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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Hier – das ist mein Bruder, Wera Nikolajewna.«

Die Frau streckte ihm lächelnd die Hand hin:

»Wir sind schon miteinander bekannt.«

»Wieso denn?« rief Alexej erstaunt aus. »Seit wann denn? Warum hast du es nicht gesagt?«

Pjotr fühlte in Alexejs Erstaunen etwas Häßliches, und seine Barthaare bewegten sich seltsam; er zupfte sich am Ohr und erwiderte:

»Ich habe es vergessen.«

Alexej wies mit dem Finger schamlos auf ihn hin und schrie:

»Seht doch, er ist ganz rot geworden, nicht? Du hast geschickt geantwortet, Kindchen! Ja, kann man denn eine so liebe Dame vergessen, wenn man sie einmal gesehen hat? Seht, seine Ohren jucken, sie wachsen!«

Die Popowa lächelte freundlich und ohne ihn zu kränken.

Man trank Met mit Eis aus hohen, geschliffenen Pokalen; die Besucherin hatte Olga diesen Met als Geschenk mitgebracht, er war goldig wie Bernstein, prickelte lustig auf der Zunge und gab Pjotr sehr unternehmende Worte ein, die er jedoch nirgends einschalten konnte, da Alexej ununterbrochen und unruhig schnatterte:

»Nein, Wera Nikolajewna, beeilen Sie sich nicht zu verkaufen! Das muß man einem Liebhaber der Stille anbieten, es ist ein Ort, wo die Seele ausruhen kann. Was wird Ihnen aber unsereiner bieten? Sie haben keinen Grund und Boden und nur wenig Wald, der außerdem nicht viel wert ist; wer, außer den Hasen, braucht hier überhaupt Wald?«

Pjotr sagte:

»Es ist nicht ratsam, zu verkaufen.«

»Warum denn?« fragte die Popowa, an dem Met nippend und seufzte:

»Es ist wohl nötig.«

Pjotr mißfiel Olgas aufmerksamer Blick und das Zucken ihrer ein Lächeln verbergenden Lippen: er trank düster den Met aus und schwieg zur Bemerkung der Popowa.

Nach zwei Tagen erklärte ihm Alexej im Kontor, er beabsichtige, der Popowa Geld gegen Pfand zu geben.

»Ihr Gutshof ist sieben Rubel wert, aber ihre Sachen ...«

»Gib ihr nichts«, sagte Pjotr sehr energisch.

»Warum? Ich kenne den Wert der Sachen ...«

»Tue es nicht.«

»Ja, aber warum?« rief Alexej. »Ich werde mit einem Sachverständigen zu ihr hinfahren und alles abschätzen lassen.«

Pjotr schüttelte verneinend den Kopf; er wollte den Bruder gern von dieser Transaktion abbringen, da ihm aber kein Einwand einfiel, schlug er plötzlich vor:

»Wir wollen es ihr gemeinsam geben; du und ich je zur Hälfte.«

Alexej sah ihn unverwandt an und lächelte:

»Du wirst wunderlich.«

»Es scheint jetzt wohl die Zeit dafür gekommen zu sein,« sagte Pjotr Artamonow laut.

»Pass' auf, du irrst dich in der Adresse«, warnte der Bruder. »Ich hab's versucht, sie ist ein Fisch.«

Nach zwei, drei Begegnungen mit der Popowa hatte Artamonow durch sie das Träumen gelernt. Er dachte sich diese Frau an seiner Seite, und sofort erstand vor ihm ein wunderbar leichtes und behagliches Leben, das äußerlich schön und innerlich angenehm still war. Es bestand nicht mehr die Notwendigkeit, täglich Dutzende von Menschen zu sehen, die ihre Arbeit fahrlässig behandelten, die stets mit irgendetwas unzufrieden waren und bald schrien und sich beklagten und bald in dem Bestreben, zu betrügen, logen. Ihre aufdringliche Schmeichelei war ebenso aufreizend wie die schlecht verborgene, aber immer mehr anwachsende Feindseligkeit. Es war so leicht, sich ein Bild des Lebens fern von alledem zu schaffen, außerhalb des Bereichs der roten, fetten Spinne des Werks, die ihr Netz immer weiter ausdehnte. Er selbst kam sich dann wie ein großer Kater vor; ihm war warm und behaglich, die Hausfrau liebte ihn, liebkoste ihn gerne und er brauchte sonst nichts. Gar nichts.

Ebenso wie früher der kleine Nikonow für ihn jener dunkle Punkt gewesen war, um den sich alles Schwere und Unangenehme verdichtet hatte, so wurde jetzt die Popowa der Magnet, der nur die schönen, unbeschwerten Gedanken und Absichten anzog. Er weigerte sich, mit seinem Bruder und einem schlauen, bebrillten Alten auf den Gutshof der Popowa zu fahren, um ihren Besitz abzuschätzen. Als aber Alexej die Pfandverschreibung geregelt hatte und zurückkehrte, schlug er vor:

»Verkauf mir den Pfandbrief!«

Alexej war unangenehm überrascht, fragte ihn lange aus, wozu er das brauchte und sagte endlich:

»Hör' mal, das ist für mich ungünstig! Sie hat nicht soviel, um zu bezahlen, die Sachen sind aber von großem Wert, verstehst du? Gib noch was drauf!«

Sie wurden handelseinig; Alexej sagte, das Gesicht verziehend:

»Ich wünsche Erfolg. Es ist eine gute Tat.«

Auch Pjotr fühlte, daß er etwas Gutes getan hatte: er hatte sich ein Plätzchen zum Ausruhen geschenkt.

»Soll ich deiner Frau nichts sagen?« fragte der Bruder zwinkernd.

»Das ist deine Sache.«

Alexej betrachtete ihn prüfend und sagte:

»Olga glaubt, du wärest in die Popowa verliebt.«

»Auch das ist meine Sache.«

»Brumme nicht. In unserem Alter machen alle Männer Seitensprünge.«

Pjotr erwiderte grob und zornig:

»Laß mich in Ruh'...«

Bald darauf fühlte er, daß Olga mit ihm noch wohlwollender, aber mitleidig zu sprechen begann; das mißfiel ihm, und er fragte, als er an einem Herbstabend bei ihr saß:

»Hat dein Mann dir irgendetwas über die Popowa vorgeflunkert?«

Sie streichelte mit ihrer leichten Hand die seine, haarige, und sagte:

»Ich werde es nicht weiter verbreiten.«

»Das darf auch nicht geschehen«, sagte Artamonow, mit der Faust auf das Knie schlagend. »Es wird bei mir bleiben. Das kannst du nicht verstehen. Sage ihr nichts davon.«

Die Popowa erweckte in ihm keine Begierden, sie erschien ihm in den Träumen nicht als das von ihm begehrte Weib, sondern als eine notwendige Ergänzung zum freundlichen Behagen des Hauses und zu einem guten, rechtschaffenen Leben. Als diese Frau aber in die Stadt übersiedelt war, sah er sie häufig bei Alexej und fühlte sich auf einmal betroffen. Er sah sie am Bett der erkrankten Olga; sie neigte sich mit aufgekrempelten Blusenärmeln über das Waschbecken, benetzte ein Handtuch mit Wasser, bückte sich und richtete sich wieder auf; in ihrer erstaunlichen Schlankheit, mit den kleinen Mädchenbrüsten war sie unwiderstehlich verführerisch. Artamonow stand an der Tür und betrachtete schweigend, mit krauser Stirn ihre weißen Arme, die straffen Waden und die Schenkel; ihn umfing plötzlich der heiße Nebel des Begehrens so heftig, daß er ihre Arme um seinen Körper fühlte. Statt ihren Gruß zu beantworten, schritt er, mit Mühe den Hals wegwendend, zum Fenster, setzte sich dort schnaufend hin und fragte düster:

»Was hast du denn, Olga? Das ist nicht schön...«

Zum erstenmal wirkte ein Weib so mächtig und vernichtend auf ihn ein; er erschrak sogar, da er darin dunkel etwas Gefährliches und Drohendes fühlte. Er schickte seinen Kutscher nach dem Arzt und ging sogleich zu Fuß den Weg zum Werk entlang.

Es war Ende Februar; das Tauwetter drohte mit einem Schneesturm; ein grauer Nebel hing über der Erde und verbarg den Himmel, indem er den Luftraum bis zu dem Ausmaß einer über Artamonow umgestülpten Schale verengte; daraus sprühte langsam feuchter, kalter Staub herab, der sich schwer auf die Schnurrbart- und Barthaare setzte und am Atmen hinderte. Während Artamonow über den weichen Schnee schritt, fühlte er sich ebenso zertreten und vernichtet, wie in der Nacht von Nikitas Selbstmordversuch und wie damals, als er Pawel Nikonow tötete. Die Ähnlichkeit der Schwere dieser beiden Momente wurde ihm klar, und um so gefährlicher erschien ihm der dritte. Er wußte genau, daß er diese Frau niemals zu seiner Geliebten machen würde. Er sah schon zu dieser Stunde, daß die plötzlich entflammte Neigung zur Popowa in ihm etwas Liebes vernichtete und verdunkelte und diese Frau in das Gebiet des Alltäglichen hinüberschob. Er wußte nur zu gut, was eine Ehefrau bedeutete, und er hatte keine Gründe zur Annahme, daß eine Geliebte etwas besseres als jenes Weib sein könnte, dessen fade, pflichtmäßige Liebkosungen ihn fast gar nicht mehr erregten.

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