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Mephisto

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Mephisto
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��Denn alles, was entsteht,

Ist wert, da� es zugrunde geht;

Drum hesser war's, da� nichts entst�nde.�

Nun bewegt er sich nicht mehr, der gar zu gewandte Harlekin. Nun steht er regungslos. Ist er vor Jammer erstarrt? Unter der bunten Landschaft aus Schminke haben seine Augen jetzt den tiefen Blick der Verzweiflung. M�gen die Engel frohlocken um Gottes Thron - sie wisssen nichts von den Menschen. Der 'Teufel wei� von den Menschen, er ist eingeweiht in ihre argen Geheimnisse, ach, und der Schmerz �ber sie lahmt seine Glieder und l��t seine Miene versteinern zur Maske der Trostlosigkeit -

Nach der �Faust�-Premiere, die mit Ovationen endet, verschlie�t sich der Schauspieler H�fgen in seine Garderobe: er will niemanden sehen. Eine Besucherin aber wagt der kleine Bock nicht abzuweisen. Es kommt selten vor, da� Dora Martin sich Vorstellungen ansieht, in denen sie selbst nicht besch�ftigt ist. Ihre Anwesenheit heute abend hat Aufsehen gemacht. Der kleine Bock verneigt sich tief vor ihr und �ffnet die T�r zum Heiligtum: zu Hendrik H�fgens Garberobe.

Beide sehen �beranstrengt aus, sowohl H�fgen als auch seine Kollegin und Konkurrentin: Er ist mitgenommen und ersch�pft von den Ekstasen des Spiels, die hinter ihm liegen; sie von Sorgen, die ihm unbekannt sind.

�Es war gut�, sagt die Martin leise und sachlich; sie hat sich sofort auf einen Stuhl gesetzt, ehe er ihn ihr noch anbieten konnte. Auf dem schmalen Sessel kauert sie sich zusammen, ihr Gesicht, mit der hohen Stirn, den weiten, kindlich sinnenden Augen, steckt tief im Kragen des braunen Pelzes. �Es war gut, Hendrik. Ich wu�te, da� Sie das k�nnen. Der Mephisto ist Ihre gro�e Rolle.�

H�fgen, der am Schminktisch sitzend ihr den R�cken wendet, l�chelt ihr durch den Spiegel zu. �Sie sagen das nicht ohne Bosheit, Dora Martin.�

Sie erwidert, immer noch mit dem ruhigen, sachlichen Ton: �Sie irren sich, Hendrik. Ich nehme es niemandem �bel, da� er ist, wie er ist.�

Nun wendet Hendrik ihr sein Gesicht zu, von dem er die Teufelsbrauen und die Farbenpracht auf den Lidern entfernt hat. �Danke, da� Sie heute abend gekommen sind�, sagt er weich und l��t die Augen schimmern.

Aber sie winkt ab, fast ver�chtlich, als wolle sie sagen: Lassen wir doch nun diese Scherze! - Er scheint ihre Geste zu �bersehen und erkundigt sich z�rtlich: �Was sind Ihre n�chsten Pl�ne, Dora Martin?�

�Ich halse englisch gelernt�, antwortet sie.

Er macht ein erstauntes Gesicht. �Englisch? Wieso das? Warum grade englisch?�

�Weil ich in Amerika Theater spielen werde�, sagt Dora Martin, ohne den ruhigen, pr�fenden Blick von ihm zu wenden.

Da er immer noch den Verst�ndnislosen spielt und wissen wilclass="underline" Wieso? und: Warum gerade in Amerika? - spricht sie mit einer gewissen Ungeduld: �Weil hier Schlu� ist, mein Lieber. Ist Ihnen das noch nicht aufgefallen?�

Da ereifert er sich. �Aber was reden Sie, Dora Martin! F�r Sie wird sich doch nichts ver�ndern! Ihre Position ist doch unersch�tterlich! Sie werden doch geliebt - wirklich geliebt von so vielen Tausenden! Keiner von uns - Sie wissen es doch -, keiner von uns empf�ngt so viel liebe wie Sie!�

Hier wird ihr L�cheln so traurig und h�hnisch, da� er verstummt. �Die Liebe von vielen Tausenden!� macht sie, beinah tonlos vor Verachtung. Dann zuckt sie die Achseln. Und, nach einem Schweigen, an Hendrik vorbei, ins Leere: �Man wird andere Lieblinge finden.�

Er schwatzt aufgeregt weiter. �Aber die Theater machen doch Gesch�fte! Das Theater wird die Leute immer interessieren, was sonst auch in Deutschland geschieht.�

�Was sonst auch in Deutschland geschieht�, wiederholt Dora Martin leise und, steht pl�tzlich auf. �Ja, dann w�nsche ich Ihnen also alles Gute, Hendrik�, sagt sie schnell. �Man wird sich lange nicht sehen. Ich reise schon dieser Tage.�

�Schon dieser Tage?� erkundigt er sich verwirrt; und sie erwidert, den dunklen Blick in die Ferne gerichtet:

�Es hat keinen Sinn, noch zu warten. Ich habe hier nichts mehr zu suchen.� Nach einer Pause f�gt sie hinzu: �Aber Ihnen wird es schon gut gehen, Hendrik H�fgen - was sonst auch in Deutschland geschieht.�

Ihr Gesicht unter der r�tlichen F�lle des Haares - ein etwas zu gro�es Gesicht f�r. den schmalen und kleinen K�rper - hat Z�ge von Stolz und Gram, w�hrend sie langsam auf die T�re zugeht und Hendrik H�fgens Garderobe verl��t.

Wehe, der Himmel �ber diesem Lande ist finster geworden. Gott hat sein Antlitz weggewendet von diesem Lande, ein Strom von Blut und Tr�nen ergie�t sich durch die Stra�en aller seiner St�dte.

Wehe, dieses Land ist beschmutzt, und niemand wei�, wann es wieder rein werden darf - durch welche Bu�e und durch welch gewaltigen Beitrag zum Gl�ck der Menschheit wird es sich ents�hnen k�nnen von so riesiger Schande? Mit dem Blut und den Tr�nen spritzt der Dreck von allen Stra�en aller seiner St�dte. Was sch�n gewesen ist, wurde besudelt, was wahr gewesen ist, wurde niedergeschrien von der L�ge.

Die dreckige Luft ma�t sich die Macht an in diesem Lande. Sie br�llt in den Versammlungss�len, aus den Lautsprechern, aus den Spalten der Zeitungen, von der Filmleinwand. Sie rei�t das Maul auf, und aus ihrem Rachen kommt ein Gestank wie von Eiter und Pestilenz: der vertreibt viele Menschen aus diesem Lande, wenn sie aber gezwungen sind zu bleiben, dann ist das Land ein Gef�ngnis f�r sie geworden - ein Kerker, in dem es stinkt.

Der Schauspieler Hendrik H�fgen befand sich in Spanien, als, dank den Intrigen im Palais des ehrw�rdigen Reichspr�sidenten und Generalfeldmarschalls, jener mit der bellenden Stimme, den Hans Miklas und ihm eine gro�e Anzahl unwissender und verzweifelter Menschen ihren �F�hrer� nannten, Reichskanzler wurde. Der Schauspieler Hendrik H�fgen spielte den eleganten Hochstapler in einem Detektivfilm, zu dem die Au�enaufnahmen in der N�he von Madrid gedreht wurden. Nach einem anstrengenden 'l�ge kam er abends m�de ins Hotel zur�ck, kaufte sich beim Concierge Zeitungen, und erschrak. Wie - der gro�sprecherische Geselle, �ber den man sich so h�ufig lustig gemacht hatte im Kreise geistvoller und fortschrittlich gesinnter Genossen - er sollte nun pl�tzlich der m�chtigste Mann im Staate sein?!,Das ist ja scheu�lich', dachte der Schauspieler H�fgen..Eine scheu�liche �berraschung! Und ich war fest davon �berzeugt gewesen, diese Nazis brauchte man nicht ernst zu nehmen! So ein Reinfall!'

Er stand in seinem sch�nen, beigefarbenen Fr�hlingsanzug in der Halle des Hotel Ritz, wo ein internationales Publikum die unheilschwangeren deutschen Vorkommnisse und die Reaktion der B�rse auf sie besprach. Dem armen Hendrik wurde es hei� und kalt, wenn er bedachte, was ihm nun bevorstehen mochte. Zahlreiche Personen, denen er immer nur B�ses angetan, w�rden jetzt vielleicht die M�glichkeit haben, sich an ihm zu r�chen.

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Главный герой
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