Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Mit einem sinnenden Interesse, in dem sich eine echte Anteilnahme mit einer k�hlen und fremden Neugier-de mischt, beobachtet Barbara diesen neuen Elan ihres Gatten. Halb sp�ttisch, halb bewundernd sieht sie Hendrik zu, der im wehenden Ledermantel und auf beschwingten Sandalen sich immer unterwegs, stets in Aktion und in der N�he gro�er Entscheidungen zu befinden scheint. Barbara ist zu Hendrik zur�ckgekehrt, wie es ihr von ihrem Freund Sebastian prophezeit worden ist. Sie bereut es nicht. Der verwandelte, h�chst gespannte Hendrik, mit dem sie nun zwei billige m�blierte Zimmer bewohnt, gef�llt ihr besser als der provinzielle Liebling, der schon Fett ansetzte, im H. K. Cercle hielt und in der gem�tlichen Wohnung der Frau Konsul M�nkeberg den b�rgerlichen Ehemann zuspielen versuchte. Barbara f�hlt sicli gar nicht so schlecht in den beiden finsteren Stuben, die sie jetzt mit ihrem Hendrik teilt. Sie liebt es, sich abends, nach der Vorstellung, mit ihm in einem tr�ben kleinen Caf� zu treffen, wo ein elektrisches Klavier durch das Halbdunkel klagt, wo die Kuchen aussehen wie aus Leim und Pappe und wo es keine Bekannten gibt.
Es fasziniert Barbara, Hendriks bebenden, gehetzten Berichten �ber den Fortgang seiner Karriere zu lauschen. In solchen Augenblicken wei� sie: er ist echt.
Voll fieberhaftem Eifer setzt Hendrik seine Hoffnungen, Pl�ne, Berechnungen auseinander; da� Barbara an ihnen Anteil nimmt, sich ihnen nicht mehr hochmutsvoll verschlie�t, steigert sein Lebensgef�hl, erh�ht seinen Ehrgeiz. Ja, Barbara macht sich auf aktive Weise verdient um seine Laufbahn. Nicht umsonst hat sie ein so durchtriebenes Madonnengesiclit. Sie ist schlau, zieht ihr schwarzes Seidenkleid an und besucht den Professor, dem sie Gr��e von ihrem Vater, dem Geheimrat, bringt. Der gro�e Herr �ber alle Theater am Kurf�rstendamm- empf�ngt die Gattin seines jungen Schauspielers gn�dig, weil sie die Tochter des Geheimrats ist, dessen Namen man so oft in den Zeitungen liest und den er neulich beim Minister getroffen hat. Das Palais des Professors k�nnte das eines regierenden F�rsten sein. Wohlgef�llig schaut der Besitzer all dieser Barockm�bel, Gobelins und alten Meisterbilder auf die br�unlichen Arme und auf das pfiffig-nielandiolische Gesicht seiner Besucherin. �Na, und Sie sind also verheiratet mit - diesem H�fgen�, sagt er knarrend, als Abschlu� der langen Musterung, wobei er besonders ausf�hrlich mit der Zunge in den Backen spielt. �Irgend etwas mu� ja wohl an ihm sein��
Dies alles gereicht nat�rlich Hendrik zu gro�em Vorteiclass="underline" mit den �brigen Machthaber!! an den Kurf�rstendamm-B�hnen, mit Herrn Katz und mit Fr�ulein Bernhard, steht er ohnedies ausgezeichnet.
Sch�ner Anfang f�r eine Berliner Karriere - fl�stern die Kollegen sich zu. Seine h�bsche Frau besucht denn Professor, mit Katz spielt er Karten, und Fr�ulein Bernhard kitzelt er am Kinn. Aus dem kann was werden! Aus dem wird etwas: es ist bald soweit. Erst ist es nur eine kleine Rolle, in welcher man ihn bemerkt; aber man bemerkt ihn, die Zeitungen erw�hnen schon den �begabten Herrn Henrik H�fgen�, und er hat in dem russischen St�ck doch nur einen betrunkenen jungen Bauern spielen d�rfen, der auf die B�hne taumelt, um zun�chst zu lallen, dann jedoch zu tanzen. Aber wie er lallt und, vor allem, wie er tanzt! Das Berliner Publikum ist hingerissen von dem gelehrigen Sch�ler der Prinzessin Tebab: es bricht in Beifall aus, da er geendigt hat. Mit welcher Besessenheit dieser Bursche die Glieder wirft! Alle Welt ist des Lobes voll �ber den ekstatischen Ausdruck, den man auf seiner Miene bemerkt haben will w�hrend des Tanzes. Rose Bernhard, die am B�fett Herren von der Presse und Damen aus der Gesellschaft um sich versammelt, konstatiert: �Es ist etwas Bacchantisches an diesem Menschen.�
Das Publikum, abgelenkt durch tausend Sorgen und Vergn�gungen, vergi�t wieder den Namen des frenetischen T�nzers. Aber die Eingeweihten - die, auf welche es ankommt - merken sich Hendriks ersten Berliner Erfolg. Und von seinem zweiten spricht die Hauptstadt.
In einem sensationellen St�ck, in einer aufsehenerregenden Inszenierung, gelingt es dem Schauspieler H�fgen, vom Interesse des Publikums und der Presse auf sich den gr��ten Teil zu versammeln. �ber seine Leistung wird noch mehr gerodet als �ber den Autor des erregenden Dramas �Die Schuld� - jenen geheimnisvollen Unbekannten, dessen r�tselhafte Person in den Caf�s und Theaterkanzleien, in den Salons und Redaktionsb�ros das beliebteste Diskussionsthema ausmacht. Wer ist der Dichter, der sich hinter dem Pseudonym Richard Loser verbirgt und der in seiner Trag�die eine so ersch�tternde Menge von s�ndigem Elend, Not und Verirrung gestaltet? Wo findet man ihn, diesen Begnadeten, der uns durch ein Labyrinth tragischer und schmutziger Komplikationen f�hrt, der soviel Entartung, verderbte Leidenschaft, soviel Qual und Jammer kennt und zeigt? Keine Frage: der Autor dieses schaurig-spannenden Dramas, das die verschiedenartigsten stilistischen Elemente - symbolische wie naturalistische - auf wirkungsvolle und k�hne Art in sich vereinigt, mu� ein Abseitiger sein; ein Einsamer, der sich fernh�lt vom Betrieb des Marktes. Die Literaten - immer von Mi�trauen erf�llt gegen ihren eigenen Beruf- schw�ren: Dieser ist kein Literat. Er hat keine Routine, alles an ihm ist geniale Urspr�nglichkeit. Niemals hat er eine Zeile geschrieben bis zu diesem l�ge. Ein junger Nervenarzt - wollen einige besonders Eingeweihte wissen, und er lebt in Spanien. Auf Briefe antwortet er nicht, die Verhandlungen mit ihm sind durch mehrere Mittelsleute zu f�hren: alles dies wird ungeheuer interessant gefunden, man bespricht es fieberhaft in den Kreisen, die auf sich halten.
Ein junger Nervenarzt, und er lebt in Spanien: die Version hat viel Wahrscheinlichkeit, man glaubt sie, sie setzt sich durch. Nur ein Nervenarzt kann so bewandert sein in jenen Entartungen der Menschenseele, die zu grausigen Verbrechen f�hren. Wie der sich auskennt! In seinem Drama kommen alle S�nden vor. Es ist eine Gesellschaft von Verfluchten, die hier handelt und leidet. Jede Person, die auftritt, scheint ein finsteres Zeichen auf der Stirn zu tragen: dar�ber sind die Damen aus dem Grunewald und vom Kurf�rstendamm ganz entz�ckt.
Von allen Verkommenen der Verkommenste aber ist Hendrik H�fgen, weshalb er auch den st�rksten Beifall hat. Seiner fahlen, teuflischen Miene, seiner belegten und matten Stimme ist es anzumerken, da� er mit allen Lastern vertraut ist und sogar noch finanziellen Vorteil aus ihnen zieht. Augenscheinlich ist er ein Erpresser gro�en Stils; aasig l�chelnd, bringt er junge Menschen skrupellos ins Ungl�ck, einer von ihnen begeht Selbstmord auf offener B�hne, Hendrik, die H�nde in den Hosentaschen, die Zigarette im Mund, das Monokel vorm Auge, schlendert an der Leiche vorbei. Unter Schauern empfindet das Publikum: Dieser ist die Inkarnation des B�sen. Er ist so durchaus, so vollkommen b�se, wie es nur ganz selten vorkommt. Manchmal scheint er selber zu erschrecken �ber seine absolute Schlechtigkeit; dann bekommt er ein starres, wei�es Gesicht, die fischigen Edelsteinaugen haben ein trostloses Schielen, und an den empfindlichen Schl�fen vertieft sich der Leidenszug.
H�fgen spielt dem wohlhabenden Publikum des Berliner Westens die �u�erste Entartung vor, und er macht Sensation. Die Verworfenheit als Delikatesse f�r reiche Leute: damit schafft es H�fgen. Wie er es schafft! Sein zugleich m�des und gespanntes Mienenspiel wird be-vundert, sehr bewundert werden seine nachl�ssig weichen, anmutig t�ckischen Geb�rden. �Er bewegt sich wie eine Katze!� schw�rmt Fr�ulein Bernhard, die sich von ihm �Rose� nennen l��t. �Eine b�se Katze! oh, wie himmlisch b�se er ist!� Seine Sprechweise - ein heiseres Fl�stern, aus dem zuweilen ein bezauberndes Singen wird - kopieren schon die Kollegen von den kleineren B�hnen. - �Habe ich nun nicht recht gehabt? Es ist etwas los mit ihm�, sagt Dora Martin zum Professor, der nicht l�nger widersprechen kann. �Na ja��, bringt er knarrend hervor, bewegt die Zunge im Munde und blickt gr�blerisch. Im Grunde nimmt er �diesen H�fgen� noch immer nicht ernst; so wenig ernst, wie Oskar H. Kroge es je getan hat.,Ein Kom�diant', denkt der Professor, wie Kroge.