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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Zweimal mussten Nill und ihre Begleiter sich hinter Felsbergen und Dünen verstecken, als ein Trupp Grauer Krieger den Pfad entlang preschte. Die Angst griff mit kalten Fingern nach Nill; bis jetzt hatte sie nicht daran gedacht, dass der Steindorn sie wirklich in solche Gefahr bringen würde – in Lebensgefahr.

Denn bestimmt trieben die Grauen Krieger ihre Pferde nicht so unbarmherzig voran, weil sie ihr und den Elfen einen guten Tag wünschen wollten. Sie wussten tatsächlich, dass die Gefährten etwas im Schilde führten – ob ihrer verdächtigen Herkunft aus den Dunklen Wäldern wegen oder wegen eines Spions, der sie gemeldet hatte.

Immer wieder warf Nill Scapa heimliche Blicke zu, aber die Miene des Diebes blieb so verschlossen, als ginge ihn die Gefahr gar nichts an.

Die Dämmerung brach schneller herein als erwartet. Der Himmel färbte sich steingrau, dann lilafarben, und innerhalb weniger Augenblicke umgab sie samtiges Nachtblau.

Kaveh führte sie unter einen vorstehenden Fels und ließ Bogen, Köcher und Proviantbeutel zu Boden sinken.

»Ein Feuer ist zu gefährlich. Wir werden uns so unterhalten müssen, Dieb.«

Nill hatte den Verdacht, dass Kaveh nicht nur wegen der Grauen Krieger auf ein Feuer verzichtete: Offensichtlich kostete er es aus, dass er in der Dunkelheit wie eine Katze sehen konnte, während Scapa schon jetzt über jeden Stein stolperte.

Scapa aber legte in aller Ruhe seinen Quersack zu Boden und setzte sich mit gekreuzten Beinen nieder.

»Dir werde ich gar nichts erzählen«, sagte er gelassen und suchte in seinem Quersack nach einem Brotkanten. Herzhaft biss er hinein und fügte kauend hinzu: »Nill sag ich es. Sie ist doch dieses Kristallkind.«

»Das Weiße Kind«, fauchte Arjas.

Scapa wandte den Kopf in die Richtung des Ritters.

»Danke. Das Weiße Kind. Ihr sagt also, dass Nill den König töten kann. Dann werde ich ihr verraten, wieso ich dabei mithelfen will, und das geht nur sie was an.«

»Uns geht es sehr wohl auch was an!«, sagte Kaveh. »Wir sind für Nills Sicherheit zuständig, glaubst du, da lassen wir einen fremden Dieb in ihre Nähe, dessen Beweggründe wahrscheinlich genauso zweifelhaft sind wie seine Ehre?«

Scapa schluckte den Bissen Brot hinunter. »Sei froh, dass ich auf meine Ehre pfeife, Schweineprinz, sonst lägst du jetzt mit dem Rücken auf der Erde.«

Das war eine leere Drohung. Kaveh war zweifelsohne besser im Kampf ausgebildet, abgesehen davon machte die Finsternis Scapa mittlerweile so gut wie blind. Trotzdem klang er, als stünden nicht die Elfenritter, sondern seine treuen Füchse hinter ihm. Er zog einen Wasserschlauch aus seiner Tasche und nahm einen Schluck. Geduldig schraubte er den Schlauch wieder zu. »Solange ihr hier seid, sage ich überhaupt nichts.« Kaveh bebte vor Wut. Was bildete sich dieser Halunke ein! Trotzdem zwang sich Kaveh, Ruhe zu bewahren. »Bevor ich dich mit Nill allein lasse«, sagte er, »will ich deinen Schwur, dass du ihr kein Haar krümmen wirst. Du sollst schwören, dass du, wenn du bei uns bleibst, dein Leben für sie zu opfern bereit bist. Schwöre es!«

»Ich schwöre es«, erklärte Scapa schlicht.

»Schwöre bei deiner Seele!«

»Ich ... schwöre es bei der Seele einer Toten. Die ist mir mehr wert als die eigene.«

Einen Moment stand Kaveh reglos vor ihm. Dann schlug er den Mantel zu und ging, in der Elfensprache fluchend, davon. Erijel, die Zwillinge und Bruno folgten ihm schweigend.

Zwanzig Schritte weiter blieb Kaveh stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und fixierte die beiden Umrisse, die er von Nill und Scapa erkennen konnte.

»Die Seele einer Toten!«, schnaubte er. »Pfeift auf seine Ehre und legt keinen Wert auf die eigene Seele ... Kann ein Mensch noch schlimmer sein?«

»Hm!« Mareju stellte sich dicht hinter den Prinzen. »Bestimmt ist er ein kleines Muttersöhnchen und denkt an die Seele seiner dicken Mama im Himmel.«

Eine Weile stand Nill wortlos vor Scapa und blickte auf ihn herab. Er hatte die Arme auf die angewinkelten Knie gestützt und schien ihren Blick ruhig zu erwidern.

Dann grinste er. »Zu beneiden bist du auch nicht gerade mit diesen Hampelmännern in deinem Gefolge.«

»Du bist ein Lügner!«, stieß Nill hervor. Zu ihrem eigenen Erstaunen fiel es ihr leichter, die Wut herauszulassen, als sie gedacht hatte.

»Was?«, fragte er verdutzt.

»Du hast schon richtig gehört, du – du Betrüger!«

Wieso starrte er sie an, als wisse er nicht, wovon sie sprach? Hatte er sie etwa schon öfter angelogen als das eine Mal in der Nacht? Scapa lehnte sich zurück. »Wie kommst du darauf? Ich habe keinen Schimmer, was du meinst.«

Nill ballte die Fäuste, zum Glück konnte er nicht sehen, wie ihr vor Scham und Demütigung das Blut in die Wangen stieg, dieser Halunke! Nill kam auf ihn zu und stieß mit dem Fuß Sand in seine Richtung. Erschrocken hob er die Hände.

»Du hast mich bestohlen letzte Nacht, und du hast gesagt, dass ich ... Du hast mir den Steindorn im Schlaf geklaut!«

Wie wütend war sie auf ihn, wütend auf diese eine Nacht, wütend darauf, das er ihr ins Gesicht gelogen hatte, und wütend, dass sie ... dass sie es geglaubt hatte.

»Ich – Nill – ich habe nicht gelogen in dieser Nacht«, sagte er schnell. Dann fuhr er sich durch die Haare und wies ungeduldig auf den Boden. »Was ist, soll ich dir jetzt erzählen, was ich hier zu suchen habe oder nicht?«

Nill begriff einen Moment lang gar nichts mehr.

Hatte sie wirklich gehört, was sie da gerade gehört hatte? Mit einem Mal war ihr Zorn wie verpufft, dafür glühte sie bis in die Ohrenspitzen.

Er hatte nicht gelogen?

Sie stockte erst, doch dann setzte sie sich und faltete die Hände im Schoß. »Dann erzähl mal, wieso du mich bestohlen hast.«

Scapa blickte in die Nacht hinaus. Grillen zirpten in der Nähe. Sonst war es sonderbar still. Kein Rasseln, kein Klappern, kein Hundegebell im Umkreis von Meilen. Es war beängstigend und zugleich hatte er das Gefühl, als könne er jetzt zum ersten Mal richtig atmen.

»Der König hat jemanden getötet«, sagte er einfach. Scapa wunderte sich, wie leicht ihm die Worte über die Lippen kamen. Er hatte geglaubt, dass jeder Gedanke an Arane zu tief in ihm verankert war, um in einen einfachen Satz zu passen. »Ich habe einmal jemanden gekannt ... Nun, das ist lange her. Jedenfalls ist dieser Mensch tot und der König von Korr trägt die Schuld daran. Und sollte ich irgendwie die Möglichkeit haben, diesen Menschen an dem König zu rächen, dann will ich es tun. Um jeden Preis.«

Nill hielt den Atem an. »Dieser Mensch war dir sehr wichtig, was?«, sagte sie leise.

»Ja. Könnte man sagen.«

»Hast du ...« Sie räusperte sich. »Hast du diese Person geliebt?«

Ein schrecklich langer Moment der Stille schwebte zwischen ihnen.

»Mit ihr habe ich meine Vergangenheit verloren. Meine Zukunft. Und mein Leben.«

»Klingt fast wie ein Fluch«, sagte sie halb flüsternd.

»Vielleicht ist es ja einer«, gab Scapa zurück.

Dann stützte er sich auf die Hände und wandte unruhig den Kopf in die Ferne. »Willst du den Schweineprinz nicht zurückrufen? Bestimmt haben er und seine Freunde da draußen die Hosen voll vor Angst.«

»Also – ich gehe bloß deshalb auf das Schweineprinz nicht ein, weil an Bruno ganz und gar nichts Schlimmes ist, verstanden?«, sagte Nill und klang sehr viel mutiger, als sie sich fühlte. Dann winkte sie in die Dunkelheit. Kaum ein paar Augenblicke später tauchten Kaveh, Bruno und die Elfenritter wieder auf.

Scapa war wach, als sich das erste Licht der Dämmerung in die Nacht wob. Mit angewinkelten Beinen saß er unter dem Felsvorsprung und blickte in die Unendlichkeit des Landes hinaus bis zum fernen Horizont, wo sich blass und verschleiert die Berge abzeichneten. Er war wohl durch nahe Geräusche erwacht, durch das leise Bröckeln von Steinen, irgendwo hinter den Dünen – das sagte er sich jedenfalls, seit er aus dem Schlaf gefahren war.

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