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Mephisto

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Mephisto
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Es ist doch nicht zu schildern - es ist doch berhaupt nicht aufzuzhlen, was er alles treibt, durch wieviel verschiedenartige Einfalle und berraschungen er das ffentliche Interesse auf sich lenkt. - Den Vertrag mit den Bhnen des Professors hat er, zum fassungslosen Kummer des Frulein Bernhard, gelst, um frei zu sein fr all die verlockenden Chancen, die sich ihm bieten. Nun spielt und inszeniert er einmal hier, einmal dort - wenn die eintrgliche Filmttigkeit ihm Zeit fr die Bhne briglt. In der groen Operette singt er Albernheiten auf so klug pointierte Manier, da die Dummen sie fr geistreich halten; in klassischen Dramen bewegt er sich mit so eleganter Nachlssigkeit, da die Werke Schillers oder Shakespeares wie amsante Konversationsstcke wirken; aus mondnen Farcen, die in Budapest oder Paris nach billigen Rezepten hergestellt sind, zaubert er raffinierte kleine Effekte, die des Machwerks Nichtigkeit vergessen lassen. - Dieser Hfgen kann alles! Seine brillante, vor keiner Zumutung versagende Wandlungsfhigkeit scheint genialen Einschlag zu haben. Wollte man jede seiner Leistungen einzeln betrachten, so kme man wohl zu dem Resultat, da keine von ihnen allerersten Ranges ist: als Regisseur wird Hfgen niemals den Professor erreichen; als Schauspieler kann er es mit seiner groen Konkurrentin Dora Martin nicht aufnehmen, die der erste Stern an einem Himmel bleibt, ber den er sich als ein schillernder Komet bewegt. Es ist die Vielfalt seiner Leistungen, die seinen Ruhm ausmacht und immer wieder erneuert. Da gibt es nur eine Stimme im Publikum: Fabelhaft, was er alles fertigbringt! Und in gewhlteren Ausdrcken wiederholt die Presse die gleiche Meinung.

Er ist der Liebling der links-brgerlichen und linken Bltter - wie er der Favorit der groen jdischen Salons ist und bleibt. Gerade der Umstand, da er kein Jude ist, lt ihn diesen Kreisen besonders schtzenswert erscheinen; denn die jdische Berliner Elite trgt blond. - Die Zeitungen der radikalen Rechten, die tglich die Erneuerung deutscher Kultur durch die Rckkehr zum volkhaft Echten, zu Blut und Boden zornig propagieren, verhalten sich mitrauisch und ablehnend gegen den Schauspieler Hfgen; er gilt ihnen als Kulturbolschewist. Da die jdischen Feuilletonredakteure ihn schtzen, macht ihn ebenso verdchtig wie seine Vorliebe fr franzsische Stcke und die exzentrisch-volksfremde Mondnitt seiner Erscheinung. Auerdem verfolgen ihn die nationalistischen Dramatiker mit ihrem Ha, veil ihre Stcke von ihm abgelehnt werden. Csar von Muck zum Beispiel, reprsentativer Dichter der aufstrebenden nationalsozialistischen Bewegung, in dessen Dramen erwrgte Juden und erschossene Franzosen die Pointen des Dialogs ersetzen - Csar von Muck, hchste Kapazitt fr kulturelle Fragen im Lager der dezidierten Kulturfeindlichkeit, schreibt ber die Neuinszenierung einer Wagner-Oper, mit der Hfgen eben Sensation gemacht hat: Dies sei belste Asphaltkunst, zersetzendes Experiment, durchaus jdisch beeinflut und freche Schndung deutschen Kulturgutes. Der Zynismus des Herrn Hfgen kennt keine Grenzen, schreibt Csar von Muck; Um dem Kurfrstendammpublikum eine neue Unterhaltung zu bieten, wagt er sich an den ehrwrdigsten, grten der deutschen Meister - an Richard Wagner. - Recht herzlich amsiert sich Hendrik, gemeinsam mit ein paar radikalen Literaten, ber diese Redensarten des Blut-und-Boden-Skribenten.

Hfgen hat seine Beziehungen zu kommunistischen oder halbkommunistischen Kreisen keineswegs aufgegeben; zuweilen bewirtet er in seiner Wohnung am Reichskanzlerplatz junge Schriftsteller oder Parteifunktionre, denen er in immer neuen und immer effektvollen Redewendungen seinen unvershnlichen Ha gegen den Kapitalismus und seine glhende Hoffnung auf die Weltrevolution versichert. Umgang mit den Revolutionren pflegt er nicht nur, weil er meint, diese knnten doch vielleicht einmal an die Macht kommen, und dann wrden alle Diners sich reichlich bezahlt machen; sondern auch zur Beruhigung des eigenen Gewissens. Man ist anspruchsvoll und mchte doch mehr sein als nur ein gut verdienender Komdiant; man will nicht ganz aufgehen in einem Betrieb, den man im Grunde zu verachten behauptet, whrend man doch ganz in seinem Banne steht. Hendrik schmeichelt sich, da sein Leben Inhalte und Probleme habe, deren sich die Kollegen kaum rhmen knnen. Dora Martin zum Beispiel, diese groartige Dora Martin, die immer noch um eine entscheidende Nuance berhmter ist als er selbst: Was mag schon vorgehen in ihrem Innern? Sie schlft ein mit dem Gedanken an ihre Gagen und erwacht mit Hoffnungen auf neue Filmvertrge: So sagt sich Hendrik, der von Dora Martin nichts wei. In seinem Inneren aber begeben sich die originellsten Dinge.

Die Bindung an Juliette, das grausame Naturkind - sie ist mehr als nur sexuelle Angelegenheit, sondern kompliziert und geheimnisvoll -: Hendrik legt Wert auf diesen interessanten Umstand. Manchmal glaubt er auch, da seine Beziehung zu Barbara - Barbara, die eisernen guten Engel genannt hat - durchaus nicht abgeschlossen und zu Ende sei, sondern noch Wunder, Rtsel und berraschungen bringen knne. Wenn er vor sich selber die bedeutenden Faktoren seines Innenlebens Revue passieren lt1, vergit er niemals, Barbara - zu der er in Wahrheit den Kontakt mehr und mehr verliert - mit zu nennen.

Die wichtigste Nummer auf dieser Liste seiner auerordentlichen inneren Vorgnge bleibt jedoch die revolutionre Gesinnung. Auf diese Raritt und Kostbarkeit, die ihn so vorteilhaft von den brigen Prominenten des Berliner Theaterlebens unterscheidet, mchte er um keinen Preis verzichten. Deshalb pflegt er, eifrig und geschickt, die Freundschaft mit Otto Ulrichs, der seine Stellung am Hamburger Knstlertheater aufgegeben hat und im Norden Berlins ein politisches Kabarett leitet. Jetzt mssen all unsere Krfte der politischen Arbeit zur Verfgung gestellt werden, erklrt Otto Ulrichs. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Der Tag der Entscheidung ist nahe.

In seinem Kabarett, welches Der Sturmvogel heit und durch die Schrfe wie durch die Qualitt seiner Darbietungen Aufsehen nicht nur in den Proletariervierteln erregt, produzieren sich junge Arbeiter neben berhmten Schriftstellern und Schauspielern.

Hendrik glaubt es sich leisten zu knnen, in eigener Person auf der engen Bhne des Sturmvogels zu erscheinen. Anllich einer Feier, die Ulrichs zu Ehren eines Besuches von russischen Autoren veranstaltet, wird dem Publikum als besondere Attraktion der berhmte Hfgen vom Staatstheater angekndigt. Ehe Ulrichs aber ausreden kann, springt Hendrik, der seinen schlichtesten grauen Anzug angelegt hat und brigens nicht im eigenen Mercedeswagen, sondern im Taxi vorgefahren ist, elastisch hinter der Kulisse hervor..Nichts von Berhmtheit, nichts von Staatstheater! ruft er mit der metallisch leuchtenden Stimme und reckt mit schner Geste die Arme. Ich bin euer Gensse Hfgen! Ihm antwortet Jubel. Arn nchsten Tag erklrt der streng marxistische Kritiker Doktor Radig im Neuen Brsenblatt, der Schauspieler Hfgen habe sich die Herzen der Berliner Arbeiterschaft mit einem Schlag erobert.

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Главный герой
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