Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Schlie�lich unterbrach H�fgen das peinlich-stumme Examen, indem er mit seiner singenden Schmeichelstimme bemerkte: �Im Leben bin ich unscheinbar, Herr Professor. Aber auf der B�hne�� Hier richtete er sich auf, breitete �berraschend die Arme und lie� die Stimme im Metallton leuchten. �Auf der B�hne kann ich ganz drollig wirken.� Diese Worte begleitete er mit dem aasigen L�cheln. Nicht ohne Feierlichkeit f�gte er hinzu: �F�r diese Wandlungsf�higkeit hat mein Schwiegervater einmal sehr h�bsch charakterisierende Worte gefunden.� Bei der Erw�hnung des alten Bruckner zog der Professor respektvoll die Brauen hoch. Aber seine Stim-klang kalt, als er nach mehreren Sekunden bedeutungsvollen Schweigens sagte: �Na - man k�nnte es ja mal mit Ihnen versuchen��
H�fgen war freudig aufgefahren; der Professor winkte ern�chternd ab. �Erwarten Sie sich nicht zuviel�, sagte er ernst und pr�fte Hendrik immer noch kalt mit den Augen. �Es ist kein gro�es Engagement, was ich Ihnen anbieten will. - In der Rolle, die Sie hier spielen, wirken Sie gar nicht drollig, sondern ziemlich miserabel.� Hendrik zuckte zusammen. Der Professor l�chelte ihm freundlich zu. �Ziemlich miserabel�, wiederholte er grausam. �Aber das schadet ja nichts. Man kann es trotzdem versuchen. Was die Gage betrifft�� Hier wurde des Professors L�cheln beinahe schelmisch, und seine Zunge spielte besonders eifrig im Munde. �Wahrscheinlich sind Sie, von Hamburg her, ein relativ anst�ndiges Einkommen gewohnt. Sie werden sich bei uns zun�chst mit weniger zufriedengeben m�ssen. - Sind Sie anspruchsvoll?� Der Professor erkundigte sich in einem Ton, als gesch�he es nur aus theoretischem Interesse. Hendrik beeilte sich, zu versichern: �Mir liegt gar nichts am Geld. - Wirklich nicht�, sagte er mit der glaubw�rdigsten Betonung; denn er sah den Professor eine skeptische Grimasse schneiden. �Ich bin nicht verw�hnt. Was ich brauche, das ist ein frisches Hemd und eine Flasche Eau de Cologne1 auf dem Nachttisch.� Der Professor lachte noch einmal kurz. Dann sagte er: �Die Details k�nnen Sie mit Katz besprechen. Ich werde ihn instruieren.�
Die Audienz war beendet. H�fgen wurde mit einer Handbewegung entlassen. �Gr��en Sie bitte Ihren Herrn Schwiegervater von mir�, sagte der Professor, w�hrend er schon wieder, die H�nde auf dem R�cken verschr�nkt, klein und gedrungen, in napoleonischer Haltung �ber den dicken Teppich seines Zimmers schritt.
Herr Kat/. war der Generalsekret�r des Professors; er leitete alles Gesch�ftliche in den Theatern des Meisters, sprach schon ebenso knarrend wie dieser und spielte, wie dieser, mit der Zunge in seinen Backen. Die Unterredung /wischen ihm und dem Schauspieler H�fgen fand noch im Lauf desselben Tages statt. Hendrik akzeptierte anstandslos einen Vertrag, den er dem Direktor Schmitz um die Ohren geschlagen haben w�rde: denn er war miserabel. 700 Mark Monatsgage - wovon noch die Steuern abgingen -, und bestimmte Rollen waren ihm nicht garantiert. Mu�te er sich dergleichen bieten lasssen? Er mu�te wohl, da er nach Berlin wollte und in Berlin unbekannt war. Noch einmal Anf�nger sein! Es war nicht leicht und mu�te ausgehalten werden. Opfer waren zu bringen, wenn man unbedingt nach oben wollte.
Hendrik schickte einen gro�en Strau� gelber Rosen an Dora Martin; den sch�nen Blumen - die er vom Hotelportier hatte bezahlen lassen - legte er einen Zettel bei, auf den er in gro�en, pathetisch eckigen Buchstaben das Wort �Danke� schrieb. Gleichzeitig verfa�te er einen Brief an die Direktoren Schmitz und Kroge: kurz und trocken setzte er den beiden M�nnern, denen er so vieles schuldig war, auseinander, da� er, zu seinem Bedauern, den Vertrag mit dem K�nstlertheater nicht erneuern k�nne, da der Professor ihm ein gl�nzendes Angebot gemacht habe. W�hrend er den Brief ins Kuvert steckte, stellte er sich einige Sekunden lang die best�rzten Mienen in dem Hamburger B�ro vor. Beim Gedanken an den tr�nenfeuchten Blick der Frau von Herzfeld mu�te er kichern. In sehr animierter Stimmung fuhr er ins Theater.
Er lie� sich in Dora Martins Garderobe melden, abe die Kammerfrau bedeutete ihn, da� ihre Herrin die site des Professors habe.
�Ich habe Ihnen also diesen sonderbaren Gefallen getan�, sagte der Professor und schaute sinnend auf Dora Martins Schultern, deren Magerkeit der Frisiermantel bedeckte. �Dieser Bursche ist engagiert - dieser - wie hei�t er noch?�
�H�fgen�, lachte die Martin, �Hendrik H�fgen. Sie werden sich den Namen schon noch merken, mein Lieber.� Der Professor zuckte hochm�tig die Achseln, spielte mit der Zunge in den Backen und brachte knarrende Laute hen'or. �Er gef�llt mir nicht�, sagte er schlie�lich. �Ein Kom�diant.�
�Seit wann haben Sie etwas gegen Kom�dianten?� Die Martin zeigte l�chelnd ihre Z�hne.
�Nur gegen schlechte Kom�dianten habe ich etwas.� Der Professor schien �rgerlich. �Gegen Provinzkom�dianten�, sagte er b�se.
Die Martin war pl�tzlich ernst geworden; ihr Blick verdunkelte sich unter der hohen Stirn. �Er interessiert mich�, sagte sie leise. �Er ist ganz gewissenlos�, sie l�chelte z�rtlich, �ein ganz schlechter Mensch.� Sie dehnte sich, beinah woll�stig; dabei lie� sie das kindliche, gescheite Haupt in den Nacken sinken. �Wir k�nnten �berraschungen mit ihm erleben�, sagte sie schw�rmerisch zur Decke hinauf.
Einige Sekunden sp�ter erhob sie sich hastig und scheuchte den Professor mit flatternden kleinen Geb�rden zur T�r. �Es ist h�chste Zeit!� machte sie lachend. �Hinaus! Schnell hinaus mit Ihnen! Ich mu� mir meine Per�cke aufsetzen!�
Der Professor, schon zum Ausgang gedr�ngt, fragte noch: �Darf man denn das nicht sehen - wie Sie Ihre Per�cke aufsetzen? Nicht einmal das?!� fragte er und bekam gierige Augen.
�Nein, nein - ausgeschlossen!� Die Martin sch�ttelte sich vor Entsetzen. �Das kommt gar nicht in Frage! Mein i'nsiermantel k�nnte mir von den Schultern rutschen�� Uabei h�llte sie sich enger in das bunte Tuch.
Die Stimme des Professors klang sehr gepre�t, als er �Schade!� sagte. W�hrend der ber�hmte Hexenmeister - den fast alle Frauen seiner Umgebung durch ein gar zu eifriges Entgegenkommen langweilten - die Garderobe verlie�, hatte er ein Gef�hl, als w�rde sich Dora Martin, kaum allein gelassen, hinter seinem R�cken in eine Nixe verwandeln, in einen Kobold oder in ein anderes Gesch�pf, welches so fremdartig war, da� niemand auch nur seinen Namen wu�te.
Die raffinierte und wunderliche Keuschheit der gro�en Schauspielerin hatte den Professor so nachdenklich gestimmt, da� er den kost�mierten Gesellen zun�chst gar nicht erkannte, der l�chelnd einen bunten Federhut vor ihm zog. Erst nachtr�glich fiel ihm ein, da� es �dieser H�fgen� gewesen war, der ihn da mit einer so devoten Koketterie begr��t hatte.
Die neue �berraschende Situation verj�ngt Hendrik H�fgen. Hinter ihm liegt der provinzielle Ruhm, der bequem gemacht hat. Er ist wieder Anf�nger, mu� sich noch einmal bew�hren. Um hinauf zu kommen - diesmal ganz hinauf-, mu� er alle seine Kr�fte anspannen. Mit Genugtuung darf er feststellen: sie sind unverbraucht, seine Kr�fte; sie sind einsatzbereit. Sein K�rper strafft sich, beinah g�nzlich ist das Fett verschwunden; die Bewegungen sind t�nzerisch und kampfeslustig zugleich. Wer so zu l�cheln versteht, wer so die Augen schillern lassen kann, der mu� Erfolg haben. Schon enth�lt seine Stimme Jubel �ber Triumphe, die in Wirklichkeit noch gar nicht eingetroffen sind, jedoch nicht lange auf: sich warten lassen k�nnen.