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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Das war das alltägliche Grauen. Scapa hatte drei Jahre lang damit gelebt. Aber jetzt war das vorbei. Und der Anblick der toten Elfen ergriff ihn, ja ergriff ihn zum ersten Mal in seinem Leben so sehr, dass er sogar für den Prinz der Freien Elfen Verständnis hatte.

Scapa trat neben Nill, die auf dem Boden saß, und streckte vorsichtig die Hand aus. Er wollte ihr Zuversicht geben, egal, ob er sie selbst hatte oder nicht. Er wollte ihre Schulter berühren und versuchen, sie zu trösten. Aber Nill wandte sich zu ihm um und sah ihm ins Gesicht. Scapa zog rasch die Hand zurück.

Er räusperte sich. »Lasst uns gehen.«

Plötzlich bröckelten Steine hinter Kaveh. Er fuhr zurück. Da rollte etwas den Felshang hinab, direkt auf den Weg zu. Scapa zog Nill hoch und stieß sie zur Seite, als das wilde Knäuel auf sie zuschoss.

Ein Husten drang aus dem Stoffbündel. Zwei Arme und Beine kamen zum Vorschein, abgewinkelt wie bei einem sterbenden Käfer. Scapa stand schon über dem Fremden, packte ihn dort, wo er den Kragen vermutete, und drückte ihm die Dolchklinge an den Hals.

»Scapa! Scapa – ich bin’s!«

Scapas Augen weiteten sich. Er zog seinen Dolch zurück, als ein wilder roter Lockenschopf zum Vorschein kam. »Fesco!«, schrie er.

Fesco hustete. Sein Gesicht war über und über mit gelbem Sand bestäubt. Schrammen und Kratzer zogen sich über seine Haut, seine Kleider waren so zerrissen und schmutzig wie damals, als Scapa ihn zum ersten Mal in den Straßen von Kesselstadt gesehen hatte.

»Fesco! Was zum Henker machst du hier?!«

»Was machst du hier?«, schrie Fesco zurück. Er strampelte mit Armen und Beinen, bis Scapa ihn losließ. Dann kroch er ein Stück zurück, rappelte sich umständlich auf und drehte sich einmal im Kreis, unentschieden, wem von den Gefährten er den Rücken kehren konnte. Schließlich wandte er sich wieder Scapa zu. »Ich bin dir nachgelaufen.«

Scapa stieß ein ungläubiges Schnauben aus. »Ist mir aufgefallen!«

Fesco trat von einem Fuß auf den anderen, warf einen unsicheren Blick auf die erhängten Elfen und auf Kaveh, der, noch immer leichenblass, an den Felsen lehnte. Fesco starrte ihn an, als hätte Kaveh sich soeben auf wundersame Weise von seinem Galgen befreit.

»Ich ... ich kann dich doch nicht allein gehen lassen«, rief Fesco. »Sieh dich doch um! Du bist umgeben von Elfen! Und ich weiß nicht, was schlimmer ist: dass manche tot sind oder dass manche noch leben!«

Scapa sah kurz zu Nill herüber. Dann kam er in großen Schritten auf Fesco zu und packte ihn erneut an den Schultern. »Das ist meine Entscheidung, Fesco! Nicht deine! Du solltest nicht hier sein!«

»Dann ist es auch meine Entscheidung, ob ich hier bin!«, rief Fesco zurück. »Wenn du hier sein kannst, kann ich das auch.«

Scapa starrte ihn an und kam ihm dabei so nah, dass ihre Nasen sich fast berührten. »Was?«

Fesco versuchte sich loszumachen und gleichzeitig dem finsteren Blick des Fuchsherrn standzuhalten.

»Ich gehe nicht zurück. Ich bleibe bei dir, Scapa ... Glaubst du vielleicht, ich gehe den ganzen Weg allein zurück? Hä?! Es wimmelt doch vor Grauen Kriegern!«

»Verflucht noch mal. Wie viele Menschendiebe hängen sich jetzt noch an uns?«, knurrte Kaveh und strich sich über die Stirn.

»Er ist der letzte«, sagte Scapa. »Er ist unser letzter Gefährte.« Und an Fesco gewandt fuhr er fort: »Denn der nächste Fuchs, der mir jetzt noch über den Weg läuft, wird weder mitkommen, noch zurückgehen.«

Aber Scapa wusste, dass kein zweiter Dieb kommen würde. Kein Fuchs wäre ihm so weit gefolgt wie Fesco.

Du Narr! Fesco, du Narr .... dachte Scapa. Und es tat ihm weh.

In der Nacht

Scapa lag wach in der Dunkelheit. Er hatte sich fest in seinen Umhang und die dünne Stoffdecke gehüllt, die er mitgenommen hatte, denn die Nacht war kühl. Vielleicht waren es auch nur die Gedanken, die ihn frösteln ließen. Wieso, zum Henker, war Fesco ihm gefolgt? Er zerstörte all seine Pläne! Und Scapa konnte ihm nicht einmal böse sein.

Es war zum Verrücktwerden. Plötzlich trug Scapa die Verantwortung für Fesco, und das nur, weil Fesco die Verantwortung für ihn tragen wollte. Dabei brauchte Scapa niemanden. Er hatte bereits beschlossen, seinen Tod in Kauf zu nehmen, da konnte er auf einen Beschützer verzichten. Und selbst schützen wollte er doch nur Nill, damit sie ungehindert seine Rache vollziehen konnte.

Scapa schloss die Augen, um diese Gedanken zu vertreiben. Er wollte nicht mehr überlegen. Er fürchtete die Einsichten, zu denen er dabei kommen könnte ... dass das alles hier, sein ganzer Racheplan, nichts als das verzweifelte Aufbäumen seiner Sehnsucht war. Seiner Sehnsucht nach Arane.

Er war nicht nur aus Wut darüber hier, dass er sie niemals wiederbekommen würde, sondern auch, weil er ihr jetzt in einer Weise doch nahe sein konnte. Die Entschlossenheit, sie zu rächen, brachte sie fast ins Leben zurück. Es war, als sei sie wieder neben ihm, als höre er wieder ihre Stimme, sanft und bestimmend.

Scapa seufzte. Nun hatte er es doch gedacht. Unruhig drehte er sich auf die Seite. Fescos leises Schnarchen war tröstlich und beklemmend zugleich.

Die Elfen gaben fast keinen Ton von sich – man konnte meinen, sie lägen dort in der Dunkelheit und beobachteten ihn aus starren Augen. Bei ihnen konnte man nie wissen. Und Nill ... Scapa war sich unsicher. Ihm war richtig unwohl bei dem Gedanken, dass er nicht genau wusste, ob sie eine Elfe oder ein Mensch war. Dass sie etwas dazwischen sein könnte, war ihm schon durch den Kopf gegangen. In Kesselstadt gab es eine Menge Leute, in denen Menschen- und Moorelfenblut floss. Aber sie waren meistens sehr hager, nicht besonders schön und hatten seltsame Augen und eine undefinierbare Hautfarbe. Vielleicht vertrug sich das Blut von Menschen besser mit dem der Freien Elfen aus dem Dunklen Waldreich.

Ja, vielleicht war Nill eine Tochter der Elfen aus den Wäldern, nicht aus dem Moor. Denn sie hatte irgendwo in ihrem Gesicht doch eine unbestimmte Feinheit, wie nur die Freien Elfen sie hatten. Scapa drehte sich noch einmal auf die andere Seite und schüttelte auch diese Gedanken ab. Wie lange der Schlaf in dieser Nacht auf sich warten ließ!

Nill öffnete die Augen, als sie ein Luftschnappen hörte – und einen Namen. Neben ihr zeichnete sich Scapas Silhouette ab.

Er saß aufrecht, sein Atem ging schnell. Mit der Hand fuhr er sich über die Haare.

Nill stützte sich lautlos auf ihre Arme. »Kannst du nicht schlafen?«, flüsterte sie.

Scapa schrak zusammen. »Nill?«, fragte er zögernd zurück.

Sie verkreuzte die Beine. »Du hast wohl im Traum geschluchzt.«

»Was?« Entsetzt berührte er seine Wange und stellte fest, dass sie feucht von Tränen war. Er wischte sie hastig ab. »Ich, äh, das wusste ich gar nicht«, murmelte er und räusperte sich.

»Du ... hast einen Namen gesagt. Wer ist das? Wer ist Arane?«

Scapa legte den Kopf in den Nacken, und seine Augen irrten durch die Finsternis, die sich über ihnen erstreckte wie ein tiefer, endloser Ozean.

»Wie könnte ich erklären, wer sie ist?«, flüsterte er, ganz leise bloß. »Arane ... Das ist eine Welt. Sie war meine Welt. Meine Familie ... Und jetzt ist Arane mein Tod. Sie ...« Er drückte sich Daumen und Zeigefinger gegen die Nasenwurzel. »Liebst du jemanden, Nill?«

Nill dachte an ihre Eltern. Nicht an Agwin, nicht an Grenjo; sie dachte an einen Mann und an eine Frau, die sie sich nicht deutlicher als in zwei Schemen vorstellen konnte. Sie dachte daran, wie dieses Paar sich geliebt hatte – so sehr, dass es den Hass ihrer Völker zu überwinden fähig war. Und sie dachte daran, dass sie, Nill, das trostlose Ergebnis dessen war, was vielleicht nur einen Sommer gehalten hatte.

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