Novellen
- Автор: Цвейг Стефан
- Язык: немецкий
- Год: АСТ
- ISBN: 978-5-17-085076-1
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Novellen». Краткое содержание книги:
VERWIRRUNG DER GEFÜHLE
Angst
DER STERN ÜBER DEM WALDE
DIE LIEBE DER ERIKA EWALD
BRENNENDES GEHEIMNIS
VERGESSENE TRÄUME
DIE HOCHZEIT VON LYON
UNTERGANG EINES HERZENS
DIE GLEICH-UNGLEICHEN SCHWESTERN
Ich gehe auf sie zu. Sie weicht leicht zur Seite.�Nein, nein, ich habe kein Fieber� gewi�, ganz gewi� nicht� ich habe mich selbst gemessen, jeden Tag, seit� seit diese Ohnm�chten kamen. Nie Fieber, immer tadellos 36, 4 auf den Strich. Auch mein Magen ist gesund. �
Ich z�gere einen Augenblick. Die ganze Zeit schon prickelt in mir ein Argwohn: ich sp�re, diese Frau will etwas von mir, man kommt nicht in eine Wildnis, um �ber Flaubert zu sprechen. Eine, zwei Minuten lasse ich sie warten.�Verzeihen Sie�, sage ich dann geradewegs,�darf ich einige Fragen ganz frei stellen?��Gewi�, Doktor! Sie sind doch Arzt�, antwortete sie, aber schon wendet sie mir wieder den R�cken und spielt mit den B�chern.�Haben Sie Kinder gehabt?��Ja, einen Sohn. �
�Und haben Sie� haben Sie vorher� ich meine damals� haben Sie da �hnliche Zust�nde gehabt?��Ja. �
Ihre Stimme ist jetzt ganz anders. Ganz klar, ganz bestimmt, gar nicht mehr plapprig, gar nicht mehr nerv�s.�Und w�re es m�glich, da� Sie� verzeihen Sie die Frage� da� Sie jetzt in einem �hnlichen Zustande sind?��Ja. �
Wie ein Messer scharf und schneidend l��t sie das Wort fallen. In ihrem abgewandten Kopf zuckt nicht eine Linie.
�Vielleicht w�re es da am besten, gn�dige Frau, ich nehme eine allgemeine Untersuchung vor� darf ich Sie vielleicht bitten, sich� sich in das andere Zimmer hin�ber zu bem�hen?�
Da wendet sie sich pl�tzlich um. Durch den Schleier f�hle ich einen kalten, entschlossenenen Blick mir gerade entgegen.�Nein� das ist nicht n�tig� ich habe volle Gewi�heit �ber meinen Zustand. �
Die Stimme z�gerte einen Augenblick. Wieder blin-kert im Dunkel das gef�llte Glas.�Also h�ren Sie� aber versuchen Sie zuerst einen Augenblick sich das zu �berdenken. Da dr�ngt sich zu einem, der in seiner Einsamkeit vergeht, eine Frau herein, die erste wei�e Frau betritt seit Jahren das Zimmer� und pl�tzlich sp�re ichs, es ist etwas B�ses im Zimmer, eine Gefahr. Irgendwie �berliefs mich: mir graute vor der st�hlernen Entschlossenheit dieses Weibes, die da mit plapprigen Reden hereingekommen war und dann mit einemmal ihre Forderung z�ckt, wie ein Messer. Denn was sie von mir wollte, wu�te ich ja, wu�te ich sofort - es war nicht das erstemal, da� Frauen so etwas von mir verlangten, aber sie kamen anders, kamen versch�mt oder flehend, kamen mit Tr�nen und Beschw�rungen. Hier aber war eine� ja, eine st�hlerne, eine m�nnliche Entschlossenheit� von der ersten Sekunde sp�rte ichs, da� diese Frau st�rker war als ich� da� sie mich in ihren Willen zwingen konnte, wie sie wollte� Aber� aber� es war auch etwas B�ses in mir� der Mann, der sich wehrte, irgendeine Erbitterung, denn� ich sagte es ja schon� von der ersten Sekunde, ja, noch ehe ich sie gesehen, empfand ich diese Frau als Feind.
Ich schwieg zun�chst. Schwieg hartn�ckig und erbittert. Ich sp�rte, da� sie mich unter dem Schleier ansah - gerade und fordernd ansah, da� sie mich zwingen wollte zu sprechen. Aber ich gab nicht so leicht nach. Ich begann zu sprechen, aber� ausweichend� ja unbewu�t ahmte ich ihre plapprige, gleichg�ltige Art nach. Ich tat, als ob ich sie nicht verst�nde, denn - ich wei� nicht, ob Sie das nachf�hlen k�nnen - ich wollte sie zwingen, deutlich zu werden, ich wollte nicht anbieten, sondern� gebeten sein� gerade von ihr, weil sie so herrisch kam� und weil ich wu�te, da� ich bei Frauen nichts so unterliege als dieser hochm�tigen kalten Art.
Ich redete also herum, dies sei ganz unbedenklich, solche Ohnm�chten geh�rten zum regul�ren Lauf der Dinge, im Gegenteil, sie verb�rgten beinahe eine gute Entwicklung. Ich zitierte F�lle aus den klinischen Zeitungen� ich sprach, ich sprach, l�ssig und leicht, immer die Angelegenheit ganz wie eine Banalit�t betrachtend und� wartete immer, da� sie mich unterbrechen w�rde. Denn ich wu�te, sie w�rde es nicht ertragen.
Da fuhr sie schon scharf dazwischen, mit einer Handbewegung gleichsam das ganze beruhigende Gerede wegstreifend.
�Das ist es nicht, Doktor, was mich unsicher macht. Damals, als ich meinen Buben bekam, war ich in bester Verfassung� aber jetzt bin ich nicht mehr allright� ich habe Herzzust�nde� ��Ach, Herzzust�nde�, wiederholte ich, scheinbar beunruhigt,�da will ich doch gleich nachsehen. �Und ich machte eine Bewegung, als ob ich aufstehen und das H�rrohr holen wollte.
Aber schon fuhr sie dazwischen. Die Stimme war jetzt ganz scharf und bestimmt - wie am Kommandoplatz.
�Ich habe Herzzust�nde, Doktor, und ich mu� Sie bitten, zu glauben, was ich Ihnen sage. Ich m�chte nicht viel Zeit mit Untersuchungen verlieren - Sie k�nnten mir, meine ich, etwas mehr Vertrauen entgegenbringen. Ich wenigstens habe mein Vertrauen zu Ihnen genug bezeugt. �
Jetzt war es schon Kampf, offene Herausforderung. Und ich nahm sie an.
�Zum Vertrauen geh�rt Offenheit, r�ckhaltlose Offenheit. Reden Sie klar, ich bin Arzt. Und vor allem, nehmen Sie den Schleier ab, setzen Sie sich her, lassen Sie die B�cher und die Umwege. Man kommt nicht zum Arzt im Schleier. �
Sie sah mich an, aufrecht und stolz. Einen Augenblick z�gerte sie. Dann setzte sie sich nieder, zog den Schleier hoch. Ich sah ein Gesicht, ganz so wie ich es -gef�rchtet hatte, ein undurchdringliches Gesicht, hart, beherrscht, von einer alterslosen Sch�nheit, ein Gesicht mit grauen englischen Augen, in denen alles Ruhe schien und hinter die man doch alles Leidenschaftliche tr�umen konnte. Dieser schmale, verpre�te Mund gab kein Geheimnis her, wenn er nicht wollte. Eine Minute lang sahen wir einander an - sie befehlend und fragend zugleich, mit einer so kalten, st�hlernen Grausamkeit, da� ich es nicht ertrug und unwillk�rlich zur Seite blickte.
Sie klopfte leicht mit dem Kn�chel auf den Tisch. Also auch in ihr war Nervosit�t. Dann sagte sie pl�tzlich rasch:�Wissen Sie, Doktor, was ich von Ihnen will, oder wissen Sie es nicht?�
�Ich glaube es zu wissen. Aber seien wir lieber ganz deutlich. Sie wollen Ihrem Zustand ein Ende bereiten� Sie wollen, da� ich Sie von Ihrer Ohnmacht, Ihren �belkeiten befreie, indem ich� indem ich die Ursache beseitige. Ist es das?��Ja. �
Wie ein Fallbeil zuckte das Wort.�Wissen Sie auch, da� solche Versuche gef�hrlich sind� f�r beide Teile�?��Ja. �
�Da� es gesetzlich mir untersagt ist?��Es gibt M�glichkeiten, wo es nicht untersagt, sondern sogar geboten ist. �
�Aber diese erfordern eine �rztliche Indikation. ��So werden Sie diese Indikation finden. Sie sind Arzt. �
Klar, starr, ohne zu zucken, blickten mich ihre Augen dabei an. Es war ein Befehl, und ich Schw�chling bebte in Bewunderung vor der d�monischen Herrischkeit ihres Willens. Aber ich kr�mmte mich noch, ich wollte nicht zeigen, da� ich schon zertreten war. -�Nur nicht zu rasch! Umst�nde machen! Sie zur Bitte zwingen�, funkelte in mir irgendein Gel�st.�Das liegt nicht immer im Willen des Arztes. Aber ich bin bereit, mit einem Kollegen im Krankenhaus� ��Ich will Ihren Kollegen nicht� ich bin zu Ihnen gekommene
�Darf ich fragen, warum gerade zu mir?�Sie sah mich kalt an.
�Ich habe keine Bedenken, es Ihnen zu sagen. Weil Sie abseits wohnen, weil Sie mich nicht kennen - weil Sie ein guter Arzt sind, und weil Sie� �-jetzt z�gerte sie zum ersten Male -�wohl nicht mehr lange in dieser Gegend bleiben werden, besonders wenn Sie� wenn Sie eine gr��ere Summe nach Hause bringen k�nnen Mich �berliefs kalt. Diese eherne, diese Merchant-, diese Kaufmannsklarheit der Berechnung bet�ubte mich. Bisher hatte sie ihre Lippen noch nicht zur Bitte aufgetan - aber alles l�ngst auskalkuliert, mich erst umlauert und dann aufgesp�rt. Ich sp�rte, wie das D�monische ihres Willens in mich eindrang, aber ich wehrte mich mit all meiner Erbitterung. Noch einmal zwang ich mich, sachlich - ja fast ironisch zu sein.�Und diese gro�e Summe w�rden Sie� w�rden Sie mir zur Verf�gung stellen?��F�r Ihre Hilfe und sofortige Abreise. ��Wissen Sie, da� ich dadurch meine Pension ver-liere?�