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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Tichon rückte ihm näher, indem er in der einen Hand den Pinsel und in der andern den Teereimer hielt, wies mit dem Pinsel auf das dunkelrote Fabrikgebäude hin, das die Farbe rohen Fleisches hatte und brummte:

»Du solltest mal hören, was sie dort sprechen. Der Geck Sedow, der krumme Morosow, sein Bruder Sacharka und auch Sinaidka, – sie alle sagen geradeheraus: ein Werk, das mit fremden Händen aufgebaut wird, ist ein schädliches Werk, man muß es vernichten ...«

»Das scheinen deine Gedanken zu sein«, sagte Pjotr spöttisch.

»Meine?« Tichon schüttelte verneinend den Kopf. »Nein, die sind nicht von mir. Ich bin gegen solche Einfälle. Jeder soll für sich arbeiten, dann wird nichts entstehen, keinerlei Übel. Sie sagen aber: alles geht von uns aus, wir sind die Herren. Pass' auf, Pjotr Iljitsch, in Wirklichkeit geht alles von ihnen aus; sie haben dich in das Werk eingespannt, du hast den Wagen auf die ebene Straße hinausgeführt, und jetzt ...«

Artamonow räusperte sich bedächtig, stand auf, steckte die Hände in die Taschen, blickte über Tichons Kopf hinweg auf die Wolken und begann energisch, wenn auch ein wenig stotternd zu sprechen:

»Ich will dir etwas sagen: ich verstehe natürlich, daß du das ganze Leben mit mir verbracht hast, das stimmt! Nun, du bist indessen schon alt, es fällt dir schwer ...«

»Und Serafim hat sie darin bekräftigt«, sagte Tichon, sichtlich ohne auf den Herrn zu hören.

»Warte! Es ist für dich Zeit, auszuruhen.«

»Es ist für alle Zeit. Wie denn sonst ?«

»Warte ... Es ist schwer mit dir auszukommen ...«

Tichon Wialow war nicht erstaunt, als er von seiner Entlassung hörte. Er murmelte ruhig:

»Nun, wenn es so ist ...«

»Ich werde dir natürlich eine Gratifikation aussetzen', versprach Artamonow, durch seine Ruhe ein wenig verwirrt. Tichon schwieg darauf und teerte sich seine staubigen Stiefel ein. Da sagte Artamonow so energisch, als er konnte:

»Also leb wohl!«

»Gut«, erwiderte Tichon.

Artamonow ging aufs andere Flußufer, in der Hoffnung, es wäre da kühler; dort hatte ihm Serafim unter der Fichte, wo er sich mit Ilja verzankt hatte, aus weißen Birkenästen eine Art Thron aufgebaut. Von dort aus übersah man gut das ganze Werk, das Haus, den Hof, die Siedlung, die Kirche und den Friedhof. Die großen Fenster des Fabrikkrankenhauses und der Schule funkelten wie Eis; die kleinen Menschen schossen wie Weberschiffchen über die Erde und webten das unendliche Gewebe des Werks, noch kleinere Menschen liefen durch den Sand der Fabriksiedlung. An der Kircheneinfriedung weidete inmitten der grauen Erlenstämme eine Spielzeugherde von Ziegen; sie wurden vom einäugigen Bader Morosow, dem Enkel des uralten Webers Boris, gezüchtet, die Fabrikfrauen kauften viel Ziegenmilch für die Kinder. Und hinter dem Krankenhaus, auf dem von einem Gitter eingeschlossenen, kahlen Erdviereck weideten in gelben Schlafröcken und weißen Mützen kleine Menschen, die an Irre erinnerten. Um das Werk hatten sich viele Vögel angesiedelt: Sperlinge, Krähen und Dohlen; die Elstern schnatterten, flogen eilig von einer Stelle zur andern und ließen wie Atlas ihre weißen Seiten erglänzen; schillernde Tauben gingen auf der Erde herum, besonders viele Vögel gab es neben der Schenke am Ufer der Watarakscha, wo die Bauern, die den Flachs brachten, abstiegen.

Seit einiger Zeit erregte dieser ganze große Betrieb in Artamonow aber weder Stolz, noch Vergnügen; er war für ihn zur Quelle verschiedenartiger Kränkungen geworden. Es war kränkend zu sehen, wie Alexej, Miron und verschiedene Menschen aus ihrer Umgebung schrien, wie Zigeuner auf dem Markt mit den Händen herumfuchtelten und stritten, ohne ihn, den ältesten Menschen des Werks zu beachten. Selbst wenn sie vom Werk sprachen, vergaßen sie ihn, und wenn er sich ihnen in Erinnerung brachte, hörten sie ihn schweigend an, als wären sie mit ihm einverstanden, machten aber alles, sowohl im großen wie im kleinen, nach eigenem Gutdünken. Das hatte schon längst begonnen, noch zu der Zeit, als sie gegen seinen Willen in dem Werk eine elektrische Station erbaut hatten; Pjotr Artamonow überzeugte sich bald davon, daß das sowohl vorteilhafter als auch gefahrloser war, konnte die Kränkung aber trotzdem nicht verwinden! Es gab auch viele kleine Kränkungen; sie wuchsen der Zahl nach immer mehr an und wurden schärfer. Besonders frech und widerwärtig betrug sich der Neffe; er hatte sein Studium beendet, kleidete sich in fremdländische Lederröcke, glänzte, von der goldenen Brille angefangen bis zu den gelben Stiefeln, kniff die Augen zu, verzog das Gesicht und sagte:

»Das ist veraltet, Onkel. Es ist jetzt eine andere Zeit, Onkel.«

Er schien sich vor der Zeit zu fürchten, wie ein Diener vor einem strengen Herrn. Das war aber das einzige, was er fürchtete, in allem andern war er unerträglich frech. Einmal sagte er sogar:

»Begreifen Sie doch, Onkel, daß Rußland nicht mehr mit solchen Menschen, wie Sie und Ihresgleichen es sind, leben kann.«

Das traf Artamonow mit solcher Wucht, daß er nicht einmal fragte weshalb? Er ging gekränkt weg, kam einige Wochen nicht zu Alexej und sprach nicht mit Miron, wenn er ihn im Werk traf.

Miron hatte die Absicht, Wera Popowas Tochter zu heiraten, die ebenso groß und schlank wie ihre ergraute, erstarrte Mutter war. Wie alle andern lächelte auch dieses Mädchen auf eine unangenehme Weise. Sie zuckte mit dem Hals, betrachtete alles mit dem starren Blick ihrer großen, schamlos geöffneten Augen, die an nichts zu glauben schienen, summte wie eine Fliege zwischen den Zähnen und verdarb von früh bis spät Leinen, das sie mit bunten Bildchen bekleckste. Ihr Strohhut, der mit einem Band an den Hals festgebunden war, baumelte immer auf dem Rücken herum, auch ihre Haare waren strohfarbig, sie war unordentlich gekleidet und ihre Beine sahen fast bis zu den Knieen unter dem Rock hervor.

Der Müßiggänger Gorizwetow war widerwärtig; er huschte wie eine Turmschwalbe vorüber, erschien unerwartet, verschwand, erschien wieder, griff alle wie ein kleiner, böser Hund an und schrie:

»Ihr wollt das reiche, geistige Rußland in ein seelenloses Amerika verwandeln, ihr baut eine Mausefalle für die Menschen!«

Aus diesem Schreien hörte Artamonow manchmal etwas Richtiges heraus, aber noch öfter etwas, das an Tichon Wialows Dummheit erinnerte, obwohl er keine Menschen kannte, die einander unähnlicher wären, als dieser geriebene, unstete Springinsfeld und der schwerfällige, gegen alles gleichgültige Tichon. Gorizwetow lief auf Jelisaweta Popowa zu und schrie sie an:

»Warum schweigen Sie? Sie sind ein geistiger Mensch!«

Sie lächelte; ihr Gesicht war hochmütig und unbeweglich, nur ihre grauen, herbstlichen Augen lächelten. Pjotr Artamonow vernahm nie gehörte, unverständliche Worte.

»Die Agonie der Romantik«, sagte Miron und putzte sorgfältig mit einem Stück Sämischleder die Brillengläser.

Alexej flog irgendwo in Moskau herum; Jakow nahm an Umfang zu, hielt sich solide beiseite; er sprach wenig, aber scheinbar treffend, seine Worte reizten in gleicher Weise Miron und Gorizwetow. Jakow hatte sich einen rötlichen, tatarischen Vollbart wachsen lassen und zugleich mit dem Bart wuchs immer merklicher auch seine Spottlust; es war angenehm zuzuhören, wenn der Sohn träge zu diesen gewandten Menschen sagte:

»Bevor ihr euch in feine Herrschaften verwandelt, werdet ihr noch in manche Pfütze geraten! Ihr solltet einfacher leben!«

Pjotr Artamonow und – wie er sah – auch Jakow waren sehr belustigt, als Jelisaweta Popowa plötzlich nach Moskau abreiste und sich dort mit Gorizwetow trauen ließ. Miron war erbost und konnte das nicht verbergen; er drehte an seinem Spitzbart herum, den er anders als es bei den Kaufleuten üblich war, trug, zog daraus gleichsam den Faden seiner trockenen Worte hervor und sagte in einem unecht wirkenden Ton:

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