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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Habe ich das gesagt?« erkundigte sich Pjotr finster.

»Loktew hat sich diese Worte doch nicht selbst ausgedacht.«

Pjotr wollte Alexej noch nach vielem fragen, er fürchtete sich aber, ihn an Dinge zu erinnern, die er vielleicht schon vergessen hatte. In ihm begann ein Gefühl von Feindseligkeit und Neid gegen Alexej aufzukeimen.

»Er wird immer klüger, der Teufel.«

Er sah in Alexej etwas Luchsartiges, von außen Angewehtes und zugleich die Findigkeit eines Fuchses. Die Habichtsaugen, der hinter der sich zusammenkrampfenden Oberlippe funkelnde Goldzahn, der kriegerisch aufgezwirbelte, graue Schnurrbart, das lustige Bärtchen, die fest zupackenden, vogelartigen Finger wirkten aufreizend; besonders unangenehm erschien der Zeigefinger der rechten Hand, der stets irgendwelche Schnörkel in die Luft zeichnete. Und das kurze eisenfarbige Röckchen verlieh Alexej Ähnlichkeit mit einem spitzbübischen Winkeladvokaten.

Er hatte plötzlich den Wunsch, Alexej möchte weggehen.

»Ich muß ein wenig schlafen«, sagte er, die Augen schließend.

»Das ist vernünftig«, stimmte Alexej zu. »Geh heute nirgends mehr hin.«

»Er schulmeistert mich wie einen Jungen«, dachte Pjotr beleidigt, als er ihn hinausbegleitete. Er ging in die Ecke zum Waschtisch und blieb stehen, als er bemerkte, daß neben ihm sich lautlos ein ihm ähnlicher Mensch bewegte, der unglücklich und zerzaust aussah, ein verdrücktes Gesicht und erschrocken glotzende Augen hatte; er streichelte sich mit der roten Hand den nassen Bart und die haarige Brust. Er glaubte es einige Sekunden lang nicht, daß es sein Spiegelbild an der Wand über dem Sofa sei, dann lächelte er kläglich und begann von neuem sich Gesicht, Hals und Brust mit Eis abzureiben.

»Ich will mir eine Droschke nehmen und in die Stadt fahren«, beschloß er und begann sich anzukleiden. Als er aber die Hand in den Ärmel des Rockes hineingesteckt hatte, warf er ihn auf einen Stuhl und drückte mit dem Finger fest auf den Beinknopf der Klingel.

»Tee; brüh ihn stark auf!« sagte er zum Diener. »Bring etwas Gesalzenes. Und Kognak.«

Er sah aus dem Fenster; die breiten Ladentüren waren schon geschlossen, über die Straße krochen Menschen hin, die von dem heißen Dunkel gegen die Pflastersteine niedergepreßt wurden; die opalfarbene Laterne an der Theaterauffahrt summte; irgendwo in der Nähe sangen Frauen.

»Motten!«

»Darf ich aufräumen?« sagte jemand hinter seinem Rücken. Er wandte sich jäh um; an der Tür stand eine einäugige Alte mit einem Fußbodenbesen und Scheuertüchern in den Händen. Er ging schweigend in den Korridor hinaus und stieß auf einen Menschen mit einer dunklen Brille und einem schwarzen Hut; der Mensch sagte durch den Spalt einer nicht geschlossenen Tür:

»Ja, ja, sonst nichts!«

Alles war häßlich und zwang, nach einem verborgenen Sinn der Worte zu suchen. Dann saß Pjotr an einem runden Tisch; vor ihm summte ein kleiner Samowar, und über seinem Kopf klirrte der Lampenzylinder, als berührte ihn leicht eine unsichtbare Hand. In der Erinnerung huschten seltsame Gestalten rasend betrunkener Menschen, Liedertexte und Bruchstücke der zurechtweisenden Rede Alexejs vorüber, flüchtig bemerkte Augen funkelten auf, im Kopf war es aber trotzdem leer und düster; es schien dorthin ein dünner, zitternder Strahl eingedrungen zu sein, in dem die Menschen sich wie Stäubchen drehten und tanzten und ihn daran hinderten, an etwas sehr Wichtiges zu denken.

Er trank heißen, starken Tee, Schlucke Kognak und verbrannte sich den Mund, doch fühlte er nicht, daß er betrunken wurde; seine Unruhe wuchs aber und er hatte den Wunsch, irgendwo hinzugehen. Er klingelte. Es erschien ein im Nebel zerfließender Mensch, ohne Gesicht und ohne Haare, der an einen Stock mit einem Beinknopf erinnerte.

»Bring grünen Likör, Wanka; den grünen, weißt du.«

»Jawohl, Chartreuse.«

»Bist du denn der Wanka?«

»Nein, Euer Gnaden, ich bin Konstantin.«

»Nun, geh!«

Als der Bediente Likör brachte, fragte Artamonow:

»Warst du Soldat?«

»Nein, Euer Gnaden.«

»Du sprichst aber wie ein Soldat.«

»Es ist hier eine gute Stellung, man muß gehorchen.«

Artamonow überlegte, gab ihm einen Rubel und riet ihm:

»Gehorche eben nicht. Schicke alle zum ... und handle lieber mit Gefrorenem. Das ist alles!«

Der Likör war klebrig wie Sirup und ätzend wie Salmiakgeist. Davon wurde ihm im Kopf leichter und klarer. Alles schien sich zu verdichten, und während im Kopf diese Verdichtung vor sich ging, wurde es auf der Straße stiller. Alles wurde körperhafter, es erhob sich ein sanftes Geräusch, das in die Ferne entschwebte und Stille hinterließ.

»Muß man gehorchen?« sann Artamonow nach. »Wem? Ich bin der Herr und kein Lakai. Bin ich der Herr oder nicht?«

Aber alle diese Betrachtungen wurden plötzlich unterbrochen und verschwanden, von der Angst verscheucht: Artamonow erblickte auf einmal jenen Menschen vor sich, der ihn daran hinderte, leicht und gewandt wie Alexej und andere geschickte Leute zu leben; es war dies ein bärtiger Mann mit einem breiten Gesicht, der ihm gegenüber am Samowar saß; er saß schweigend da, krallte sich mit den Fingern der linken Hand in den Bart fest und stützte seine Wange gegen die Handfläche; er betrachtete Pjotr Artamonow so traurig, als verabschiedete er sich von ihm, und zugleich so, als bedauerte er ihn und als werfe er ihm etwas vor; er sah ihn an und weinte, und unter seinen rötlichen Lidern rannen giftige Tränen hervor. An seinem Bartrand, neben dem linken Auge, bewegte sich eine große Fliege; jetzt kroch sie, wie über das Gesicht einer Leiche, auf die Schläfe, blieb über der Braue sitzen und blickte ins Auge.

»Was denn, du Halunke?« fragte Artamonow seinen Feind. Der rührte sich nicht und antwortete nicht, er bewegte nur die Lippen.

»Du heulst?« brüllte Pjotr Artamonow, schadenfroh. »Schuft, du hast mich ins Unglück gebracht und du weinst noch? Es tut dir wohl selbst leid? Hu–h ...«

Er packte eine Flasche vom Tisch und schlug ihm, weit ausholend, auf den etwas kahlen Schädel.

Auf das Krachen des zerschlagenen Spiegels, und auf das Klirren des Samowars und des Geschirrs, die vom umgeworfenen Tisch heruntergefallen waren, kamen Menschen herbei. Es waren nicht viele, doch spaltete sich ein jeder in zwei Teile und zerfloß; die einäugige Alte bückte sich, um den Samowar aufzuheben und stand im selben Augenblick aufrecht da.

Artamonow hörte, auf der Erde sitzend, klagende Stimmen:

»Es ist Nacht, alle schlafen.«

»Sie haben den Spiegel zerbrochen!«

»Wissen Sie, das ist keine Art und Weise...«

Artamonow schwamm, irgendwohin mit vorgestreckten Armen und blockte:

»Eine Fliege ...«

Am nächsten Tag kam Alexej gegen Abend herangetrabt, untersuchte den Bruder sorgfältig wie ein Arzt einen Kranken oder ein Kutscher sein Pferd und sagte, indem er sich den Schnurrbart mit einem kleinen Bürstchen glättete:

»Du bist unnatürlich aufgedunsen; du darfst in dieser Verfassung nicht zuhause erscheinen! Außerdem kannst du dich mir hier nützlich erweisen, Du mußt dir den Bart schneiden lassen, Pjotr. Und kauf' dir andere Stiefel, die deinigen sehen wie die eines Droschkenkutschers aus!«

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