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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Du sprichst häßliche Dinge«, sagte Olga seufzend und das Gesicht verziehend. »Ich erinnere mich, dir einmal gesagt zu haben, daß deine Seele ein angenommenes Kind ist. Es ist auch so, Pjotr, du fürchtest dich vor dir selbst wie vor einem Feind...«

Diese Worte verletzten ihn.

»Du sprichst keck mit mir; bin ich denn ein grüner Junge? Du solltest folgendes bedenken: wenn ich mit dir spreche, öffne ich dir meine Seele, sonst kann ich aber mit niemandem so sprechen. Mit Natalia kommt man nicht zum Sprechen. Ich habe manchmal den Wunsch, sie zu schlagen. Und du ... Ach, ihr Weiber!«

Er setzte die Mütze auf und ging, von einer plötzlichen, stumpfen Traurigkeit erfaßt und an seine Frau denkend, – er hatte schon lange nicht an sie gedacht und bemerkte sie fast gar nicht, obwohl sie sich jede Nacht, nachdem sie mit Gott geflüstert hatte, in einer eingelernten, entgegenkommenden Weise an die Seite ihres Mannes legte.

»Sie weiß es und drängt sich doch auf«, dachte er zornig. »Das Schwein!«

Seine Frau war wie ein ausgetretener Pfad, über den Pjotr auch als Blinder, ohne zu stolpern, hätte gehen können; er hatte keine Lust, an sie zu denken. Ihm fiel aber ein, daß die Schwiegermutter, die ganz verschwollen, mit einem scheußlich aufgedunsenen, puterroten Gesicht langsam im Lehnstuhl dahinstarb, ihn immer feindseliger betrachtete. Aus ihren einst so schönen, jetzt aber trüben und nassen Augen fließen jämmerliche Tränen, die schief gezogenen Lippen bewegen sich, aber die gelähmte Zunge hängt stumm aus dem Munde und hat nicht die Kraft, etwas zu sagen; Uljana Bajmakowa klemmt sie mit den Fingern der halb lebendigen linken Hand wieder ein.

»Diese da fühlt aber. Sie tut mir leid.«

Es kostete ihn große Willensanstrengung, das schamlose Getue mit Sinaïda zu beenden. Und wie er das erledigt hatte, erstanden in ihm, zugleich mit den Katzenjammer hervorrufenden Erinnerungen an die Spulerin, allerlei schmerzliche Gedanken. Als wäre noch ein zweiter Pjotr Artamonow zur Welt gekommen, der Seite an Seite mit dem ersten lebte und hinter seinem Rücken ging. Er fühlte, daß dieser Doppelgänger wuchs, greifbarer wurde und ihn bei allem störte, wozu er, der wirkliche Pjotr Artamonow, berufen war, und was er tun mußte. Dieser zweite nützte geschickt die Minuten der ihn mit der Plötzlichkeit eines um die Ecke wehenden Windes überkommenden Nachdenklichkeit aus und flüsterte ihm ärgerliche, ätzende Gedanken zu.

»Du arbeitest wie ein Pferd und wozu? Du hast genug, um das ganze Leben satt zu sein! Es ist Zeit, daß dein Sohn arbeitet. Du hast aus Liebe zu deinem Sohn einen Jungen getötet! Dir hat eine Frau gefallen und du hast Unzucht getrieben.«

Jedesmal, wenn ein solcher Gedanke vorübergeglitten war, wurde das Leben dunkler und öder.

Er hatte es übersehen, wann eigentlich Ilja sich in einen erwachsenen Menschen verwandelt hatte. Das war nicht das einzige Ereignis, das unbemerkt vorüberging; ebenso unmerklich hatte Natalia ihre Tochter Jelena mit einem gewandten Burschen mit einem schwarzen Schnurrbart, dem Sohn eines reichen Juweliers in der Gouvernementsstadt, verlobt und verheiratet; ebenso nebenbei erstickte und starb endlich die Schwiegermutter an einem schwülen Junimittag, kurz vor einem Gewitter; man hatte sie noch nicht aufs Bett legen können, als es in der Nähe donnerte, was alle sehr erschreckte.

»Schließt Türen und Fenster!« schrie Natalia, die Hände zu den Ohren hebend. Das ungeheure Bein der Mutter entglitt ihren Händen und schlug mit der Ferse dumpf gegen den Fußboden...

Es kam Pjotr Artamonow so vor, als erkenne er seinen Sohn nicht gleich in dem großen, schlanken Menschen mit schon sichtbarem Schnurrbart auf dem mageren, dunklen Gesicht, in leichtem, grauen Anzug, der eines Tages ins Zimmer trat. Der breite und dicke Jakow in einer Gymnasiastenbluse war noch eher wiederzuerkennen. Die Söhne grüßten höflich und setzten sich.

»Und nun,« sagte der Vater, durch das Kontor schreitend, »nun ist auch die Großmutter tot.« Ilja schwieg darauf und zündete sich eine Zigarette an, während Jakow nicht mehr mit seiner eigenen, sondern mit einer fremden Stimme sagte:

»Gut, daß es zu den Ferien geschehen ist, sonst wäre ich nicht gekommen.«

Artamonow ließ die törichten Worte des Jüngeren unbeachtet und betrachtete Iljas Gesicht; es hatte sich bedeutend verändert und gefestigt; die mit nachgedunkelten Haarsträhnen bedeckte Stirn war jetzt weniger hoch, und die blauen Augen hatten sich vertieft. Es war komisch, und peinlich, sich zu erinnern, daß er diesen nachdenklichen, solide gekleideten Menschen an den Haaren gerissen hatte; man konnte einfach nicht glauben, daß es tatsächlich geschehen war. Jakow war bloß gewachsen, er war nur größer geworden und war ebenso rundlich wie früher geblieben, er hatte auch noch dieselben regenbogenfarbigen Augen. Auch sein Mund war noch kindlich.

»Du bist stark gewachsen, Ilja«, sagte der Vater. »Nun, sieh' dich nur im Werk um. Nach etwa drei Jahren wirst du dich ans Steuer stellen.«

Ilja spielte mit der Zigarettendose aus Wurzelholz, an der eine Ecke abgeschlagen war, und sah dem Vater ins Gesicht:

»Nein, ich möchte noch weiter lernen.«

»Noch lange?«

»Vier, fünf Jahre.«

»Sieh' mal an! Was denn?«

»Geschichte.«

Es mißfiel Artamonow, daß der Sohn rauchte, auch hatte er eine häßliche Zigarettendose, er hätte sich eine schönere kaufen können. Noch mehr mißfiel ihm Iljas Absicht, zu studieren, und der Umstand, daß er gleich in den ersten Minuten davon zu sprechen begann.

Er wies durch das Fenster auf das Fabrikdach hin, wo ein dünnes Rohr fauchend Dampf ausströmen ließ, und von wo das brummige Dröhnen der Arbeit herübertönte, und sagte eindringlich, in dem Bestreben, freundlich zu sprechen:

»Da schnaubt die Geschichte! Diese da muß man lernen. Es ist unsere Bestimmung, Leinen zu weben, Geschichte ist aber nicht unsere Sache. Ich bin ein Fünfziger, es ist Zeit, mich abzulösen.«

»Miron wird Sie ablösen, auch Jakow. Miron wird Ingenieur werden«, sagte Ilja, streckte die Hand zum Fenster hinaus und streifte die Zigarettenasche ab. Der Vater warf ein:

»Miron ist mein Neffe und nicht mein Sohn. Nun, wir werden später noch darüber sprechen.«

Die Kinder standen auf und gingen; der Vater folgte ihnen mit einem gekränkten und erstaunten Blick. Wie war das, hatten sie ihm nichts zu sagen? Sie saßen fünf Minuten da, der eine gab eine Dummheit von sich und gähnte schläfrig, der zweite rauchte alles voll und kränkte ihn gleich beim ersten Mal. Da gehen sie über den Hof, man hört Iljas Stimme:

»Komm', wir wollen uns den Fluß ansehen!«

»Nein, ich bin müde. Die Fahrt hat mich durchgerüttelt.«

Der Fluß würde bis morgen nicht wegfließen, die Mutter aber war über den Tod der Großmutter betrübt und durch das Leichenbegängnis ermüdet!

Pjotr Artamonow blieb seiner Gewohnheit getreu, das Unangenehme vorweg zu nehmen, um es schnell von sich abzustoßen und es zu umgehen, und gab seinem Sohn eine Woche Zeit zum Ausruhen; er stellte unterdessen fest, daß Ilja zu den Arbeitern »Sie« sagte und sich des Nachts, am Tore sitzend, lange über etwas mit Tichon und Serafim unterhielt. Er horchte sogar durch das Fenster, wie Tichon mit seiner hohen Stimme dumme Worte formte:

»Ja, ja! Als Habenichts leben, heißt von nichts leben. Es stimmt, Ilja Petrowitsch, wenn man nicht gierig ist, wird alles für alle reichen.«

Und Serafim gackerte fröhlich:

»Ich weiß es! Das habe ich schon längst gehört ...«

Jakow benahm sich weniger unverständlich: er lief durch die Fabriksgebäude, blickte freundlich die Mädchen an und schaute vom Stalldach auf den Fluß, wenn dort um die Mittagszeit die Frauen badeten.

»Ein junger Stier«, dachte der Vater düster. »Ich muß Serafim sagen, daß er auf ihn aufpaßt, damit er sich nicht ansteckt...«

Der Dienstag war ein grauer, versonnener und stiller Tag. Am frühen Morgen fiel eine Stunde lang ein feiner Regen spärlich und träge auf die Erde, gegen Mittag kam die Sonne zum Vorschein, blickte wie unwillig auf das Werk und auf den Keil zwischen den beiden Flüssen, verbarg sich in den grauen Wolken und vergrub sich in ihren weichen Flaum ebenso, wie Natalia des Nachts ihr rotwangiges Gesicht in die Daunenkissen versenkte.

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