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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Dieser Bericht erschien Pjotr komisch und rückte Nikita in ein jämmerliches Licht, was Pjotr Artamonow etwas beruhigte.

»Es ist schwer, von Gott zu sprechen«, murmelte er.

»Ja, es ist schwer«, gab Vater Nikodim zu und fragte bitter, mit öliger Stimme:

»Weißt du noch, wie unser Vater uns belehrt hat: wir sind einfache Arbeiter, diese Weisheit ist für uns zu hoch?«

»Ich erinnere mich.«

»Jawohl. Vater Feodor schärft mir ein: lies Bücher! Ich lese, – das Buch ist für mich aber wie ein ferner Wald, der unverständlich rauscht. Das Buch gibt dem heutigen Tag keine Antwort. Jetzt sind Gedanken entstanden, die sich durch ein Buch nicht befriedigen lassen. Überall tauchen Sektierer auf. Die Menschen reden so, als ob sie Träume erzählten oder Katzenjammer hätten. Zum Beispiel dieser Mursin ...«

Der Mönch trank Wein, kaute Brot, rollte aus den Krumen kleine Kugeln, die er mit den Fingern über den Tisch jagte, und fuhr fort:

»Vater Feodor sagt: das ganze Unheil kommt durch den Verstand; der Teufel hat ihn zu einem bösen Hund entbrennen lassen, den er neckt, und der Hund bellt alles grundlos an. Vielleicht ist das auch die Wahrheit; es ist aber kränkend, das zuzugeben. Wir haben hier einen Arzt, einen einfachen, lustigen Menschen, der denkt anders: der Verstand ist ein Kind; für ihn ist alles ein Spielzeug und alles unterhaltend; er will übersehen, wie das und jenes eingerichtet ist und was innen ist. Nun, da zerbricht er es natürlich...«

»Vielleicht! Du sprichst aber gefährliche Dinge«, bemerkte Pjotr.

Die Worte des Bruders rüttelten von neuem seine Unruhe wach, sie versetzten ihm Stöße und verblüfften und erschreckten ihn durch ihre Plötzlichkeit und Schärfe. Er wollte Nikita wieder klein kriegen und ihn erniedrigen.

»Der Mönch ist betrunken«, versuchte er sich zu beruhigen.

In der Zelle wurde es schwül, es verbreitete sich ein säuerlicher Geruch von Kohlen und Lampenöl, der Pjotrs Gedanken auslöschte. Auf dem kleinen, schwarzen Fensterviereck streckten sich die Blätter irgendeiner Pflanze aus, die in ihrer Regungslosigkeit wie aus Eisen erschienen. Und Nikita, der an eine Spinne erinnerte, spann still und beharrlich sein Netz.

»Alle Gedanken sind gefährlich. Besonders die einfachen. Denke an Tichon.«

»Er ist irrsinnig.«

»Nein, du hast Unrecht! Er hat einen strengen Verstand. Ich fürchtete mich anfangs sogar, mit ihm zu sprechen; ich wollte es und fürchtete mich! Als der Vater starb, zog mich Tichon sehr an. Du liebtest ja den Vater nicht so wie ich. Dich und Alexej hat dieser ungerechte Tod nicht gekränkt, Tichon aber war gekränkt. Ich zürnte ja damals nicht der Nonne wegen ihrer Dummheit, sondern Gott, und Tichon merkte das gleich. Er sagte: die Mücke lebt, aber der Mensch...«

»Du phantasierst!« bemerkte Pjotr streng. »Du hast zuviel getrunken. Welcher Nonne?«

Nikita fuhr beharrlich fort:

»Tichon sagt: wenn Gott der Herr der Welt ist, dann muß der Regen zur rechten Zeit kommen, wie es dem Getreide und den Menschen nützlich ist. Und auch nicht jede Feuersbrunst entsteht durch den Menschen; die Wälder werden vom Blitz angezündet. Und warum mußte Kain sündigen, damit wir sterben? Wozu braucht Gott das Mißgestaltete; wozu braucht er, zum Beispiel, die Buckligen?«

»Aha, das ist es also!« dachte Pjotr, in den Bart lächelnd, und fühlte, daß Nikitas Klagen über Gott ihn sehr beruhigten; es war gut, daß der Mönch nicht über die Verwandten klagte.

»Man kann Kain nicht verstehen. Damit hat Tichon mich wie an eine Kette geschmiedet. Es hat bei mir mit dem Todestag des Vaters begonnen. Ich dachte, wenn ich ins Kloster ginge, würde es vergehen. Es ist aber nicht geschehen. So lebe ich in diesen Gedanken.«

»Früher hast du davon geschwiegen...«

»Man kann nicht alles auf einmal sagen. Ich würde auch vielleicht das ganze Leben schweigen, aber die Wallfahrer hindern daran. Die beunruhigen das Gewissen. Und das ist gefährlich. Wie, wenn plötzlich das von Tichon Gesagte in meinen Reden zum Vorschein käme? Nein, er ist ein kluger Mensch, wenn ich ihn vielleicht auch nicht liebe. Er denkt auch über dich nach. Da hat sich ein Mensch für die Kinder abgemüht, sagt er, – und die Kinder sind ihm fremd...«

»Was soll das?« fragte Pjotr zornig. »Was kann er wissen?«

»Er weiß schon. Er sagt, die Arbeit ist ein Betrug...«

»Ich habe es gehört... Man müßte den Dummkopf davonjagen. Ja, er weiß viel von unseren Familienangelegenheiten...«

Artamonow sagte das, um Nikita an die qualvolle Nacht zu erinnern, als Tichon ihn aus der Schlinge zog. Dabei dachte er aber an den kleinen Nikonow. Der Mönch verstand die Andeutung nicht; er hob das Glas zum Mund, versenkte die Zunge in den Wein, leckte sich die Lippen und fuhr mit blechern klingenden Worten fort:

»Auch Tichon wurde durch jemanden gekränkt, da riß er sich, wie ein Ausgeplünderter, von allen los...«

Pjotr mußte den Mönch von diesen Gedanken ablenken.

»Wie ist es denn jetzt, glaubst du nicht an Gott?« fragte er und staunte: er hatte giftig fragen wollen, es kam aber anders.

»Es ist schwer zu verstehen, wer jetzt glaubt«, antwortete der Mönch nach einer Weile. »Alle denken viel nach, man findet aber keinen Glauben. Man darf nicht denken, wenn man glaubt. Derjenige, der von dem Gott mit den Hörnern sprach...«

»Laß das«, riet Pjotr und sah sich um. »Das alles kommt von der Langweile und dem Müßiggang. Man müßte alle in ein eisernes Joch einspannen.«

»Nein, man kann nicht an beide glauben«, sagte Vater Nikodim hartnäckig.

Schon zum zweitenmal wurde auf dem Glockenturm geläutet; die gemessenen Töne schlugen gegen die schwarzen Fensterscheiben. Pjotr fragte:

»Gehst du zur Messe?«

»Ich gehe nicht hin. Meine Füße erlauben mir nicht, so lange zu stehen.«

»Betest du hier für uns?«

Der Mönch antwortete nicht.

»Nun, ich will schlafen, ich bin müde von der Reise.«

Nikita stützte sich schweigend mit den langen Armen auf die Sessellehne, hob vorsichtig seinen eckigen Körper und rief:

»Mitja! Mitri!«

Er ließ sich wieder sinken und sagte schuldbewußt:

»Verzeih: ich habe vergessen. Mein Diener schläft im Gasthof. Ich habe ihn fortgeschickt; ich wollte frei sprechen können, und hier sind lauter Angeber und Verleumder...«

Er beschrieb Pjotr in vielen überflüssigen Worten den Weg nach dem Gasthof, und als Pjotr in das Dunkel und in den kalt herabsprühenden Regen hinaustrat, dachte er:

»Der Schwätzer wollte mich nicht fortlassen.«

Und auf einmal fühlte Pjotr Artamonow mit der ihm wohlbekannten Angst, daß er wieder über den Rand einer tiefen Schlucht hinschritt, in die er in der nächsten Minute abstürzen konnte. Er beschleunigte die Schritte, streckte die Hände vor, betastete mit den Fingern den wässerigen Staub des nächtlichen Dunkels und blickte unverwandt in die Ferne, auf den grellen Fleck einer Laterne.

»Nein,« dachte er eilig und stolpernd, »ich brauche das alles nicht. Ich will gleich morgen abreisen. Ich brauche es nicht. Was ist geschehen? Ilja wird zurückkehren! Nein, man muß ein gefestigtes Leben führen. Wie Alexej sich herausgemacht hat. Er könnte mich schädigen.«

Er zwang sich, an Alexej zu denken, weil er weder an Nikita, noch an Tichon denken wollte. Als er sich aber auf das harte Lager des Klostergasthofs hinlegte, wurde er wieder von den bedrückenden Gedanken an den Mönch und an Tichon umfangen. Was war Tichon für ein Mensch? Er wirft auf alles ringsum seinen Schatten, seine Worte erklingen in der kindischen Rede des Sohnes, der Bruder ist von seinen Gedanken verzaubert. »Der Tröster!« dachte er von seinem Bruder. »Und Serafim ist nur ein einfacher Schreiner und versteht es doch zu trösten.«

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