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Mephisto

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Mephisto
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Ein faszinierender Kom�diant: die Kritiker finden es, die reichen Damen finden es, Fr�ulein Bernhard findet es, die Kollegen k�nnen es nicht mehr leugnen. Das St�ck �Die Schuld� verdankt seine au�ergew�hnliche Zugkraft zu gro�en Teilen der Leistung H�fgens. Es kann hundertmal hintereinander gespielt werden, der Professor verdient schweres Geld: Das Unglaubliche geschieht: er erh�ht Hendriks Gage noch w�hrend der Saison, wozu kein Vertrag ihn verpflichtet - Fr�ulein Bernhard, und Herr Katz haben dies durchgesetzt bei ihrem illustren Chef.

Vielleicht h�tte das St�ck selbst hundertf�nfzig- oder zvveihundertmal gegeben werden k�nnen; aller allm�hlich dringen Ger�chte �ber den Autor durch, die ern�chternd wirken. Er ist gar kein sonderbarer Nervenarzt in Spanien, hei�t es pl�tzlich. Er ist kein Au�enseiter, der nur mit den Abgr�nden der menschlichen Seele vertraut ist, unschuldig, unwissend aber in den banalen Mysterien des �Betriebs�. Er ist �berhaupt kein edler Unbekannter, sondern einfach Herr Katz, �ber den jeder sich schon mal ge�rgert hat. Die Entt�uschung ist allgemein.. Herr Katz, der routinierte Gesch�ftsmann, hat das Drama �Die Schuld� geschrieben! Pl�tzlich finden alle, das St�ck sei nur eine H�ufung von vulg�ren Greueln, so geschmacklos wie unbedeutend. Man f�hlt sich hereingelegt und ist der Ansicht, das Ganze sei eine gro�e Frechheit von Herrn Katz. Ist Herr Katz Dostojewski? Seit wann denn? fragt man sich gereizt in den Kreisen, die den Ton angeben. Herr Kat/. ist der gesch�ftliche Berater des Professors - was �brigens als beneidenswerte Stellung gilt. Niemand billigt ihm das Recht zu, sich als spanischen Nervenarzt auszugeben und in Abgr�nde zu steigen. Das Drama �Die Schuld� mu� abgesetzt werden.

Eine launische �ffentlichkeit l��t Katz fallen; H�fgen aber hat sich durchgesetzt und mittels seiner erstaunlichen B�sheit definitiv alle Herzen erobert. Beim Ende seiner ersten Berliner Saison kann er zufrieden und guter Dinge sein: Man erkl�rt ihn allgemein als die Gr��e von morgen, als den aufsteigenden Stern, als die bedeutende Hoffnung. Sein Vertrag f�r die n�chste Spielzeit, 1929/30, sieht schon ganz anders aus als der abgelaufene: die Gage ist ihm fast verdreifacht worden, der Professor mu�te es knurrend und knarrend geschehen lassen, denn die Konkurrenz ist hinter H�fgen her. �Na, nun k�nnen Sie sich reichlich frische Hemden und Lavendelwasser leisten�, sagt der Professor zu seinem neuen Star. Dieser erwidert, gewinnend l�chelnd: �Kau de Cologne, Herr Professor! Ich benutze nur Eau de Cologne!� -

Der Sommer ist da, Hendrik gibt die zwei tr�ben Stuben auf, mietet sich eine helle Wohnung im Neuen Westen, am Reichskanzlerplatz, kauft sich zahlreiche Hemden, gelbe Schuhe und zartfarbene Anz�ge, nimmt Unterricht in der Kunst des Chauffierens1 und verhandelt mit mehreren Firmen wegen des Ankaufs eines schicken Kabrioletts2, welches er zum Reklamepreis beansprucht� - Barbara fahrt zur Generalin aufs Gut. Der erfolgreiche Gatte interessiert sie weniger, als der k�mpfende, der von unbefriedigtem Ehrgeiz bebende sie interessiert hat. Frau von Herzfeld kommt zu Besuch, um Hendrik bei der Einrichtung seiner neuen Wohnung zu helfen: Sie w�hlt Stahlm�bel aus, und als Schmuck f�r die W�nde Reproduktionen nach van Gogh und Picasso. Die R�ume behalten eine Kahlheit von elegantem, anspruchsvollem Gepr�ge. - Hendrik genie�t Frau von Herzfelds Bewunderung, nimmt ihre Liebe, die noch gewachsen zu sein scheint, entgegen wie einen wohlverdienten Tribut. Heclda hat nun auf jede ironische Maske ihm gegen�ber verzichtet. Mit einer wehm�tigen Gier, einer resignierten S�chtigkeit h�ngen ihre sanften, goldbraunen Augen an dem grausamen Angebeteten. �Die arme Siebert sieht ganz bla� aus vor lauter Sehnsucht nach Ihnen�, berichtet sie und verschweigt, da� sie ihrerseits sich einmal so weit hat gehenlassen, mit Angelika zusammen zu weinen - bitterlich und lange zu weinen um den Verlorenen, den sie niemals besessen hat.

Frau von Herzfeld darf H�fgen zu den Filmateliers begleiten; denn in diesem Sommer filmt er zum erstenmal. In dem Kriminalfilm �Haltet den Dieb!� hat er die f�hrende Rolle des gro�en Unbekannten und geheimnisvollen �belt�ters, der meist mit einer schwarzen Maske vorm Gesicht erscheint. Schwarz ist alles an ihm, selbst �das Hemd: die Farbe der Kleidung l��t auf die Finsternis der Seele schlie�en. Er wird �der Schwarze Satan� genannt und ist der Ghef einer Bande, die Falschgeld fabriziert, Rauschgifte schmuggelt, gelegentlich Bankeinbr�che ver�bt und auch schon mehrere Morde auf dem Gewissen hat. Soviel Untaten ver�bt der Schwarze Satan nicht nur aus Habgier oder Spa� am Abenteuer, sondern auch aus prinzipiellen Gr�nden. D�stere Erfahrungen, die er einst mit einem jungen M�dchen gemacht, haben ihn zu einem Feind der Menschheit werden lassen. Es ist ihm ein Herzensbed�rfnis, Schaden und Unheil zu stiften, er ist �belt�ter aus �berzeugung: dieses gesteht er, kurz vor seiner Verhaftung, dem Kreis der Kumpane, die sich wundern und f�rchten; denn sie ihrerseits haben aus weniger komplizierten Gr�nden gestohlen. Sie murmeln ehrfurchtsvoll und betroffen, da sie erfahren, wie seltsam es um ihren Chef, den Schwarzen Satan, steht, und da�. er keineswegs immer Verbrecher, vielmehr Husarenoffizier gewesen ist. Im Verlaufe dieser dramatischen Szene nimmt der B�sewicht seine Maske ab: sein Gesicht, zwischen dem steifen schwarzen Hut und dem hochgeschlossenen dunklen Hemd, ist von schauriger Bl�sse, �brigens immer noch aristokratisch bei aller Verkommenheit und nicht ohne tragischen Zug.

Die ma�gebenden Herren der gro�en Filmgesellschaft sind h�chst beeindruckt von dieser grausamen und leidvollen Miene. H�fgen bringt �berraschungen, er ist eigenartig und wird gute Kassen machen, sowohl in der Hauptstadt als auch in der Provinz; so sagen sich die ma�gebenden Herren, und die Angebote, die Hendrik von ihnen empf�ngt, �bertreffen all seine Hoffnungen. Ei" mu� sie teilweise ablehnen; sein Vertrag mit dem Professor bindet ihn. Da er sich rar macht, werden die Film-gewaltigen erst recht wild auf ihn. Sie setzen sich mit Herrn Katz und Fr�ulein Bernhard in Verbindung und bieten erhebliche Abstandssummen, wenn man ihnen den Schauspieler H�fgen f�r einige Wochen in der Saison �berl��t. Fs wird viel telefoniert, korrespondiert und verhandelt. Bernhard und Katz sind anspruchsvoll; selbst f�r schweres Geld wollen sie nicht auf ihren Liebling verzichten. H�fgen ist der Umworbene. Alle wollen ihn haben. Er sitzt in seiner kahlen und feinen Wohnung mit den Stahlm�beln, l�chelt aasig und glossiert mit sp�ttisch �berlegenen Worten den Kampf zwischen B�hne und Film um seine kostbare Person.

Dieses ist die Karriere! Der gro�e Traum verwandelt sich in Wirklichkeit. Man mu� nur innig genug tr�umen k�nnen - denkt Hendrik -, und aus dem k�hnen Wunschbild wird die Realit�t. Ach, sie ist herrlicher, als man es jemals zu tr�umen gewagt! In jeder Zeitung, die er aufmacht, findet er nun seinen Namen - die erfahrene Bernhard sorgt f�r solche Publizit�t -, und jetzt wird er immer richtig geschrieben, in schon beinah ebenso fetten Lettern wie die Namen jener altbew�hrten Stars, deren Ruhm man einst, in der Kantine des Provinztheaters, neidisch verfolgt hat. Auf der Titelseite bringt eine wichtige Illustrierte Hendriks Bild. Was f�r ein Gesicht wird Kroge machen, wenn er es sieht! Und Frau Konsul M�nkeberg? Und der Geheimrat Bruckner? Alle, die sich H�fgen gegen�ber skeptisch und ein wenig hochm�tig verhalten haben, werden ehrfurchtsvoll zusammenschauern angesichts seiner Karriere, die nun in schwindelerregend steiler Kurve nach oben f�hrt.

Am Ende der Spielzeit 1929/30 steht Hendrik H�fgen unvergleichlich gr��er da als an ihrem Beginn. Alles ist ihm gegl�ckt, aus jedem Unternehmen wurde der Triumph. In den Theatern des Professors hat er schon beinahe mehr zu sagen als der Chef selber - der sich �brigens selten in Berlin aufh�lt, sondern meist in London, Hollywood oder Wien. H�fgen beherrscht Herrn Katz und die Dame Bernhard; l�ngst kann er es sich leisten, mit beiden ebenso ungeniert umzuspringen, wie er mit Schmitz und Frau von Heizfeld umzuspringen pflegte. H�fgen bestimmt, welche St�cke angenommen, welche abgelehnt werden, und mit der Bernhard zusammen teilt er den Schauspielern ihre Rollen zu. Die Dichter, die aufgef�hrt weiden wollen, umschmeicheln ihn; die Schauspieler, die auftreten wollen, umschmeicheln ihn; die Gesellschaft - oder der Kl�ngel von reichen Snobs, der sich so nennt - umschmeichelt ihn: denn er ist der Mann des Tages.

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Главный герой
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