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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Stiopa, Menschenfreund, los! Rechtsanwalt Paradisow, führe uns in eine sonst für niemanden zugängliche Spelunke! Ich bin mit allem einverstanden...«

Der Menschenfreund war der Hirte und Anführer einer Gruppe sich amüsierender Industrieller, und überall, wo er mit seiner betrunkenen Horde auch erscheinen mochte, erschallte Musik, ertönten Lieder, bald wehmütige, die die Seele bis zu Tränen erschütterten, und bald wilde zu rasendem Tanz; von der Musik behielt das Gehör nur die auf eine große Trommel dumpf niedersausenden Schläge und das dünne Pfeifen einer tollkühnen Flöte. Wenn lang gedehnte, traurige Lieder gesungen wurden, schienen die Steinwände der Gasthäuser sich zusammenzuschieben und zu würgen, wenn der Chor aber flott und mit Bravour sang und bunt gekleidete Burschen tanzten, schien ein Wind die Wände zu schaukeln und aufzublähen. Man wurde wild herumgeschleudert und ging von der Freude zur Wollust der Trauer über, und zuweilen wurde Pjotr Artamonow von einer derartigen Begeisterung erfaßt und durchglüht, daß er irgendetwas Außergewöhnliches und Erschütterndes zu vollbringen wünschte, – jemanden zu ermorden, sich den Leuten vor die Füße zu werfen und ihnen auf den Knien und öffentlich zu verkünden: »Richtet mich, verurteilt mich zu einer furchtbaren Todesstrafe!«

Man befand sich im »Karussel«, einem irrsinnigen Lokal, dessen Fußboden sich mit sämtlichen Tischchen, Menschen und Kellnern langsam drehte; nur die Ecken des mit Gästen, wie ein Kissen mit Federn, vollgestopften und von Lärm erfüllten Saales blieben unbeweglich. Die Fußbodenscheibe drehte sich und zeigte in der einen Ecke einen Haufen rasender Musikanten mit Messingtrompeten; in der zweiten einen Chor, eine Menge bunter Frauen mit Kränzen auf den Köpfen; in der dritten spiegelte sich auf dem Geschirr und den Flaschen des Büffets das Licht der Hängelampen wieder, und die vierte Ecke war durch die Tür abgeschnitten, durch die sich Menschen hereinschoben, die beim Betreten der Drehscheibe wankten, mit erhobenen Armen hinfielen, dröhnend lachten und dann verschwanden.

Der Menschenfreund, der schwarze Stiopa, erklärte Artamonow:

»Es ist dumm, aber schön! Der Fußboden ruht auf Balken wie die Teeuntertasse auf den gespreizten Fingern, die Balken sind an einem Pfahl befestigt, am Pfahl befinden sich zwei horizontale Hebel, an jeden ist ein Pferdepaar vorgespannt, das vorwärts geht und den Fußboden dreht. Einfach, nicht wahr? Darin liegt aber der ganze Sinn. Petja, merke dir: Alles hat leider einen geheimen Sinn!«

Er erhob den Finger zur Zimmerdecke, am Finger funkelte wie ein Wolfsauge ein grünlicher Stein; ein breitschultriger Kaufmann mit einem Hundekopf zupfte Artamonow am Ärmel, sah ihn mit den verglasten Augen einer Leiche starr an und fragte laut, als wäre er taub:

»Und was wird Dunja sagen, wie? Wer bist du?«

Ohne eine Antwort abzuwarten, fragte er einen andern Nachbarn:

»Wer bist du? Und was werde ich Dunja sagen? Wie?«

Er stützte sich gegen die Stuhllehne und schnaufte:

»Pfui, zum Teufel!«

Und er schrie wie tolclass="underline"

»Los, an einen andern Ort!«

Dann spielte er den Kutscher, saß auf dem Bock eines Wagens, vor den zwei graue Pferde gespannt waren, und verkündete laut allen Vorübergehenden und ihm Begegnenden:

»Wir fahren zu Paula! He, kommt mit!«

Man fuhr im Regen; im Wagen saßen fünf Menschen, einer davon lag vor Artamonows Füßen und murmelte:

»Er hat mich betrogen, und ich werde ihn betrügen. Er mich und ich ihn...«

Auf dem Platz, vor dem an einen Brotlaib erinnernden Hügel, stürzte der Wagen um, Pjotr fiel hin, schlug sich den Kopf und den Ellenbogen wund, blieb auf dem nassen Rasen des Hügels sitzen und sah zu, wie der Rothaarige mit den lila Ohren über den Hügel zur Moscheeeinfriedung hinkroch und brüllte:

»Geht fort, ich will mich zum Tatarentum bekehren, ich will Mohammed werden, laßt mich!«

Der schwarze Stepan packte ihn bei den Füßen, schleppte ihn hinunter und führte ihn weg; aus den Läden und aus der Karawanserei lief eine Menge von Persern, Tataren und Bucharen zusammen; ein Alter in einem gelben Gewand und einem grünen Turban drohte Pjotr mit einem Stock:

»Uruß, Schajtan!«

Ein Polizist mit einem kupfernen Gesicht stellte Pjotr auf die Beine und sagte:

»Skandale sind nicht gestattet.«

Es kamen Droschken herbei, man setzte die Betrunkenen hinein und brachte sie fort; vorne fuhr stehend der Menschenfreund und schrie etwas durch die Faust wie durch ein Sprachrohr. Der Regen hatte aufgehört, aber der Himmel war so drohend schwarz, wie er in Wirklichkeit nicht zu sein pflegt; über dem ungeheuren Block der Karawanserei funkelten Blitze, die in das Dunkel feurige Spalte rissen, und es wurde unheimlich, als die Pferdehufe laut auf der Holzbrücke über den Béthencourtkanal erschallten, – Artamonow erwartete, die Brücke würde einstürzen, und alle würden in dem regungslos erstarrten, pechschwarzen Wasser zugrunde gehen...

In diesen zerrissenen, an einen Alp erinnernden Bildern suchte und fand Artamonow sich selbst inmitten von Menschen, die durch das zügellose Leben irrsinnig geworden waren und erschien sich als ein ihm beinahe unbekannter Mensch. Dieser Mensch war halbtot vom Trinken und erwartete gierig, daß gleich, im nächsten Augenblick, etwas ganz Ungewöhnliches beginnen sollte, das Wichtigste und Freudigste, das einen entweder in grenzenlose Trauer stürzen oder für immer zu ebenso grenzenloser Freude erheben würde.

Das Unheimlichste, im Gedächtnis als blendender Punkt bewahrt, war eine Frau, Paula Menotti. Er sah sie in einem großen, leeren Zimmer mit kahlen Wänden; ein Drittel des Raumes nahm ein Tisch ein, der mit Flaschen, bunten Weingläsern und Pokalen, mit Obst- und Blumenvasen und mit silbernen Kaviar- und Champagnerkübeln bedeckt war. Etwa zehn rothaarige, kahlköpfige, angegraute Männer saßen ungeduldig um den Tisch herum; einer der leeren Sessel war mit Blumen geschmückt.

Der schwarze Stiopa stand mitten im Zimmer, hielt den Stock mit dem goldenen Griff wie eine Kerze in die Höhe und kommandierte:

»He, ihr Schweine, wartet noch mit dem Fressen!«

Jemand sagte mit dumpfer Stimme:

»Belle nicht!«

»Schweig!« schrie der Menschenfreund. »Ich habe zu bestimmen!«

Es wurde plötzlich dunkler, worauf hinter der Tür gedämpfte Trommelschläge ertönten. Stiopa schritt zur Tür hin und öffnete sie; es kam wankend und wie eine Gans ausschreitend, ein dicker Mensch mit einer Trommel auf dem Bauch herein und schlug kräftig drein:

»Bum, bum, bum ...«

Fünf ebenso gesetzte, ernste Menschen schleppten, gebückt und mit der Anstrengung von Pferden, einen Flügel ins Zimmer, sie hielten ihn an Handtüchern, mit denen seine Füße umwickelt waren; auf dem schwarzen, glänzenden Flügeldeckel lag eine nackte, blendend weiße Frau, deren schamlose Nacktheit etwas Erschreckendes hatte. Sie lag mit der Brust nach oben und hielt die Hände unter dem Kopf; ihr offenes dunkles Haar verschwamm mit dem schwarzen Glanz des Lacks und schien in den Deckel hineinzuwachsen; je näher sie an den Tisch heranrückte, desto deutlicher traten ihre Körperformen hervor, und desto aufdringlicher fielen die Haarbüschel unter den Achseln und auf dem Leib in die Augen.

Die Messingrollen kreischten, der Fußboden knarrte, die Trommel dröhnte laut; die vor diesen schweren Triumphwagen gespannten Menschen blieben stehen und richteten sich auf. Artamonow erwartete ein allgemeines Auflachen, dann würde alles verständlicher erscheinen; alle am Tisch erhoben sich jedoch und sahen schweigend zu, wie die Frau sich träge vom Flügeldeckel loslöste und losriß; es war als wäre sie soeben aus dem Schlaf erwacht, und als befinde sich unter ihr ein Teil der Nacht, der sich bis zur Härte von Stein verdichtet hatte. Das erinnerte an ein Märchen. Nun stand die Frau aufrecht da, warf sich das üppige, dichte Haar hinter die Schultern, stampfte mit den Füßen und trübte den tiefen Glanz des Lackes durch weiße Staubflecken; man hörte das Tönen der Saiten unter ihren Fußtritten.

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