Novellen
- Автор: Цвейг Стефан
- Язык: немецкий
- Год: АСТ
- ISBN: 978-5-17-085076-1
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Novellen». Краткое содержание книги:
VERWIRRUNG DER GEFÜHLE
Angst
DER STERN ÜBER DEM WALDE
DIE LIEBE DER ERIKA EWALD
BRENNENDES GEHEIMNIS
VERGESSENE TRÄUME
DIE HOCHZEIT VON LYON
UNTERGANG EINES HERZENS
DIE GLEICH-UNGLEICHEN SCHWESTERN
�Unterstehen Sie sich nicht, mir zu folgen oder nachzusp�ren� Sie w�rden es bereuen. �Und schon krachte hinter ihr die T�re zu. �
Wieder ein Z�gern. Wieder ein Schweigen� Wieder nur dies Rauschen, als ob das Mondlicht str�mte. Und dann endlich wieder die Stimme.�Die T�r schlug zu� aber ich stand unbeweglich an der Stelle� ich war gleichsam hypnotisiert von dem Befehl� ich h�rte sie die Treppe hinabsteigen, die Haust�r zumachen� ich h�rte alles, und mein ganzer Wille dr�ngte ihr nach� sie� ich wei� nicht was� sie zur�ckzurufen oder zu schlagen oder zu erdrosseln� aber ihr nach� ihr nach� Und doch konnte ich nicht. Meine Glieder waren gleichsam gel�hmt wie von einem elektrischen Schlag� ich war eben getroffen, getroffen bis ins Mark hinein von dem herrischen Blitz dieses Blickes� Ich wei�, das ist nicht zu erkl�ren, nicht zu erz�hlen� es mag l�cherlich klingen, aber ich stand und stand� ich brauchte Minuten, vielleicht f�nf, vielleicht zehn Minuten, ehe ich einen Fu� wegrei�en konnte von der Erde� Aber kaum da� ich einen Fu� ger�hrt, war ich schon hei�, war ich schon rasch� im Nu eilte ich die Treppe hinab� Sie konnte ja nur die Stra�e hinabgegangen sein zur Zivilstation� ich st�rzte in den Schuppen, das Rad zu holen, sehe, da� ich den Schl�ssel vergessen habe, rei�e den Verschlag auf, da� der Bambus splittert und kracht� und schon schwinge ich mich auf das Rad und sause ihr nach� ich mu� sie� ich mu� sie erreichen, ehe sie zu ihrem Automobil gelangt� ich mu� sie sprechen� Die Stra�e staubt an mir vorbei� jetzt merke ich erst, wie lange ich oben gestanden haben mu�te� da� auf der Kurve im Wald knapp vor der Station sehe ich sie, wie sie hastig mit steifem geradem Schritt hineilt, begleitet von dem Boy� Aber auch sie mu� mich gesehen haben, denn sie spricht jetzt mit dem Boy, der zur�ckbleibt, und geht allein weiter� Was will sie tun? Warum will sie allein sein?� Will sie mit mir sprechen, ohne da� er es h�rt?� Blindw�tig trete ich in die Pedale hinein� Da springt mir pl�tzlich quer von der Seite etwas �ber den Weg� der Boy� ich kann gerade noch das Rad zur Seite rei�en und krache hin�
Ich stehe fluchend auf� unwillk�rlich hebe ich die Faust, um dem T�lpel eines hinzuknallen, aber er springt zur Seite� Ich r�ttle mein Fahrrad hoch, um wieder aufzusteigen� Aber da springt der Halunke vor, fa�t das Rad und sagt in seinem erb�rmlichen Englisch:�You remain here. �
Sie haben nicht in den Tropen gelebt� Sie wissen nicht, was das f�r eine Frechheit ist, wenn ein solcher gelber Halunke einem wei�en�Herrn�das Rad fa�t und ihm, dem�Herrn�, befiehlt, dazubleiben. Statt aller Antwort schlage ich ihm die Faust ins Gesicht� er taumelt, aber er h�lt das Rad fest� seine Augen, seine engen, feigen Augen sind weit aufgerissen in sklavischer Angst� aber er h�lt die Stange, h�lt sie teuflisch fest��You remain here�, stammelt er noch einmal. Zum Gl�ck hatte ich keinen Revolver bei mir. Ich h�tte ihn sonst niedergeknallt.�Weg, Kanaille!�sage ich nur. Er starrt mich geduckt an, l��t aber die Stange nicht los. Ich schlage ihm noch einmal auf den Sch�del, er l��t noch immer nicht. Da fa�t mich die Wut� ich sehe, da� sie schon fort, vielleicht schon entkommen ist� und versetze ihm einen regelrechten Boxerschlag unters Kinn, da� er hinwirbelt. Jetzt habe ich wieder mein Rad� aber wie ich aufspringe, stockt der Lauf� bei dem gewaltsamen Zerren hat sich die Speiche verbogen� Ich versuche mit fiebernden H�nden sie geradezudrehen� Es geht nicht� so schmei�e ich das Rad quer auf den Weg neben den Halunken hin, der blutend aufsteht und zur Seite weicht� Und dann - nein, Sie k�nnen nicht f�hlen, wie l�cherlich das dort vor allen Menschen ist, wenn ein Europ�er� nun, ich wu�te nicht mehr, was ich tat� ich hatte nur den einen Gedanken: ihr nach, sie erreichen� und so lief ich, lief wie ein Rasender die Landstra�e entlang vorbei an den H�tten, wo das gelbe Gesindel staunend sich vordr�ngte, einen wei�en Mann, den Doktor, laufen zu sehen. Schwei�triefend kam ich in der Station an� Meine erste Frage: Wo ist das Auto?� Eben weggefahren� Verwundert sehen mich die Leute an: als Rasender mu� ich ihnen erscheinen, wie ich da na� und schmierig ankam, die Frage voranschreiend, ehe ich noch stand� Unten an der Stra�e sehe ich wei� den Qualm des Autos wirbeln� es ist ihr gelungen� gelungen, wie alles ihrer harten, grausam harten Berechnung gelingen mu�.
Aber die Flucht hilft ihr nichts� In den Tropen gibt es kein Geheimnis unter den Europ�ern� einer kennt den �ndern, alles wird zum Ereignis� Nicht umsonst ist ihr Chauffeur eine Stunde im Bungalow der Regierung gestanden� in einigen Minuten wei� ich alles� Wei�, wer sie ist� da� sie unten in - nun in der Regierungsstadt wohnt, acht Eisenbahnstunden von hier� da� sie - nun sagen wir, die Frau eines Gro�kaufmannes ist, rasend reich, vornehm, eine Engl�nderin� ich wei�, da� ihr Mann jetzt f�nf Monate in Amerika war und n�chster Tage eintreffen soll, um sie mit nach Europa zu nehmen� Sie aber - und wie Gift brennt sich mir der Gedanke in die Adern hinein - sie kann h�chstens zwei oder drei Monate in anderen Umst�nden sein� �
�Bisher konnte ich Ihnen noch alles begreiflich machen� vielleicht nur deshalb, weil ich bis zu diesem Augenblicke mich noch selbst verstand� mir als Arzt immer die Diagnose meines Zustandes selbst stellte. Aber von da an begann es wie ein Fieber in mir� ich verlor die Kontrolle �ber mich� das hei�t, ich wu�te genau, wie sinnlos alles war, was ich tat; aber ich hatte keine Macht mehr �ber mich� ich verstand mich selbst nicht mehr� ich lief nur in der Besessenheit meines Zieles vorw�rts� �brigens, warten Sie� vielleicht kann ich es Ihnen doch begreiflich machen� Wissen Sie, was Amok ist?��Amok?� ich glaube mich zu erinnern� eine Art Trunkenheit bei den Malaien��Es ist mehr als Trunkenheit� es ist Tollheit, eine Art menschlicher Hundswut� ein Anfall m�rderischer, sinnloser Monomanie, der sich mit keiner anderen alkoholischen Vergiftung vergleichen l��t� ich habe selbst w�hrend meines Aufenthaltes einige F�lle studiert - f�r andere ist man ja immer sehr klug und sehr sachlich - ohne aber je das furchtbare Geheimnis ihres Ursprungs freilegen zu k�nnen� Irgendwie h�ngt es mit dem Klima zusammen, mit dieser schw�len, geballten Atmosph�re, die auf die Nerven wie ein Gewitter dr�ckt, bis sie einmal losspringen� Also Amok� ja, Amok, das ist so: Ein Malaie, irgendein ganz einfacher, ganz gutm�tiger Mensch, trinkt sein Gebr�u in sich hinein� er sitzt da, stumpf, gleichm�tig, matt� so wie ich in meinem Zimmer sa߅ und pl�tzlich springt er auf, fa�t den Dolch und rennt auf die Stra�e� rennt geradeaus, immer nur geradeaus� ohne zu wissen wohin� Was ihm in den Weg tritt, Mensch oder Tier, das st��t er nieder mit seinem Kris, und der Blutrausch macht ihn nur noch hitziger� Schaum tritt dem Laufenden vor die Lippen, er heult wie ein Rasender� aber er rennt, rennt, rennt, sieht nicht mehr nach rechts, sieht nicht nach links, rennt nur mit seinem gellen Schrei, seinem blutigen Kris in dieses entsetzliche Geradeaus� Die Leute in den D�rfern wissen, da� keine Macht einen Amokl�ufer aufhalten kann� so br�llen sie warnend voraus, wenn er kommt:�Amok! Amok!�, und alles fl�chtet� er aber rennt, ohne zu h�ren, rennt, ohne zu sehen, st��t nieder, was ihm begegnet� bis man ihn totschie�t wie einen tollen Hund oder er selbst sch�umend zusammenbricht�
Einmal habe ich das gesehen, vom Fenster meines Bungalows aus� es war grauenhaft� aber nur dadurch, da� ichs gesehen habe, begreife ich mich selbst in jenen Tagen� denn so, genau so, mit diesem furchtbaren Blick geradeaus, ohne nach rechts oder links zu sehen, mit dieser Besessenheit st�rmte ich los� dieser Frau nach� Ich wei� nicht mehr, wie ich alles tat, in so rasendem Lauf, in so unsinniger Geschwindigkeit flog es vorbei� Zehn Minuten, nein, f�nf, nein zwei� nachdem ich alles von dieser Frau wu�te, ihren Namen, ihr Haus, ihr Schicksal, jagte ich schon auf einem rasch geborgten Rad in mein Haus zur�ck, warf einen Anzug in den Koffer, steckte Geld zu mir und fuhr zur Station der Eisenbahn mit meinem Wagen� fuhr, ohne mich abzumelden beim Distriktbeamten� ohne einen Vertreter zu ernennen, lie� das Haus offen stehen und liegen, wie es war� Um mich standen Diener, die Weiber staunten und fragten, ich antwortete nicht, wandte mich nicht um� fuhr zur Eisenbahn und mit dem n�chsten Zug hinab in die Stadt� Eine Stunde im ganzen, nachdem diese Frau in mein Zimmer getreten, hatte ich meine Existenz hinter mich geworfen und rannte Amok ins Leere hinein� Geradeaus rannte ich, mit dem Kopf gegen die Wand� um sechs Uhr abends war ich angekommen� um sechs Uhr zehn war ich in ihrem Haus und lie� mich melden� Es war� Sie werden es verstehen� das Sinnloseste, das Stupideste, was ich tun konnte� aber der Amokl�ufer rennt ja mit leeren Augen, er sieht nicht, wohin er rennt� Nach einigen Minuten kam der Diener zur�ck� h�flich und k�hl� die gn�dige Frau sei nicht wohl und k�nne nicht empfangen�