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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Artamonow beobachtete bei Sinaïda voll Ekel die Vereinigung zügelloser Liederlichkeit und geschäftsmäßiger Berechnung. Er erinnerte sich mehr als einmal an die Verleumdung Pawel Nikonows, die sich als Prophezeiung erwiesen hatte.

»Warum habe ich grad' diese gewählt?« fragte er sich. »Es gibt Schönere. In welchem Licht werde ich erscheinen, wenn mein Sohn es erfährt?«

Er hatte auch bemerkt, daß sowohl Sinaïda, als deren Freundinnen ihren Zeitvertreib als eine unentrinnbare Pflicht betrachteten, wie die Soldaten ihren Dienst, und er dachte manchmal, daß sie durch ihre Schamlosigkeit sowohl sich selbst, als auch andere betrogen. Bald stieß ihn Sinaïdas zudringliche Geldgier und Bettelei ab; das war bei ihr schärfer ausgeprägt, als bei Serafim, der nur für den süßen Teneriffawein, den er aus irgendeinem Grunde »Rübenwein« nannte, für seine Lieblingswurst mit Knoblauch, für Fruchtpasten und Butterteigsemmeln Geld ausgab.

Artamonow gefiel der leichtfertige, amüsante Alte sehr, er wußte, daß Serafim ein kunstvoller Arbeiter und bei allen beliebt war, man nannte ihn im Werk »der Tröster«, und Pjotr sah, daß dieser Spitzname mehr Wahrheit als Spott enthielt, und daß auch der Spott freundlich klang.

Um so unerklärlicher und unangenehmer kam ihm Serafims und Tichons Freundschaft vor, und Tichon schien seine Feindseligkeit wie mit Absicht noch mehr zu vertiefen. Natalia beschloß, Wialows Namenstag im zwanzigsten Jahr seiner Dienstzeit bei den Artamonows für ihn besonders feierlich zu gestalten.

»Denke doch daran, was für ein seltener Mensch er ist«, sagte sie zu ihrem Mann. »Wir haben während der zwanzig Jahre nichts Schlechtes an ihm gesehen. Er leuchtet gleichmäßig wie eine Wachskerze.«

Da Pjotr also Tichon besonders ehren wollte, trug er ihm selbst die Geschenke hin. Er wurde im Wächterhaus von dem herausgeputzten Serafim empfangen, hinter ihm stand Tichon mit gesenktem Kopf und sah auf die Stiefel seines Herrn.

»Da hast du von mir eine Uhr! Und von meiner Frau Tuch für ein Wams. Und da ist noch Geld.«

»Das Geld ist überflüssig«, murmelte Tichon und sagte dann:

»Danke.«

Er forderte den Herrn auf, den von Serafim geschenkten Teneriffawein zu trinken, und der Alte begann sogleich mit den Worten zu spielen:

»Du kennst unseren Wert, Pjotr Iljitsch, und wir den deinigen. Wir verstehen es wohclass="underline" der Bär liebt Honig und der Schmied hämmert das Eisen; die Herrschaft war für uns der Bär und du bist der Schmied. Wir sehen: du hast ein großes, schweres Werk vor dir.«

Jetzt erklärte Wialow, die silberne Uhr zwischen den Fingern drehend und sie anblickend:

»Die Arbeit ist ein Geländer für den Menschen; wir gehen am Rand einer Grube und halten uns daran fest.«

»So ist es!« rief Serafim erfreut aus. »Richtig! Das bedeutet, daß man sonst fallen würde!«

»Nun, das stimmt nicht«, sagte Artamonow. »Denn ihr seid keine Herren. Ihr könnt das nicht verstehen...«

Er fand keine entsprechend kräftigen Ausdrücke, obwohl Tichons Worte ihn gleich erzürnt hatten. Nicht zum ersten Male umkleidete Tichon mit solchen Worten seinen eigensinnigen, dunklen Gedanken, und dieser reizte den Herrn immer mehr. Er sah auf Tichons reichlich mit Butter eingefetteten, steinernen Kopf, suchte nach vernichtenden Worten und zupfte sich schnaufend am Ohr.

»Es gibt natürlich verschiedene Arbeit,« begann Serafim versöhnlich, »es gibt gute und schlechte...«

»Auch ein gutes Messer ist für die Kehle nicht besser«, brummte Tichon.

Pjotr hatte Lust, den Jubilar tüchtig zu beschimpfen, er konnte diesen Wunsch nur mit Mühe bezwingen und fragte streng:

»Warum brummst du, wie immer, so unvernünftig über die Arbeit? Man kann nichts verstehen...«

Tichon gab es zu und blickte dabei unter den Tisch:

»Es ist schwer, das zu verstehen.«

Der Schreiner begann von neuem:

»Er will nur harmlose Geschäfte gelten lassen, Pjotr Iljitsch...«

»Laß ihn, Serafim, er soll es selbst sagen.«

Da seufzte Tichon, ohne sich zu bewegen und wandte Pjotr die graue, handgroße Glatze auf dem Scheitel zu.

»Der Teufel hat Kain die Geschäfte gelehrt...«

»Da will er also hinaus!« rief Serafim aus und schlug sich mit der Hand auf das Knie.

Artamonow erhob sich vom Stuhl und riet Tichon zornig:

»Du solltest lieber nicht von Dingen sprechen, die du nicht verstehen kannst. Jawohl.«

Er verließ entrüstet das Wächterhaus und dachte wieder, er müsse Tichon entlassen. Er würde ihn gleich morgen entlassen. Und wenn nicht morgen, dann in einer Woche. Im Kontor erwartete ihn die Popowa. Sie grüßte kühl wie eine Fremde, setzte sich auf einen Stuhl, schlug mit dem Schirm auf den Fußboden und begann davon zu sprechen, daß sie die Zinsen für ihre Hypothek nicht auf einmal bezahlen könnte.

»Das ist ja eine Lappalie«, sagte Pjotr leise, ohne sie anzublicken und vernahm ihre Worte:

»Wenn Sie sie mir nicht stunden wollen, haben Sie das Recht, mir zu kündigen.«

Sie sagte das in beleidigendem Ton, klopfte wieder mit dem Schirm auf und ging so unerwartet schnell, daß er erst dazu kam, sie anzublicken, als sie gerade die Tür hinter sich schloß.

»Sie ist zornig«, sagte sich Artamonow. »Weswegen denn?«

Eine Stunde später saß er bei Olga, schlug mit der Mütze auf das Sofa und sprach:

»Sage ihr: ich brauche keine Zinsen und kein Geld von ihr. Was ist denn das für Geld? Sie soll sich keine Sorgen machen, verstehst du?«

Olga suchte zwischen den bunten Seidenknäueln herum, schob die Schachteln mit den Perlen auf dem Tisch hin und her und sagte nachdenklich:

»Ich verstehe es ja, aber sie wird es wohl kaum verstehen.«

»Sorge dafür, daß sie es auch tut. Was liegt mir daran, daß du es verstehst?«

»Danke«, sagte Olga, mit der Brille funkelnd. Dieses gläserne Lächeln wirkte auf Pjotr aufreizend.

»Scherze nicht!« sagte er etwas grob. »Ich beabsichtige nicht, mein Schwein in ihrem Gemüsegarten weiden zu lassen, ich habe das nicht im Sinn, glaube so etwas nicht!«

»Ach, du bist ein Bauer«, sagte Olga seufzend und schüttelte zweifelnd den glatt gekämmten Kopf.

Pjotr rief aus:

»Du mußt mir glauben! Ich weiß, was ich sage...«

»Weißt du es wirklich?«

Sie seufzte voll Mitgefühl, Artamonow hörte es. Er sah, daß ihre Augen ihn mitleidig und fast zärtlich durch die Brille betrachteten, das erboste ihn aber nur. Er wollte ihr irgendetwas Überzeugendes und Deutliches sagen, fand aber die erforderlichen Worte nicht und blickte auf das Fensterbrett, wo zwischen den fleischigen, an Tierohren erinnernden Begonienblättern graziöse Blütendolden herabhingen.

»Mir ist um ihren Gutshof leid. Das ist ein wundervoller Besitz, jawohl! Sie ist dort – geboren...«

»Nein, sie ist in Riasan geboren...«

»Das bleibt sich gleich, sie hat sich dort eingelebt! Meine Seele ist dort zum erstenmal ganz zur Ruhe gekommen...«

»Sie ist erwacht«, verbesserte Olga.

»Das ist für die Seele dasselbe, ob sie zur Ruhe gekommen oder erwacht ist.«

Er sprach lange über etwas, das ihm selbst nicht klar war. Olga lauschte, die Ellbogen auf den Tisch stützend, und sagte, als bei ihm die Worte versiegten:

»Höre mir jetzt zu...«

Und sie teilte ihm mit, Natalia hätte erfahren, daß er es mit der Spulerin hielte –, sie wäre gekränkt, weinte und klagte über ihn. Doch das rührte Artamonow nicht.

»Sie ist schlau,« sagte er lächelnd, »sie hat mir auch nicht durch ein Wort verraten, daß sie es weiß. Sie hat sich bei dir beklagt? So? Und dabei mag sie dich nicht...«

Er dachte nach und fügte hinzu:

»Sinaïda trägt den Spitznamen ›die Pumpe‹, das ist richtig! Sie hat aus mir den ganzen Unrat herausgepumpt.«

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