hnen aus ihren harten Lippen zu pressen, diese Kalte, diese Hochm�tige in Wollust zu f�hlen so wie jener, jener andere, den ich nicht kannte. Das� das wollte ich Ihnen erkl�ren� Ich habe nie, so verkommen ich war, sonst als Arzt die Situation zu nutzen gesucht� Aber diesmal war es ja nicht Geilheit, nicht Brunst, nichts Sexuelles, wahrhaftig nicht� ich w�rde es ja eingestehen� nur die Gier, eines Hochmuts Herr zu werden� Herr als Mann� Ich sagte es Ihnen, glaube ich, schon, da� hochm�tige, scheinbar k�hle Frauen von je �ber mich Macht hatten� aber jetzt, jetzt kam noch dies dazu, da� ich sieben Jahre hier lebte, ohne eine wei�e Frau gehabt zu haben, da� ich Widerstand nicht kannte� Denn diese M�dchen hier, diese zwitschernden kleinen zierlichen Tierchen, die zittern ja vor Ehrfurcht, wenn ein Wei�er, ein�Herr�, sie nimmt� sie l�schen aus in Demut, immer sind sie einem offen, immer bereit, mit ihrem leisen, glucksenden Lachen einem zu dienen� aber gerade diese Unterw�rfigkeit, dieses Sklavische verschweint einem den Genu߅ Verstehen Sie jetzt, verstehen Sie es, wie das dann auf mich hinschmetternd wirkte, wenn da pl�tzlich eine Frau kam, voll von Hochmut und Ha�, verschlossen bis an die Fingerspitzen, zugleich funkelnd von Geheimnis und beladen mit fr�herer Leidenschaft� wenn eine solche Frau in den K�fig eines solchen Mannes, einer so vereinsamten, verhungerten, abgesperrten Menschenbestie frech eintritt� Das� das wollte ich nur sagen, damit Sie das andere verstehen� das, was jetzt kam. Also� voll von irgendeiner b�sen Gier, vergiftet von dem Gedanken an sie, nackt, sinnlich, hingegeben, ballte ich mich gleichsam zusammen und t�uschte Gleichg�ltigkeit vor. Ich sagte k�hclass="underline" �Zw�lftausend Gulden?� Nein, daf�r werde ich es nicht tun. �Sie sah mich an, ein wenig bla�. Sie sp�rte wohl schon, da� in diesem Widerstand nicht Geldgier war. Aber doch sagte sie:�Was verlangen Sie also?�
Ich ging auf den k�hlen Ton nicht mehr ein.�Spielen wir mit offenen Karten. Ich bin kein Gesch�ftsmann� ich bin nicht der arme Apotheker aus Romeo und Julia, der f�r�corrupted gold�sein Gift verkauft� ich bin vielleicht das Gegenteil eines Gesch�ftsmannes� auf diesem Wege werden Sie Ihren Wunsch nicht erf�llt sehen. �
�Sie wollen es also nicht tun?��Nicht f�r Geld. �
Es wurde ganz still f�r eine Sekunde zwischen uns. So still, da� ich sie zum erstenmal atmen h�rte.
�Was k�nnen Sie denn sonst w�nschen?�Jetzt hielt ich mich nicht mehr.
�Ich w�nsche zuerst, da� Sie� da� Sie zu mir nicht wie zu einem Kr�mer reden, sondern wie zu einem Menschen. Da� Sie, wenn Sie Hilfe brauchen, nicht� nicht gleich mit Ihrem sch�ndlichen Geld kommen� sondern bitten� mich, den Menschen, bitten, Ihnen, dem Menschen, zu helfen� Ich bin nicht nur Arzt, ich habe nicht nur Sprechstunden� ich habe auch andere Stunden� vielleicht sind Sie in eine solche Stunde gekommen� �
Sie schweigt einen Augenblick. Dann kr�mmt sich ihr Mund ganz leicht, zittert und sagt rasch:�Also wenn ich Sie bitten w�rde� dann w�rden Sie es tun?�
�Sie wollen schon wieder ein Gesch�ft machen - Sie wollen nur bitten, wenn ich erst verspreche. Erst m�ssen Sie mich bitten - dann werde ich ihnen antworten Sie wirft den Kopf hoch wie ein trotziges Pferd. Zornig sieht sie mich an.
�Nein - ich werde Sie nicht bitten. Lieber zugrunde gehen! �
Da packte mich der Zorn, der rote, sinnlose Zorn.�Dann werde ich fordern, wenn Sie nicht bitten wollen. Ich glaube, ich mu� nicht erst deutlich sein - Sie wissen, was ich von Ihnen begehre. Dann - dann werde ich ihnen helfen. �
Einen Augenblick starrte sie mich an. Dann - oh, ich kann, ich kann nicht sagen, wie entsetzlich das war -dann spannten sich ihre Z�ge, und dann� dann lachte
sie mit einem Male� lachte sie mir mit einer unsagbaren Ver�chtlichkeit ins Gesicht� mit einer Ver�chtlichkeit, die mich zerst�ubte� und die mich berauschte zugleich� Es war wie eine Explosion, so pl�tzlich, so aufspringend, so m�chtig losgesprengt von einer ungeheuren Kraft, dieses Lachen der Ver�chtlichkeit, da� ich� ja, da� ich h�tte zu Boden sinken k�nnen und ihre F��e k�ssen. Eine Sekunde dauerte es nur� es war wie ein Blitz, und ich hatte das Feuer im ganzen K�rper� da wandte sie sich schon und ging hastig auf die T�r zu. Unwillk�rlich wollte ich ihr nach� mich entschuldigen� sie anflehen� meine Kraft war ja ganz zerbrochen� da kehrte sie sich noch einmal um und sagte� nein, sie befahclass="underline"