Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
So bewegende Erlebnisse in den proletarischen Au�enbezirken beschwichtigen ein Gewissen, das sonst dagegen rebellieren k�nnte, da� man im Westen nur mond�ne Albernheiten inszeniert und spielt. Man geh�rt doch zur Avantgarde: nicht nur das eigene Bewu�tsein sagte es einem; vielmehr best�tigen es auch die Literaten, die es wissen m�ssen - zum Beispiel Radig -, und die Angriffe, mit denen so l�cherliche Figuren wie C�sar von Muck einen bedenken. Man geh�rt doch zur geistigen Vorhut! Die Neuinszenierungen der Wagner-Opern sind k�hne Experimente - sehr verst�ndlich, da� sie die ewig R�ckst�ndigen in Harnisch bringen. Auch von einem literarischen �Studio�, einer Serie modernster Kammerspiel-Auff�hrungen ist wieder die Rede; zwar realisiert Hendrik den sch�nen Plan ebensowenig, wie er das Revolution�re Theater in Hamburg realisiert hat; aber er spricht doch h�ufig und verlockend von ihm, so da� viele junge Schauspieler und Dichter sich jahrelang auf das Unternehmen herzlich freuen d�rfen. - Man geh�rt zur revolution�ren Elite, und man l��t es sich etwas kosten: Durch Vermittlung des Otto Ulrichs leitet H�fgen Summen, die nicht erheblich sind, aber doch freudig akzeptiert werden, an gewisse Organisationen der Kommunistischen Partei.
Wer wagt zu behaupten, er lebe ahnungslos und eitel in den lag hinein? Seine intensive Anteilnahme an den gro�en Zielen und Problemen der Zeit ist bewiesen. Sehr mit Recht schaut Hendrik, seiner tadellos radikalen Gesinnung sich froh bewu�t, ver�chtlich auf so unentschiedene Naturen, wie etwa Barbara eine ist - Barbara, die im Hause des Geheimrats oder auf dem Gute der Generalin ein m��iges und egoistisches Leben f�hrt, eingesponnen in ihre abseitigen intellektuellen Spiele und Sorgen.
Was wei� Hendrik von den Sorgen oder Spielen Barbaras? Was wei� Hendrik �berhaupt von Menschen? Ist er, was ihre Schicksale angeht, nicht ebenso ahnungslos wie in den Dingen �ffentlichen Lebens? Hat er sich mit denen, die er so gern das �Zentrum seines Lebens� nennt, gr�ndlicher und liebevoller besch�ftigt als etwa mit dem kleinen Bock, der nun wirklich sein Diener ist, oder mit Monsieur Pierre Lame, der im Hotel Esplanade feine Abendessen f�r �mes jeunes camarades communistes� veranstaltet?
K�mmert Hendrik sich etwa um das innere Leben seiner Freundin Juliette? Er envartet von ihr, da� sie immer grausam und guter Dinge sei. Sie bekommt reichlich Geld und darf die Peitsche schwingen: hat sie nicht allen Anla� zur Zufriedenheit? Niemals denkt H�fgen dar�ber nach, was die dunklen Blicke meinen k�nnten, die das schwarze M�dchen jetzt so oft auf ihn richtet. Hat das fremde Kind vielleicht Heimweh nach den K�sten, aus deren sch�nerer Landschaft ein launisches Schicksal sie in eine fragw�rdige Zivilisation verschlug? Beginnt sie vielleicht, in ihrem r�tselvollen Herzen den fahlen, leidenss�chtigen Freund zu lieben, oder f�ngt sie an, ihn zu hassen? Hendrik wei� nichts davon. F�r ihn ist Prinzessin Tebab die verf�hrerische Barbarin, die sch�ne Wilde, an deren ungebrochener Kraft er sich erfrischt, indem er sich vor ihr erniedrigt.
Er ahnt von Juliette so wenig, wie er von Barbara wei� oder von seiner Mutter Bella. Nur fl�chtig liest er die Briefe der armen Mama, der ihr Gatte K�bes und ihre Tochter Josy - zwei muntere und bedenklich leichtsinn-nige Gesch�pfe - viel Sorgen bereiten. Vater K�bes ist gesch�ftlich nun total ruiniert: �Die Krise!� jammert brieflich Frau Bella. �Dein guter Vater geh�rt zu den zahlreichen Opfern der Krise.� All sein Hab und Gut w�re verpf�ndet worden, und bittere Schande h�tte die Familie heimgesucht, w�re nicht Hendrik gewesen, der in allerletzter Stunde eine gr��ere Summe telegrafisch �berwiesen hat. Schwester Josy verlobt sich mindestens einmal jedes halbe Jahr; Frau Bella atmet erleichtert auf, wenn die Verbindungen, die stets irgendwie ungl�ckseligen Charakters sind, wieder gel�st werden.
Einmal erscheint Nicoletta in Berlin; aber sie reist bald wieder ab, zur�ckgerufen von einem drohenden und klagenden Telegramm ihres Gatten Marder. �Ich bin sehr gl�cklich mit ihm�, erkl�rt Nicoletta und bem�ht sich, die sch�nen Augen funkeln zu lassen wie einst. Aber dann stellt sich heraus, da� Marder seit zwei Jahren in einem Sanatorium lebt; Nicoletta hat ihre Zeit damit verbracht, ihn zu pflegen - sie l�chelt sanft und innig, wenn sie von der kindlichen Dankbarkeit spricht, die der geniale Mann f�r sie hat. �Nun geht es ihm schon viel besser�, sagt sie hoffnungsvoll. �Wir k�nnen bald in den S�den ziehen, er braucht Sonne��
Das �Lebenszentrum�, mit dem Hendrik prahlt: Nicoletta, die Liebende, besitzt es. Auch andere d�rfen es ihr eigen nennen; so Ulrichs, der, k�mpferisch und geduldig, auf �den Tag� wartet. �Er wird kommen!� verspricht der Gl�ubige sich und seinen gl�ubigen Freunden. - �Er wird kommen, der Tag!� verhei�t auch dem jungen Hans Miklas die innere Stimme freudiger Gewi�heit. Er meint den sch�nen Tag, da �der F�hrer� endlich an der Herrschaft sein wird: seine Feinde aber sind dann alle vernichtet. Vernichtet ist dann vor allem der �rgste und abscheulichste Feind - H�fgen. Der Sturz des Verha�ten, dessen Laufbahn Miklas aus der Ferne mit machtlosem Ingrimm verfolgt, soll das begl�ckendste Ereignis des �gro�en Tages� sein und ein Teil seines Sinnes.
Hans Miklas ist - wie Otto Ulrichs, sein politischer Feind - Schauspieler nur noch im Dienste der �gro�en Sache�, des umfassenden Ziels. Er arbeitet l�ngst nicht mehr an Theatern, sondern nur noch mit den Jugendorganisationen der nationalsozialistischen Bewegung; seine T�tigkeit ist es, f�r Freilichtb�hnen und Versamm-hmgss�le Fest- und Werbespiele mit dem �Jungvolk� seines �F�hrers� einzustudieren: solche Besch�ftigung befriedigt sein unwissendes und enthusiastisches Herz. Im Sprechchor br�llen die Burschen, da� sie siegreich die Franzosen schlagen und ihrem F�hrer stets die Treue | wahren wollen: Dies haben sie einge�bt unter der Regie des jungen Miklas, der jetzt viel ges�nder und frischer aussieht als in der Hamburger Zeit - die schwarzen L�cher in seinen Wangen sind fast verschwunden.
Der Tag ist nahe: schw�rmerischer Gedanke, der Hans Miklas und Otto Ulrichs beherrscht, ausf�llt, begeistert wie Millionen anderer junger Menschen. Aul welchen Tag aber wartet Hendrik H�fgen? Er wartet immer nur auf die neue Rolle.
Seine gro�e Rolle in der Saison 1932/33 wird der Mephisto sein: Hendrik spielt ihn in der neuen �Faust�-Inszenierung, die das Staatstheater zu Goethes 100. Todestag herausbringt.
Mephistopheles, �des Chaos wunderlicher Sohn�: gro�e Rolle des Schauspielers H�fgen - f�r keine andere hat er jemals so viel Eifer aufgebracht. Der Mephisto soll sein Meisterst�ck werden. Schon die Maske ist sensationelclass="underline" Hendrik macht aus dem H�llenf�rsten den �Schalk� - eben jenen Schalk, als den der Herr der Himmel in Seiner unerme�lichen G�te den B�sen begreift und ab und zu Seines Umgangs w�rdigt, da er Ihm am wenigsten zur Last ist von allen Geistern, die verneinen. Er spielt ihn als den tragischen Clown, als den diabolischen Pierrot. Der kahlgeschorene Sch�del ist wei� gepudert wie das Gesicht; die Augenbrauen sind grotesk in die H�he gezogen, der blutrote Mund zu einem starren L�cheln verl�ngert. Die breite Partie zwischen den Augen und den k�nstlich erh�hten Brauen schillert in hundert verschiedenen Farben; hier haben Fachleute die Gelegenheit, eine kosmetische Leistung von au�ergew�hnlichem Rang zu bewundern. Alle T�ne des Regenbogens vermischen sich auf den Augenlidern Mephistos und auf den B�gen unter seinen Brauen: das Schwarz spielt ins Rot, das Rot ins Orangefarbene, ins Violette und Blaue; silberne Punkte leuchten dazwischen, ein wenig Gold ist klug und sinnig verteilt.
Was f�r eine bewegte Farbenlandschaft �ber den verlockenden Edelsteinaugen dieses Satans!
Mit der Anmut des T�nzers gleitet Hendrik-Mephisto im eng anliegenden Kost�m aus schwarzer Seide �ber die Szene; mit einer spielerischen Akkuratesse1, die verwirrt und verf�hrt, kommen die verf�nglichen Weisheiten, die dialektischen Scherze von seinem blutig gef�rbten Munde, der immer l�chelt. Wer zweifelt daran, da� der schaurig elegante Spa�macher sich in einen Pudel zu verwandeln vermag, Wein aus dem Holz des Tisches zaubern kann und auf seinem gespreiteten Mantel durch die L�fte f�hrt, wenn er irgend Lust dazu sp�rt? Diesem Mephisto w�re das �u�erste zuzutrauen. Alle im Saale f�hlen: Er ist stark - st�rker selbst als Gott der Herr, den er von Zeit zu Zeit gerne sieht und mit einer gewissen ver�chtlichen Courtoisie2 behandelt. Hat er nicht Grund genug, ein wenig auf Ihn herabzusehen? Er ist viel witziger, viel wissender, jedenfalls ist er sehr viel ungl�cklicher als Jener - und vielleicht ist er st�rker eben darum: weil er ungl�cklicher ist. Der riesenhafte Optimismus des erhabenen Alten, der von den Engeln Sich Selbst und die Sch�nheit Seiner Sch�pfung im deklamatorischen �Wettgesang� lobpreisen l��t - die euphorische Gutm�tigkeit des Allvaters wirkt beinahe naiv und ehrw�rdig-senil neben der furchtbaren Melancholie, der eisigen Traurigkeit, in welche der satanisch gewordene Lieblingsengel, der Verfluchte und zum Abgrund Gefahrene zuweilen, zwischen all seinen fragw�rdigen Munterkeiten, pl�tzlich verf�llt. Welch ein Schauer geht durch das Auditorium des Berliner Staatstheaters, da H�fgen-Mephistopheles mit seinen grellen Lippen, die Worte formt: