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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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In Alexejs Haus war alles nicht ernst und nicht solide; Pjotr sah, daß der Unterschied zwischen seinem Leben und dem seines Vetters beinahe ebenso groß war, wie der zwischen einem Kloster und einer Jahrmarktsbude. Alexej und dessen Frau hatten in der Stadt keine Freunde, aber in den engen Stuben, die an Rumpelkammern erinnerten und mit abgenützten alten Gegenständen gefüllt waren, versammelten sich an Feiertagen allerhand Menschen von zweifelhaften Qualitäten: der Fabriksarzt Jakowlew, ein spöttischer und böser Mensch mit goldenen Zähnen, der überlaute Techniker Koptew, ein Trunkenbold und Kartenspieler, Mirons Lehrer, ein Student, dem die Polizei das Studium verboten hatte, und seine stumpfnasige Frau, die Zigaretten rauchte und Gitarre spielte. Es kamen noch andere Menschen, die an Ruinen erinnerten, sie schimpften alle mit gleicher Frechheit über die Popen und die Obrigkeit, und es bestand kein Zweifel, daß jeder von ihnen sich für hervorragend gescheit hielt. Artamonow empfand mit seinem ganzen Wesen, daß das nicht die richtige Gesellschaft war, und begriff nicht, wozu Alexej, der Besitzer der Hälfte des großen, bedeutenden Werkes, diese Leute brauchte. Wenn er sie lärmen hörte, fiel ihm die Klage des Popen ein:

»Sie erstreben vieles, aber – nicht die Hauptsache.«

Er fragte sich nicht, was und wo diese Hauptsache wäre, er wußte nur – sie war im Werk.

Der überlaute Zigeuner Koptew schien Alexejs Liebling zu sein; er machte den Eindruck eines Betrunkenen, in ihm war etwas Ungestümes und scheinbar Gescheites. Er sagte häufiger als die andern: »Das ist alles Unsinn und Philosophie! Die Industrie, das ist das Richtige! Und die Technik.«

Pjotr vermutete aber in ihm etwas Ketzerisches und Zersetzendes.

»Ein gefährlicher Bursche«, sagte er zu Alexej. Der war ganz erstaunt:

»Koptew? Was fällt dir ein? Das ist ein Hauptkerl, ein Geschäftsmann, ein Stier, ein kluger Kopf! Es sollte Tauende solcher Menschen geben!« Und er fügte lächelnd hinzu:

»Wenn ich eine Tochter hätte, würde ich sie ihm zur Frau geben und ihn an das Werk festketten!«

Pjotr wandte sich düster von ihm ab. Wenn man nicht Karten spielte, saß er einsam in seinem wie ein Bett breiten und weichen Lieblingslehnstuhl; er betrachtete, sich am Ohr zupfend, die Menschen, und da er mit keinem von ihnen einverstanden war, hatte er Lust, mit allen zu streiten. Er wollte das nicht nur, weil alle diese Menschen ihn, den Chef des Werkes, gar nicht beachteten, sondern auch noch aus anderen Gründen. Diese Gründe waren ihm unklar, – er verstand es nicht zu reden und flocht nur selten und mit Anstrengung eine Bemerkung ein:

»Der Pope Gleb hat mir von einem Grafen erzählt ...«

Koptew bellte ihn sogleich an:

»Was geht der Graf denn eigentlich Sie an? Gerade Sie? Dieser Graf ist der letzte Seufzer des bäuerlichen Rußlands ...«

Er schrie und zeigte unehrerbietig mit dem Finger in Pjotrs Richtung, und alle übrigen, die ihm lauschten, erinnerten nun auch an Zigeuner, an heimatloses, herumstreichendes Volk.

»Motten«, dachte Pjotr. »Müßiggänger.«

Eines Tages sagte er:

»Es heißt fälschlich: Die Arbeit ist kein Bär, sie läuft nicht in den Wald fort! Die Arbeit ist wohl ein Bär, sie braucht nicht davonzulaufen, sie packt und hält einen fest. Die Arbeit ist der Herr des Menschen.«

»Da haben wir's«, kläffte Koptew. »Wo spricht man so ? Wer spricht so? Hier ist die Gefahr!«

Und Alexej fragte spöttisch:

»Wo hast du das her? Borgst du dir die Gedanken bei Tichon?«

Das erzürnte Pjotr sehr, und er sagte zu Hause zu seiner Frau:

»Pass' auf Jelena auf! Dieser Zigeuner, der Koptew, macht sich mit ihr zu schaffen. Alexej protegiert ihn. Jelena ist ein fetter Bissen und nicht für einen solchen Kerl bestimmt. Sieh dich nach einem Freier für sie um!«

»Was für Freier gibt es denn hier für sie?« sagte Natalia besorgt. »Da müßte man in der Gouvernementsstadt suchen. Es ist wohl auch noch zu früh ...«

»Pass' auf, sonst tut man ihr noch was an«, sagte Artamonow schmunzelnd, was bei seiner Frau ein zweideutiges Lachen hervorrief.

Wenn es ihm gelang, für kurze Zeit dem beschränkten Gebiet der Fabrikssorgen zu entgleiten und sich davon loszureißen, umfing ihn wieder ein dichter Nebel von Menschenhaß und von Unzufriedenheit mit sich selbst. Es gab nur einen lichten Punkt – die Liebe zu seinem Sohn, doch auf diese Liebe fiel der Schatten des kleinen Nikonow, oder sie hielt sich unter der Schwere der Tat in der Tiefe verborgen. Wenn er Ilja ansah, empfand er manchmal das Bedürfnis, ihm zu sagen:

»Das habe ich aus Angst um dich getan.«

Sein Verstand war nicht verschlagen genug und konnte die Tatsache nicht verhehlen, daß diese Angst erst einen Augenblick vor dem Totschlag aufgetaucht war, aber Pjotr begriff, daß nur diese Angst ihn ein wenig rechtfertigen konnte. Im Gespräch mit Ilja vermied er es jedoch, dessen Kameraden auch nur zu erwähnen; er fürchtete, ihm könnte zufällig etwas von dem Verbrechen entschlüpfen, das er zu einer Heldentat verklären wollte.

Er sah, wie sein Sohn schnell heranwuchs, aber sich allmählich ihm entfremdete. Ilja wurde ruhiger, er sprach sanfter mit der Mutter, neckte Jakow, der auch schon Gymnasiast war, nicht mehr, beschäftigte sich gern mit der jüngeren Schwester Tatjana, machte sich in nicht zu scharfer Weise über Jelena lustig; aber in allem, was er sprach, machte sich eine besorgte, versonnene Kühle bemerkbar. Pawel Nikonow wurde durch Miron ersetzt. Die Vettern waren fast unzertrennlich, führten nie versiegende Gespräche und fuchtelten dabei mit den Händen; sie lernten und lasen zusammen, im Garten und in der Laube sitzend. Ilja lebte beinahe gar nicht zu Hause, er tauchte des Morgens beim Tee auf, ging in die Stadt zum Onkel oder mit Miron und dem zottigen, schwarzen Gorizwetow in den Wald; dieser kleine, geschäftige Junge war stachlig wie eine Distel und hatte einen schwänzelnden Gang und spöttische, gleichsam ausgerenkte Augen, die zu schielen schienen.

»Wie kann es dir nur Spaß machen, mit einem solchen Judenjungen umzugehen?« bemerkte Natalia mit Widerwillen gegen ihren Sohn. Pjotr Artamonow sah, daß dessen fein gezeichnete Brauen zusammenzuckten.

»Judenjunge ist ein beleidigender Ausdruck, Mama. Sie wissen, daß Alexander der Neffe unseres Priesters Gleb und folglich ein Russe ist. Er ist der Erste im Gymnasium.«

Die Mutter lachte geringschätzig:

»Die Juden drängen sich überall in die ersten Stellen ein.«

»Woher wissen Sie das?« sagte der Sohn unnachgiebig. »In der Stadt leben vier Juden und sie sind, bis auf den Apotheker, alle arm.«

»Sie haben aber vierzig Judenkinder. Auch in Worgorod und in Nishni gibt es überall Juden ...« Ilja wiederholte mit beleidigender Hartnäckigkeit:

»Judenjunge ist ein häßliches Wort.«

Da klopfte die Mutter mit dem Teelöffel an die Untertasse und schrie errötend:

»Willst du mich belehren? Weiß ich etwa nicht, wie man zu sprechen hat? Ich bin nicht blind, ich sehe, wie dieser Speichellecker allen, sogar Tichon, schmeichelt, darum sage ich auch: umgänglich wie ein Judenjunge. Die Umgänglichen sind aber die Gefährlichen. Ich kannte mal einen solchen Umgänglichen ...«

»Genug!« griff Pjotr streng ein. Ihr waren aber die Tränen nahe, und sie beklagte sich:

»Was ist denn das, Pjotr Iljitsch? Darf man kein Wort mehr sagen?«

Ilja schwieg mit gerunzelter Stirne, und die Mutter erinnerte ihn:

»Ich habe dich doch geboren!«

»Ich danke«, sagte Ilja, die leere Tasse fortschiebend. Der Vater sah ihn von der Seite an und schmunzelte, sich am Ohr zupfend.

Er hörte aus den Worten seiner Frau heraus, daß sie ihren Sohn ebenso fürchtete, wie vorher die Petroleumlampen und erst kürzlich die komplizierte Kaffeemaschine, ein Geschenk von Olga; sie dachte immer, die Kaffeemaschine müsse explodieren. Etwas, das an die komische Angst der Mutter vor dem Sohn erinnerte, empfand auch der Vater selbst ihm gegenüber. Nicht zu verstehen war der Jüngling, alle drei waren sie nicht zu verstehen! Was interessierte sie an Tichon? Sie saßen des Abends mit ihm vor dem Tor, und Pjotr hörte Tichons mahnende Stimme:

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