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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Das ist so. Je weniger man trägt, desto leichter geht man. Was aber die Winkel betrifft, glaubt das nicht! Was für Winkel gibt es im Himmel? Dort sind ja keine Wände.«

Die Gymnasiasten brachen in ein Gelächter aus. Ilja lachte wenig und mit samtartiger Stimme, Miron trocken und scharf, Gorizwetow war nicht so lachlustig, er unterbrach sich immer energisch und suchte die Freunde zu überzeugen:

»Wartet, das ist ja gar nicht komisch!«

Und wieder ertönte träge Tichons dunkle Rede:

»Kinder, ihr solltet mehr über den Menschen lernen, darüber, wie der Mensch überhaupt ist! Was für eine Bestimmung und welches Schicksal hat ein jeder? Das muß man prophezeien können. Und dann die Worte! Man muß die Worte durch und durch verstehen. Der eine und der andere von euch sagt oft: schließlich, das ist ein abgerundetes Wort; und doch ist es ja nicht der Schluß von irgendetwas!«

Und Tichon Wialow wiederholte seinen Spruch, der Pjotr schon geläufig war:

»Der Mensch spinnt das Garn, der Teufel webt Sackleinen draus, so geht es und ist nie aus.«

Die Jugend lachte laut, auch Tichon lachte mit tiefer Stimme und seufzte:

»Ach, ihr nicht gargebackenen Gelehrten!«

Im Abenddunkel erschienen die Kinder kleiner und unansehnlicher als bei Sonnenlicht, während Tichon anschwoll, unförmig wurde und noch dümmer als bei Tage redete.

Iljas Gespräche mit Tichon steigerten Artamonows Feindseligkeit diesem gegenüber und flößten ihm unklare Befürchtungen ein. Er fragte seinen Sohn:

»Was findest du an Tichon?«

»Er ist ein interessanter Mensch.«

»Was ist an ihm interessant? Seine Dummheit?«

Ilja antwortete leise:

»Man muß auch die Dummheit verstehen.«

Die Antwort gefiel Artamonow.

»Das ist richtig: wir leben mit der Dummheit.«

Er überlegte es sich aber sogleich:

»Das sind Tichons Worte!«

Sein Sohn erregte in ihm besondere Hoffnungen; wenn er sah, daß Ilja, die Hände in den Taschen und leise pfeifend aus dem Fenster in den Hof und auf die Arbeiter blickte oder langsam durch die Weberei ging und leichtfüßig der Siedlung zuschritt, dachte der Vater befriedigt:

»Er wird mal ein scharfsichtiger Leiter des Werkes sein. Er wird auch in einer anderen Weise als ich ins Werk eintreten: ich wurde vorgespannt und mußte ziehen!«

Es kränkte ihn ein wenig, daß sein Sohn nicht gesprächig war und wenn er sprach, es kurz, mit gleichsam vorher überlegten Worten tat, die den Wunsch, das Gespräch fortzusetzen, ertöteten.

»Er ist etwas trocken«, dachte Artamonow und tröstete sich damit, daß Ilja in vorteilhafter Weise weder an den lauten Schwätzer Gorizwetow, noch an den schläfrigen, trägen Jakow, noch an Miron erinnerte, der schnell das Jugendliche verlor, wie ein Buch sprach, hochmütig wurde und einem Beamten ähnelte, der weiß, daß es für jede Lebenslage in den Büchern ein eigenes, strenges Gesetz gibt.

Die Ferienwochen entschwanden unwahrscheinlich rasch, und schon machten die Kinder sich zur Abreise bereit. Natalia versah Jakow mit guten Ratschlägen für den Weg, während der Vater zu Ilja nicht das sagte, was er eigentlich wollte. Wie konnte man es aber in Worte fassen, daß es langweilig war, in dem Mückenschwarm einförmiger Sorgen um das Werk zu leben? Man sprach nicht davon mit grünen Jungen!

Pjotr Artamonow wünschte es sich so sehr, etwas zu erleben, das dem Gewohnten und dem wie Schnee, Regen, Schmutz, Hitze und Staub Unvermeidlichen nicht ähnelte, daß er sich endlich etwas erfand. Er wurde einmal in einem öden Waldnest des Umkreises von einem Junigewitter mit Hagel, betäubendem Donnergetöse und blauem Aufflammen der Wolken überrascht. Über den schmalen Waldweg ergoß sich ein im Dunkel unsichtbarer Wasserstrom, die Erde schien zu schmelzen und unter den Füßen der Pferde fortzuströmen und überschwemmte die Wagenräder bis zu den Achsen. Es war schaurig, wenn das kalte, blaue Feuer für eine Sekunde das Sieden der zerschmolzenen Erde drohend beleuchtete, und an den Straßenseiten aus dem nassen Dunkel und durch das glasige Netz des Regens hindurch schwarze Bäume, vor Angst hüpfend, vorüberflogen. Die unsichtbaren Pferde blieben schnaubend und mit den Hufen im Wasser patschend, stehen und wurden von dem dicken, sanften Kutscher Jakim freundlich und schüchtern beruhigt. Der Hagel, der den Wald mit dem Geräusch von fallendem Eis erfüllt hatte, war schnell vorübergezogen, wurde aber von einem dichten Platzregen abgelöst, der das Laub mit Millionen feiner, schwerer Tropfen peitschte und das Dunkel mit zornigem Heulen erfüllte.

»Wir müssen zu Popows fahren«, sagte Jakim.

Und nun sitzt Artamonow in fremden, ihn fest umspannenden Kleidern, verlegen und wie im Traum mitten im angenehmen Halbdunkel des warmen, trockenen Zimmers und fürchtet sich zu bewegen; der vernickelte Samowar summt, den Tee schenkt eine große, schlanke Frau, mit einem Turban rötlicher Haare und in einem weiten dunklen Kleide ein. In ihrem blassen Gesicht leuchten anziehend die grauen Augen; sie erzählt mit sanfter Stimme sehr schlicht, voll Demut und ohne zu klagen, von dem kürzlich erfolgten Tod ihres Mannes und von ihrem Wunsch, den Gutshof zu verkaufen, in die Stadt zu übersiedeln und dort ein Progymnasium zu eröffnen.

»Dazu hat mir Ihr Bruder geraten. Er ist ein interessanter Mensch, so lebendig und eigenartig.«

Pjotr räusperte sich voll Neid und betrachtete genau alles, was ihn umgab. Als er in der Jugend mit dem Vater durchs Gouvernement gereist war, hatte er oft herrschaftliche Häuser besucht, ohne aber darin etwas Besonderes zu bemerken; er hatte nur das Gefühl gehabt, daß die Menschen und die Gegenstände ihn beengten, das war aber in diesem Hause nicht der Fall; hier fühlte man etwas Freundliches und Rechtschaffenes. Die große Lampe mit der matten Glocke bestrahlte mit milchigem Licht sowohl das Geschirr und das Silber auf dem Tisch als auch das glattgekämmte, dunkle Köpfchen eines kleinen Mädchens mit grünem Augenschirm; vor dem Mädchen lag ein Heft, es zeichnete mit einem dünnen Bleistift und summte leise vor sich hin, ohne Pjotr aber dadurch zu hindern, dem gleichmäßigen Sprechen der Mutter zu lauschen. Das Zimmer war nicht groß und dicht mit Möbeln gefüllt, alle Gegenstände schienen mit dem Raum verwachsen zu sein, doch hatte jeder einzelne sein eigenes Leben und erzählte etwas von sich, ebenso wie die drei sehr grellen Bilder an den Wänden; auf dem Bilde Pjotr gegenüber bog ein Märchenschimmel stolz den Hals; seine Mähne war unwahrscheinlich lang und reichte fast bis an die Erde. Alles war merkwürdig anheimelnd und ruhig, und die schöne Stimme der Hausfrau klang wie ein aus der Ferne herübertönendes, nachdenkliches Lied. Ja, in einer solchen Umgebung konnte man das ganze Leben verbringen, ohne Unruhe zu empfinden und ohne etwas Böses zu tun; wenn man ein solches Weib zur Frau besitzt, kann man sie achten und mit ihr über alles sprechen.

Hinter der auf die Terrasse führenden Tür mit dem Halbkreis bunter Scheiben wurde der schwarze Himmel durch bläulichen Schein gesprengt und flammte auf, ohne aber die Seele zu erschrecken.

Bei Tagesanbruch fuhr Artamonow weg und bewahrte sorgsam den Eindruck der freundlichen Ruhe, der Behaglichkeit und das fast körperlose Bild der grauäugigen, stillen Frau, der man diese Behaglichkeit verdankte. Im Jagdwagen durch die Pfützen schwimmend, die ohne Unterschied sowohl das Gold der Sonne, als auch die schmutzigen Flecken der vom Wind zerfetzten Wolken widerspiegelten, dachte er voll Trauer und Neid:

»So lebt man also.«

Er sagte aus irgendeinem Grunde seiner Frau nichts von dieser Bekanntschaft und verheimlichte sie auch vor Alexej; um so peinlicher war es ihm nach einigen Wochen, als er zu ihm kam und dort die Popowa auf dem Sofa neben Olga antraf. Alexej führte ihn zum Sofa hin:

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