Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Mephisto - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Mephisto

Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:

Mephisto
1 ... 36 37 38 39 40 41 42 43 44 ... 76
Перейти на страницу:

Wie reizend, da Sie eine Stunde Zeit fr uns gefunden haben, Herr Hfgen! fltet die Hausfrau ihrem attraktiven Gast entgegen und hlt ihm ein Tellerchen mit Kaviar hin. Man wei doch, wie beschftigt Sie sind! Darf ich Sie mit zwei Ihrer glhendsten Verehrer bekannt machen? Dieses ist Herr Mller-Andrea, der Ihnen durch seine bezaubernden Plaudereien im Jniteressan-ten Journal' gewi bekannt ist. Und dieses ist unser Freund, der berhmte franzsische Schriftsteller Pierre Larue

Herr Mller-Andrea ist ein eleganter, grauhaariger Mann mit stark hervortretenden wasserblauen Augen in einem roten Gesicht. Jedermann wei, da er von den guten Beziehungen seiner schnen Frau lebt, die aus aristokratischer Familie stammt. Durch sie erfhrt er den ganzen Klatsch der Berliner Gesellschaft, aus dem er seine kleinen Artikel fr das Interessante Journal zusammenstellt. In diesem verrufenen Skandalblatt plaudert Herr Mller-Andrea wchentlich unter dem Titeclass="underline" Hatten Sie davon eine Ahnung? Gerade diesen amsanten Artikeln verdankt das Interessante Journal seine Beliebtheit; denn in ihnen wird mitgeteilt, da die Gattin des Industriellen X mit dem lyrischen Tenor Y eine kleine Reise nach Biarritz unternommen hat, und da die Grfin Z jeden Nachmittag im Adlon zum Tanztee erscheint, und dieses nicht der guten Kapelle, sondern eines gewissen Gigolos wegen Durch solche Erffnungen versteht es Herr Mller-Andrea, die Leser zu fesseln und zu belehren. Seine ziemlich luxurise Lebenshaltung bestreitet er brigens keineswegs mit seinen Einnahmen aus verffentlichten Artikeln; vielmehr mit jenen Summen, die er sich fr die Nichtverffentlichung von Plaudereien bezahlen lt. So manche Dame hat schon schweres Geld an Herrn Mller-Andrea berwiesen, damit ihr Name nicht in die Rubrik Hatten Sie davon eine Ahnung? komme. Herr Mller-Andrea ist ein gemeiner Erpresser, niemand bestreitet es - auch er selber nicht -; niemand macht besonderes Auflieben davon.

Der andere glhende Verehrer des Schauspielers Hfgen, Monsieur Pierre Lame, ist ein kleines Mnnchen. Er reicht Hendrik eine bleiche, spitze Hand und spricht mit einer klagenden Sopranstimme: Sehr interessant, lieber Herr Hfgen! Darf ich mir Ihre Adresse notieren? Dabei hat er schon, mit gebtem Griff, ein dickes Notizbuch hervorgeholt. Ich hoffe, Sie werden nchstens im Esplanade bei mir speisen, ruft er noch mit seinem jammernden und dabei sirenenhaft lockenden Stimmchen. - Monsieur Larue hat in seinem altjngferlich spitzen, von unzhligen Fltchen durchzogenen Gesicht merkwrdig scharfe und durchdringende Augen; aus ihnen leuchtet, beinah ekstatisch, eine ungeheure Neugierde; sie funkeln von jener Sucht nach Menschen, Namen und Adressen, die der eigentlich herrschende Impuls und der einzige echte Inhalt seines Lebens ist. Monsieur Larue wrde sterben, traurig eingehen wie ein Fischlein, dem man das Wasser entzieht, an dem Tage, der ihn keine neuen Bekanntschaften machen liee. Jedoch wird diese Situation, die so beklagenswert wre, dem kleinen Menschensammler erspart bleiben, mindestens solange er sich in Berlin aufhlt. Denn Auslnder haben es leicht in Berliner Salons: ein Gast, der mit schlechtem Akzent deutsch spricht, gereicht einer Gesellschaft fast ebenso zur Ehre wie ein Boxer, eine Grfin oder ein Filmschauspieler - und nun gar noch ein Auslnder, der Geld hat, interessante Diners im Hotel ksplanade arrangiert, mehreren Knigen vorgestellt ist und sogar den Prince of Wales' kennt. Keine Tr bleibt verschlossen vor Monsieur Larue, sogar der ehrwrdige alte Herr Reichsprsident hat ihn empfangen. Er geniet den Umgang der reaktionrsten und exklusivsten Familien von Potsdam; andererseits sieht man ihn in Gesellschaft linksradikaler junger Leute, die er als nres jeunes camarades communistes2 in den Husern der Bankdirektoren einzufhren liebt.

Gestern habe ich Sie im Wintergarten bewundert, sagt Pierre Larue, nachdem er sich Hfgens Telefonnummer notiert hat. Und er wiederholt scherzhaft, aber klagenden Tones, den populren Refrain: Es ist doch nicht zu schildern Danach hat er ein kleines Lachen, das klingt wie das Rascheln von Herbstwind in trockenem Laub. Hahaha, lacht Monsieur Larue; reibt die bleichen Knochenhndchen ber der Brust gegeneinander und steckt sein Gesicht tief in den dicken schwarzen Wollschal, den er, trotz der warmen Temperatur in diesen Rumen, ber dem Smoking um den Hals geschlungen trgt.

Es ist doch nicht zu schildern - das hat die Welt noch nicht gesehen - das gibt's nur einmal, das kommt nicht wieder! In Deutschland steht alles glnzend, besser knnte es gar nicht stehen, man darf sorglos und guter Dinge sein. Gibt es eine Krise? Gibt es Arbeitslose, gibt es politische Kmpfe? Gibt es eine Republik, der es nicht nur an Selbstachtung, sondern sogar am Selbsterhaltungstrieb fehlt und die sich vor der ganzen Welt verhhnen lt von ihrem frechsten und rohesten Feinde? Dieser wird ausgehalten und begnstigt von den reichen Leuten, die nur eine Angst kennen: Eine Regierung knnte es sich einfallen lassen, ihnen etwas Geld wegzunehmen. Gibt es Saalschlachten in Berlin und nchtliche Straenkmpfe? Gibt es schon den Brgerkrieg, der beinah tglich seine Opfer fordert? Wird schon Arbeitern von Burschen in brauner Uniform das Gesicht zertreten und der Kehlkopf durchgeschnitten, der groe Volksverfhrer aber - Chef der auftauwilligen Elemente, Liebling der Schwerindustriellen und der Generale - publiziert schamlos sein Glckwunschtelegramm an die viehischen Mrder? Schwrt derselbe Hetzer, der die Nacht der langen Messer fordert und ffentlich gelobt, es wrden Kpfe rollen, er wolle nur auf legalem Wege zur Macht kommen? Darf er es sich herausnehmen., darf er es wagen, tglich soviel Drohungen und Infamien in die Welt zu schreien mit seiner bellenden Stimme?

Es ist doch nicht zu schildern! Ministerien strzen, werden neu gebildet und sind nicht klger als vorher. Soll man denn ganz verwildern? Im Palais des ehrwrdigen Generalfeldmarschalls intrigieren die Grogrundbesitzer gegen eine zitternde Republik. Die Demokraten schwren, der Feind steht links. Polizeiprsidenten, die sich sozialistisch nennen, lassen auf Arbeiter schieen. Die bellende Stimme aber darf tglich ungestrt dem System Strafgericht und blutigen Untergang verheien.

Das hat die Welt noch nicht gesehen! Sieht es denn nicht der hochbezahlte Spamacher eben jenes Systems, gegen das die infame Kettenhundstimme ihre Verwnschungen schleudert? Fllt es denn dem Schauspieler Hfgen nicht auf, da die Veranstaltungen, deren fragwrdiger Held er ist, im Grund makabren Charakters sind, und da der Tanz, zu dessen beliebtesten Anfhrern er gehrt, die grausige Tendenz zum Abgrund hat? Hendrik Hfgen - Spezialist fr elegante Schurken, Mrder im Frack, historische Intriganten - sieht nichts, hrt nichts, merkt nichts. Er lebt gar nicht in der Stadt Berlin - so wenig, wie er jemals in der Stadt Hamburg gelebt hat -; er kennt nichts als Bhnen, Filmateliers, Garderoben, ein paar Nachtlokale, ein paar Festsle und versnobte Salons. Sprt er, da die Jahreszeiten wechseln? Wird es ihm bewut, da die Jahre vergehen - die letzten Jahre dieser mit soviel Hoffnung begrten, nun s jammervoll verscheidenden Weimarer Republik: die Jahre 1930, 1931, 1932? Der Schauspieler Hfgen lebt von einer Premiere zur nchsten, von einem Film zum andern; er zhlt Aufnahmetage, Probentage, aber er wei kaum davon, da der Schnee schmilzt, da die Bume und Gebsche Knospen tragen oder Bltter, da ein Wind die Dfte mit sich trgt, da es Blumen gibt und Erde und flieendes Wasser. Eingesperrt in seinen Ehrgeiz wie in ein Gefngnis; unersttlich und unermdlich; immer im Zustand hchster hysterischer Spannung, geniet und erleidet der Schauspieler Hfgen ein Schicksal, das ihm auerordentlich scheint und das doch nichts ist als die vulgre, schillernde Arabeske am Rande eines todgeweihten, dem Geist entfremdeten, der Katastrophe entgegentreibenden Betriebes.

1 ... 36 37 38 39 40 41 42 43 44 ... 76
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)