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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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»Wenn du ihm das Messer bringst, ist unsere letzte Hoffnung dahin! Er wartet doch nur darauf, dass er das Messer in die Finger bekommt! Wenn er selbst die steinerne Klinge nicht mehr zu fürchten hat, hält ihn nichts mehr auf. Das Messer allein ist es, das die Dunklen Wälder bis heute schützte. Sobald es in seinem Besitz ist, wird der König uns angreifen.«

Nill wurde ganz übel vor Angst. Sie sah die Dunklen Wälder vor sich, die hohen, stillen, schützenden Bäume, das weiche Moos, die wogenden Gräser ...

Es war unmöglich, dass all dies, die Geister von Jahrhunderten, durch einen einzigen Menschen zerstört würden. Durch einen einzigen Krieg. Durch ein einziges Messer ...

»Ich flehe dich an«, flüsterte Kaveh und ergriff ihre Hände. »Ich flehe dich an, Nilclass="underline" Bekenne dich zu deinem Schicksal! Das Messer hat dich zu seiner Trägerin erwählt, darum musst du auch das Weiße Kind sein. An dir hängt die ganze Hoffnung der Moorelfen. Und der Dunklen Wälder! Und an dir hängt meine ganze Hoffnung ...«

Sie verlor die Macht über ihre Stimme. Nichts konnte sie sagen – was hätte sie auch erwidern sollen? Es gab kein Wort, das nun gepasst hätte. Nach einer Weile schluckte Nill, senkte den Kopf und nickte. »Mal sehen – mal sehen ...«

Der Herr der Füchse konnte noch nicht weit sein, wenn er erst in der letzten Nacht aufgebrochen war.

Bestimmt hatte er noch nicht einmal den Fuß der Berge erreicht, die die tiefen Sümpfe hinter sich verbargen. Sie würden ihn noch rechtzeitig einholen können. Hoffentlich. Wenn nichts dazwischenkam und sie aufhielt.

Fesco hielt sie nicht auf, als sie ihre Sachen packten und das Zimmer verließen. Nur der Blick des rothaarigen Jungen folgte ihnen.

Im Fuchsbau standen und liefen Füchse umher, tuschelten aufgeregt und sahen sich hilflos um. Anscheinend war ihr Herr ohne ein Wort der Erklärung aufgebrochen. Kaveh konnte sich schon denken, wieso: Ein Spion hinterlässt keine Spuren und schon gar keine Nachrichten. Und dass dieser finstere, heuchlerische, unheimliche Bandenführer ein Spion des Königs war, das schien Kaveh so sicher wie der morgige Sonnenaufgang.

Sie verließen Kesselstadt eiligen Schrittes, blickten nicht links, nicht rechts, und gingen immerfort bergauf, bis sie die Stadttore erreichten. Man ließ sie wortlos passieren und zum ersten Mal konnte Nill die Landschaft im Tageslicht erkennen. Sie war aber noch immer viel zu verwirrt, um die kargen Hügel und Schluchten richtig wahrzunehmen.

Die Gefährten nahmen den Pfad zurück bis zur Weggabelung und schlugen nun die unbeschilderte Straße ein. Sie führte in eine Wüste voll dürrer Sträucher und Felsen, zwischen hohen Gesteinsbrocken und sandigen Dünen hindurch, auf deren Kämmen das Gras im Wind fispelte. Morsche Bäume, vom Wetter verzerrt, beugten sich an manchen Stellen mit zitternden Zweigen zu ihnen herab. Das Land erschien Nill wie ein einziger Friedhof und sie sehnte sich mehr denn je nach den Tiefen der Wälder. Hatte der König von Korr wirklich vor, das Dunkle Waldreich anzugreifen? Würden dann die lichtdurchzogenen Haine, die tiefen Tannenwälder auch wie diese trostlose Erde aussehen? Nill wurde ganz schlecht bei dem Gedanken.

Es musste bereits Mittag sein, obwohl die Sonne kaum Lichtstrahlen durch die Wolkendecke sandte.

Sie hatten einen flachen Abhang erreicht, über den sich das Geäst einer verwitterten Eiche beugte. Kaveh blieb neben Bruno stehen. Junge und Keiler witterten schnuppernd in die Luft. Plötzlich zogen die Elfenritter ihre Bogen von den Schultern und legten Pfeile auf.

Auch Kaveh nahm sein Schwert in die Hand. »Es riecht nach Rauch«, murmelte er. »Ein Feuer ...«

Kurzerhand verließ er den Pfad, um den felsigen Abhang hinunterzuklettern.

Erijel und Arjas folgten ihm, Mareju blieb mit gespanntem Bogen über ihnen stehen und gab ihnen Rückendeckung.

Zwischen den Felsbrocken hatte sich ein Unterschlupf gebildet, der durch den Abhang vor jedem Blick geschützt war. Schon bevor Kaveh auf dem Boden aufkam, sah er die Feuerstelle, deren Asche nur noch ein paar fade Rauchfäden entstiegen. Jeder Muskel seines Körpers spannte sich. Er ließ sich tiefer an den Felsen hinabsinken und entdeckte unweit der Feuerstelle ein zusammengerolltes Kleiderbündel. In dem Kleiderbündel steckte jemand. Der Dieb!

Kaveh kletterte das letzte Stück so hastig hinunter, dass ihm plötzlich das Schwert aus den Fingern glitt.

Klirrend schlug es gegen die Steine.

Erschrocken fuhr Scapa aus dem Schlaf. Ein Schwert fiel vor ihn, und kaum einen Herzschlag später sprang eine Gestalt auf die niedergebrannte Feuerstelle, sodass eine Wolke aus Asche aufwirbelte. Scapa blickte hoch, erkannte kaum noch das verzerrte Gesicht des Elfenjungen; dann traf ihn eine Faust gegen das Nasenbein.

»Was ist da los?« Nill hielt den Atem an, als sie einen Aufschrei vernahm. Auch Mareju ließ den Bogen sinken und begann schleunigst, die Felsen hinunterzuklettern. Nill folgte ihm, riss sich die Hände am rauen Gestein auf, sprang das letzte Stück hinab und fand sich strauchelnd auf dem Boden wieder.

Sandstaub umwölkte sie. Die Ritter standen rings um Kaveh und Scapa, ohne einzuschreiten.

»Elender Dieb!« Der Prinz ging mit bloßen Fäusten auf Scapa los, der noch ganz verwirrt vor ihm zurückstolperte. »Wo ist das Messer?!«

Scapa tauchte unter einem Schlag hinweg. Dann versuchte er Kaveh von hinten zu ergreifen, aber der wich ihm aus, packte seinen Arm und wollte ihn verdrehen. Jetzt zog Scapa mit seiner freien Hand ein Messer aus dem Gürtel. Kaveh ließ seinen Arm los und zückte noch im selben Moment seinen Dolch. Und dann standen sich beide gegenüber und hielten einander ihre Klingen an die Kehlen. Sie atmeten schwer, doch wagten nicht zu schlucken, während das kalte Metall ihnen auf der Haut zitterte. Ein wenig Blut kroch Scapa aus der Nase.

»Du verfluchter Bastard«, zischte Kaveh. »Gib den Steindorn zurück, sofort!«

»Lass das Messer fallen!« Erijel zog die Bogensehne zurück. Sein Pfeil zielte auf Scapas Brust.

»Niemals!« Scapas Augen glühten. »Nie im Leben gebe ich euch das Messer zurück. Lieber sterbe ich hier, bevor ihr es dem König bringt!«

»DU willst es dem König bringen!«, schrie Kaveh.

»Du hast uns das Messer gestohlen, weil du ein Spion des Königs bist, genau das bist du!«

Nun schrien die beiden sich an, ohne den anderen überhaupt noch zu hören.

»Ich bin kein verdammter Spion, ich bin kein Spion, aber ihr wollt dem König das Messer bringen, weil ihr ihn fürchtet, und das werde ich nicht zulassen, ICH WERDE IHN TÖTEN!«

Kaveh und Scapa hielten verblüfft inne, denn sie hatten gleichzeitig dasselbe geschrien. Einen Moment starrten sie einander an; dann senkten sie ihre Klingen und sprangen einen Satz zurück.

Ohne Kaveh aus den Augen zu lassen, betastete Scapa seine Nase und warf erst einen Blick auf seine Finger, als er das Blut fühlte. »Dreckige Elfenbrut!«, knurrte er.

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