Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Novellen - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Novellen

Электронная книга - «Novellen». Краткое содержание книги:

DER AMOKLÄUFER
VERWIRRUNG DER GEFÜHLE
Angst
DER STERN ÜBER DEM WALDE
DIE LIEBE DER ERIKA EWALD
BRENNENDES GEHEIMNIS
VERGESSENE TRÄUME
DIE HOCHZEIT VON LYON
UNTERGANG EINES HERZENS
DIE GLEICH-UNGLEICHEN SCHWESTERN
1 ... 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23
Перейти на страницу:

Hier war ein Schatten, ein Schleier, sonderbar nah bei jedem Windzug des Wortes f�hlte ich ihn schwanken; mehrmals schon meinte ich, seine Spur zu fassen, da glitt es wieder fort, dieses verwirrende Gewebe, um im n�chsten Augenblick mich neu zu �berrieseln, doch niemals ward es tastbares Wort, fa�bare Form. Nichts aber wirkt aufst�render, aufweckender bei einem jungen Menschen als das entnervende Spiel vager Vermutungen; der Phantasie, m��ig sonst umschweifend, pl�tzlich offenbart sich ihr jagdhaftes Ziel und schon fiebert sie in der neuentdeckten p�rschenden Lust der Verfolgung. Ganz neue Sinne wuchsen mir bislang dumpfem Jungen in jenen Tagen zu, eine d�nnh�utige Membran des Lauschens, die jeden Tonfall verr�terisch abfing, ein sp�hender, weidhafter Blick voll Mi�trauen und Sch�rfe, eine umst�bernde, im Dunkel umgrabende Neugier - bis zur Schmerzhaftigkeit dehnten sich elastisch die Nerven, immer erregt vom Zugriff einer Ahnung und nie abklingend zu klarem Gef�hl.

Doch ich mag sie nicht schelten, meine atemlos vorgebeugte Neugier, war sie doch rein. Was derma�en alle Sinne in mir aufhob, dankte seine Erregtheit nicht l�sterner Schaulust, die h�misch ein Niedrig-Menschliches an einem �berlegenen zu ertappen liebt - im Gegenteil, sie f�rbte heimliche Angst, ein ratlos z�gerndes Mitleid, das mit Ungewisser Bangigkeit an diesen Schweigenden ein Leiden ahnte. Denn je n�her ich seinem Leben trat, um so f�hlsamer bedr�ckte mich der schon plastisch eingedrungene Schatten �ber meines Lehrers geliebtem Gesicht, jene edle, weil edel bemeisterte Melancholie, die niemals sich erniederte zu unwirscher M�rrischkeit oder fahrl�ssigem Zorn; hatte er mich, den Fremden, in erster Stunde angezogen durch das vulkanisch vorbrechende Geleucht seines Worts, nun ersch�tterte den Vertrauten noch tiefer seine Schweigsamkeit, die �ber seine Stirne wandernde Wolke der Trauer. Nichts ergreift ja derart m�chtig einen jugendlichen Sinn als erhaben m�nnliche D�sternis: Michelangelos in den eigenen Abgrund niederstarrender Denker, Beethovens bitter nach innen gezogener Mund, diese tragischen Masken des Weltleidens r�hren st�rker das ungeformte Gem�t als Mozarts silberne Melodie und das klingende Licht um Lionardos Gestalten. Sch�nheit sie selbst, hat Jugend der Verkl�rung nicht not: im �berma� lebendiger Kr�fte dr�ngt sie dem Tragischen zu, und gern gestattet sie der Schwermut, s��en Zuges an ihrem noch unerfahrenen Blute zu saugen: darum auch die ewige Bereitschaft aller Jugend f�r die Gefahr und ihre br�derlich entbotene Hand zu jedem Leiden im Geiste.

Und eines solchen wahrhaft Leidenden Antlitz, hier erlebte ich es zum erstenmal. Kleiner Leute Sohn, aus b�rgerlicher Behaglichkeit ungef�hrdet entwachsen, kannte ich die Sorge nur in den l�cherlichen Masken des Alltags, als �rger gekleidet, im gelben Gewand des Neids, klirrend mit dem Kleinkram des Geldes - dieses Gesichtes Verst�rung, sie aber entstammte, sofort f�hlte ichs, heiligerem Element. Aus Dunkelheiten kam dies Dunkel, von innen hatte hier ein grausamer Griffel Falten und Schrunden in vorzeitig zermorschte Wangen gezeichnet. Manchmal, wenn ich sein Zimmer betrat (immer mit der Scheu eines Kindes, das einem Hause naht, in dem D�monen hausen) und seine Versunkenheit mein Klopfen �berh�rte, wenn ich dann pl�tzlich, schamvoll und best�rzt vor dem Selbstvergessenen stand, dann war mir, als sitze hier blo� Wagner, die leibliche Larve, in Faustens Gewand, indes der Geist umschweifte in r�tselhaftem Gekl�ft und schaurigen Walpurgisn�chten. In sol-chen Augenblicken waren seine Sinne vollkommen ver-schl�ssen, er h�rte weder nahenden Schritt noch einen sch�chternen Gru�. Fuhr er dann, j�hlings sich besin-nend, auf, so versuchte hastiges Wort die Verlegenheit zu �berdecken: er ging auf und nieder und m�hte sich, durch Fragen den beobachtenden Blick von sich abzulenken. Aber lange hing dann noch immer das Dunkel �ber seiner Stirne, und erst das ergl�hende Gespr�ch vermochte dies von innen gesammelte Gew�lk zu zerstreuen.

Er mu�te es manchmal sp�ren, wie sehr sein Anblick mich bewegte, an meinen Augen vielleicht, an meinen unruhigen H�nden, mochte ahnen etwa, da� auf meinen Lippen unsichtbar eine Bitte schwebte um Zutrauen, oder in meiner vortastenden Haltung die heimliche Inbrunst erkennen, seinen Schmerz an mich, in mich zu nehmen. Sicherlich, er mu�te es sp�ren, denn unvermutet unterbrach er das rege Gespr�ch und sah mich ergriffen an, ja es �berstr�mte mich dieser merkw�rdig warme, von seiner eigenen F�lle verdunkelte Blick. Dann fa�te er oft meine Hand, hielt sie unruhig lange - immer erwartete ich: jetzt, jetzt, jetzt wird er zu mir sprechen. Aber statt dessen fuhr dann meist eine br�ske Geb�rde vor, manchmal sogar ein kaltes, absichtlich ern�chterndes oder ironisches Wort. Er, der den Enthusiasmus lebte, der ihn in mir gen�hrt und erweckt, strich ihn dann pl�tzlich mir weg wie einen Fehler in einer schlecht geschriebenen Aufgabe, und je mehr er mich innig aufgetan sah, lechzend nach seinem Vertrauen, um so grimmiger stie� er mit solchen eiskalten Worten vor wie:�Das verstehen Sie nicht�oder�Lassen Sie doch derlei �bertreibungen�, Worte, die mich aufreizten und zur Verzweiflung brachten. Wie habe ich gelitten unter diesem wetterleuchtend grellen, vom Hei�en zum Kalten fahrenden Menschen, der mich unbewu�t hitzte, um mich pl�tzlich mit Frost zu �bergie�en, der mit seinem Ungest�m das eigene anstachelte, um dann pl�tzlich die Peitsche einer ironischen Bemerkung zu fassen - ja, ich hatte das grausame Gef�hl, je mehr ich zu ihm dr�ngte, desto h�rter, ja

angstvoller stie� er mich zur�ck. Nichts sollte, nichts durfte an ihn heran, an sein Geheimnis.

Denn Geheimnis, immer brennender wards mir bewu�t, Geheimnis hauste fremd und unheimlich in seiner magisch anziehenden Tiefe. Ich ahnte ein Verschwiegenes an seinem merkw�rdig fl�chtenden Blick, der gl�hend vordrang und scheu wegwich, wenn man ihm dankbar sich ergab; ich sp�rte es an den bitter gef�ltelten Lippen seiner Frau, an der merkw�rdig kalten Zur�ckhaltung der Menschen in der Stadt, die beinahe indigniert blickten, wenn man ihn r�hmte - an hundert Sonderbarkeiten und pl�tzlichen Verst�rtheiten. Und welche Qual dabei, sich schon in dem innern Kreis eines solchen Lebens zu vermeinen und doch irr dort im Kreise zu gehen, wie in einem Labyrinth, unwissend des Weges zu seinem Ursprung und Herzen!

Das Unerkl�rlichste, das Erregendste aber waren f�r mich seine Eskapaden. Eines Tages, als ich ins Kolleg kam, hing dort ein Zettel, die Vorlesung sei f�r zwei Tage unterbrochen. Die Studenten schienen nicht verwundert, ich aber, der noch gestern bei ihm gewesen, eilte nach Hause, von Angst getrieben, er m�chte erkrankt sein. Seine Frau l�chelte nur trocken, als mein Hereinst�rmen solche Aufregung verriet.�Das kommt �fter vor�, sagte sie merkw�rdig kalt;�das kennen Sie nur noch nicht. �Und tats�chlich erfuhr ich von den Kollegen, da� er �fters so �ber Nacht verschwinde, manchmal nur telegraphisch sich entschuldigend: einmal hatte ihn ein Student um vier Uhr morgens in einer Berliner Stra�e getroffen, ein anderer in der Wirtsstube fremder Stadt. Er schnellte pl�tzlich fort wie ein Pfropf aus der Flasche, kam wieder zur�ck, und niemand wu�te, wo er gewesen. Dieses pl�tzliche Ausbrechen erregte mich wie eine Krankheit: ich ging geistesabwesend, unruhig, fahrig diese zwei Tage herum. Unsinnig leer war mir pl�tzlich das Studium ohne seine gewohnte Gegenwart, ich verzehrte mich in wirren, eifers�chtigen Vermutungen, ja, etwas von Ha� und Zorn gegen seine Verschlossenheit stieg in mir auf, da� er mich, den gl�hend Zudr�ngenden, so au�en lie� von seinem wirklichen Leben wie einen Bettler im Frost. Vergebens beredete ich mich, da� mir, dem Knaben, dem Sch�ler, doch kein Recht zust�nde, Rechenschaft und Auskunft zu fordern, da seine G�te mir hundertfach mehr Vertrauen gew�hrte, als einen akademischen Lehrer sein Amt verpflichtete. Aber Vernunft hatte keine Macht �ber die brennende Leidenschaft: zehnmal des Tages kam ich t�lpischer Junge fragen, ob er schon zur�ckgekommen sei, bis ich schlie�lich an den immer br�sker werdenden Verneinungen seiner Frau schon Erbitterung sp�rte. Ich wachte die halbe Nacht und horchte nach seinem heimkehrenden Schritt, umschlich morgens unruhig die T�r, nun nicht mehr die Frage wagend. Und als er endlich am dritten Tag unvermutet in mein Zimmer trat, jappte ich auf: mein Erschrecken mu� �berm��ig gewesen sein, wenigstens merkte ichs am Widerschein seiner verlegenen Befremdung, die hastig ein paar gleichg�ltige Fragen �bereinanderjagte. Sein Blick wich mir aus. Zum ersten Male ging unser Gespr�ch krumm im Kreise, ein Wort stolperte �ber das andere, und indes wir beide jede Anspielung auf sein Fernbleiben gewaltsam vermieden, sperrte eben dies Ungesprochene jeder Aussprache den Weg. Als er mich lie�, schlug die brennende Neugier wie eine Lohe auf: allm�hlich verzehrte sie mir Schlaf und Wachen.

1 ... 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)