Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Hendrik konnte hinauf zu Nicoletta gehen. Sie w�rde den scharfen Mund schl�ngeln z.u seiner Begr��ung; sie w�rde m�glichst blanke Katzenaugen machen und irgend etwas Scherzhaftes, vorbildlich Akzentuiertes �u�ern. Nein, es war nicht das, was Hendrik jetzt wollte - nicht dies, was er eben nun so dringend brauchte.
Er lie� die H�nde vom-Gesicht gleiten. Sein getr�bter Blick suchte sich in der D�mmerung des Zimmers zurechtzufinden. Mit M�he gelang es ihm, die Bibliothek, die gro�en gerahmten Photographien, die Teppiche, Bronzen, Vasen und Gem�lde zu erkennen. Ja, es sah fein und elegant hier aus. Er hatte es weit gebracht, das konnte niemand bestreiten. Der Intendant, Staatsrat und Senator, eben noch als Hamlet gefeiert, erholt sich im komfortablen Arbeitszimmer seines herrschaftlichen Heimes�
Hendrik st�hnte wieder. Da �ffnete sich die T�r. Es war Frau Bella, die eintrat. Es war seine Mutter.
�Mir kam es vor, als h�tte ich hier Stimmen geh�rt�, sagte sie. �Hattest du noch Besuch, mein Lieber?�
Er wandte ihr langsam das fahle Gesicht zu. �Nein�, sagte er leise. �Es war niemand hier.�
Sie l�chelte: �Wie man sich irren kann!� Dann trat sie n�her an ihn heran. Er bemerkte jetzt erst, da� sie sich im Gehen mit einer Handarbeit besch�ftigte: es war ein gro�es wollenes St�ck, wahrscheinlich sollte es ein Schal werden oder ein Sweater1. �Es tut mir so schrecklich leid, da� ich heute abend nicht im Theater sein konnte�, sagte sie, den Blick auf ihrer Strickerei. �Aber du wei�t ja: meine Migr�ne, ich f�hlte mich gar nicht gut. Wie war es denn? Sicher ein gro�er Erfolg? Erz�hl doch ein bi�chen!�
Er antwortete mechanisch und starrte sie an aus Augen, die an ihr vorbeizusehen und sie doch, mit einer sonderbaren zerstreuten Gier, zu verschlingen schienen: �Ja, es war ein Erfolg.�
�Das dachte ich mir�, nickte sie befriedigt. �Aber du siehst angegriffen aus. Fehlt dir irgend etwas? Soll ich dir einen Tee machen?�
Er sch�ttelte stumm den Kopf.
Sie lie� sich neben ihm, auf der breiten Lehne des Sessels, nieder. �Deine Augen sind so merkw�rdig.� Sie betrachtete ihn besorgt. �Wo ist deine Brille?�
�Zerbrochen.� Er versuchte zu l�cheln; der Versuch mi�lang. Frau Bella ber�hrte mit den Fingerspitzen seinen kahlen Kopf. �Wie dumm!� sagte sie, zu ihm geneigt.
Da begann er zu weinen. Er warf den Oberk�rper nach vorne, seine Stirne sank in den Scho� der Mutter, seine Schultern wurden vom Weinkrampf gesch�ttelt.
Frau Bella war an die nerv�sen Zust�nde ihres Sohnes gew�hnt. Trotzdem erschrak sie. Ihr Instinkt begriff, da� dieses Schluchzen andere, tiefere und schlimmere Gr�nde hatte als die kleinen Zusammenbr�che, die er sich h�ufig g�nnte.
�Aber was ist denn - was ist denn��, redete sie. Ihr Gesicht, das dem des Sohnes so glich - aber unschuldiger und zugleich erfahrener schien als das seine -, war nahe bei ihm. Sie sp�rte an ihren H�nden die Feuchtigkeit seiner Tr�nen. Er griff mit einer heftigen Geb�rde nach ihrem Hals, als wollte er sich an ihm festklammern. Ihre Dauerwellenfrisur geriet in Unordnung. Sie h�rte, wie Hendrik keuchte und st�hnte. Ihr Herz f�llte sich bis zum Rande mit Mitleid. Mitleidend verstand sie alles. Sie begriff seine ganze Schuld, sein gro�es Versagen und die verzweifelt ungen�gende Reue, und warum er hier liegen mu�te und schluchzen. �Aber Heinz!� fl�sterte sie. �Aber Heinz - so beruhige dich doch! So arg ist es doch nicht! Aber Heinz��
Unter dieser Anrede, unter diesem Namen der jungen Jahre, den sein Ehrgeiz und sein Hochmut weggeworfen hatten, wurde sein Weinen erst noch heftiger; dann aber lie� es nach. Seine Schultern ruhten. Sein Gesicht blieb stille auf Frau Bellas Knien.
Es waren Minuten vergangen, als er sich langsam aufrichtete. In seinen Augenwimpern hingen noch Tr�nen, und Tr�nen waren es noch, die seine Wangen befeuchteten, seine sieghaft geschwungenen Lippen, von denen so viele verf�hrt worden waren, und das edle Kinn, das er stolz zu recken wu�te in den Stunden des Triumphes und das jetzt j�mmerlich bebte. W�hrend sein ersch�pftes, tr�nennasses Antlitz ein wenig nach hinten sank, rief er, die Arme mit sch�ner, klagender, hilflos-hilfesuchender Geste gebreitet:
�Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gew�hnlicher Schauspieler!�
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