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Mephisto

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Mephisto
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Schlielich unterbrach Hfgen das peinlich-stumme Examen, indem er mit seiner singenden Schmeichelstimme bemerkte: Im Leben bin ich unscheinbar, Herr Professor. Aber auf der Bhne Hier richtete er sich auf, breitete berraschend die Arme und lie die Stimme im Metallton leuchten. Auf der Bhne kann ich ganz drollig wirken. Diese Worte begleitete er mit dem aasigen Lcheln. Nicht ohne Feierlichkeit fgte er hinzu: Fr diese Wandlungsfhigkeit hat mein Schwiegervater einmal sehr hbsch charakterisierende Worte gefunden. Bei der Erwhnung des alten Bruckner zog der Professor respektvoll die Brauen hoch. Aber seine Stim-klang kalt, als er nach mehreren Sekunden bedeutungsvollen Schweigens sagte: Na - man knnte es ja mal mit Ihnen versuchen

Hfgen war freudig aufgefahren; der Professor winkte ernchternd ab. Erwarten Sie sich nicht zuviel, sagte er ernst und prfte Hendrik immer noch kalt mit den Augen. Es ist kein groes Engagement, was ich Ihnen anbieten will. - In der Rolle, die Sie hier spielen, wirken Sie gar nicht drollig, sondern ziemlich miserabel. Hendrik zuckte zusammen. Der Professor lchelte ihm freundlich zu. Ziemlich miserabel, wiederholte er grausam. Aber das schadet ja nichts. Man kann es trotzdem versuchen. Was die Gage betrifft Hier wurde des Professors Lcheln beinahe schelmisch, und seine Zunge spielte besonders eifrig im Munde. Wahrscheinlich sind Sie, von Hamburg her, ein relativ anstndiges Einkommen gewohnt. Sie werden sich bei uns zunchst mit weniger zufriedengeben mssen. - Sind Sie anspruchsvoll? Der Professor erkundigte sich in einem Ton, als geschhe es nur aus theoretischem Interesse. Hendrik beeilte sich, zu versichern: Mir liegt gar nichts am Geld. - Wirklich nicht, sagte er mit der glaubwrdigsten Betonung; denn er sah den Professor eine skeptische Grimasse schneiden. Ich bin nicht verwhnt. Was ich brauche, das ist ein frisches Hemd und eine Flasche Eau de Cologne1 auf dem Nachttisch. Der Professor lachte noch einmal kurz. Dann sagte er: Die Details knnen Sie mit Katz besprechen. Ich werde ihn instruieren.

Die Audienz war beendet. Hfgen wurde mit einer Handbewegung entlassen. Gren Sie bitte Ihren Herrn Schwiegervater von mir, sagte der Professor, whrend er schon wieder, die Hnde auf dem Rcken verschrnkt, klein und gedrungen, in napoleonischer Haltung ber den dicken Teppich seines Zimmers schritt.

Herr Kat/. war der Generalsekretr des Professors; er leitete alles Geschftliche in den Theatern des Meisters, sprach schon ebenso knarrend wie dieser und spielte, wie dieser, mit der Zunge in seinen Backen. Die Unterredung /wischen ihm und dem Schauspieler Hfgen fand noch im Lauf desselben Tages statt. Hendrik akzeptierte anstandslos einen Vertrag, den er dem Direktor Schmitz um die Ohren geschlagen haben wrde: denn er war miserabel. 700 Mark Monatsgage - wovon noch die Steuern abgingen -, und bestimmte Rollen waren ihm nicht garantiert. Mute er sich dergleichen bieten lasssen? Er mute wohl, da er nach Berlin wollte und in Berlin unbekannt war. Noch einmal Anfnger sein! Es war nicht leicht und mute ausgehalten werden. Opfer waren zu bringen, wenn man unbedingt nach oben wollte.

Hendrik schickte einen groen Strau gelber Rosen an Dora Martin; den schnen Blumen - die er vom Hotelportier hatte bezahlen lassen - legte er einen Zettel bei, auf den er in groen, pathetisch eckigen Buchstaben das Wort Danke schrieb. Gleichzeitig verfate er einen Brief an die Direktoren Schmitz und Kroge: kurz und trocken setzte er den beiden Mnnern, denen er so vieles schuldig war, auseinander, da er, zu seinem Bedauern, den Vertrag mit dem Knstlertheater nicht erneuern knne, da der Professor ihm ein glnzendes Angebot gemacht habe. Whrend er den Brief ins Kuvert steckte, stellte er sich einige Sekunden lang die bestrzten Mienen in dem Hamburger Bro vor. Beim Gedanken an den trnenfeuchten Blick der Frau von Herzfeld mute er kichern. In sehr animierter Stimmung fuhr er ins Theater.

Er lie sich in Dora Martins Garderobe melden, abe die Kammerfrau bedeutete ihn, da ihre Herrin die site des Professors habe.

Ich habe Ihnen also diesen sonderbaren Gefallen getan, sagte der Professor und schaute sinnend auf Dora Martins Schultern, deren Magerkeit der Frisiermantel bedeckte. Dieser Bursche ist engagiert - dieser - wie heit er noch?

Hfgen, lachte die Martin, Hendrik Hfgen. Sie werden sich den Namen schon noch merken, mein Lieber. Der Professor zuckte hochmtig die Achseln, spielte mit der Zunge in den Backen und brachte knarrende Laute hen'or. Er gefllt mir nicht, sagte er schlielich. Ein Komdiant.

Seit wann haben Sie etwas gegen Komdianten? Die Martin zeigte lchelnd ihre Zhne.

Nur gegen schlechte Komdianten habe ich etwas. Der Professor schien rgerlich. Gegen Provinzkomdianten, sagte er bse.

Die Martin war pltzlich ernst geworden; ihr Blick verdunkelte sich unter der hohen Stirn. Er interessiert mich, sagte sie leise. Er ist ganz gewissenlos, sie lchelte zrtlich, ein ganz schlechter Mensch. Sie dehnte sich, beinah wollstig; dabei lie sie das kindliche, gescheite Haupt in den Nacken sinken. Wir knnten berraschungen mit ihm erleben, sagte sie schwrmerisch zur Decke hinauf.

Einige Sekunden spter erhob sie sich hastig und scheuchte den Professor mit flatternden kleinen Gebrden zur Tr. Es ist hchste Zeit! machte sie lachend. Hinaus! Schnell hinaus mit Ihnen! Ich mu mir meine Percke aufsetzen!

Der Professor, schon zum Ausgang gedrngt, fragte noch: Darf man denn das nicht sehen - wie Sie Ihre Percke aufsetzen? Nicht einmal das?! fragte er und bekam gierige Augen.

Nein, nein - ausgeschlossen! Die Martin schttelte sich vor Entsetzen. Das kommt gar nicht in Frage! Mein i'nsiermantel knnte mir von den Schultern rutschen Uabei hllte sie sich enger in das bunte Tuch.

Die Stimme des Professors klang sehr gepret, als er Schade! sagte. Whrend der berhmte Hexenmeister - den fast alle Frauen seiner Umgebung durch ein gar zu eifriges Entgegenkommen langweilten - die Garderobe verlie, hatte er ein Gefhl, als wrde sich Dora Martin, kaum allein gelassen, hinter seinem Rcken in eine Nixe verwandeln, in einen Kobold oder in ein anderes Geschpf, welches so fremdartig war, da niemand auch nur seinen Namen wute.

Die raffinierte und wunderliche Keuschheit der groen Schauspielerin hatte den Professor so nachdenklich gestimmt, da er den kostmierten Gesellen zunchst gar nicht erkannte, der lchelnd einen bunten Federhut vor ihm zog. Erst nachtrglich fiel ihm ein, da es dieser Hfgen gewesen war, der ihn da mit einer so devoten Koketterie begrt hatte.

Die neue berraschende Situation verjngt Hendrik Hfgen. Hinter ihm liegt der provinzielle Ruhm, der bequem gemacht hat. Er ist wieder Anfnger, mu sich noch einmal bewhren. Um hinauf zu kommen - diesmal ganz hinauf-, mu er alle seine Krfte anspannen. Mit Genugtuung darf er feststellen: sie sind unverbraucht, seine Krfte; sie sind einsatzbereit. Sein Krper strafft sich, beinah gnzlich ist das Fett verschwunden; die Bewegungen sind tnzerisch und kampfeslustig zugleich. Wer so zu lcheln versteht, wer so die Augen schillern lassen kann, der mu Erfolg haben. Schon enthlt seine Stimme Jubel ber Triumphe, die in Wirklichkeit noch gar nicht eingetroffen sind, jedoch nicht lange auf: sich warten lassen knnen.

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