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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Auf dem Heimweg mit Jakow fragte ihn der Vater:

»Verstehst du, worüber gestritten wurde?«

»Jawohl«, antwortete der Sohn kurz.

Um den Mangel an Verständnis vor ihm zu verbergen, forschte Pjotr Artamonow streng:

»Worüber also?«

Jakow antwortete stets unwillig und kurz, aber deutlich. Nach seinen Worten hatte Miron folgendes gesagt: Rußland müßte sich in derselben Weise wie ganz Europa entwickeln, während Gorizwetow glaubte, daß Rußland seinen eigenen Weg vor sich hätte. Hier hielt Pjotr Artamonow es für angebracht, dem Sohne zu zeigen, daß er, der Vater, darüber seine eigenen Gedanken hatte, und er sagte eindringlich:

»Wenn die Ausländer besser als wir leben würden, würden sie sich uns nicht aufdrängen ...« Das war aber Alexejs Gedanke, – er hatte also keinen eigenen. Artamonow verzog gekränkt das Gesicht. Der Sohn schien aber diese Kränkung noch zu vertiefen, indem er sagte:

»Man kann leben, auch ohne mit dem Verstand zu prahlen und ohne solche Gespräche zu führen ...«

Pjotr brummte:

»Es geht auch ohne das ...«

Er empfand immer häufiger die Stöße kleiner Kränkungen und Überraschungen. Sie schoben ihn beiseite und festigten seine Rolle eines Zuschauers, der alles betrachten und über alles nachdenken muß. Und alles ringsum veränderte sich unmerklich; aber schnell, überall in den Worten und Taten erklang laut und aufdringlich etwas Neues und Unruhiges. Einmal beim Tee sagte Olga:

»Die Wahrheit ist etwas, was die Seele erfüllt, so daß man nichts weiter mehr will.«

»Richtig«, stimmte Pjotr ihr zu.

Miron funkelte aber mit der Brille und belehrte die Mutter:

»Das ist nicht die Wahrheit, sondern der Tod. Die Wahrheit ist in der Arbeit, in der Tat.«

Als er wegging und einen zusammengerollten dicken Papierbogen mitnahm, bemerkte Pjotr, sich an Olga wendend:

»Unser Sohn ist grob zu dir.«

»Nicht im geringsten.«

»Ich sehe doch, daß er grob ist!«

»Er ist gescheiter als ich«, sagte Olga. »Ich bin ja so ungebildet und sage oft Dummheiten. Die Kinder sind überhaupt gescheiter als wir.«

Artamonow konnte ihr nicht glauben und antwortete lächelnd:

»Es stimmt, du sagst Dummheiten. Die Alten waren aber gescheiter als wir und sagten: ›Söhne bereiten Kummer und Töchter doppelt so viel‹. Hast du verstanden?«

Ihre Worte von der Gescheitheit der Kinder verletzten ihn sehr,–sie wollte natürlich auf Ilja anspielen. Er wußte, daß Alexej Ilja mit Geld aushalf, und daß Miron ihm Briefe schrieb, er fragte aber aus Stolz nie danach, wo und wie Ilja lebte; Olga erzählte übrigens selbst in geschickter Weise davon, da sie seinen Stolz verstand. Er hatte durch sie erfahren, daß Ilja sich erst in Archangelsk niedergelassen hatte, jetzt aber im Auslande lebte.

»Mag er dort leben. Wenn er zu Vernunft kommt, wird er begreifen, daß er dumm war.«

Manchmal, wenn er an Ilja dachte, staunte er über den Eigensinn des Sohnes; alle ringsum wurden gescheiter, worauf wartete aber Ilja?

In Alexejs Hause traf er oft die Popowa und ihre Tochter. Sie war noch immer ebenso schön, traurig, ruhig und ihm fremd. Sie sprach mit ihm wenig und so, wie er mit Ilja zu sprechen pflegte, wenn er ihn grundlos gekränkt zu haben glaubte. Er fühlte sich durch sie bedrückt. In stillen Augenblicken erstand das Bild der Popowa vor ihm, rief jedoch nichts als Staunen hervor; da gefällt einem ein Mensch, man denkt an ihn, kann aber nicht verstehen, wozu man ihn braucht; es ist auch unmöglich mit ihm zu sprechen, als wäre er taubstumm.

Ja, alles veränderte sich! Selbst die Arbeiter wurden immer launischer, erboster und schwindsüchtiger, und die Frauen immer lauter. Der Lärm in der Arbeitersiedlung wurde immer erregter; des Abends war es, als heulten alle dort wie die Wölfe, und als knirschte sogar der mit Kehricht bedeckte Sand bösartig.

Bei den Arbeitern machte sich Unstetheit und Leidenschaft zum Vagabundieren bemerkbar. Burschen, denen durch niemand und nichts unrecht geschehen war, kamen plötzlich ins Kontor und verlangten ihre Entlassung.

»Wohin wollt ihr denn?« fragte Pjotr.

»Wir wollen uns umschauen, wie es anderswo ist.«

»Was ist in sie gefahren?« fragte Pjotr Artamonow Alexej. Der schmunzelte mit fuchsartigen Grimassen und sagte, die Arbeiter seien überall in Erregung.

»Bei uns geht alles noch schön und ruhig ab, aber in Petersburg... Wir haben nicht die Beamten und Minister, die wir brauchen ...«

Und dann sprach er so frech und dumm, daß Pjotr ihn finster zur Vernunft bringen mußte:

»Das ist Unsinn! Es ist für die Edelleute vorteilhaft, dem Zaren die Macht zu rauben. Die Edelleute verarmen. Wir aber werden auch ohne Macht reich. Dein Vater ist an Feiertagen in geteerten Stiefeln herumstolziert, und du trägst ausländische Schuhe und seidene Krawatten. Wir müssen die Arbeiter des Zaren sein und nicht Schweine! Der Zar ist eine Eiche, und wir haben von ihm goldene Eicheln zu erwarten.« Alexej hörte lächelnd zu und wirkte dadurch noch aufreizender. Pjotr fand, daß überhaupt alle Menschen zu oft lächelten; in dieser ihrer neuen Angewohnheit war etwas Unfrohes und Dummes. Niemand von ihnen verstand es jedoch, sich in so tröstender und drolliger Weise lustig zu machen, wie der Schreiner Serafim, der unsterbliche Alte.

Artamonow war mit dem Tröster sehr befreundet. Von Zeit zu Zeit überkam ihn wieder die Traurigkeit und rief in ihm den unbezwinglichen Wunsch zu trinken hervor. Er schämte sich, bei Alexej zu trinken; dort saßen immer fremde Menschen, und er wollte sich auf keinen Fall vor der Popowa betrunken sehen lassen. Zu Hause hatte Natalia an solchen Tagen eine gebeugte Haltung und schwieg bedrückt. Wenn sie wenigstens geschimpft hätte! Dann hätte er doch auch schimpfen können! Auf diese Weise erinnerte sie aber an jemanden, der ausgeplündert wurde, und rief statt Ärger ein Gefühl hervor, das sich dem Mitleid näherte. Artamonow begab sich zu Serafim:

»Ich will trinken, Alter!«

Der lustige Schreiner billigte es lächelnd:

»Das ist etwas so Gewöhnliches, wie die Sonne im Sommer! Das heißt, daß du müde und matt bist. Nun, stärke dich nur! Deine Arbeit ist nicht so gering, wie die Warze auf der Wange!«

Er hielt für den Chef Schnäpse und Liköre von ungewöhnlichem Geschmack bereit, holte aus allen Ecken buntfarbige Flaschen hervor und prahlte:

»Das habe ich mir selbst ausgedacht, ausgeführt hat es aber eine Diakonswitwe, ein Weib, scharf wie Pfeffer! Da, koste, dies da ist ein Aufguß von Birkenkätzchen und Frühlingsbaumsaft! Wie ist es?« Er setzte sich an den Tisch, trank seinen »Rübenwein« und plauderte:

»Ja, also diese Diakonsfrau! Sie ist ein tiefunglückliches Geschöpf. Jeder ihrer Geliebten ist ein Dieb. Ohne einen Geliebten kann sie aber nicht auskommen, da hat sie zuviel Ungeduld in den Adern ...«

»Nein, ich habe eine auf der Messe gesehen«, erinnerte sich Artamonow.

»Das glaube ich!« bestätigte Serafim eilig. »Dort ist ja lauter auserlesene Ware der ganzen Erde. Das weiß ich!«

Serafim kannte alle und wußte alles; er erzählte kurzweilig von den Familienangelegenheiten der Angestellten und Arbeiter, sprach von allen gleich freundlich und erwähnte seine Tochter, als wäre sie eine Fremde.

»Der Racker ist zur Vernunft gekommen. Jetzt lebt sie mit dem Schlosser Sedow, und es geht ihr gut, denke nur! Ja, jedes Geschöpf findet seinen Unterschlupf.«

In Serafims reinem Stübchen, das vom harzigen Geruch der Holzspäne erfüllt war, und in dem warmen Halbdunkel, das durch das bescheidene Licht der Blechlampe an der Wand kaum erhellt wurde, saß es sich angenehm.

Nachdem Artamonow getrunken hatte, klagte er über die Menschen, und der Schreiner tröstete ihn.

»Das macht nichts, das ist gut! Die Menschen sind ins Laufen gekommen, das ist der Sinn des Ganzen! Der Mensch lag immerzu und dachte, – dann stand er auf und ging! Laß ihn nur gehen! Betrübe dich nicht, glaube an den Menschen! Glaubst du an dich selbst?«

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