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Novellen

Электронная книга - «Novellen». Краткое содержание книги:

DER AMOKLÄUFER
VERWIRRUNG DER GEFÜHLE
Angst
DER STERN ÜBER DEM WALDE
DIE LIEBE DER ERIKA EWALD
BRENNENDES GEHEIMNIS
VERGESSENE TRÄUME
DIE HOCHZEIT VON LYON
UNTERGANG EINES HERZENS
DIE GLEICH-UNGLEICHEN SCHWESTERN
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Ein leises, trockenes Husten hart neben mir lie� mich auffahren. Ich schrak aus meiner fast schon trunkenen Tr�umerei. Meine Augen, geblendet vom wei�en Ge leucht �ber den bislang geschlossenen Lidern, tasteten auf: mir knapp gegen�ber im Schatten der Bordwand gl�nzte etwas wie der Reflex einer Brille, und jetzt gl�hte ein dicker, runder Funke auf, die Glut einer Pfeife. Ich hatte, als ich mich hinsetzte, einzig niederblickend in die schaumige Bugschneide und empor zum S�dkreuz, offenbar diesen Nachbarn nicht bemerkt, der regungslos hier die ganze Zeit gesessen haben mu�te. Unwillk�rlich, noch dumpf in den Sinnen, sagte ich auf deutsch:�Verzeihung!��Oh, bitte� �antwortete die Stimme deutsch aus dem Dunkel.

Ich kann nicht sagen, wie seltsam und schaurig das war, dies stumme Nebeneinandersitzen im Dunkeln, knapp neben einem, den man nicht sah. Unwillk�rlich hatte ich das Gef�hl, als starre dieser Mensch auf mich, genau wie ich auf ihn starrte: aber so stark war das Licht �ber uns, das wei�flimmernd flutende, da� keiner von keinem mehr sehen konnte als den Umri� im Schatten. Nur den Atem meinte ich zu h�ren und das fauchende Saugen an der Pfeife. Das Schweigen war unertr�glich. Ich w�re am liebsten weggegangen, aber das schien doch zu br�sk, zu pl�tzlich. Aus Verlegenheit nahm ich mir eine Zigarette heraus. Das Z�ndholz zischte auf, eine Sekunde lang zuckte Licht �ber den engen Raum. Ich sah hinter Brillengl�sern ein fremdes Gesicht, das ich nie an Bord gesehen, bei keiner Mahlzeit, bei keinem Gang, und sei es, da� die pl�tzliche Flamme den Augen wehtat, oder war es eine Halluzination: es schien grauenhaft verzerrt, finster und koboldhaft. Aber ehe ich Einzelheiten deutlich wahrnahm, schluckte das Dunkel wieder die fl�chtig erhellten Linien fort, nur den Umri� sah ich einer Gestalt, dunkel ins Dunkel gedr�ckt, und manchmal den kreisrunden roten Feuerring der Pfeife im Leeren. Keiner sprach, und dies Schweigen war schw�l und dr�ckend wie die tropische Luft.

Endlich ertrug ichs nicht mehr. Ich stand auf und sagte h�flich�Gute Nacht�.

�Gute Nacht�, antwortete es aus dem Dunkel, eine heisere harte, eingerostete Stimme. Ich stolperte mich m�hsam vorw�rts durch das Takelwerk an den Pfosten vorbei. Da klang ein Schritt hinter mir her, hastig und unsicher. Es war der Nachbar von vordem. Unwillk�rlich blieb ich stehen. Er kam nicht ganz nah heran, durch das Dunkel f�hlte ich ein Irgendetwas von Angst und Bedr�cktheit in der Art seines Schrittes.

�Verzeihen Sie�, sagte er dann hastig,�wenn ich eine Bitte an Sie richte. Ich� ich� �- er stotterte und konnte nicht gleich weitersprechen vor Verlegenheit -�ich� ich habe private� ganz private Gr�nde, mich hier zur�ckzuziehen� ein Trauerfall� ich meide die Gesellschaft an Bord� Ich meine nicht Sie� nein, nein� Ich m�chte nur bitten� Sie w�rden mich sehr verpflichten, wenn Sie zu niemandem an Bord davon sprechen w�rden, da� Sie mich hier gesehen haben� Es sind� sozusagen private Gr�nde, die mich jetzt hindern, unter die Leute zu gehen� ja� nun� es w�re mir peinlich, wenn Sie davon Erw�hnung t�ten, da� jemand hier nachts� da� ich� �Das Wort blieb ihm wieder stecken, ich beseitigte rasch seine Verwirrung, indem ich ihm eiligst zusicherte, seinen Wunsch zu erf�llen. Wir reichten einander die H�nde. Dann ging ich in meine Kabine zur�ck und schlief einen dumpfen, merkw�rdig verw�hlten und von Bildern verwirrten Schlaf.

Ich hielt mein Versprechen und erz�hlte niemandem an Bord von der seltsamen Begegnung, obzwar die Versuchung keine geringe war. Denn auf einer Seereise wird das Kleinste zum Geschehnis, ein Segel am Horizont, ein Delphin, der aufspringt, ein neuentdeckter Flirt, ein fl�chtiger Scherz. Dabei qu�lte mich die Neugier, mehr von diesem ungew�hnlichen Passagier zu wissen: ich durchforschte die Schiffsliste nach einem Namen, der ihm zugeh�ren konnte, ich musterte die Leute, ob sie zu ihm in Beziehung stehen k�nnten: den ganzen Tag bem�chtigte sich meiner eine nerv�se Ungeduld, und ich wartete eigentlich nur auf den Abend, ob ich ihm wieder begegnen w�rde. R�tselhafte psychologische Dinge haben �ber mich eine geradezu beunruhigende Macht, es reizt mich bis ins Blut, Zusammenh�nge aufzusp�ren, und sonderbare Menschen k�nnen mich durch ihre blo�e Gegenwart zu einer Leidenschaft des Erkennenwol-lens entz�nden, die nicht viel geringer ist als jene des Besitzenwollens bei einer Frau. Der Tag wurde mir lang und zerbr�ckelte leer zwischen den Fingern. Ich legte mich fr�h ins Bett: ich wu�te, ich w�rde um Mitternacht aufwachen, es w�rde mich erwecken. Und wirklich: ich erwachte um die gleiche Stunde wie gestern. Auf dem Radiumzifferblatt der Uhr deckten sich die beiden Zeiger in einem leuchtenden Strich. Hastig stieg ich aus der schw�len Kabine in die noch schw�lere Nacht.

Die Sterne strahlten wie gestern und sch�tteten ein diffuses Licht �ber das zitternde Schiff, hoch oben flammte das Kreuz des S�dens. Alles war wie gestern - in den Tropen sind die Tage, die N�chte zwillings-hafter als in unseren Sph�ren - nur in mir war nicht dies weiche, flutende, tr�umerische Gewiegtsein wie gestern. Irgend etwas zog mich, verwirrte mich, und ich wu�te, wohin es mich zog: hin zu dem schwarzen Gewind am Kiel, ob er wieder dort starr sitze, der Geheimnisvolle. Von oben her schlug die Schiffsglocke. Dies ri� mich fort. Schritt f�r Schritt, widerwillig und doch gezogen, gab ich mir nach. Noch war ich nicht am Steven, da zuckte pl�tzlich dort etwas auf wie ein rotes Auge: die Pfeife. Er sa� also dort. Unwillk�rlich schreckte ich zur�ck und blieb stehen. Im n�chsten Augenblick w�re ich gegangen. Da regte es sich dr�ben im Dunkel, etwas stand auf, tat zwei Schritte, und pl�tzlich h�rte ich knapp vor mir seine Stimme, h�flich und gedr�ckt.

�Verzeihen Sie�, sagte er,�Sie wollen offenbar wieder an Ihren Platz, und ich habe das Gef�hl, Sie fl�chteten zur�ck, als Sie mich sahen. Bitte, setzen Sie sich nur hin, ich gehe schon wieder. �

Ich eilte, ihm meinerseits zu sagen, da� er nur bleiben solle, ich sei blo� zur�ckgetreten, um ihn nicht zu st�ren.�Mich st�ren Sie nicht�, sagte er mit einer gewissen Bitterkeit,�im Gegenteil, ich bin froh, einmal nicht allein zu sein. Seit zehn Tagen habe ich kein Wort gesprochen� eigentlich seit Jahren nicht� und da geht es so schwer, eben vielleicht weil man schon erstickt daran, alles in sich hineinzuw�rgen� Ich kann nicht mehr in der Kabine sitzen, in diesem� diesem Sarg� ich kann nicht mehr� und die Menschen ertrage ich wieder nicht, weil sie den ganzen Tag lachen� Das kann ich nicht ertragen jetzt� ich h�re es hinein bis in die Kabine und stopfe mir die Ohren zu� freilich, sie wissen ja nicht, da߅ nun sie wissens eben nicht, und dann, was geht das die Fremden an� �

Er stockte wieder. Und sagte dann ganz pl�tzlich und hastig:�Aber ich will Sie nicht bel�stigen� verzeihen Sie meine Geschw�tzigkeit. �Er verbeugte sich und wollte fort. Aber ich widersprach ihm dringlich.�Sie bel�stigen mich durchaus nicht. Auch ich bin froh, hier ein paar stille Worte zu haben� Nehmen Sie eine Zigarette?�Er nahm eine. Ich z�ndete an. Wieder ri� sich das Gesicht flackernd vom schwarzen Bordrand los, aber jetzt voll mir zugewandt: die Augen hinter der Brille forschten in mein Gesicht, gierig und mit einer irren Gewalt. Ein Grauen �berlief mich. Ich sp�rte, da� dieser Mensch sprechen wollte, sprechen mu�te. Und ich wu�te, da� ich schweigen m�sse, um ihm zu helfen. Wir setzten uns wieder. Er hatte einen zweiten Deck-chair dort, den er mir anbot. Unsere Zigaretten funkelten, und an der Art, wie der Lichtring der seinen unruhig im Dunkel zitterte, sah ich, da� seine Hand bebte. Aber ich schwieg, und er schwieg. Dann fragte pl�tzlich seine Stimme leise:�Sind Sie sehr m�de?�

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