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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Die drei kleeblattförmigen Fenster eröffneten den Blick in die Nacht. Einen Kamin gab es nicht, dafür war das imposante Himmelbett in der Mitte des Raumes verschwenderisch mit Fellen und weichen Daunendecken ausgestattet. Mehrere Lagen bunter Leinenvorhänge überdachten das Bett.

Die Füchse holten eine Fackel aus dem Gang und hängten sie im Zimmer auf. »Guten Schlummer«, murmelten sie und zogen die Tür hinter sich zu.

Einige Augenblicke lang sahen sich die Gefährten um. Dann räusperte sich Kaveh. Er ging festen Schrittes auf das Bett zu, strich die Vorhänge zur Seite und nahm sich ein Fell und eine Überdecke.

»Erijel – Arjas – Mareju – wir schlafen auf dem Boden.«

»Das ist wirklich nicht nötig«, widersprach Nill.

Sie kam auf ihn zu. »Das ist Blödsinn. Das Bett ist viel zu groß für eine Person! Ihr schlaft darin, und ich schlafe auf dem Boden.«

Kaveh öffnete den Mund um zu protestieren, aber Arjas kam ihm zuvor. Er drängelte sich zwischen Nill und Kaveh durch und schnappte sich eine Decke.

»Damen schlafen im Bett, so gehört es sich. Nun ja – und Mädchen auch.«

»Komm schon Nill«, drängte jetzt auch Mareju, der sich eine Decke griff. »Lass Kaveh doch den Kavalier spielen. Abgesehen davon schlafen wir wirklich viel lieber auf dem Boden, da ist viel mehr Platz. Und den brauchen wir, weil Erijel sich breiter macht als eine schwangere Kuh.«

Arjas kicherte über Erijels zornigen Blick. Erijel knurrte etwas in der Elfensprache, das nicht überschwänglich freundlich klang.

Nill verkniff sich ein Lächeln. »Also gut.«

Die Nacht war erfüllt vom flüsternden Regen. Es war vollkommen finster draußen, man konnte ihn nicht sehen, aber hören konnte Nill ihn, als läge sie direkt unter freiem Himmel.

Nill konnte nicht schlafen. Sie lag reglos im Bett, inmitten der weichen Kissen und Decken, und wollte kaum glauben, wo sie war.

Vor einer Woche noch hatte sie gedacht, ihr Leben zwischen Agwins Vorwürfen und dem Gemüsebeet im Hof zubringen zu müssen. Und nun schlief sie in einem riesigen Himmelbett, das bestimmt für eine Königin gebaut worden war, hatte Freunde gefunden, die noch dazu dasselbe elfische Blut hatten wie sie, und reiste durch unbekannte Reiche.

Ja, ich bin glücklich!, rief eine Stimme in ihr. Aber Nill wusste, dass diese Stimme sich nur hier und jetzt zu Wort zu melden wagte, in der Dunkelheit.

Schon morgen früh würden ihre Sorgen jedes Glücksgefühl wieder ersticken.

Nill schloss die Augen. Unter der Decke fühlte sie den Steindorn neben ihrer Hüfte. Erleichterung und Furcht durchrieselten sie zugleich. Solange ich ihn nur bei mir habe, dachte sie, ist alles gut. Und solange ich ihn bei mir habe, bin ich in Gefahr ...

Dann sank sie in einen leichten Schlaf.

Es mochten Stunden oder auch nur Minuten vergangen sein, als Nill erwachte. Sie fuhr aus den Kissen, als hätte jemand Wasser über sie gegossen, und unterdrückte erst im letzten Augenblick einen Schreckensschrei.

Träumte sie noch?

Nein. An ihrem Bett, halb verborgen hinter den Vorhängen, war ein Gesicht. Das Gesicht des Herrn der Füchse. Nills Herz setzte einen Augenblick aus.

Binnen eines Wimpernschlags saß sie aufrecht zwischen den Decken. »Was willst du hier?«

Ruhig strich der Junge die Vorhänge zur Seite. Das spärliche Licht der Fackel tauchte die Hälfte seines Gesichts in Rot. »Du bist schön, wenn du schläfst.«

In Nills Kopf kreisten die Gedanken wie in einem Wirbelsturm. Sie hätte kaum für möglich gehalten, wie schnell ihr das Blut in die Ohren steigen konnte.

»Was?« Sie schüttelte verwirrt den Kopf. »Was – du – was machst du hier?«

Er legte den Kopf schief und lächelte. »Was denkst du?«

»Ich denke, du hast mich zu Tode erschreckt!«

Augenblicklich fiel das Lächeln von seinen Lippen. »Soll ich wieder gehen?« Er klang, als hätte sie ihm befohlen, aus dem Fenster zu springen.

»Nun – ja!« Er runzelte die Stirn. Dann war er schneller auf den Füßen, als Nill gedacht hätte.

»Na schön.« Er zuckte mit den Schultern und ging schnurstracks zur Tür. Fassungslos starrte Nill ihm nach, bis er aus dem Zimmer getreten war und die Tür knarrend ins Schloss fiel.

Das Geräusch ließ Kaveh aus den Kissen fahren.

»Was ist passiert?«, rief er schlaftrunken.

Nill starrte mit pochendem Herzen die Tür an.

»Nichts«, murmelte sie. »Nur ein Windstoß.«

Die Wahrheit

Fesco wollte es kaum glauben. Seit drei Jahren war er Scapas engster Vertrauter – er war nicht nur der beste Dieb, im Stillen wagte er sich gar seinen Freund zu nennen – und nun war Scapa fort.

Der Herr der Füchse hatte den Fuchsbau verlassen.

Ein unbestimmtes Gefühl hatte Fesco gleich beim Erwachen verraten, dass etwas nicht stimmte. Es war, als hätte über Nacht der Herzschlag des Fuchsbaus innegehalten.

Fesco zog sich an und lief durch die Irrgänge der Ruine. Er erklomm schiefe Treppen und schlüpfte an zerbröckelten Mauern vorbei. Schließlich erreichte er die große Halle. Aber hier war Scapa nicht. Die Halle schien den Atem anzuhalten, bis ihr Herr sie wieder betreten würde. Dass Scapa nicht da war, musste nichts heißen. Fesco wusste, wo er sich morgens oft aufhielt, und machte sich auf den Weg. Normalerweise wäre er den Turm nicht hinaufgestiegen, denn er wusste, dass Scapa dort oben alleine sein wollte. Früh morgens, manchmal noch während es dämmerte, trat der Herr der Füchse auf die Sonnenterrasse und beobachtete die Stadt. Es war, als hielte er nach etwas Ausschau – vielleicht nach der Zukunft, vielleicht auch nach etwas längst Vergangenem. Dabei wollte er nicht gestört werden.

Aber heute musste es sein. Fesco hatte ein äußerst ungutes Gefühl, das irgendwie mit den fremden Gästen zu tun hatte.

Hätte er das Mädchen doch nicht hergebracht!

Nun spürte er, dass Unglück im Fuchsbau lauerte; es hing in der Luft und flüsterte durch die Ritzen der alten Steine.

Schließlich erreichte Fesco die Sonnenterrasse.

Vor ihm erstreckte sich ganz Kesselstadt. Die sandfarbenen Häuser waren vom Regen dunkel gefärbt, weiß und kahl wölbte sich der Himmel über ihnen.

Von Scapa war keine Spur.

Fesco machte kehrt. Er lief die Spiraltreppe wieder zurück, jetzt mit heftig klopfendem Herzen. Etwas stimmte nicht. Er spürte es ganz genau.

Fesco erreichte atemlos das Schlafzimmer des Fuchsherrn. Er klopfte an, nein, er hämmerte mit der Faust gegen das Holz.

»Scapa?«, rief er. »Scapa! Verdammt, seit wann schläfst du wie ein Stein?«

Wieso antwortete er nicht? Normalerweise hätte Scapa längst zurückgerufen, er solle seinen Rausch ausschlafen und ihm nicht vor der Tür rumjammern.

Aber es blieb still in dem Zimmer hinter der Tür.

Fesco trat einen Augenblick zögernd zurück, dann griff er nach der Türklinke und drückte sie hinunter.

Er trat in einen dunklen Raum. Die Fenstervorhänge waren zugezogen und erlaubten nur einem blassen dunkelroten Schein einzudringen. Das Bett war leer.

Auf dem Boden lagen durcheinander geworfene Sachen. Truhen waren umgestoßen und halb geleert.

Mit stockendem Atem stieg Fesco über das Chaos hinweg. Er fühlte sich wie in einem Alptraum.

Das Messer, das sonst an einem Haken über den Kissen hing, war weg. Scapas Umhang fehlte.

Fesco rannte aus dem Zimmer und rief jetzt laut nach Scapa. Keuchend erreichte er die Vorratskammern und erkannte sofort, dass Brot fehlte und Unordnung in die Regale gebracht worden war, als hätte jemand eilig darin herumgesucht.

Fesco musste sich gegen die Wand lehnen.

Scapa war fortgegangen. Ohne Erklärung. Wegen nichts! Wegen der Fremden.

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