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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Das war alles, woran er denken konnte. Es war, als hätte ihn der Steindorn, die längst verlorene Hoffnung auf Rache in sein wahres Leben zurückgerissen. Und er sagte ihren Namen, er sprach ihn endlich wieder laut aus, wie er es seit drei Jahren nicht mehr gewagt hatte.

»Arane«, stieß er mit jedem Schritt hervor. »Arane. Arane!«

Jetzt würde Scapa den König mit in den Tod reißen, der Arane getötet hatte. Der Steindorn war ihm so nah wie die Erinnerung. Wie hatte er sie so lange verdrängen können?

Arane ...

Er würde sie rächen, ja, er würde sie rächen und zu ihr zurückkehren. Er würde im Tod mit Arane vereint sein. Er war auf dem Weg zu ihr.

Und seit drei Jahren endlich spürte Scapa wieder, dass er lebte.

DRITTES BUCH

Das Weiße Kind

Der verlorene Sohn

In den Tiefen der Dunklen Wälder reckten sich die Birken und Buchen so weit in den Himmel, dass die Baumkronen bis in die Wolken zu reichen schienen.

Man erzählte sich die Geschichte von einem Jungen namens Ijumalah, der einst den höchsten Baum der Dunklen Wälder fand. Es war eine verwitterte Eiche, deren Stamm die Jahre in eine wundersame Form gebogen hatten: Man konnte auf seinen Windungen hinauflaufen wie auf einer Treppe.

Ijumalah, der gerade seinen geliebten Bruder an das Totenreich verloren hatte, wollte die Eiche erklimmen. Von oben aus hoffte der Junge die ganze Welt sehen zu können, bis hin zum fernen Großen Wasser, dem Meer, und sogar bis hinab in das Totenreich tief unter den Schatten der Wälder. Ijumalah stieg sieben Tage und Nächte den Baum empor, bis er seine Krone erreichte. Hier bedeckte Schnee die Laubhauben. Der Junge reckte den Kopf und tatsächlich: Er erspähte die ganze Welt, sah die unendlichen Sandwüsten im Westen und die schäumenden Meere im Osten. Er entdeckte die Marschen jenseits der Dunklen Wälder, er konnte über die Berge hinwegsehen bis ans Ende aller Länder. Er sah alle Seelen der Welt, jeden Strauch und Baum und jedes Tier. Aber das Reich der Toten blieb seinen Augen verborgen.

In seinem Kummer erschienen ihm die Geister der Bäume, die zwischen den Ästen der Eiche hausten. Sie fragten den Jungen, was er suche, das von hier oben nicht zu sehen sei. Und Ijumalah antwortete ihnen, dass er Ausschau nach seinem geliebten Bruder halte. Die Baumgeister raunten eine Weile im Wind, ehe sie ihm antworteten, dass er Recht habe; seinen toten Bruder könne man in keinem Winkel der Welt finden. Um ihn zu finden, müsse Ijumalah in sein Herz blicken, und wenn er Glück habe, sei dies genauso weit und groß wie die Welt vom höchsten Baum aus.

Aber der Junge wollte sich damit nicht zufrieden geben. Obwohl sein Herz so groß war wie die Welt unter ihm, war es erfüllt von Trauer, und er hatte seinen Bruder und sich selbst – ja, alle, die er liebte – längst darin verloren. Ijumalah wollte seinen Bruder leibhaftig vor sich sehen, und wenn er das Reich der Toten selbst betreten müsste. Nun, erwiderten die Baumgeister, dann gäbe es nur einen Weg für ihn.

Das Totenreich, flüsterten sie, befand sich nicht in der Ferne, sondern direkt unter ihm. Er müsse nur hinein springen. Und der Junge Ijumalah sprang ...

Er sprang direkt in das Reich der Toten hinab, wo er seinen toten Bruder endlich wieder fand.

Diese Geschichte hatte Aryjen unendlich oft erzählen müssen, seit ihr zweitgeborener Sohn das Märchen zum ersten Mal gehört hatte. Als Kind hatte Kaveh Geschichten verschlungen und mit leuchtenden Augen zugehört, bis die Stimme des Erzählers ihn so hoch in die Wolkenreiche getragen hatte wie die alte Eiche Ijumalah. Kein anderes Kind, auch nicht Aryjens erster Sohn Kejael, war so versessen auf Heldenlegenden und Märchen gewesen. Wäre es doch nur dabei geblieben, dachte Aryjen nun und spürte einen Stich in der Brust. Sie musste an den Tag zurückdenken, an dem Kaveh wohl beschlossen hatte, seine eigenen Abenteuer zu erleben: Auch er hatte sich auf die Suche nach dem höchsten Baum der Dunklen Wälder begeben. Diese Suche bescherte ihm einen zwei Meter tiefen Sturz, einen verstauchten Arm und seiner Mutter fast ein Herzversagen.

»Bei allen guten Geistern«, hatte Aryjen ihn ausgeschimpft, »welchen Verstorbenen hast du im Todesreich besuchen wollen?«

»Niemanden«, gab Kaveh zögernd zurück. »Ich wollte nur die ganze Welt sehen.«

Damals war er sieben Jahre alt gewesen. Und heute, wo er seine eigene Tollkühnheit fast schon bis zum Mannesalter überlebt hatte, war er zum zweiten Mal aufgebrochen, um die Welt zu erkunden. Und mit einem verstauchten Arm kam er diesmal bestimmt nicht davon.

Bei diesen Gedanken tastete die Königin der Freien Elfen nach der Hand ihres Gemahls. »Wann kommt sie wohl?«, murmelte Aryjen und spähte in den Wald hinein, um ihre Sorgen abzuschütteln.

König Lorgios atmete langsam ein und drückte ihre Hand, so wie er es immer tat, wenn er ihr ein Gefühl von Ruhe vermitteln wollte – dabei konnte auch er, das wusste sie, nachts vor Kummer nicht schlafen. Plötzlich verkrampften sich seine Finger. »Da ist sie«, murmelte er und reckte sich. Auch Aryjen nahm wieder die Haltung einer Königin an, als sich eine gebeugte Gestalt aus dem Grün der Wälder löste.

Die Alte kam dafür, dass sie einen Wanderstab benötigte, erstaunlich geschickt voran. Nicht zu vergessen, dass sie ein Mensch war – und somit für die Elfen die Eleganz eines humpelnden Raben hatte.

Tatsächlich hatte sie auch das Erscheinen eines Raben.

Aryjen neigte kaum merklich den Kopf, als die Seherin vor ihnen ankam, während König Lorgios die Hände zusammenschloss und im Zeichen eines ehrerbietigen Grußes an die Stirn hob. Er hielt sehr viel von der Seherin des Hykadendorfes. Aryjen hingegen beobachtete die Alte mit dem runzligen Baumgesicht und der blau bemalten Glatze, auf der nur noch ein kleiner weißer Haarknoten saß, majestätisch.

»Sei gegrüßt, Celdwyn, Seherin des Hykadendorfes Lhorga«, sagte König Lorgios.

Die Alte lächelte versonnen und stützte sich auf ihren Wanderstab. »Sei gegrüßt, Lorgios, König der Freien Elfen. Königin Aryjen.« Celdwyn schlug die Augen nieder und blickte einen Moment später wieder zu Aryjen auf.

Aryjens dunkles Haar war zu einem kunstvollen Kranz geflochten, der sich um ihre Stirn wand wie ein Diadem. Das Gesicht der Königin war nicht mehr das des jungen Mädchens, das Celdwyn noch so gut in Erinnerung hatte. Zarte Falten umspielten nun die tiefen, hellen Augen, doch die Königin der Freien Elfen hatte ihre Schönheit behalten. Mit den Jahren schien sich die Feinheit ihrer Züge sogar noch auszuprägen.

Auch König Lorgios war älter geworden. Man sah es den Schatten unter seinen Augen an. Doch sonst hatte er noch immer das knabenhafte Aussehen, das ihn von je her jünger erscheinen ließ als Aryjen.

Celdwyn lächelte. Kaveh war ihm wie aus dem Gesicht geschnitten, während Kejael, der Ältere, die zarte Eleganz seiner Mutter geerbt hatte.

»Wollen wir hinabgehen?«, fragte König Lorgios und trat zur Seite. Ein sanfter Hang lag vor ihnen und gab den Blick auf eine Lichtung frei, die von hohen, schmalen Buchen umschlossen war. Celdwyn wagte einen neugierigen Blick hinab und beobachtete, wie durch ein fließendes Handzeichen des Königs zwischen Schatten und Licht ein Dorf sichtbar wurde.

Die Laubhütten und Baumhäuser traten aus dem Grün hervor wie Bilder auf einem Teppichmuster, in dem man zuvor nichts erkannt hatte.

Celdwyn folgte dem Königspaar hinab ins Elfendorf. Kinder kamen ihnen entgegen und beobachteten, schüchtern auf ihren Haarsträhnen kauend, wie die drei durch das Dorf schritten. Runde Hütten wie Pilzköpfe saßen hier und dort nebeneinander, doch das wahre Elfendorf erstreckte sich über die Baumkronen.

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