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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Was, du bist hingefallen und liegst da? Und ich habe dich gestern den ganzen Tag und die ganze Nacht gesucht und bin gegen Morgen selbst in den Wirbel hineingeraten.«

Er ließ sogleich den Kellner kommen und bestellte Limonade, Kognak und Eis; dann sprang er zum Sofa hin und klopfte Paschuta auf die Schulter.

»Steh auf, Fräulein!«

Das Fräulein brummte, ohne die Augen zu öffnen:

»Geh zum Teufel! Lass' mich in Ruhe!«

»Du wirst zum Teufel gehen«, sagte Alexej ohne Zorn, hob sie an den Schultern auf, setzte sie hin, rüttelte sie und zeigte auf die Tür:

»Hinaus!«

»Rühr' sie nicht an«, sagte Pjotr. Alexej beruhigte ihn schmunzelnd:

»Das tut nichts; wenn wir sie rufen, wird sie wiederkommen!«

»Oh, ihr Teufel«, sagte die Frau und zog gehorsam die Jacke an. Alexej kommandierte wie ein Arzt:

»Steh auf, Pjotr, zieh das Hemd aus und reibe dich mit Eis ab!«

Paschuta hob den zerknitterten Hut von der Erde auf und stülpte ihn auf den zerzausten Kopf, als sie aber in den Spiegel über dem Sofa sah, sagte sie:

»Eine schöne Prinzessin!«

Damit warf sie den Hut auf die Erde unter das Sofa und gähnte lange:

»Nun, leb wohl, Mitja! Vergiß nicht: ich wohne im Hotel Simanski, Zimmer Nummer 13.«

Pjotr bedauerte sie, er sagte zu Alexej, ohne sich von der Erde zu erheben:

»Gib ihr etwas.«

»Wieviel?«

»Nun ... fünfzig.«

»Ach! Das ist zu viel.«

Alexej steckte der Frau einen Geldschein in die Hand, begleitete sie hinaus und schloß fest die Tür.

»Du hast ihr zu wenig gegeben«, bemerkte Pjotr herausfordernd. »Sie hat gestern für den Hut mehr bezahlt.«

Alexej setzte sich auf einen Sessel, faltete die Hände über dem Stock, stützte sich darauf mit dem Kinn und fragte trocken, im Tone eines Vorgesetzten:

»Was treibst du eigentlich?«

»Ich trinke«, antwortete der Ältere kampflustig, erhob sieh und begann ächzend den Körper mit Eis abzureiben. »Kusma, trink für drei, doch behalte den Verstand dabei! Was hast du aber angestellt?«

Was denn?«

»Alexej kam auf ihn zu, betrachtete ihn wie einen Unbekannten und fragte pfeifend mit leiser Stimme:

»Hast du vergessen? Man hat gegen dich eine Klage eingereicht, du hast einem Rechtsanwalt das Gesicht zerschlagen und einen Polizisten in den Kanal gestoßen...«

Er zahlte die Vergehen so lange auf, daß Pjotr Artamonow dachte:

»Er lügt. Er will mir Angst machen.«

Er fragte:

»Welchem Rechtsanwalt? Das ist Unsinn.«

»Das ist kein Unsinn. Diesem Schwarzen, – wie heißt er?«

»Wir haben schon vorher miteinander gerauft«, sagte Pjotr und begann nüchtern zu werden, doch Alexej fuhr noch strenger fort:

»Warum hast du aber ehrbare Leute beschimpft? Und auch deine Verwandten?«

»Ich?«

»Du selbst! Du hast über deine Frau, über Tichon und über mich geschimpft, hast dich an irgendeinen Jungen erinnert und hast geweint. Du hast geschrien: ›Abraham, Isaak, der Widder!‹ Was bedeutet das?«

Pjotr wurde von Angst erfaßt und ließ sich auf einen Stuhl sinken.

»Ich weiß es nicht. Ich war betrunken.«

»Das ist kein Grund!« schrie Alexej beinahe und hüpfte, als galoppierte er auf einem lahmen Pferd. »Hier ist etwas anderes: ›wess' beim Nüchternen das Herz voll ist, dess' geht beim Betrunkenen der Mund über‹, das will es besagen! Man schreit nicht in Schenken Familienangelegenheiten aus! Was soll Abraham, das Sühneopfer und der übrige Unsinn? Du setzst das Werk herab und läßt mich in schlechtem Licht erscheinen. Warum hast du dich wie im Badehaus entkleidet? Es war noch gut, daß mein Freund Loktew bei dem Skandal anwesend war, und daß er die Geistesgegenwart hatte, dich mit Kognak mundtot zu machen; dann hat er mich durch ein Telegramm herberufen. Er hat mir das alles erzählt. Zuerst, sagt er, haben alle gelacht, dann hat man aber zuzuhören begonnen, warum du so brüllst.«

»Alle brüllen«, murmelte Pjotr bedrückt und wurde von Alexejs Worten wieder umnebelt. Dieser sprach aber beinahe flüsternd:

»Alle brüllen von irgendeiner bestimmten Sache, du hast aber alle Dinge erwähnt! Zum Glück ist es Loktew eingefallen, alle bis zur Bewußtlosigkeit betrunken zu machen. Vielleicht vergessen sie es. Unsere Beziehungen sind aber diplomatischer Natur: heute ist Loktew mein Freund und morgen kann er ein grimmiger Feind sein.«

Pjotr saß auf dem Stuhl und preßte den Hinterkopf fest gegen die Wand, die durch den wilden Straßenlärm erschüttert wurde und zitterte; Pjotr schwieg in der Erwartung, daß dieses Zittern das Chaos des Katzenjammers in seinem Kopf klären und die Furcht verjagen würde. Er konnte sich an gar nichts von alledem erinnern, wovon sein Bruder sprach. Und es war sehr kränkend zu hören, daß Alexej mit der Stimme eines Richters und mit den Worten eines Älteren sprach; es war unheimlich, darauf zu warten, was Alexej noch sagen würde.

»Was hast du nur?« forschte der, noch immer hüpfend.

»Du sagtest, du wolltest zu Nikita fahren...«

»Ich war bei ihm.«

»Auch ich war dort. Als man auf das Telegramm antwortete, du seiest nicht dort, eilte ich natürlich hin. Alle erschraken; wir leben ja auf der Erde, da kann man auch ermordet werden.«

»In mir hat sich irgendeine Scheußlichkeit eingenistet«, gestand Pjotr leise und schuldbewußt.

»Muß man sie aber gleich den Leuten vorzeigen? Begreife doch: du läßt unser Unternehmen in einem schlechten Licht erscheinen! Was soll nur dieses Sühneopfer? Bist du denn ein Perser? Gibst du dich etwa mit Knaben ab? Was ist das für ein Knabe?«

Pjotr glättete sich mit beiden Händen das Kopfhaar und den Bart und sprach durch die Finger hindurch:

»Ilja ... Es ist alles seinetwegen...«

Und er begann langsam und unschlüssig, als suchte er hastend nach einem Pfad im Dunkel, Alexej von dem Streit mit Ilja zu erzählen; er brauchte nicht lange zu sprechen; der Bruder erklärte laut und erleichtert:

»Uff! Nun, das macht alles nichts! Loktew hat es aber, wie ein Asiate, skandalös aufgefaßt. Es handelt sich also um Ilja? Nun, entschuldige, Bruder, das ist aber unvernünftig! Die Kaufmannschaft muß alles lernen und jeden Standpunkt im Leben einzunehmen verstehen, du aber ...«

Er sprach sehr lange und beredt davon, daß die Kinder der Kaufleute Ingenieure, Beamte und Offiziere werden müßten. Ein betäubender Lärm drang durch das Fenster herein; vor dem Theater fuhren Wagen vor, die Verkäufer von kühlenden Getränken und von Gefrorenem riefen ihre Ware aus; besonders unerträglich dröhnte die Musik in dem von Brasilianern auf Pfählen über dem Wasser des Kanals aus Glas und Eisen erbauten Pavillon. Die Trommelschläge erinnerten an Paula Menotti.

»Irgendeine Scheußlichkeit hat sich in mir eingenistet«, wiederholte Pjotr Artamonow, sich am Ohr zupfend und mit der andern Hand Kognak in ein Glas Limonade schenkend; der Bruder nahm ihm die Flasche aus der Hand und warnte:

»Pass' auf, du wirst dich wieder betrinken! Mein Miron bildet sich zum Ingenieur aus, – er erweist mir damit einen Gefallen! Er will ins Ausland reisen, – bitte sehr! Das alles kommt dem Hause zugute und bringt keinen Nachteil. Verstehe doch, unser Stand ist die größte Macht...«

Pjotr wollte nichts verstehen. Er dachte bei Alexejs lebhaftem Sprechen daran, daß dieser Mensch auf irgendeine Weise die Achtung und Freundschaft von Leuten erworben hatte, die reicher und sicher gescheiter als er waren, da sie den Handel des ganzen Landes beherrschten; sein anderer Bruder hält sich im Kloster versteckt und erlangt den Ruhm eines Weisen und Gerechten; er, Pjotr, ist aber der Vernichtung durch irgendwelche Zufälle preisgegeben. Weshalb? Warum?

»Du hattest Unrecht, ehrbare Leute wegen ihrer Ausschweifung zu beschimpfen!« sagte Alexej schon sanfter und sich einschmeichelnd. »Das ist keine Ausschweifung, das ist Kraftüberschuß. Der Rechtsanwalt ist ein Schelm, er versteht aber alles richtig, er ist klug! Gewiß, es sind ältere Leute und sogar Greise, sie treiben aber Unfug wie Jungen, doch werden auch die Jungen durch das Wachstum zum Unfug getrieben. Du mußt auch bedenken, daß unsere Weiber fade und ohne Pfeffer sind, man langweilt sich mit ihnen! Ich spreche nicht von meiner Olga, sie ist etwas Besonderes! Es gibt solche dumm-weise Frauen, die auf dem das Schlechte sehenden Auge blind zu sein scheinen. Olga gehört zu ihnen. Man kann sie nicht kränken, sie sieht das Schlechte nicht und glaubt nicht an das Böse. Das kannst du von Natalia nicht behaupten, du hast sie den Leuten treffend geschildert: sie ist eine häusliche Maschine!«

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