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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Pjotr Artamonow überlegte schweigend, ob er an sich glaubte oder nicht. Serafims fröhliche Stimme ließ Worte erklingen und sang tröstend:

»Sieh nicht darauf, wie einer ist, ob gut, ob schlecht, das ist nicht von Dauer: was gestern gut war, ist heute schlecht. Ich habe alles gesehen, Pjotr Iljitsch, Gutes und Schlechtes, ach, ich habe viel gesehen! Manchmal sehe ich: da ist das Gute! Und dabei ist es gar nicht da. Ich meine, da ist es, es ist aber nicht da, es ist weg, wie Staub vom Wind weggefegt wird. Und ich sage: da! Was bin ich aber? Eine Fliege unter den Menschen, ich bin gar nicht zu sehen. Und du...«

Und Serafim verstummte mit vielsagend erhobenem Finger.

Es war für Artamonow zwiefach angenehm, seinen Reden zu lauschen; sie trösteten und belustigten ihn tatsächlich, zugleich war es Artamonow aber klar, daß der kleine Greis schauspielerte, log und nicht nach dem Gewissen, sondern als gewerbsmäßiger Menschentröster sprach. Er durchschaute Serafims Spiel und dachte:

»Dieser alte Schelm ist geschickt! Nikita versteht das zum Beispiel nicht.«

Und ihm fielen die verschiedenen Tröster ein, die er in seinem Leben gesehen hatte: die schamlosen Frauen der Messe, die Clowns und Akrobaten im Zirkus, Zauberkünstler, Tierbändiger, Sänger, Musikanten und der »Menschenfreund«, der schwarze Stiopa. Auch Alexej hatte mit diesen Menschen etwas Gemeinsames. Tichon Wialow besaß aber nichts davon. Und auch Paula Menotti nicht.

Er wurde nach und nach betrunken und sagte zu Serafim:

»Du lügst, alter Teufel!«

Der Schreiner klopfte sich mit den Handflächen auf die spitzen Knie und sagte sehr ernst:

»Nein! Überlege doch: wie kann ich lügen, wenn ich die Wahrheit nicht kenne ? Ich sage dir, wie mir ums Herz ist: ich kenne die Wahrheit nicht, wie sollte ich also lügen ?« »Dann schweige!«

»Bin ich denn stumm?« fragte Serafim freundlich, und sein rosiges Gesichtchen wurde von einem Lächeln erhellt. »Ich bin ein alter Mann«, sagte er. »Ich werde meine kurze Spanne Zeit auch ohne Wahrheit zu Ende leben. Um die Wahrheit müssen sich die Jungen bemühen, deshalb sollen sie auch eine Brille tragen. Miron Alexeitsch spaziert mit einer Brille herum, er sieht auch alles durch und durch, wohin ein Ding gehört, und wo ein jeder an seinem Platze ist.«

Es freute Pjotr Artamonow zu hören, daß der Schreiner Miron nicht mochte, und er lachte laut, wenn Serafim auf den Saiten seiner Gusli klimperte und herausfordernd sang:

»Durch das Werk stolziert ein Specht,

Schaut durch helle Brillengläser,

Ich allein mach' alles recht,

Alle andern sind blos Narren!«

»Richtig!« äußerte Artamonow seinen Beifall.

Und der ebenfalls betrunkene Schreiner stampfte mit dem sorgfältig bekleideten kleinen Fuße und sang von neuem:

»Wer rupft alle Vögelein?

Weder Eul' noch Habicht,

Alexej Iljitsch allein,

Der so fromm und heilig.«

Auch das gefiel Pjotr Artamonow; dann sang Serafim schamlos über Jakow:

»Nichts versteht der Jascha,

Wenn er küßt die Mascha ...«

So unterhielten sie sich manchmal, bis es tagte, dann klopfte Tichon Wialow an die Tür, weckte seinen Prinzipal, wenn er schon eingeschlafen war, und sagte gleichgültig:

»Es ist Zeit, daß Sie nach Hause gehen, die Fabrikspfeife geht gleich los. Die Arbeiter werden Sie sehen, das geht nicht!«

Artamonow schrie:

»Was geht nicht? Ich bin der Herr!«

Er gehorchte Tichon aber, ging wankend nach Hause, legte sich schlafen und schlief manchmal bis zum Abend. Des Nachts saß er aber wieder bei Serafim.

Der lustige Schreiner starb bei der Arbeit; er zimmerte für den ertrunkenen Sohn des einäugigen Baders Morosow einen Sarg und fiel dabei plötzlich tot um. Artamonow hatte den Wunsch, den Alten zum Grabe zu geleiten, ging in die mit Arbeitern vollgepfropfte Kirche und hörte zu, wie der rothaarige Pope Alexander vorschriftsmäßig die Messe las. Der hatte den stillen Gleb abgelöst, der plötzlich aus irgendeinem Grunde aus der Kirche ausgetreten und verschwunden war. In der Kirche sang schön der vom Lehrer der Fabriksschule Grekow, einem an einen Kater erinnernden Mann, ins Leben gerufene Chor, und es war viel Jugend anwesend.

»Es ist Sonntag«, erklärte sich Artamonow die Menschenmenge.

Der nicht große, leichte Sarg wurde von jungen Webern getragen; die solideren Arbeiter hielten sich abseits; hinter dem Sarge schritt düster, doch ohne Tränen, Sinaïda in einer unpassend bunten Jacke und neben ihr der breitschultrige, sauber gekleidete Schlosser Sedow; Tichon Wialow stampfte für sich allein schwer durch den Sand. Die Sonne strahlte hell, der Chor sang mächtig und einig, und es fiel bei diesem Begräbnis der seltsame Mangel an Trauer auf. »Das ist eine schöne Beerdigung«, sagte Artamonow und wischte sich den Schweiß vom Gesicht.

Tichon blieb stehen, blickte sich vor die Füße, dachte nach und sagte:

»Er war ein angenehmer Mensch; er war spielerisch wie die da ...«

Er drehte die Hand in der Luft herum.

»Der Alte hat sie über die Straße getragen, und das Mädel hat gesungen. Er hat alle getröstet.«

Er sah Pjotr mit unehrerbietiger Strenge an, die ihn empörte, und fügte hinzu:

»Er hat die Leute irre gemacht: er hat niemandem etwas zuleide getan, hat aber nicht rechtschaffen gelebt.«

»Rechtschaffen, rechtschaffen!« äffte Pjotr ihm nach. »Du bist an diese Gedanken festgekettet. Pass' auf, daß du nicht toll wirst wie Tulun.«

Artamonow wandte sich schroff von Tichon ab und ging nach Hause.

Es war noch früh, erst gegen Mittag, aber es war schon heiß; der Sand der Straße und das Blau der Luft wurden immer glühender. Gegen Abend hatte die Sonne Berge weißer Wolken aus Dampf aufgetürmt, sie schwebten langsam über dem Rand der Erde nach Osten hin und verdichteten die Schwüle. Artamonow ging im Garten spazieren und trat aus dem Tor hinaus. Tichon teerte die Torangeln; sie waren während des Frühlingsregens verrostet und knarrten häßlich.

»Warum teerst du heute, am Feiertag?« fragte Artamonow träge und setzte sich auf die Bank. Tichon sah ihn schräg mit dem Weißen des Auges an und sagte halblaut:

»Serafim war schädlich.«

»Wodurch denn?«

Als Antwort krochen Artamonow wie schwarze Küchenschaben seltsame Worte entgegen:

»Er hatte ein gutes Gedächtnis, er behielt viel. Er erinnerte sich an alles, was er gesehen hatte. Was gibt es aber zu sehen? Böses, das sich endlos hinzieht, Vergängliches. Und da hat er von alledem erzählt. Er hat große Unruhe verursacht. Ich sehe das ...« Er fuhr mit dem Pinsel in die Tiefe der Torangeln und sprach immer brummiger:

»Man muß den Menschen das Gedächtnis nehmen. Daraus erwächst nur Übles. Es müßte so sein: die einen leben eine Weile und sterben, und alles Böse, all ihre Dummheit verreckt mit ihnen. Es kommen andere auf die Welt, die erinnern sich an nichts Böses, sondern nur an das Gute. Auch ich leide durch das Gedächtnis. Ich bin alt und will Ruhe haben. Wo ist aber die Ruhe? Nur dort, wo es keine Erinnerung gibt ...«

Tichon hatte noch niemals soviel auf einmal und so aufreizend gesprochen. Seine Worte, die, wie immer, dumm waren, erschienen Artamonow zu dieser Stunde besonders feindselig; er betrachtete Tichons Bartbüschel, seine farblosen, verschwommenen Pupillen, die von Runzeln durchzogene steinerne Stirn und staunte über die sich immer noch steigernde Häßlichkeit dieses Menschen. Die Runzeln waren unnatürlich tief, wie Falten an Schaftstiefeln, das breitknochige, durch das Alter entblößte Gesicht hatte die graue Färbung von Bimsstein angenommen, und die Nase hatte so große Poren wie ein Schwamm.

»Er ist alt geworden«, dachte Artamonow, und das war ihm angenehm. »Er vergißt sich beim Sprechen. Er ist kein Arbeiter mehr, ich muß ihn entlassen. Ich werde ihm ein Geschenk machen.«

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